Beiträge

De/Recontextualizing Characters

Wie Phantome – Figuren außerhalb des Narrativs

Jeder kennt sie: Figuren, Maskottchen und ähnliche niedlich anmutende, fiktive Charaktere aus Werbung, Fernsehen & Co. Doch was sind solche prä-narrativen und meta-narrative Figuren? Wie sich die medienwissenschaftliche Forschung hierzu gestaltet, zeigt uns Gastautor Lukas Wilde.

Portraitbild Miriam Stehling_1

MeWi Talk mit Miriam Stehling

In unserem Format „MeWi Talk mit“ treffen wir uns mit einer Person des Instituts für Medienwissenschaft der Uni Tübingen. Dieses Mal mit Dr. Miriam Stehling, die uns neben ihren wissenschaftlichen Schwerpunkten unter anderem auch ihren ultimativen Lieblingssnack verraten hat.

Viral! Die Macht des Storytelling

Die digitale Öffentlichkeit liefert ein Riesen-Reservoir an Geschichten – vom Marketing-Hit eines Supermarktes bis zum Terror-Video, vom Clickbait-Trash und Extremsport-Clip bis hin zum millionenfach geteilten Foto, das eine Weltgemeinde rührt. Das Phänomen der Viralität ist nichts anderes als Storytelling unter digitalen Bedingungen.

Über dieses Thema hielt der Tübinger Professor für Medienwissenschaft Prof. Dr. Bernhard Pörksen Anfang Mai auf der Republica in Berlin folgenden Vortrag:

12. Tübinger Mediendozentur mit Miriam Meckel

Von Anne-Mareike Täschner

Professorin Dr. Miriam Meckel arbeitete schon als Journalistin für die ARD, für VOX und RTL, war Moderatorin, Reporterin und Redakteurin und ist seit 2014 die Chefredakteurin der WirtschaftsWoche. In diesem Jahr ist sie die Gastrednerin der 12. Tübinger Mediendozentur an der Universität Tübingen. Sie spricht am 18. Juni über das Thema „Der berechenbare Mensch – was die digitale Evolution mit unserer Individualität und Freiheit macht.“

 

Der berechenbare Mensch

Hier der Beitrag von CampusTV Tübingen zur Mediendozentur mit Miriam Meckels:

 

Workshop zu Mediendozentur

„Überwacht und durchschaut – die Folgen der digitalen Evolution“ ist auch Thema eines Workshops, den die Tübinger Medienwissenschaftler begleitend zur Mediendozentur gemeinsam mit dem SWR im SWR Studio auf dem Österberg veranstalten. Ziel ist es, journalistisches Arbeiten unter realen Produktionsbedingungen zu vermitteln. Hierbei entstehen jedes Jahr wieder interessante Beiträge.

Foto: © Frank Schemmann für WirtschaftsWoche

Rettet den Journalismus! – Wozu?

von Jasmin M. Gerst

Am Dienstagabend, den 02.Juni 2015 hielt Dr. Claus Kleber als erster Honorarprofessor für das Institut für Medienwissenschaften seine Antrittsvorlesung unter dem Titel „Rettet den Journalismus! – Wozu?“.  Bis auf den letzten Platz war der Festsaal der Neuen Aula gefüllt – über 200 weitere Interessierte wurden von Ordnungsdienst und Polizei gebändigt.

