Beiträge

Tag 1: Der beste Freund des Bruders des Verlobten der Schwester der Freundin Fab Ians

von Caroline Wahl

Montag. Sieben Uhr einundzwanzig. Ich liege im warmen Bett und drücke zum dritten Mal auf den Schlummer-Button meines mich wecken wollenden iPhones. Noch sieben Minuten, dann stehe ich wirklich auf. Versprochen.

Montag. Neun Uhr sechs. Verdammt. Eigentlich wollte ich vor der Uni in die Bib gehen, um noch ein paar Texte zu lesen. Ich stelle den iPhone-Wecker aus. Erstmal Facebook. Ich scrolle die Neuigkeiten runter, muss lachen als ich ein Video von einer tanzenden Omi sehe, höre auf zu lachen als ich die gestern hochgeladenen Partybilder von Lena, Kati und Marc sehe. Den Samstagabend habe ich damit verbracht mir schlecht gelaunt Videos von Youtubern reinzuziehen, die einem unter dem Motto „DIY“ (Do it yourself) zeigen wie man eine Banane in ein mit Nutella bestrichenen Tortilla einwickelt oder wie sie einen total aufregenden, „crazy“ Tag mit ihren Youtube-Freunden erleben. Diese jeden Pups dokumentierenden Videos, in denen alles, wirklich alles (keine Banalität ist hier zu banal) festgehalten wird, nennen sie „Vlogs“ (Video-Blog). Ich bezweifle ja, dass man so viel Spaß haben kann, wenn man die ganze Zeit eine Kamera rumtragen muss. Tut da nicht irgendwann die rechte Hand weh? Bestimmt. Und trotzdem müssen sie die ganze Zeit in die Kameras der anderen Youtuber lächeln, die selbstverständlich auch coole Vlogs drehen. Man könnte sie fast ein bisschen bemitleiden. Ich schätze diesen Kindern war genau so langweilig wie mir und dann haben sie sich eine Banane, Nutella, eine Kamera und ein Tortilla genommen und ihnen war nicht mehr langweilig und sie hatten Geld. Ich schreibe Kati im Facebook-Chat: „Hi :)“ und hoffe, dass der Smiley ihr schlechtes Gewissen, das sie zerfrisst, weil sie mich nicht gefragt hat, ob ich Samstag mitkommen möchte, ins Unermessliche steigern wird. Ja, ich hätte Samstagabend Zeit gehabt. Ein Häkchen. Gesehen. Zwanzig Sekunden warte ich. Keine Antwort. OK. Kati, du hast es nicht anders gewollt. Dein Profilbild gefällt mir nicht mehr und dein Titelbild auch nicht mehr. Scheiß Sonnenuntergang. Aber das neue Bild von deinem Freund Marc gefällt mir. Ha.

Montag. Zehn Uhr achtundfünfzig. Sonja hat mich am Samstag zu einer Party in meiner Heimatstadt eingeladen. Eigentlich habe ich schon hier zu einer Veranstaltung zugesagt. Ich scrolle durch die Leute, die zugesagt haben. Einige kenne ich. Die meisten nicht. Fab Ian hat ein sehr cooles Profilbild, auch wenn er sich bei der Zerlegung seines Namens vielleicht ein bisschen zu viel Mühe gegeben hat. Ich stöbere durch sein Profil. Er studiert in Mannheim und verdammt. Fabian ist in einer Beziehung. Seine Freundin heißt Jana und ist sehr hübsch. Die Fotos sind hübsch. Sie ist wahrscheinlich potthässlich. Eh alles bearbeitet.

Montag. Elf Uhr neunundfünfzig. Als ich letztendlich bei dem Profil von dem besten Freund des Bruders des Verlobten der Schwester der Freundin Fabians angekommen bin, beschließe ich, dass es Zeit ist, das Bett zu verlassen. Ich stehe auf, bin noch schlechter gelaunt als Samstagabend und überlege, ob eine in einen Tortilla eingewickelte Banane zum Frühstück meine Laune verbessern würde. Eigentlich mag ich gar keine Bananen. Und Tortilla habe ich auch nicht da, geschweige denn Nutella.

Montag. Dreiundzwanzig Uhr vierzehn. Ich liege mit einer Pizza Hawaii und Laptop im Bett. Lena hat ein neues Foto auf Instagram hochgeladen. Es zeigt sie in einer grauen Sportleggins und einem hautengen, bauchfreien Oberteil. In der linken Hand ein Proteinshake in der rechten das Smartphone, welches die Erfolge im Fitnessstudio dokumentiert. Ein Spiegel-Selfie. Dein Ernst Lena? Vor einer Woche saßt du noch mit mir hier, einen eigenen Pizzakarton auf dem Schoß und wir machten uns über Spiegel-Selfies lustig. Jetzt hast du den Pizzakarton gegen so ein doofen, pinken Fitnessbecher ausgetauscht und machst peinliche Fotos. Ok ich muss zugeben, dass sie sich und insbesondere ihre Bauchmuskeln zeigen lassen kann. Aber trotzdem, es ist und bleibt ein Spiegel-Selfie. Ich schaue mir weitere Fotos auf Instagram an. Aber ich finde nicht das, was ich unbewusst – eher bewusst – suche. Ich finde keine Bestätigung meiner Lebensweise. Keine neuen Foodporn-Bilder von schmelzender Schokolade, keine tanzenden Omis. Nein ganz im Gegenteil. Stattdessen alles voller perfekt durchtrainierter Körper in knappen Bikinis oder Crop Tops und High-Waist-Shorts. Sogar meine Tante zeigt sich mindestens zehn Kilo leichter in einem meines Erachtens für ihr Alter viel zu kurzem Sommerkleid mit der Bildunterschrift: „Remember, as long as you are breathing it’s never too late to start a new beginning“. Seit wann hat sie überhaupt Instagram? Die trainierten Körper und gesunden, grünen mit Chia-Samen und Blaubeeren verzierten Smoothie-Boles verfolgen mich nahezu. Schluss mit Instagram. Facebook. Aber was springt mir da ins Gesicht? Über einer Werbung eines Abnehm-Programms von Detlef Soost steht in grauen, kleinen aber sehr gut lesbaren Buchstaben „Empfohlen“. Wer zur Hölle empfiehlt mir das? Auf welchen meiner Daten beruht diese Empfehlung? Ja mir gefällt „Das Perfekte Dinner“ und ich veröffentliche auch keine Spiegel-Selfies. Aber das ist noch lange kein Grund, mir einen Lebenswandel zu empfehlen. Noch dazu einen solch mühsamen.

Montag. Dreiundzwanzig Uhr fünfunddreißig. Meine Laune hat sich in ein tiefes Loch im Keller vergraben. Nein Detlef you won`t make me sexy. Ich schlage den Laptop zu, schmeiße den leeren Karton in den Müll und verabschiede mich von diesem Arschloch namens Montag. Ich hasse Montage und ich hasse Detlef. Detlef und Lena lieben Montage. Meine Tante nicht zu vergessen. Da bin ich mir sicher.

Montag. Dreiundzwanzig Uhr siebenundfünfzig. Morgen lade ich mir eine Fitness-App runter. Und ich garantiere nicht dafür, dass man von mir nicht bald auch ein sexy Spiegel-Selfie sehen wird. Ha.

