Wissen ja, Langeweile nein
Infotainment im Privatfernsehen
Von Filip Kolakowski und Lennart Gröger
Seit 1998 informiert und unterhält das TV-Magazin Galileo sein Publikum. Doch wie genau entsteht ein fertiger Beitrag für die Sendung und was muss dabei alles beachtet werden? Galileo-Redakteurin Carolin Conrady klärt auf und spricht dabei auch über ihren eigenen Werdegang von der Universität zum Privatsender ProSieben.
Eine Frau bahnt sich mit ihrem Kamerateam einen Weg durch den dichten Dschungel Nicaraguas. Ihr Ziel: Eine eigens vom großen Schokoladenhersteller Ritter Sport betriebene Kakaoplantage. Mit sichtbarem Interesse und Neugier befragt sie Mitarbeiter des Unternehmens und Kakaobauern. Dabei will sie herausfinden, was so besonders ist an der angeblich so nachhaltigen Kakaoplantage von Ritter Sport. Der Name der Reporterin lautet Carolin Conrady. Sie dreht hier einen Beitrag für die Fernsehsendung Galileo des Privatsenders ProSieben. Seit dem Jahre 2012 ist sie als Reporterin für Galileo unterwegs und hat inzwischen über 350 Beiträge konzipiert und umgesetzt. Wie sie nach ihrem Studium zu dieser Fernsehsendung und später in den nicaraguanischen Dschungel kam, was sie an Galileo so faszinierend findet und welche Tipps sie Studierenden gibt, die einen ähnlichen Weg einschlagen wollen, verrät sie in diesem Artikel.
Vom Theater in die Medien
Wir treffen Carolin am Rande einer Veranstaltung des Instituts für Medienwissenschaft. Schon nach wenigen Sekunden werden wir Zeuge ihres erfrischenden, lebendigen Charakters, der auch in den Beiträgen für Galileo ihren Ausdruck findet. Sie gibt gerne über ihren Werdegang Auskunft, schildert dabei ausführlich und anschaulich. Carolin, seit Mitte 2025 Galileo Headautorin, erzählt dabei zunächst von ihren Studienanfängen. Sie hat zu Beginn ihrer akademischen Laufbahn wenig mit Medien zu tun und charakterisiert sich selbst als „Theaterfrau”. Über das Brechtbautheater, bei dem sie in verschiedenen Funktionen an vielen Stücken mitwirkt, kommt sie über Umwege zu der Uni-internen Ausbildungsredaktion CampusTV. Dabei ist sie sofort von den ihr dort offenstehenden Möglichkeiten und Angeboten fasziniert und gefangen genommen. „Ich dachte mir: Ach, das ist ja geil”, so Carolin.
Erfahrungen sind entscheidend
Davon angefixt sammelt sie weitere Erfahrungen im Medienbereich, absolviert viele Hospitanzen bei den öffentlich-rechtlichen. „Ich glaube, solche praktischen Erfahrungen sind existenziell”, so Carolin, die selbst nie ein Medienwissenschaftsstudium absolviert hat. 2010 hat sie dann erstmals Berührungspunkte mit den Privatsendern durch ihr begonnenes Crossmedia-Volontariat. Und lernt dort auch die Sendung Galileo kennen. „Da habe ich dann total Feuer gefangen, weil ich verstanden habe, ich kann hier echte Menschen porträtieren und deren Geschichten erzählen”, so schildert es Carolin in der Rückschau. Und dieses damals entfachte Feuer lodert bis zum heutigen Tage in ihr.
Viele Themen, breite Zielgruppe
Aber was zeichnet Galileo für Carolin nun besonders aus? Im Gespräch bezieht sie sich vor allem auf die großen Themenvielfalt und die breite Zielgruppe, die Galileo aus ihrer Sicht anspricht. „Wenn wir sehr gut sind, sind wir manchmal ein bisschen wie die Sendung mit der Maus für Erwachsene. Ich bin stolz darauf, dass es uns oft gelingt, komplexe Inhalte anzugehen, ohne Angst davor zu haben, eine blöde Frage zu stellen”, so Carolin zur Erfolgsformel von Galileo. Dadurch bekommen noch mehr Menschen Zugang und auch Lust auf diese Themen, ist sie sich sicher.