Der Fortschritt der Zeit

Wenn Claus Kleber sich an seine Anfangszeit als Journalist zurückerinnert, fällt ihm vor allem auf, dass damals drei Werkzeuge genügten, um den Nachrichtenstrom zu kontrollieren: eine Stoppuhr, ein Tonband und ein Lineal. All diese Dinge kann heute ein Werkzeug ersetzen – das Smartphone. Aber was ist mit den Journalisten? Heutzutage gibt es keinen privilegierten Zugang mehr zum Nachrichtenstrom – jeder kann darauf zugreifen. Als Beispiel nennt er den Terroranschlag vom 07. Januar 2015 auf Charlie Hebdo. 26,7 Millionen Menschen in Deutschland schauten an diesem Abend Nachrichten – davon allerdings nur 1,9 Millionen aus der Altersgruppe der 14-39 Jährigen. Nur 10 % dieser Zielgruppe hat an diesem Abend Nachrichten im Fernsehen geschaut – der Rest hatte eine andere Quelle: Facebook, Twitter, E-Mails oder Youtube. Über die sozialen Netzwerke wurde die Nachricht des Terroranschlags verbreitet und geteilt. Wozu also den Fernseher einschalten und um Punkt 20 Uhr Nachrichten schauen, wenn man sich die Nachrichten immer und überall selber beschaffen kann?

“If the news is that important enough, it’ll find me”

Entweder man macht einfach so weiter wie bisher oder man startet den Versuch und stürzt sich rein ins Netz und passt sich diesem Trend an. Denn Social Media ist die Zukunft, so Claus Kleber. Soziale Medien verbreiten Nachrichten, sie generieren sie nicht selbst. Kleber weist auch darauf hin, dass wir so große Chancen haben wie noch nie, vor allem was Recherche und Quellen angeht. Erste Berichte über Ereignisse werden beispielsweise „vom Nachbarn“ über Twitter verbreitet und dadurch, natürlich über einige Wege, zur Weltnachricht. Außerdem müsse man sich immer wieder in Erinnerung rufen, dass der Preis für die ganzen Informationen unsere Daten sind. Durch verschiedene Suchanfragen werden z.B. Interessen oder politische Meinungen einzelner Personen gesammelt. Dieses Wissen über die Persönlichkeit wird verkauft, dadurch wird personalisierte Werbung, wie sie beispielsweise auf Facebook schon existiert, geniert und die Klickzahlen und damit verbunden auch der wirtschaftliche Erfolg der werbenden Unternehmen gesteigert.

Journalismus behält seinen Wert

Journalisten sind im Grunde nur „irgendwelche Profis“, die den Tag sortieren und dann mit der Welt teilen, so Kleber. Heutzutage würden die Nachrichten von Google und Co. auf die Interessen der Nutzer abgestimmt und gefiltert. Zwar sei das das Ende der herkömmlichen redaktionellen Arbeit, aber dennoch ist sich Kleber sicher:  der Journalismus wird seinen Wert behalten. Nur Nachrichtensendungen, die keine Antworten bieten oder ihr Versprechen nicht halten können, würden auf der Strecke bleiben. Denn das Ziel von Journalisten sei es, so viel Substanz wie möglich in kürzester Zeit an so viele Nutzer wie möglich zu übermitteln.

Kleber findet, dass seriöse Nachrichtensendungen in jeden Alltag gehörten wie die tägliche Wäsche. Allerdings müsse man sich auf einen neuen Trend einstellen und der heiße „Online first“. Denn nirgends bekommt man schneller Kritik oder eine Rückmeldung als im Internet. Kleber bedauert, dass im Hamsterrad der Informationen die Zeit für Wichtigkeit und Tiefe auf der Strecke bleibe. Dennoch sollte man offen sein für Kritik sowie transparent. Neue Werkzeuge nutzen, um Neues zu schaffen: so könnte der Leitsatz des Journalismus der Zukunft lauten. Denn Kleber macht deutlich, wir seien mitten in der Zeit der digitalen Pioniere und hätten noch lange nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Als große Gefahren sieht Kleber die Verflachung und Verdummung durch die Algorithmen, die künftig unsere Nachrichtenauswahl steuern werden. Deren entscheidende Waffe wird möglicherweise unser Smartphone sein.