 

Foto: flickr.com/JJ (CC BY-NC-ND 2.0)

Eine Woche im Spinnennetz

von Caroline Wahl

„Das Leben wird [der Persönlichkeit] einerseits unendlich leicht gemacht indem Anregungen, Interessen, Ausfüllungen von Zeit und Bewusstsein sich ihr von allen Seiten anbieten und sie wie in einem Strome tragen, indem es kaum noch eigener Schwimmbewegungen bedarf. Andererseits aber setzt sich das Leben doch mehr aus diesen unpersönlichen Inhalten und Darbietungen zusammen, die die eigentlich persönlichen Färbungen und Unvergleichlichkeit verdrängen wollen; so daß nun gerade, damit dieses Persönlichste sich rette, es ein Äußerstes an Eigenart und Besonderung aufbieten muß“[1]

Es ist erstaunlich, wie aktuell die Worte Georg Simmels zu sein scheinen, die aus dem Jahre 1903 stammen und sich damals auf die aufkommenden Großstädte bezogen. Befinden wir uns 113 Jahre später nicht auch alle in einer riesigen digitalen Großstadt? Werden wir nicht auch von allen Seiten überhäuft mit Informationen? Wir verbringen einen Großteil unserer Zeit im Netz. Und dieses Netz wird gesponnen um die ganze Welt, jeden Tag ein bisschen dichter. Jeden Tag wird ein bisschen mehr eingesponnen. Inzwischen ist auch die schnucklige Bäckerei von nebenan im Netz. Und wir sind die Spinnen, die fleißig spinnen. Und gleichzeitig sind wir die Fliegen, die eingesponnen, die eingefangen werden, ohne richtig zu begreifen, was da mit uns passiert. Denn eigentlich ist ja alles super. Alles wird so unendlich leicht gemacht. Wir müssen nicht mehr in die Stadt gehen, um Weihnachtsgeschenke zu besorgen oder in die Bibliothek rennen, um uns Bücher auszuleihen. Stattdessen müssen wir coole Fotos hochladen, uns selbst möglichst individuell darstellen und wehe, wir sind einmal nicht erreichbar. Auch Marie spinnt fleißig mit. Ihr Tag beginnt und endet mit ihrem iPhone. Anstatt aufzustehen, landet sie bei dem Profil des besten Freundes des Bruders des Verlobten der Schwester der Freundin Fabians, einem Jungen, der zu einer Veranstaltung auf Facebook zugesagt hat. Sie versucht ihre Freunde mit Gefällt mir-Däumchen zu verletzen, anstatt mit ihnen zu reden. In dem Strom der Möglichkeiten lässt Marie sich treiben, verliert immer wieder den Kurs in Flirt- oder Spiel-Apps. Aufs Lernen kann sich die Studentin auch nicht konzentrieren. Viel zu viele spannende Ablenkungen lauern überall. So entdeckt sie Sofort-Überweisungen für sich und träumt von der Karriere als Youtuberin, anstatt ein Essay zu schreiben. Aber auch Marie merkt, dass sie nicht einfach offline sein kann, dass sie ganz im Gegenteil immer online sein muss. Denn sonst verpasst sie auf Lernplattformen hochgeladene Probeklausuren oder beleidigt Freunde, indem sie nicht auf unzählige WhatsApp-Nachrichten reagiert. Begleiten wir Marie eine Woche. Sieben Tage, in denen Marie spinnt und sich langsam bewusst wird, wie sehr sie sich selbst einspinnt in das riesige Netz. Begleiten wir Marie eine Woche und nehmen vielleicht auch einfach mal ein Buch in die Hand, anstatt das Smartphone.

Foto: flickr.com/Lukas Litz Obb (CC BY-NC 2.0)


[1] Georg Simmel: Die Großstädte und das Geistesleben. In: Rüdiger Kramte (Hg.): Georg Simmel. Aufsätze und Abhandlungen. Frankfurt 1995, S. 130.

Feindbilder in den Medien

Von Lara Luttenschlager

„Es ist leichter, ein Atom zu spalten als ein Vorurteil“, soll Einstein einmal gesagt haben. Und tatsächlich: Vorurteile, darunter deren negativste und wohl hartnäckigste Form – die Feindbilder – begegnen uns nahezu immer und überall. Auch in den Medien.

Wer bin ich – und wenn ja, gegen wen?

Das passiert aus gutem Grund: Denn die Definition dessen, was gut ist und was wir selbst sein wollen, beginnt paradoxerweise mit der Erfindung des Feindes. Erst durch die Abgrenzung der eigenen Gruppe von einer anderen, sei es durch Nationalität, Ethnizität oder Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht, wissen wir, was uns scheinbar auszeichnet. Als Schwarz-Weiß-Denkmuster weisen Feindbilder bestimmten Personengruppen schlechte, unerwünschte Eigenschaften zu. Sie reduzieren unsere komplexe Umgebung und geben uns so Orientierung und Identität. Unser Feind ist unser Gegenstück. Gleichzeitig wird unser eigenes Selbstwertgefühl enorm gesteigert, wenn wir uns vom bösen und niederträchtigen „Anderen“ distanzieren können. Besser noch: Wir halten angesichts des auserkorenen Feindes auch noch stärker zusammen.

Ein berühmtes Beispiel für diese Art der Ab- und Ausgrenzung zur Festigung der eigenen Identität ist die Erfindung des Orients im 19. Jahrhundert. Als Orientalismus beschreibt Literaturtheoretiker Edward Said die Schaffung des Konzeptes des bedrohlichen, mysteriösen Orients durch die europäischen Kolonialmächte als negatives Spiegelbild zur eigenen, westlichen und „zivilisierten“ Gesellschaft. Ein Bild, das sich bis heute wacker zu halten scheint.

Ein ewiger Kassenschlager

6989367511_9b77fdb8b0_oFür Medien bietet das Feindbild ein ewiges Erfolgskonzept: Wie kann man den Helden eines Films besser definieren als das schillernde Gegenstück zum unverbesserlichen, hässlichen Bösewicht? Was macht eine Geschichte spannender als die Bekämpfung eines bedrohlichen Feindes? Auch in Zeiten auflebender Islam- und Fremdenfeindlichkeit zeigt sich wohl, dass sich kaum ein Thema besser verkauft als eine gesellschaftliche Debatte, die durch ein gutes Feindbild unterfüttert ist. Medien gestalten dabei unsere Wahrnehmung und Weltbilder entscheidend mit. Ihren großen Einfluss auf die ursprüngliche Entstehung und Verbreitung von Feindbildern zeigen nicht zuletzt die Auswirkungen erfolgreicher Propagandamaschinerien in vergangenen Kriegen.

