Beiträge

Engagieren – aber wie?

Du hast dich schon immer für Fragen der Medienethik interessiert? Soziale Verantwortung und Medienpraxis sind für dich untrennbar? Oder wurde dein Interesse für diese Themen jetzt erst durch unsere Reihe geweckt? Wie du soziales Engagement und dein MeWi-Studium verbinden kannst – inklusive Studiengangsübersichten – zeigen wir dir in Teil 3 der Reihe zu sozialem Engagement und Medienpraxis.

Der Schmetterlingseffekt – Handlungsfreiheit in Until Dawn

Im Horror-Adventure-Spiel Until Dawn führen wir die Figuren wie in einer Art interaktivem Film durch eine Geschichte mit vielen verschiedenen Abzweigungen. Je nachdem, wie wir uns als Spieler entscheiden, verläuft die Story anders und eröffnet uns diverse Enden. Der „Schmetterlingseffekt“ gibt uns ein Gefühl von Handlungsfreiheit. Doch haben wir die wirklich?

Unternehmertum, soziales Engagement und … Medienpraxis!

Ohne soziales Engagement würde unsere Gesellschaft in vielen Bereichen nicht mehr funktionieren! Im Rahmen von Social Entrepreneurship beschäftigen sich jetzt auch immer mehr (Jung)Unternehmer mit der Lösung von gesellschaftlichen Problemen – doch was hat das mit Medienwissenschaften zu tun? Teil 1 der neuen Reihe zu sozialem Engagement in der Welt der Medienpraxis.

Bernhard Pörksen: Abschied vom Netzpessimismus

Es gehört inzwischen zum Smalltalk der Zeitdiagnostik, dass Maschinen den Menschen verdrängen und die digitale Diktatur längst Wirklichkeit ist. Der Medienprofessor Bernhard Pörksen analysiert die fatale Macht des Netzpessimismus und zeigt Wege aus der Resignationsfalle.

De/Recontextualizing Characters

Wie Phantome – Figuren außerhalb des Narrativs

Jeder kennt sie: Figuren, Maskottchen und ähnliche niedlich anmutende, fiktive Charaktere aus Werbung, Fernsehen & Co. Doch was sind solche prä-narrativen und meta-narrative Figuren? Wie sich die medienwissenschaftliche Forschung hierzu gestaltet, zeigt uns Gastautor Lukas Wilde.

Portraitbild Miriam Stehling_1

MeWi Talk mit Miriam Stehling

In unserem Format „MeWi Talk mit“ treffen wir uns mit einer Person des Instituts für Medienwissenschaft der Uni Tübingen. Dieses Mal mit Dr. Miriam Stehling, die uns neben ihren wissenschaftlichen Schwerpunkten unter anderem auch ihren ultimativen Lieblingssnack verraten hat.

Viral! Die Macht des Storytelling

Die digitale Öffentlichkeit liefert ein Riesen-Reservoir an Geschichten – vom Marketing-Hit eines Supermarktes bis zum Terror-Video, vom Clickbait-Trash und Extremsport-Clip bis hin zum millionenfach geteilten Foto, das eine Weltgemeinde rührt. Das Phänomen der Viralität ist nichts anderes als Storytelling unter digitalen Bedingungen.

Über dieses Thema hielt der Tübinger Professor für Medienwissenschaft Prof. Dr. Bernhard Pörksen Anfang Mai auf der Republica in Berlin folgenden Vortrag:

12. Tübinger Mediendozentur mit Miriam Meckel

Von Anne-Mareike Täschner

Professorin Dr. Miriam Meckel arbeitete schon als Journalistin für die ARD, für VOX und RTL, war Moderatorin, Reporterin und Redakteurin und ist seit 2014 die Chefredakteurin der WirtschaftsWoche. In diesem Jahr ist sie die Gastrednerin der 12. Tübinger Mediendozentur an der Universität Tübingen. Sie spricht am 18. Juni über das Thema „Der berechenbare Mensch – was die digitale Evolution mit unserer Individualität und Freiheit macht.“

 

Der berechenbare Mensch

Hier der Beitrag von CampusTV Tübingen zur Mediendozentur mit Miriam Meckels:

 

Workshop zu Mediendozentur

„Überwacht und durchschaut – die Folgen der digitalen Evolution“ ist auch Thema eines Workshops, den die Tübinger Medienwissenschaftler begleitend zur Mediendozentur gemeinsam mit dem SWR im SWR Studio auf dem Österberg veranstalten. Ziel ist es, journalistisches Arbeiten unter realen Produktionsbedingungen zu vermitteln. Hierbei entstehen jedes Jahr wieder interessante Beiträge.

Foto: © Frank Schemmann für WirtschaftsWoche

Rettet den Journalismus! – Wozu?

von Jasmin M. Gerst

Am Dienstagabend, den 02.Juni 2015 hielt Dr. Claus Kleber als erster Honorarprofessor für das Institut für Medienwissenschaften seine Antrittsvorlesung unter dem Titel „Rettet den Journalismus! – Wozu?“.  Bis auf den letzten Platz war der Festsaal der Neuen Aula gefüllt – über 200 weitere Interessierte wurden von Ordnungsdienst und Polizei gebändigt.