Trotz all der Herausforderungen der kommenden Jahre wird es immer ein Bedürfnis an den Produkten journalistischer Arbeit geben, da ist sich Claus Kleber sicher. Und nach dieser vielversprechenden Antrittsvorlesung steigt sicher auch die Vorfreude der Studierenden auf die kommenden Semester und die Seminare unter der Leitung von Dr. Claus Kleber. Wir alle freuen uns, ihn bald als unseren Dozenten begrüßen zu dürfen!

 

 

Klappe, die Vierte – Die Tübinale 2015

von Maya Morlock

Montag luden die Studenten der Medienwissenschaft erneut zur Tübinale ein. Das ist ein interner Filmwettbewerb von und mit Medienwissenschaftsstudenten: Sie produzieren die Filme und organisieren das gesamte Event. Dieses Jahr stand die Tübinale unter dem Motto „Medienkonvergenz und Gaming“.

Film vs. Klausur

Als Prof. Dr. Klaus Sachs- Hombach im Oktober letzten Jahres ankündigte, dass man seine Klausur umgehen könne und stattdessen praktisch arbeiten, sprich einen Kurzfilm drehen könne, da konnte sich das Organisationsteam vor Anmeldungen kaum retten. 17 Filmteams hatten sich angemeldet, jede Menge Arbeit sollte vor ihnen liegen. Zwei Wochen vor der Abgabe sah man rauchende Köpfe im Schnittpool – jeder feilte am perfekten Film.

Am Montag war es dann endlich so weit: Im Landestheater begrüßten die Moderatoren Stefan und Eva gegen 19 Uhr ihr Publikum. Die Tübinale war restlos ausverkauft, sodass einige, die auf die Abendkasse gehofft hatten, Stehplätze in Kauf nehmen mussten.  Aus Zeitgründen wurden lediglich die zwölf besten Ergebnisse gezeigt. Einige glichen sich von der Thematik her, andere, vor allem der Siegerfilm, stachen heraus. Viele interpretierten das Thema Gaming so, dass sie entweder versuchten ein eigenes Spiel zu entwickeln oder bekannte Spiele nachzubilden. Der Protagonist des Filmes „Super Matteo Bros. oder Life is a Game“  vom Team „Handheld“ beispielsweise erinnerte stark an Super Mario. Er musste Aufgaben erfüllen, um das nächste Level zu erreichen – schaffte er es nicht, so musste es wiederholt werden. „Die Nachzügler“ entwickelten ein eigenes Campusspiel. Der Protagonist musste hier immer genug auf seinen Nährstoffhaushalt achten, und bei Bedarf etwas trinken oder essen, damit die Balken sich wieder füllten. Der Name des Filmes von „Dispute is Power“ lautete „life is a Game“ und hatte demnach eine ähnliche Thematik.

Klassiker neu „vertont“

Das Team „Frame“ bestehend aus Alina Veit, Francisca Geitner und Melanie Kümmerle, hatte ein ähnliches Thema. Sie stachen durch die Umsetzung und „die Liebe zum Detail“ heraus, zitierte Moderator Stefan die Jury. Sie kamen verdient auf den dritten Platz. In ihrem Film „Hard Life of a Gamer“ werden berühmt-berüchtigte Games möglichst genau veranschaulicht und ordentlich auf die Schippe genommen. Zu Beginn reitet eine Kriegerin mit einem Pferd durch die verschneite Winterlandschaft – die Assoziation zu Assassin´s Creed ist da nicht weit, auch wegen dem ausgesprochen guten Kostüm der Darstellerin. Auch das Kultspiel „Snake“ wird nicht verschont: in einem Viereck jagt ein Mensch einem Happen zu Essen nach, erreicht er ihn, so kommt ein weiterer Mensch hinzu und der Happen ist an einem neuen Ort. Auch „die Sims“ sind vertreten und werden erstaunlich gut von den Darstellern gemimt. Ein schallendes Lachen erfüllte den Saal, als Lara Croft aus Tomb Raider, auch hier wurde auf ein detailgetreues Outfit geachtet, ihr bekanntes Stöhnen bei einem Sprung von sich gibt. Ein Film, der einem bei der Fülle an Filmen im Gedächtnis blieb und verdient auf dem Treppchen landete.