Gefährliche Feindschaften: Warum Feindbilder hinterfragt werden müssen

Doch gerade hier liegen auch die Gefahren: Da Feindbilder sich meist auf Randgruppen oder Minderheiten konzentrieren, ziehen sie in Krisenzeiten Stigmatisierung und Diskriminierung nach sich, dienen als Ventil für angestaute Aggressionen und werden schnell instrumentalisiert. Sie beinhalten moralisch und meist emotional aufgeladene negative Bewertungen von anderen Menschen, die, einmal verinnerlicht, kaum mehr hinterfragt werden und eine richtige Beschäftigung mit dem „Feind“ nahezu ersetzen. Folgen sind generelles Misstrauen, Schuldzuschreibungen und Empathieverweigerung. Der psychologische Wissenschaftler Louis Oppenheimer sieht in Feindbildern gar die Gefahr einer selbsterfüllenden Prophezeiung, da durch die andauernde Stigmatisierung der „out-group“ durch die „in-group“ frustrierte Reaktionen hervorgerufen werden können, die dem Feindbild letztendlich tatsächlich entsprechen.

In den nächsten Wochen wird die neue Artikelreihe Feindbilder in den Medien daher einigen unserer Lieblingsfeinde auf den Leib rücken und neue Einblicke in Phänomene der Feindbildkonstruktion gewähren. Wie sieht eigentlich der perfekte Film-Bösewicht aus? Wie werden in politischen Konflikten Feindbilder durch Handyvideos geschaffen? Und was hat es eigentlich mit Shitstorms und Bashing in den sozialen Netzwerken auf sich?

Fotos: flickr.com/sm0re (CC BY 2.0), flickr.com/Michael Caroe Andersen (CC BY-NC 2.0)

Update completed: Sie sind jetzt vollständig vernetzt

Von Valerie Heck, Miriam Lenz und Anita Mäck

Vollständige Vernetzung, permanentes Einspeisen von Daten und selbstständig miteinander kommunizierende Maschinen – das ist längst kein Zukunftsentwurf mehr. Studenten organisieren den Unialltag über Facebook und WhatsApp. Frischgebackene Mütter tauschen sich in Blogs über Erziehungstipps aus. Familien überprüfen im Urlaub über ein Tablet, ob zu Hause die Tür verschlossen ist. Locked-in-Patienten kommunizieren mit Hilfe von Computern. Sportbegeisterte bekommen immer wieder Werbung für Sneakers, für die sie sich zuvor interessiert hatten. Gesundheitsbewusste überprüfen mit Pulsarmbändern ihre Aktivität.

Es sind alltägliche Kommunikationsmittel und Anwendungen, die zusammenhangslos scheinen, aber zur vollständigen Vernetzung und Profilerstellung führen. Die folgende Artikelreihe beschäftigt sich deshalb damit, was mit uns passiert, wenn wir zunehmend online unterwegs sind, unsere Daten preisgeben und uns auf Maschinen verlassen. Es stellen sich politische und ethische Fragen, wie z. B. wie viel Macht wir Maschinen zugestehen, wie sehr wir uns noch auf unsere eigenen Fähigkeiten verlassen, wie sehr wir zum gläsernen, manipulierbaren Bürger werden und wie sich die Definition von Privatsphäre verändert.

In den kommenden neun Tagen wird täglich ein Artikel veröffentlicht, der eine oder mehrere dieser Fragen behandelt. Das sind die Titel:

  1. Das Identitätsdilemma im digitalen Zeitalter
  2. „Ein Freund, ein guter Freund…“?
  3. Eine Frage der Macht
  4. Die Gedanken sind frei?!
  5. Scrollst du noch oder weißt du’s schon?
  6. Das Streben nach Perfektion
  7. Der errechnete Mensch
  8. Smart Home: Vernetztes Wohnen heute und in Zukunft
  9. Silicon Valley: Die Tech-Elite unter sich

Foto: flickr.com/Sacha Fernandez (CC BY-NC-ND 2.0)

Gewalt als Attraktion

Von Philipp Mang

Gewaltdarstellungen besitzen in unserer Gesellschaft eine lange Tradition: So erzählten sich zum Beispiel bereits die ersten Menschen am Lagerfeuer Horrorgeschichten. Und auch die Höhlenmalereien der Steinzeit beschäftigten sich intensiv mit den grausamen Details der Jagd. Erst mit den technischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts erreichte die mediale Gewalt jedoch ein neues Niveau. Heute existieren ganze Filmgenres, die für ihre schonungslose Brutalität berüchtigt sind (z.B. der Horror- oder Actionfilm). Jeden Sonntag sitzen Millionen von Deutschen vor dem Fernseher, um zuzusehen wie ein Ermittlerteam der Tatort-Reihe ein neues Gewaltverbrechen aufklärt. Und Ego-Shooter, die Jugendliche in die Rolle eines virtuellen Auftragkillers schlüpfen lassen, erklimmen immer häufiger die Spitzenplätze der Verkaufscharts. Mediale Gewalt, so scheint es, ist in der heutigen Zeit fast omnipräsent.

Warum Brutalität fasziniert

Wie ist diese eigenartige Faszination aber zu erklären? Zunächst einmal ist festzuhalten, dass es sich bei Gewalt um ein äußerst komplexes Konstrukt handelt, das je nach Kontext und den beteiligten Akteuren oft gänzlich unterschiedlich bewertet wird. Nichtsdestotrotz lässt sich ein unveränderlicher Bedeutungskern ausmachen: So bezeichnet der Begriff die physische oder psychische Schädigung eines anderen Menschen. Im Rahmen der Mediengewaltforschung wurde dieses Phänomen in den letzten Jahren intensiv erforscht. Den Wissenschaftlern ist es dabei gelungen, unterschiedliche Motive für die Nutzung gewalthaltiger Inhalte zu identifizieren. So spielt in diesem Zusammenhang etwa die Zu- bzw. Abneigung zu bestimmten Charakteren (affektive Disposition) eine große Rolle. Wird z.B. ein Bösewicht am Ende eines Films bestraft, empfindet dies der Zuschauer häufig als Genugtuung. Überdies sind jedoch auch Phänomene wie das so genannte „Sensation-Seeking“ oder „Eskapismus“ für die Popularität von Gewalt verantwortlich. Nicht zu verachten ist außerdem ein Motiv, das der Medientheoretiker Lothar Mikos als „Angstlust“ bezeichnet – wonach es ein Rezipient genießt, sich aus einem sicheren Kontext (wie z.B. der heimischen Couch oder dem Kinosessel) heraus, lustvoll seiner Furcht hinzugeben.

Mensch & Zombie im Blutrausch

Casey Florig 2In The Walking Dead wird dem Zuschauer hierfür reichlich Gelegenheit geboten. Dafür sorgen nicht nur unzählige Kopfschüsse, sondern auch aufgeschlitzte Torsos und Unmengen Blut. Gewalt gehört praktisch von der ersten Minute an zum Standardrepertoire der Serie. Überraschend wenig Raum wird dabei jedoch der zwischenmenschlichen Brutalität gewidmet. Diese kommt nur vereinzelt zum Vorschein – etwa wenn der Governor mit einer Armee im Rücken ein ganzes Gefängnis in Schutt und Asche verwandelt. Oder Merle zu mittelalterlichen Foltermethoden greift, um an Informationen zu gelangen. Deutlich mehr Screentime kann stattdessen die Gewalt zwischen Mensch und Zombie für sich verbuchen. Nicht selten ist zu sehen, wie ein Untoter seinem Opfer bei lebendigem Leib das Fleisch von den Knochen reißt. Umgekehrt erweisen sich aber auch die Menschen als wenig zimperlich – z.B. wenn sie den Schädel eines Zombies regelrecht zu Brei schlagen.