Der Fortschritt der Zeit

Wenn Claus Kleber sich an seine Anfangszeit als Journalist zurückerinnert, fällt ihm vor allem auf, dass damals drei Werkzeuge genügten, um den Nachrichtenstrom zu kontrollieren: eine Stoppuhr, ein Tonband und ein Lineal. All diese Dinge kann heute ein Werkzeug ersetzen – das Smartphone. Aber was ist mit den Journalisten? Heutzutage gibt es keinen privilegierten Zugang mehr zum Nachrichtenstrom – jeder kann darauf zugreifen. Als Beispiel nennt er den Terroranschlag vom 07. Januar 2015 auf Charlie Hebdo. 26,7 Millionen Menschen in Deutschland schauten an diesem Abend Nachrichten – davon allerdings nur 1,9 Millionen aus der Altersgruppe der 14-39 Jährigen. Nur 10 % dieser Zielgruppe hat an diesem Abend Nachrichten im Fernsehen geschaut – der Rest hatte eine andere Quelle: Facebook, Twitter, E-Mails oder Youtube. Über die sozialen Netzwerke wurde die Nachricht des Terroranschlags verbreitet und geteilt. Wozu also den Fernseher einschalten und um Punkt 20 Uhr Nachrichten schauen, wenn man sich die Nachrichten immer und überall selber beschaffen kann?

“If the news is that important enough, it’ll find me”

Entweder man macht einfach so weiter wie bisher oder man startet den Versuch und stürzt sich rein ins Netz und passt sich diesem Trend an. Denn Social Media ist die Zukunft, so Claus Kleber. Soziale Medien verbreiten Nachrichten, sie generieren sie nicht selbst. Kleber weist auch darauf hin, dass wir so große Chancen haben wie noch nie, vor allem was Recherche und Quellen angeht. Erste Berichte über Ereignisse werden beispielsweise „vom Nachbarn“ über Twitter verbreitet und dadurch, natürlich über einige Wege, zur Weltnachricht. Außerdem müsse man sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass der Preis für die ganzen Informationen unsere Daten sind. Durch verschiedene Suchanfragen werden z.B. Interessen oder politische Meinungen einzelner Personen gesammelt. Dieses Wissen über die Persönlichkeit wird verkauft, dadurch wird personalisierte Werbung, wie sie beispielsweise auf Facebook schon existiert, geniert und die Klickzahlen und damit verbunden auch der wirtschaftliche Erfolg der werbenden Unternehmen gesteigert.

Journalismus behält seinen Wert

Journalisten sind im Grunde nur „irgendwelche Profis“, die den Tag sortieren und dann mit der Welt teilen, so Kleber. Heutzutage würden die Nachrichten von Google und Co. auf die Interessen der Nutzer abgestimmt und gefiltert. Zwar sei das das Ende der herkömmlichen redaktionellen Arbeit, aber dennoch ist sich Kleber sicher:  der Journalismus wird seinen Wert behalten. Nur Nachrichtensendungen, die keine Antworten bieten oder ihr Versprechen nicht halten können, würden auf der Strecke bleiben. Denn das Ziel von Journalisten sei es, so viel Substanz wie möglich in kürzester Zeit an so viele Nutzer wie möglich zu übermitteln.

Kleber findet, dass seriöse Nachrichtensendungen in jeden Alltag gehörten wie die tägliche Wäsche. Allerdings müsse man sich auf einen neuen Trend einstellen und der heiße „Online first“. Denn nirgends bekommt man schneller Kritik oder eine Rückmeldung als im Internet. Kleber bedauert, dass im Hamsterrad der Informationen die Zeit für Wichtigkeit und Tiefe auf der Strecke bleibe. Dennoch sollte man offen sein für Kritik sowie transparent. Neue Werkzeuge nutzen, um Neues zu schaffen: so könnte der Leitsatz des Journalismus der Zukunft lauten. Denn Kleber macht deutlich, wir seien mitten in der Zeit der digitalen Pioniere und hätten noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Als große Gefahren sieht Kleber die Verflachung und Verdummung durch die Algorithmen, die künftig unsere Nachrichtenauswahl steuern werden. Deren entscheidende Waffe wird möglicherweise unser Smartphone sein.

Trotz all der Herausforderungen der kommenden Jahre wird es immer ein Bedürfnis an den Produkten journalistischer Arbeit geben, da ist sich Claus Kleber sicher. Und nach dieser vielversprechenden Antrittsvorlesung steigt sicher auch die Vorfreude der Studierenden auf die kommenden Semester und die Seminare unter der Leitung von Dr. Claus Kleber. Wir alle freuen uns, ihn bald als unseren Dozenten begrüßen zu dürfen!