Querbeet aus der Ideenkiste

Das Thema wurde selbstverständlich auch anderweitig interpretiert, beispielsweise in „Lebendig“ von den Tarantinas. In diesem Film werden verschiedene Realitäten gezeigt, die wiederum durch Befehle einer anderen Realität bedingt sind. Was nun das wahrhaftig Wahre ist und wer letztendlich wen steuert, bleibt rätselhaft. Das Team „Jump´n´run“ entwickelte in „Imagination“ eine neuartige Jogging-App, die den Laufenden durch die Drohung, immer näher kommende Zombies könnten ihn gleich erwischen, ermutigen soll, schneller zu rennen. Leider lässt sich diese App nicht einfach abschalten und die Hauptdarstellerin sieht um sich herum nur noch Zombies.

Wie an Fäden…

Der Zweitplatzierte „Digital Divide“ (Marisa Gold, Patrick Becker, Tobias Pfefferle) spielt mit dem Gedanken, was wohl wäre, wenn wir alle ferngesteuert wären – all unsere Bewegungen durch eine höhere Macht, einen Gamer beispielsweise, gesteuert werden würden. Diese Gedanken der Schauspielerin hört das Publikum mit, während sie im Restaurant Unkel kellnert. Bei jeder Bewegung erscheint ein animierter Pfeil, der die Handlung quasi ausübt, der sie befiehlt. Ein Gast vergisst seine Tasche, bei der Überlegung, was nun zu tun sei, erscheinen wie bei Knobelspielen verschiedene Auswahlmöglichkeiten, aus denen der Spieler eine wählt. Dies geschieht bei jeder Tat, sei es, ob sie die Tasche durchsuchen, der Besitzerin antworten oder das Geld aus dem Portemonnaie entwenden soll. Zuletzt wird eine zweite Realität gezeigt, die veranschaulicht, was passiert wäre, hätte man andere Taten ausgesucht. Dieser Film überzeugte durch eine perfekte Animation und Kameraführung. Ein derart guter studentischer Film verdient eindeutig Silber! Dem Publikum gefiel der Film so gut, dass sie in der Pause fleißig abstimmten und ihm so auch noch den Publikumspreis und eine Magnumflasche Wein verschafften.

Faul, dumm und sexy

…so beschreiben sich „Murat sein Benz“ (Yasemin Said, Julien Bucaille, Valérie Eiseler) in ihrem Fragebogen. Der Teamname allein erweckt bereits eine gewisse Neugier, ebenso wie die kleinen Sequenzen, die man im Schnittpool so mitbekam – spähte man mal hin und wieder zum Nachbar-PC hinüber. „Der Anarchist“ sollte etwas vollkommen Anderes sein und komplett erstaunen. Ein derart hohes Niveau und Können in der Filmproduktion hatte wohl kaum jemand erwartet. Während die übrigen Filme sehr gut waren – war dieser herausragend! Zunächst Verwirrung: „Das ist ja schwarz-weiß!“ und dann eine tiefe, raunende Männerstimme aus dem Off. Es ist der Herr, der einen packenden Trailer zum neuen Computerspiel in Auftrag gegeben hat. Der Einsatz von Licht und das Spiel mit Schatten erwecken den Eindruck eines alten Mafioso-Films. Das Ergebnis ist teilweise etwas farbig und gefällt dem Chef leider gar nicht – zu harmlos, nicht brutal genug, denn das Publikum möchte ja Blut sehen. Verzweifelt weiß sich der Produzent des Werbespots nicht mehr zu helfen und beschließt wahre, brutale Gewalt für seinen zweiten Anlauf zu verwenden…
Neben den packenden Bildern ist auch die Sprache wirklich ein Genuss für jeden Zuhörer: Jedes Wort ist genauestens durchdacht, die Sätze wirken nahezu melodisch, teilweise erinnert es an ein Gedicht – vorgetragen von der markant rauchigen Stimme, die in den Köpfen des Publikums widerhallt und auch der Jury imponierte.
Aus meiner Sicht ein eindeutiger Sieger, da er sich vom Stil und der Produktion klar von allen Anderen abhebt – eindeutig und uneingeschränkt Gold!