Inszenierung der Gewalt

Bei der filmischen Umsetzung solcher Szenen bedient sich die Serie einer drastischen Strategie. So werden brutale Handlungen oft in detaillierten Nahaufnahmen ohne Zwischenschnitte gezeigt. Diese Montage-Technik verleiht dem Setting zusätzliche Glaubhaftigkeit: In einer postapokalyptischen Welt ist Gewalt für das eigene Überleben nun einmal unabdingbar. Darüber hinaus setzt The Walking Dead in ästhetischer Hinsicht vor allem auf spritzendes Blut – d.h. auf eine Reihe klassischer Splatter-Effekte (von englisch „to splat“ = spritzen). Der dargestellten Gewalt sind dabei visuell nahezu keine Grenzen gesetzt: Sie reicht von abgetrennten Gliedmaßen bis hin zu herausquellenden Innereien und lässt sich häufig nur durch komplizierte CGI-Effekte realisieren. Hinzu kommt, dass die Kampfszenen lediglich in Ausnahmefällen von bedrohlicher Musik untermalt sind. Stattdessen setzten die Sound-Designer vor allem laute Geräusche ein, um den gewaltsamen Eindruck der Bilder zusätzlich zu verstärken.

Blutiger Höhepunkt

Auf die Spitze getrieben wird diese explizite Darstellung von Gewalt aber schließlich mit Beginn der fünften Staffel, als die Gruppe um Rick mit Terminus einen neuen Zufluchtsort erreicht. Spätestens hier ist für viele Zuschauer die Grenze des Zumutbaren erreicht. In der Eröffnungssequenz ist nämlich eine brutale Hinrichtung zu sehen. Die Gefangenen werden darin zuerst mit einem Baseballschläger ausgeknockt, ehe man ihnen die Kehle aufschlitzt und sie anschließend in einen Trog zum Ausbluten wirft. Auch für die deutschen TV-Wächter (FSF) war damit die „Grenze zur Sendeunzulässigkeit“ überschritten. Der Staffelauftakt wurde deshalb nur unter Schnittauflage zur Ausstrahlung freigegeben.

Macht The Walking Dead aggressiv?

In der Öffentlichkeit ist seitdem eine hitzige Diskussion darüber entbrannt, wie jugendgefährdend die Serie tatsächlich ist. Kritiker stören sich dabei vor allem an der Beiläufigkeit, mit der die einzelnen Gewaltakte regemäßig von statten gehen. Sie kritisieren, dass The Walking Dead seiner gesellschaftlichen Verantwortung als mediales Massenphänomen nicht gerecht werde und Gewalt nur unnötig zelebriere. Doch wie gerechtfertigt sind solche Vorwürfe? Haben die Splatterszenen wirklich eine aggressionsfördernde Wirkung auf Jugendliche? Auch dazu wurde in der Mediengewaltforschung in den letzten Jahren intensiv geforscht. Die Ergebnisse belegen jedoch, dass aggressives Verhalten nicht allein auf gewalthaltige Medieninhalte zurückzuführen ist. Stattdessen spielen in diesem Prozess zahlreiche intervenierende Einflussfaktoren (wie z.B. das soziale Umfeld, Persönlichkeitsmerkmale usw.) eine zentrale Rolle. Nicht jeder Fan der Gewalt in The Walking Dead ist damit automatisch ein potentieller Serienkiller.

 

Fotos: flickr.com/Casey Florig (CC BY 2.0), flickr.com/Casey Florig (CC BY 2.0)

media-bubble.de in neuem Glanz

Schon gesehen? Die Arbeiten an unsere Webseite sind endlich abgeschlossen und sie präsentiert sich in einem neuen Look.

Was ist neu? Das Aussehen!

Wir haben die Aufmachung verändert, um euch die Bedienung zu erleichtern und die Webseite noch attraktiver zu machen. Dafür haben wir zwei Menüleisten eingebaut. Die obere (direkt über unserem Logo) umfasst alle Themen rund um die Redaktion von media-bubble und Kontaktdaten. Die untere enthält die unterschiedlichen Kategorien unserer Artikel. Von Büchern & Comics bis zur Uniwelt ist bei media-bubble alles geboten. Neben der Möglichkeit über die Kategorien zu Artikeln zu gelangen findet ihr auf der Startseite stets unsere neusten Beiträge.

Euch gefällt der neue Auftritt und euch gefallen unsere Artikel? Dann teilt sie mit euren Freunden, damit unsere Bubble noch bekannter wird!

 

Ihr habt Anregungen oder Kritik zur neuen Webseite? Dann schreibt uns entweder per Facebook oder Mail, wir sind für jede Rückmeldung dankbar.

Journalismus unter Verdacht

Von Valerie Heck

 

Schon im Spätherbst, als „Lügenpresse“ noch nicht zum Unwort des Jahres gekürt worden war und es „Pegida“ in der aktuellen Form noch nicht gab, lud Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen, den Journalisten und Medienkritiker Stefan Niggemeier zu einem Gastvortrag ein. Seitdem hat die Medienverdrossenheit in Deutschland eine ganz neue Dimension angenommen und das Thema, mit dem sich Niggemeier in seinem Vortrag „Journalismus unter Verdacht – Wie Medien Vertrauen verspielen“ am letzten Montag auseinandersetzte, gewann stetig an Bedeutung. Pörksen spricht von einem „Prinzip Niggemeier“ und beschreibt damit dessen Kombination aus Unerschrockenheit, Direktheit und präziser Medienkritik. Am 19. Januar kam Niggemeier dann extra aus Berlin nach Tübingen, um einem Hörsaal voller interessierter Studierenden von seinen Erfahrungen und Einschätzungen zu den Themen Lügenpresse und Vertrauenskrise zu berichten.

„Ich hatte das Gefühl, es gäbe ein Problem“

Stefan Niggemeier hatte schon im November das vage Gefühl, es gäbe ein Problem. Er sah eine große Kluft und eine enorme Unzufriedenheit mit den Medien bei großen Teilen der Bevölkerung. Die Umfrage von Zapp im Dezember 2014, die nach dem Vertrauen der Menschen in die Berichterstattung bei politischen Ereignissen fragte, sah Niggemeier als klares Warnsignal, denn nur ein Drittel der Bevölkerung gab dabei an, noch Vertrauen in die Medien zu haben.

Dass tatsächlich etwas schief gelaufen ist, zeigen laut Niggemeier Formate wie „Die Anstalt“, die oftmals berechtigte Kritik an den Medien äußern und offenlegen, welche Fakten in der aktuellen Medienberichterstattung, sei es bezüglich der Ukraine-Krise oder des Bahnstreiks, nicht erwähnt wurden. Niggemeiers Lieblingsbeispiel ist dabei Udo Ulfkottes Buch „Gekaufte Journalisten“: „Ich habe selten ein Buch gelesen, was mir so schlechte Laune gemacht hat“, gibt Niggemeier zu. Grund dafür sei die „gruselige Mischung aus völligem Unsinn und total berechtigter Kritik“. Zwar legt Ulfkotte nichts Neues dar, aber er rührt in dem Buch bekannte Medienkritik mit der großen Verschwörung zusammen und sagt: „Im Grunde sind alle gekauft“. Der große Erfolg des Buches, das auf Platz 3 der Spiegel Bestsellerliste landete, zeigt, dass Ulfkottes Kritik beim Publikum durchaus ankommt.