Auslandsdreh als Abenteuer
Um diese Themen in einem Beitrag für Galileo verarbeiten zu dürfen, ist allerdings ein langer Atem notwendig. Zu Beginn pitcht Carolin ihre neueste Beitragsidee in Form einer Präsentation ihren Chefs vom Dienst. Entweder wird es dann durchgewunken oder es müssen noch thematische Änderungen und Anpassungen vorgenommen werden. Steht das Thema, kann begonnen werden, die entsprechenden Stellen zu kontaktieren, die für eine gelungene Geschichte benötigt werden. So kam der Beitrag über Ritter Sport zustande, als das Unternehmen verkündete, hundertprozentig nachhaltig produzierte Schokolade auf den Markt zu bringen. Als Carolin davon hörte, wollte sie unbedingt darüber berichten. „Das ist natürlich ein gutes Thema, da sehr konsumnah und gleichzeitig relevant”, so erläutert sie.

Doch kann gerade so ein Auslandsdreh einige Tücken und Probleme mit sich bringen, die auf dem Weg zum fertigen Beitrag bewältigt werden müssen. Das beginnt bereits bei der Frage, ob etwaige Impfungen vor Reiseantritt nötig sind und ob ein Fahrer vor Ort benötigt wird. Auch muss vorab die Frage geklärt werden, wie viele Minuten produziert werden müssen, dass sich der Flug von Deutschland nach Nicaragua überhaupt lohnt. Doch dies sind alles Fragen, die mehr oder weniger voraussehbar sind. Andere dagegen treffen einen unvorbereitet und überraschend. So saß beim Beitrag über Ritter Sport der Kameramann mehrere Stunden im nicaraguanischen Zoll fest, bis er einreisen durfte (auch dies ist kurz in dem oben verlinkten YouTube Video zu sehen). Ist Carolin dann mit ihrem Team vor Ort angekommen, werden einige Gespräche mit den Protagonistinnen und Protagonisten geführt. Dabei versucht sie den Zuständigen zu vermitteln, was sie sich für den Beitrag wie vorgestellt hat. Im Fall von Ritter Sport oder anderen Unternehmen läuft das in der Regel nicht über Einzelpersonen, sondern über die jeweilige Presseabteilung.
Mit Teamwork zum fertigen Beitrag
Ist alles wie gewünscht im Kasten, geht es zurück nach Deutschland. Dort ist dann einiges an Schreibtischarbeit nötig. „Ich sichte mein Material und überlege mir das Konzept, was ich im Vorfeld auch schon in einem Exposé umrissen habe”, so schildert Carolin die nächsten Arbeitsschritte. Nach erfolgtem Schnitt, ausgewählten O-Tönen, passender Musik und fertig geschriebenen Text folgt dann die Abnahme. Hat der Beitrag diese Hürde passiert, steht nur noch die Vertonung, also die Synchronisation, einer erfolgreichen Ausstrahlung im Weg. Diese Erläuterungen zeigen: Es sind viele Leute nötig, damit ein Galileo-Beitrag auf die Beine gestellt werden kann.
Offenheit und Neugierde als Motor
Durch ihre Erfahrung von inzwischen über 350 umgesetzten Beiträgen ist Carolin viel in der Welt herumgekommen und hat dadurch viel gesehen und erlebt. Sie weiß also worauf es ankommt, um in der Medienbranche Fuß zu fassen und bestehen zu können. Inzwischen gibt sie dieses erworbene Wissen auch als Ausbilderin an aktuelle Volontärinnen und Volontäre weiter. Daher zum Abschluss unseres Gesprächs die Frage an sie, welche Fähigkeiten und Interessen angehende Journalistinnen und Journalisten mitbringen sollten. Ihre Antwort folgt prompt: „Ich glaube, ihr solltet offen und neugierig sein”, so Carolin. Und fügt an: „Das unterscheidet Filmemacher*innen von guten Filmemacher*innen, ob die sich eben wirklich für ihre Protagonist*innen und für die Inhalte interessieren”. Nach dieser, eigenen Definition ist Carolin eine gute Filmemacherin. Denn sie fühlt sich in ihre Protagonistinnen und Protagonisten ein und erzeugt dabei einen Erkenntnisgewinn bzw. einen Unterhaltungsfaktor beim Publikum. Nicht das Schlechteste, was mit Medien erreicht werden kann.