Zu hoffen ist, dass die Tübinale auch im Jahre 2016 stattfindet und ein solch bunter, kurzweiliger und erstaunender Abend dabei herauskommt.

Foto: Tübinale 2015

Im Juni gibt Claus Kleber sein Debüt

Von Valerie Heck

Bereits im Januar wurde verkündet, dass das Institut für Medienwissenschaft Claus Kleber für eine Zusammenarbeit gewinnen konnte. Der vor allen Dingen durch seine Tätigkeit beim heute journal des ZDF bekannte Nachrichtenjournalist studierte selbst an der Universität Tübingen Jura und wird nun als Honorarprofessor in seine Studienstadt zurückkehren. Am 02. Juni wird Claus Kleber seine öffentliche Antrittsvorlesung an der Universität halten.

Prof. Dr. Susanne Marschall lädt zur Antrittsvorlesung ein

Liebe Studierende der Medienwissenschaft,

wir freuen uns sehr, Sie alle ganz herzlich zur öffentlichen Antrittsvorlesung unseres neuen Honorarprofessors, Dr. Claus Kleber, am Dienstag, 02.06.2015, um 18:00 Uhr, in den Festsaal der Neuen Aula, Wilhelmstraße 7, einladen zu können.

Claus Kleber wird zum Thema „Rettet den Journalismus! – Wozu?“ sprechen und zur Diskussion darüber einladen. Im Anschluss daran findet ein kleiner Umtrunk statt.

Bitte merken Sie sich diesen Termin vor, kommunizieren sie ihn in Ihren Kreisen und nehmen Sie zahlreich an dieser Veranstaltung teil! Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an Carolin Wiede, carolin.wiede@uni-tuebingen.de, Tel: 29-74271.

Herzliche Grüße
Prof. Dr. Susanne Marschall

Im Wintersemester kommt das erste Blockseminar

Zukünftig wird Claus Kleber in Lehrveranstaltungen direkten Kontakt zu den Tübinger Studierenden haben. In Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Film- und Fernsehwissenschaft wird der Fernsehmoderator Seminare zu Themen wie Nachrichtenberichterstattung, Dokumentarfilm oder die vielfältigen Anforderungen der gegenwärtigen journalistischen Medienpraxis geben. Das erste Blockseminar ist für das kommende Wintersemester geplant.

 

Das vergessene Profil

von Jasmin Gerst

Bereits seit einigen Jahren gibt es die Wahl zwischen zwei Profilen in der Medienwissenschaft: Zum einen gibt es ein praxisbezogenes erstes Profil in Kooperation mit der Medieninformatik, zum anderen ein zweites, das sich mit Medienkonvergenz und –empirie beschäftigt, also rein medienwissenschaftliche Aspekte behandelt.

Über das Angebot des ersten Profils fehlen nicht nur die nötigen Informationen, sondern auch die Initiative diese Kluft zu schließen. Seit 2012 haben sich nur 13 (!) Studenten für dieses Profil entschieden, obwohl Kenntnisse in Bereichen wie Adobe Photoshop und HTML in vielen Berufen der Medienlandschaft heutzutage vorausgesetzt wird.

 

Panik vor’m Programmieren oder doch nur fehlende Informationen?