Sind das alles Verrückte?

Aber wer sind die Leute, die solche Verschwörungstheorien lesen? „Verrückte, die sich zu lange im Internet rumtreiben, die nur ein paar Klicks brauchen, um in einen merkwürdigen Fiebertraum, eine schweißnasse Angstphantasie abzudriften“. Das an die Wand projizierte Zitat von Bernhard Pörksen sorgt für Gelächter und vereinzelten Applaus im Hörsaal. Wobei das Wort „Verrückte“ von Niggemeier hinzugefügt wurde, wie er zugibt. Allerdings ist das nur ein Teil der Wahrheit. Denn meistens sind es gar keine anonymen Verrückten im Netz, sondern die eigenen, jahrelang treuen Zuschauer, Zuhörer und Leser, die mit der Zeit den Glauben in die Berichterstattung der Zeitung oder des Radios verloren haben, wie Niggemeier berichtet.

„Der Meinungskorridor war schon einmal breiter“

Der große Vorwurf aller Akteure ist, dass Journalisten gekauft sind und dass es eine Verschwörung gibt, die Leute nicht richtig zu informieren. Tatsächlich sei ein gewisser Gleichklang festzustellen, bestätigt Niggemeier. Der Journalist sagt es in den Worten von Frank-Walter Steinmeier: „Der Meinungskorridor war schon einmal breiter.“ Dabei findet Niggemeier es erstaunlich, dass der Außenminister eine so präzise und kritische Beschreibung der aktuellen Situation gibt, wo er doch mit der einseitig positiven Berichterstattung zur großen Koalition zufrieden sein könnte.

Gründe für den Gleichklang sei unter anderem die Bequemlichkeit der Journalisten. Sie schwimmen mit dem Strom und wollen keine gewagte Interpretation liefern, die die anderen nicht auch liefern. Das größte Problem sei laut Niggemeier allerdings der sogenannte „self-embedded journalism“: Journalisten orientieren sich bei ihrer Berichterstattung unbewusst, an der Meinung, die ein Großteil der Bevölkerung vertritt und lesen möchte.

Das Phänomen des „self-embedded journalists“ war Niggemeier zufolge ein Grund für die einseitige Berichterstattung zur Ukraine-Krise. Die Grundannahme war hier „Gut gegen Böse“ und die Journalisten haben sich natürlich auf der Seite der Guten, das heißt gegen Russland, positioniert. Dabei sind ihnen Fehler unterlaufen, wie sämtlichen NATO-Erklärungen zu glauben und Berichten von Russland eben nicht. Diese Positionierung sieht Niggemeier kritisch. Ein Journalist müsse berichten ohne zu fragen, ob es am Ende jemandem nutzt, den er nicht mag, meint der Gründer des BILDblogs.

Medien machen viel richtig, aber…

Niggemeier sieht jedoch nicht alles negativ: „Ich glaube, dass in den Medien viele gute Dinge passieren und dass Medien auch viel richtig machen.“ Ein Schlüsselbegriff ist mittlerweile die Glaubwürdigkeit. In den Sozialen Netzwerken behaupten Menschen wie Udo Ulfkotte, dass die deutschen Medien über bestimmte Ereignisse nicht berichten und treffen dabei auf Zustimmung, obwohl niemand überprüfe, ob diese Aussage stimmt. Dabei könnten sie mit einer kurzen Recherche feststellen, dass häufig doch darüber berichtet wurde. Dadurch wird die Medienverdrossenheit beim Publikum größer und die Medienakteure können häufig nicht mehr dagegen steuern.

Der Journalist stellt aber auch heraus, dass die Ursachen der Vertrauenskrise zwar vielseitig sind, der Fehler aber häufig bei den Medien selbst liege: „Medien müssen erkennen, dass es ein Problem gibt, dass es tatsächlich eine Kluft gibt, zwischen Publikum und Medien und dass es nicht nur ein paar Verrückte sind, auf die man auch verzichten kann“. Die Medien müssen sich überlegen, wie sie mit der Kritik umgehen. Dabei können kleine Dinge, wie die Suche alternativer Quellen und Fairness gegenüber Leuten, die man nicht mag, die Glaubwürdigkeit schon stark verbessern, denn „die Schwächen des Journalismus begünstigen die Verschwörungstheorien“. Mit diesen Worten schließt Stefan Niggemeier seinen Vortrag. Entlohnt wird der Journalist von Bernhard Pörksen mit „akademischen Naturalien“: Einem Buch.

Die gnadenlose Republik

von Pascal Thiel

Es ist der 4. Januar 2012. Das erste Mal in der bundesdeutschen Geschichte wird ein Bundespräsident von zwei Journalisten verhört. Ein Bundespräsident, der gezeichnet ist vom Kampf mit den Medien und seinen eigenen Verfehlungen. Ein Bundespräsident auf Abruf.

In einem Berliner Fernsehstudio setzt sich fort, was ein Jahr zuvor begann: Die lange Chronologie der Skandale in Angela Merkels zweiter Amtsperiode.

Damals hatte die Süddeutsche Zeitung ihre Mittwochsausgabe mit einem Titel eröffnet, der den damaligen Bundesverteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg beschuldigte, in seiner Dissertation abgeschrieben zu haben. Was folgte, ist hinlänglich bekannt: Vorwürfe, Dementi, Rücktritt.

Einer der beiden Journalisten, die den zu dieser Zeit noch amtierenden Bundespräsidenten Christian Wulff zur Aufklärung und Beseitigung aller Vorwürfe bewegen sollten, war Ulrich Deppendorf. Im Rahmen der 10. Mediendozentur von Universität Tübingen und SWR diskutierte er im Festsaal der Neuen Aula die These einer „gnadenlosen Republik“.

Der Fall Wulff

Der Fall Christian Wulff habe zwei Dinge schonungslos offenbart. Zum einen ein katastrophales Krisenmanagement eines Präsidenten, der über seine eigene Vergangenheit gestolpert sei. Zum anderen einen Journalismus, der seine Grenzen weit überschritten habe.

Christian Wulff habe erfahren, was man den „Fahrstuhl-Effekt“ nenne. Mit den Medien – in diesem Fall mit der BILD-Zeitung – fuhr Christian Wulff hinauf, mit den Medien ging es fuhr er wieder runter. Doch auf letzterem Wege  sei die Medienmeute eindeutig zu weit gegangen.

Und das, so Deppendorf, spätestens als im Bundespräsidialamt die Anfrage einging, ob Wulff in seiner Schulzeit Mitschüler mit Schokolade und Kleingeld geschmiert habe, um Klassensprecher zu werden. Oder woher denn das zweite Bobby Car käme, das plötzlich in der Wulffschen Garage aufgefunden worden sei.