„Es ist schade, dass wir nur so wenige in unserem Profil sind“, so eine Studentin aus dem viertem Semester. Die Informationen dafür habe sie sich selbst aus dem Modulhandbuch zusammengesucht, denn sie wollte eine neue Herausforderung in ihrem Studium. Bisher ist sie sehr zufrieden mit ihrer Wahl und sogar bei Bewerbungsgesprächen für ein Praktikum sind die Informatik-Kenntnisse von Vorteil gewesen. Andere haben lediglich durch Mund-zu-Mund-Propaganda davon erfahren und sich einfach ins kalte Wasser gestürzt.

Die geringe Anzahl der Studenten bei diesem Profil ist allen Professoren bewusst, die Kooperation zwischen Medienwissenschaft und Medieninformatik ist definitiv noch nicht perfekt ausgereift. Eine Veranstaltung, bei der die beiden Profile vorgestellt würden, wäre nicht nur hilfreich, um mehr Studenten zu gewinnen, sondern auch um diese für das Profil zu begeistern. Allerdings glaubt Alexandra Kirsch, Junior-Professorin der Medieninformatik, dass die fehlenden Informationen nicht der einzige Grund für die ausbleibenden Studenten sei. Ihre Vermutung ist, dass bei den Studierenden der Geisteswissenschaften eine „gewisse Scheu gegenüber technischen Inhalten besteht“. Diese Scheu sei unbegründet, denn es werden keine Informatik-Kenntnisse vorausgesetzt, man lerne alles von Anfang an. Auch wurden spezielle Übungsgruppen für die Medienwissenschaftler eingerichtet, damit deren Bedürfnisse optimal befriedigt werden können.

 

Angebote für die Informatik-Newbies

Bei steigender Nachfrage würde die Medieninformatik auch gerne noch mehr solcher Hilfsangebote anbieten, damit sich die Medienwissenschaftler wohler fühlen.

Bei den Noten-Endergebnissen verzeichnet Kirsch in ihren Veranstaltungen zudem keinen Unterschied zwischen Teilnehmern aus Informatik- und Nicht-Informatik-Studiengängen. Deshalb ist ihr Rat: „Traut euch! Informatik und Programmcode sehen vielleicht auf den ersten Blick abschreckend aus, aber die Techniken sind auch nur Handwerkszeug, die jeder lernen kann.“

Nicht zu vergessen sei die technische Umsetzung von Multimedia für Medienwissenschaftler, nicht zuletzt da dieses Wissen ein breiteres Spektrum an Berufsmöglichkeiten mit sich bringt.

Außerdem ist sie sich sicher: „Die Kombination Medienwissenschaft und Informatik, egal ob der Schwerpunkt auf dem einen oder dem anderen Fach liegt, ist heutzutage sehr wichtig, insbesondere für meinen Bereich Mensch-Computer-Interaktion. Reines Technik-Wissen genügt dafür nicht, aber auch der Blick allein aus der medienanalytischen Perspektive ist zu beschränkt.“

Die praxisorientierten Teile bieten also eine sehr schöne Ergänzung zu den Theorien der Medienwissenschaften. Hinzu kommen noch gestalterischen Inhalte wie der Umgang mit Angeboten der Adobe Creative Suite, wie Photoshop und InDesign. Dadurch, dass in einzelnen, speziell informatisch orientierten Kursen, die Prüfungen speziell auf die Bedürfnisse der Medienwissenschaftler angepasst werden, fühlen sich diese nicht nur einbezogen sondern auch respektiert, obwohl sie keine Informatik-Cracks sind.

 

Also Schluss mit wissenschaftlichen Texten – und her mit der Praxis!

Das ominöse „Profil 1“  bietet kaum Theorie, dafür umso mehr praktische Aufgaben wie das Entwerfen von druckfertigen Flyern mit Photoshop oder das Erstellen und Pflegen einer eigenen Webseite.