Kritischer, investigativer Journalismus ist die Grundlage von informierten Öffentlichkeiten in einer Demokratie. Doch, so der Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, hätten manche Blätter die „Grenze seriöser Berichterstattung schnell überschritten“. Mit einem „Herdentrieb“, den es bei keiner anderen Person zuvor gegeben habe, habe man den gescheiterten Präsidenten vor sich hergetrieben.

War der Rücktritt also doch nur einer medialen Hatz geschuldet? Als logische Konsequenz einer atemlosen Jagd nach neuen Enthüllungen? Nein, sagt Deppendorf. Wulff könne und dürfe man nicht als Opfer einer medialen Kampagne darstellen. Zwar sei das mediale Verhalten hoch problematisch gewesen, dennoch habe Christian Wulff ein „für einen Präsidenten unwürdiges Verhalten an den Tag gelegt“. Hinzu kommen ein „miserables“ Krisenmanagement und die Fehleinschätzung, alte Verstrickungen ohne Konsequenzen hinter sich lassen zu können. Erst die angesetzten Ermittlungen hätten ihn dann endgültig untragbar gemacht für das Amt.

Ist in diesem Fall doch eine gewisse Gnadenlosigkeit zu erkennen, positioniert sich Deppendorf klar auf der Seite der „nachbohrenden“ Medien. Denn: Es sei ihre Pflicht und Aufgabe, Skandale, Missstände et cetera aufzudecken und aufzuklären.

Schavan, Brüderle und de Maizière

Nicht nur die Medien und der Journalismus, sind Teil der „gnadenlosen Republik“. Auch die Politik hat ihren ganz eigenen Anteil. „Überzogene Zuspitzungen“ führten zu einem immer unruhigeren Zusammenleben der beiden Parteien. Der Journalismus leide zudem unter immer extremeren Geschwindigkeiten, zur Reflexion bliebe oft nur wenig Zeit. Die Politik beschleunige dies sogar, etwa durch eigenständige Berichterstattungen in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Facebook.

Schreitet man voran in der Chronologie der Skandale, so fällt eine grundlegende Entwicklung auf: Obwohl die Berliner Politik in diesem Jahr schon von drei Skandalen erschüttert wurde, üben sich Medien wie Politik zunehmend in Zurückhaltung. Diese sei seit Jahresbeginn mit den einzelnen Skandalen gewachsen. Während man bei Brüderles Sexismusvorwurf noch sofort nach Rücktritt schrie, erledigte das Anette Schavan im Zuge ihrer Plagiatsaffäre von selbst – und Verteidigungsminister de Maizière ist nach dem Drohnendisaster trotz gewaltiger Kommunikationsprobleme seines Ministeriums noch im Amt. Letzterer nahm sich gar drei Wochen zur Aufklärung Zeit – die Empörungsmaschinerie bleibt ruhig.

Hat man also aus dem Fall Wulff gelernt? Hat der Journalismus seine Grenzen kennengelernt? Diese Fragen seien nicht leicht zu beantworten, da es sich bei Schavan, Brüderle und de Maizière nicht um gewöhnliche „Fälle“ handele.

Weil sich der stille Typ Schavan in den Medien nie inszeniert habe, habe die Vertraute der Bundeskanzlerin, die sich 2011 noch schadenfroh über den Rücktritt von KT gefreut hatte, medial wenig zu befürchten. Und tatsächlich: Eine Medienschelte blieb aus.

Der Fall Brüderle indes hat gezeigt, wie kolossal ein medialer Putsch nach hinten losgehen kann. Wohl als Gegenschlagzeile zur Vorstellung des Wahlkampfduos Rösler/Brüderle (FDP) geplant, machte der Stern am 24. Januar diesen Jahres mit dem Vorwurf auf, Brüderle habe eine Redakteurin sexuell belästigt. Was folgte, war eine halbherzige Sexismusdebatte, Unschuldsbekundungen, Empörung über einen „verunsicherten Politiker“ und dasselbe über eine „professionell geschädigte Kollegin“.

Die Drohnenaffäre hingegen brodelt noch. Ob sie im Wahlkampfjahr weiterhin Wellen schlagen wird, wird sich in den nächsten Tagen entscheiden. Einen Rücktritt hält Ulrich Deppendorf für unwahrscheinlich, da für diesen Posten „qualifiziertes Personal“ im Regierungslager nicht zur Verfügung stehe.

Lehren?

Der Politikjournalismus habe gelernt, wie weit er gehen könne, sagt Deppendorf. Regelrechte Jagdszenen wie beim ersten großen Skandal nach dem Umzug von Bonn nach Berlin, dem Parteispendenskandal, scheinen der Vergangenheit anzugehören. Dass der Journalismus nicht nach Skandalen schreien darf, sondern sich – im Besonderen im digitalen Zeitalter – seinen Kernaufgaben widmen müsse, sieht auch Deppendorf so: Transparenz vermitteln, Hintergrundinformationen bereitstellen, die Informationsflut des Internets filtern, für eine Diskussionskultur sorgen. Und noch viel mehr. Nicht im Einklang, aber in Kooperation mit der Politik. Denn, so Deppendorf, einer „gnadenlosen Republik“ könnten nur beide Seiten zusammen entgegenarbeiten.

 

Bilder: wikimedia commons/avda  (CC-BY-SA-3.0), flickr/mp_fries (CC BY-ND 2.0)

Der Mensch, die Medien und ein gutes Buffet

von Pascal Thiel

Seit 2011 lehrt Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach als Professor für Medieninnovation und Medienwandel am Institut für Medienwissenschaft in Tübingen. Am Dienstag, den 20.11.2012 hat er seine Antrittsvorlesung gehalten. In der Vorlesung sprach er über sein neues Forschungsprojekt „Medien aus anthropologischer Perspektive“. Ein Projekt, das eine „Lebensaufgabe“ für Sachs-Hombach werden könnte.

Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach sei der „ideale Inhaber eines Faches, das es nicht gibt, aber bald geben wird“ sagt Prof. Dr. Jürgen Leonhardt, Dekan der Philosophischen Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen. Sachs-Hombach ist studierter Germanist, Psychologe und Philosoph, somit „fachfremd“. Doch bereits einmal wagte er den Schritt ins Unbekannte – und das erfolgreich. Jahrelanges Engagement in der Bildwissenschaft machten ihn zu einem der wenigen „europäischen Experten“ auf diesem Gebiet.

Doch seine thematische Bindung ans Bild hielt ihn nicht davon ab, 2011 erneut einen großen Schritt zu wagen. Er folgte dem Ruf nach Tübingen. Seitdem ist er Inhaber der Medienwissenschaftsprofessur für Medieninnovation und Medienwandel.

Am vergangenen Dienstag hielt er im Rahmen der Vorlesung „Medienkonvergenz“ seine Antrittsvorlesung zum Thema „Warum gelingt menschliche Verständigung?“ Bereits vier Jahre zuvor hatte er seine damalige Professur an der TU Chemnitz mit einem ähnlichen Thema eröffnet. Begab er sich damals – noch stark unter dem Einfluss seiner bisherigen wissenschaftlichen Karriere – auf die Spur des „Homo Pictor“, sprach er dieses Mal aus der Sicht des „anthropologischen Medienbegriffs“.

Kommunikation zeichnet den Menschen aus

Sachs-Hombach macht keine halben Sachen. Deshalb beginnt er seine Antrittsvorlesung am Anfang – und zwar ganz am Anfang: Der Evolution .

Die Evolution des Menschen ist ein Prozess, der seit acht Millionen Jahren im Gange ist. Seit 200.000 Jahren gibt es den „Homo Sapiens“, der seitdem zu den verhaltensbezogenen „modernen“ Menschen gezählt wird. Dieser ist ein Primat und zeichnet sich, so Sachs-Hombach, durch eine wesentliche Eigenschaft aus: durch eine bestimmte, nämlich die sogenannte „menschliche“, Kommunikation. Diese ist durch die Verbindung zweier wichtiger Elemente gekennzeichnet, der Bild- und der Sprachfähigkeit.

Die Bildfähigkeit ist die Kompetenz, auf verbildlichte Gegenstände, etwa Gesten, angemessen reagieren zu können. Das ist in eingeschränkter Weise auch bei Tieren möglich. Die Sprachfähigkeit hingegen ist das Vermögen des Menschen, sich mittels komplexer Zeichenvorgänge oral auszudrücken. Bezogen auf den Menschen ist das die Bildfähigkeit die Voraussetzung der Sprachfähigkeit. Die beiden Aspekte bedingen sich. Daraus zieht Sachs-Hombach den Schluss, dass die sprachliche Form der Kommunikation beim Menschen immer schon in der nicht-sprachlichen Form eingebettet war.

Um Verständigung zu erreichen, bedarf es also Kommunikation. Doch Kommunikation, so Sachs-Hombach, geschieht nur über Medien.

Medien bestimmen Kommunikation

Bezogen auf die im ersten Abschnitt beschriebene menschliche Kommunikation bedeutet das, dass die Sprache als ein Medium verstanden werden kann. Dabei hält sich Sachs-Hombach nahe am Medienbegriff von Roland Posner (1986). Er versteht ein Medium als „ein System von Mitteln für die Produktion, Distribution und Rezeption von Zeichen“, das den „in ihm erzeugten Zeichenprozessen bestimmte gleichbleibende Beschränkungen auferlegt“. Medien sind hier durch einen „Mittelcharakter“ bestimmt. Sie gelten als „Träger“ der kommunikativen Zeichen. Dabei ist jedes Medium und somit auch die jeweilige Art der Kommunikation durch seine eigene Medialität, also die Alleinstellungsmerkmale eines Mediums, geprägt.

Um dies zu verdeutlichen, greift Sachs-Hombach auf die Überlegungen des US-amerikanischen Anthropologen und Verhaltensforschers Michael Tomasello zurück. Dessen Medienbegriff definiert gestische, nonverbale Zeichen als Träger von Kommunikation. Sie wird dabei in einem weiten Verständnis begriffen. Die Kommunikation des Menschen gilt dabei im Gegensatz zur tierischen als vollendet entwickelte Kommunikationsform.

Tomasello beschreibt zwei Arten gestischer Zeichen. Als „Displays“ bezeichnet er animalische Warnrufe ohne Botschaft und Intention. „Gesten“, die zweite Form können wiederum in zwei Fälle unterteilt werden. „Intentionsbewegungen“ sind intentionale Gesten mit unmittelbarer Reaktion des Empfängers. „Aufmerksamkeitsfänger“ sind intentionale Gesten mit dem Ziel der Aufmerksamkeitserregung, die aber interpretatorische Leistung beim Empfänger notwendig machen. Weiterhin können menschliche Gesten in „Zeigegesten“, also auffordernde, nicht informative Gesten und „ikonische Gesten“, also auf Aufmerksamkeit konzentrierte, interpretationsbedürftige Gesten unterteilt werden.

Gesten dienen also der Kommunikation – mal mehr und mal weniger. Sie sind demnach Medien der personalen Verständigung.

Die bisherige Argumentation hat gezeigt: Verständigung ist nur durch Medien möglich. Eine innere Differenziertheit der Medien ist dabei essenziell, schon allein zur Unterscheidung verschiedener Gesten und ihren Bedeutungen. Denn die Modalitäten dieser Gesten werden nicht durch bestimmte Instanzen bestimmt, wie etwa bei der Sprache durch das Lexikon. Die Bedeutungszuschreibung erfolgt allein aufgrund der individuellen Interpretation des Dargestellten, des Bildes. Kommunikation kann nicht nicht-modal sein. Keine Kommunikation ist bedeutungslos.

Medien bestimmen den Menschen

Diese personale Kommunikation wird stark von Medien bestimmt. Sie nehmen Einfluss auf die Art und Weise der menschlichen Kommunikation. Sie bestimmen ihn und seine „Identitätsbildung“. Geschieht Kommunikation öffentlich, kommt es zur gesellschaftlichen „kulturellen Identitätsbildung“.

Als Beispiel nennt Sachs-Hombach eine Medienform, die sich in seinem Forschungsbereich mittlerweile etabliert hat: Computer- beziehungsweise Videospiele.

Aus anthropologischer Perspektive diene das „Spielen“ dem Erlernen diverser Fähigkeiten. Aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive haben PC- und Videospiele eine erhebliche Bedeutung bei der Wirklichkeitserfassung. Durch virtuelle Welten, die immer näher an der Realität sind, ist eine deutliche Entwicklung zu erkennen. Immer stärker wird die Wirklichkeit selbst durch mediale Erfahrung erfasst. Obwohl das Spielen zumeist im Privaten stattfindet, sei es dennoch ein Massenphänomen. Eine Veränderung der „kulturellen Identität“ durch PC- und Videospiele ist also laut Sachs-Hombach durchaus möglich.

Ein gutes Buffet bestimmt den Menschen

Obwohl man auf Antrittsvorlesungen gerne „alles das sagen [würde], was man schon immer mal sagen wollte“, blieb Sachs-Hombach sachlich und mit dem Thema verbunden. Nach einer mit zahlreichen Annahmen bespickten Vorlesung traf man sich noch im Kleinen Senat der Neuen Aula mit einem Buffet für Gäste, Hörer und Studenten. Dort wurden offene Fragen noch einmal eifrig diskutiert.

Bild: Institut für Medienwissenschaft Eberhard Karls Universität Tübingen (genehmigt, Ausschnitt)

Kultur im Netz – Ein Spannungsfeld: Verkaufe gebrauchtes E-Book, wie neu

von Stefan Reuter

E-Books und mp3s dürfen im Gegensatz zu ihren analogen Vorläufern nicht weiterverkauft, verliehen oder vererbt werden. Zumindest nach der aktuellen Gesetzeslage. Auch für Hollywood-Stars werden keine Ausnahmen gemacht, weswegen Bruce Willis angeblich Apple verklagen wollte. Doch die Gesetzeslage ändert sich. Es könnte also bald wirklich Flohmärkte für digitale Kulturgüter geben.

Stirb langsam, Apple

Auch ein Action-Held vom Format eines Bruce Willis muss sich mit zunehmendem Alter Gedanken darüber machen, wie er seinen Besitz unter seinen Liebsten verteilen will. Der Star der „Stirb langsam“-Reihe will angeblich seine beachtliche Musiksammlung seinen drei Töchtern vererben – und darf das nicht, wie die Sun berichtete. Das Problem liegt darin, dass die besagte Sammlung auf iTunes erworben wurde.

Was vielen nicht bewusst ist: Mit dem „Kauf“ eines digitalen Musikstücks erwirbt der Kunde lediglich Nutzungsrechte, die mit dem Tod aufgehoben sind. Auch wenn die Nachricht, Willis wolle Apple deswegen verklagen, eine Ente war, hat sie einige Fragen über den Umgang mit digitalen Gütern aufgeworfen: Wem gehören meine mp3s? Kann ich digital erworbene Filme weiterverkaufen? Und warum darf ich meine E-Books nicht verleihen?

Warum es keinen digitalen Flohmarkt gibt

Noch mal auf Anfang. Wer alte Schallplatten,CDs, VHS-Kassetten oder Bücher auf Flohmärkten, über eBay oder sonstige Plattformen verkaufen will, darf das, da hier der sogenannte Erschöpfungsgrundsatz gilt. Unter §17, Abs. 2 des Urheberrechtsgesetzes heißt es:

Sind das Original oder Vervielfältigungsstücke des Werkes mit Zustimmung des zur Verbreitung Berechtigten im Gebiet der Europäischen Union oder eines anderen Vertragsstaates des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum im Wege der Veräußerung in Verkehr gebracht worden, so ist ihre Weiterverbreitung mit Ausnahme der Vermietung zulässig.

Mit dem Kauf eines gedruckten Buches wird also gleichzeitig auch das Recht erworben, diese Kopie weiterzuverkaufen. Und auch unentgeltlich an Familie und Freunde zu verleihen. Dasselbe gilt für Musik oder Filme, solange sie auf einem physischen Datenträger gespeichert sind. Ein E-Book oder ein mp3-Album aber ist an den jeweiligen User-Account gebunden, um so eine unrechtmäßige Weiterverbreitung zu verhindern. Immer mehr Menschen erwerben Musik, Literatur oder Filme ausschließlich digital. So stellt sich die Frage, warum diese Medien nicht wie ihre analogen Vorgänger gehandelt werden dürfen. In der Wirtschaftswoche (Nr. 40 vom 1.10.2012, Artikel Digitaler Flohmarkt) heißt es dazu:

So drängt sich der Verdacht auf, dass bei Amazon & Co. weniger technische Hürden dahinterstecken als vielmehr der Versuch, einen Zweitmarkt zu verhindern. Denn während benutzte CDs meist Kratzer haben und Bücher mit der Zeit regelrecht zerlesen werden, nutzen sich digitale Güter nicht ab. Eine Zweitverwertungsmöglichkeit von Produkten in identischer Qualität würde deren Preise deutlich drücken.

Dabei könnte die Branche selber durch mehr Kundenfreundlichkeit in diesem Bereich profitieren. Zum einen entfiele damit einer der Gründe, statt der digitalen Version lieber die gedruckte Form zu kaufen. Zum anderen ist gut vorstellbar, dass das durch den Zweitverkauf erworbene Geld in neue digitale Produkte investiert wird.

Ein wegweisendes Urteil

Am 3. Juli diesen Jahres urteilte der Gerichtshof der Europäischen Union, dass der Erschöpfungsrundsatz auch für gebrauchte Software-Lizenzen gilt, sie dürfen also wie gedruckte Bücher zum Verkauf angeboten werden. Der Software-Anbieter Oracle hatte die Firma Used Soft verklagt, die sich genau auf diese Art der Zweitverwertung von Software spezialisiert hat. Programme werden oft lediglich über Lizenzen, also den Erwerb von Nutzungsrechten veräußert. Somit kommen keine Kopien auf Datenträgern in Umlauf. Oracle sah sich durch die Zweitverwertung von Used Soft in seinem Verwertungsmonopol verletzt. Das Gericht befand aber, dass der Erwerb unbegrenzter Nutzungsrechte über eine Lizenz einer Kopie gleichkommt, egal ob sie in physischer Form vorliegt oder nicht.

Mit einem jeweils einzigartigen Lizenzschlüssel zur Aktivierung der Software ist schließlich sichergestellt, dass der Erstkäufer seine weiterverkauften Nutzungsrechte nicht mehr selbst in Anspruch nimmt. Aus juristischer Sicht ist eine Übertragung dieses Urteils auf digitale Kulturgüter durchaus möglich. Auch, wenn es um die Frage des Vererbens geht. Der Rechtsanwalt Christian Solmecke, der in der auf Medienrecht spezialisierten Kanzlei Wilde Beuger Solmecke arbeitet, sagt dazu:

Ob diese Entscheidung auf heruntergeladene Musik übertragbar ist, ist unter Juristen umstritten. Ich meine, dass eine solche Übertragbarkeit möglich ist. Gewissheit werden erst künftige Gerichtsentscheidungen bringen.“ Geht man also davon aus, dass Musik auf diese Weise übertragen werden kann, dann kann auch das Vererben nicht durch Allgemeine Geschäftsbedingungen untersagt werden. „Aus den deutschen iTunes Nutzungsbedingungen ist ein solcher Wegfall der Lizenz im Todesfall ohnehin nicht ohne Weiteres ersichtlich.“

Vorbild USA

Wie ein entspannterer Umgang der Handelsriesen mit den Nutzungsrechten digitaler Medien aussehen könnte, zeigen zwei Beispiele aus den vereinigten Staaten.

Die Website ReDigi erlaubt ihren Usern, auf iTunes erworbene Titel weiterzuverkaufen. Bei Verkauf erhalten sie Gutschriften für ReDigi oder iTunes als Erlös. Die „gebrauchten“ Songs sind günstiger als Neuerwerbungen im iTunes-Store. Sie kosten nur 69 statt 99 Cent oder 1,29$, allerdings sind natürlich nur die Titel zu erstehen, die andere loswerden wollen. Eine spezielle Software sorgt dafür, dass der Verkäufer nach einer abgeschlossenen Transaktion keinen Zugriff mehr auf die entsprechende Datei hat, das gilt auch für etwaige Sicherheitskopien, zum Beispiel auf einem USB-Stick. Außerdem ist die Software dafür verantwortlich, dass nur legal erworbene Titel in Umlauf kommen. Den Befürchtungen um einen digitalen Schwarzmarkt wird damit der Wind aus den Segeln genommen.

Das zweite Beispiel liefert sogar Amazon selbst: In den USA ist es Kindle-Usern gestattet, ihre E-Books untereinander zu verleihen. Dazu müssen sie lediglich die E-Mail-Adresse des Ausleihers angeben, dieser darf dann bis zu zwei Wochen lang auf das Buch zugreifen. Der eigentliche Besitzer kann das für diesen Zeitraum nicht – ganz wie im echten Leben. Laut Wirtschaftswoche sollen beide Angebote im kommenden Jahr auch in Deutschland starten.

Fotos: flickr/roboppy (CC BY-NC-ND 2.0), flickr/warein.holgado (CC BY-NC-SA 2.0)