Wer also neuen Wind in sein Studium bringen möchte, ist bei diesem Profil sehr gut aufgehoben. Zu guter Letzt noch ein kleiner Tipp von Alexandra Kirsch: „Auch wenn der Einstieg schwer aussieht, sieht man relativ schnell Ergebnisse, z.B. wenn man sich durch sein erstes Web-Formular klicken kann oder ein selbst programmiertes Spiel spielt!“

 

Foto: Dennis Skley / flickr.com (CC BY-ND 2.0)

Tübinale 2014: Darth Vader hatte die Nase vorn

                                                                                                                                                    von Maya Morlock

Am vergangenen Freitag, den 6. Juni 2014, war es endlich wieder soweit: die Studenten der Medienwissenschaft luden zur „Tübinale“ in die Aula des Keplergymnasiums ein. Die von Prof. Klaus Sachs-Hombach initiierte Veranstaltung stand wie auch in den Vorjahren unter dem Motto „transmediale Welten“. Angehende Jungregisseure bekamen hier die Chance ihre eigenen Filme zu diesem Thema zu präsentieren.

 

Transmediale Welten, wie setzten die Gruppen das um?

Gezeigt wurden 12 Filme à höchstens 6 Minuten, anschließend beantworteten die jeweiligen Verantwortlichen Fragen zu ihrem Werk. Nachdem alle Filme gezeigt vorgeführt wurden, erfolgte die Siegerehrung: Der Publikumspreis wurde an die Gruppe mit dem größten Applaus vergeben, über die Plätze drei bis eins entschied eine externe Jury, bestehend aus Experten der Medienbranche, wie zum Beispiel Manfred Handtke (Tagblatt-Redakteur)  und Studenten der Medienwissenschaft. Thematisch wurde in allen gezeigten Filmen besonders der Umgang mit den Medien und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft fokussiert.
Oftmals wurden die negativen Aspekte aufgezeigt, wie beispielsweise in dem Film „Frei“, in dem ein Mann durch das Ausfallen der medialen Apparate gezwungen wird, wieder in das echte Leben zurückzukehren und dabei bemerkt, dass die Realität mehr bereithält als die mediale Welt. Die Abgrenzung zwischen medialer digitaler und realer Welt und wie sich unter deren Einfluss zwischenmenschliche Beziehungen entwickeln, wurde häufig thematisiert.

Der einzige Film, der die Medien dabei eher positiv darstellte war „treasure“, der die Neuerungen als unendlich großen und namensgebenden Schatz darstellte. Wertungsfreie Filme waren ebenfalls vorhandenwurden, so beispielsweise der Dokumentarfilm „natives vs. immigrants“, in dem Passanten in der Tübinger Altstadt ihre Meinung zu „neuen“ und „alten“ Medien  preisgaben. Einen alten Walkman lehnte eine ältere Dame ab, ein Buch galt als habtisches Gut, das nicht durch ein E-Book verdrängt werden könne und eine Polaroidkamera befand der Großteil trotz der veralteten Technik als zeitlos und hip.

Bei solch einer Bandbreite von Filmen und kreativen Ideen war es sichtlich schwer einen klaren Gewinner zu ermitteln. Einige glänzten mit einem überragenden filmischen Know-How, andere denen man anmerkte, dass es wohl ihre erste Filmproduktion ist, überzeugten dagegen mit einer kreativen Umsetzung.
Bemerkenswert ist, dass alle Siegerfilme ohne gesprochene Sprache auskamen und sich, wenn überhaupt, nur Worteinblendungen bedienten. Die Atmosphäre wurde jedoch durchweg über eine passende Musik- und Soundauswahl übermittelt.

 

Die Wandlung der Medien – War früher alles besser?

Auf dem dritten Platz landete der Film „All the ways“, der die alten Medien mit den Neuen verglich: Wo viele nach dem Aufstehen eine „Wetter-App“ öffnen, streckt der Protagonist den Finger aus dem Fenster, um die Außentemperatur zu ermitteln. Zeitung gegen MP3 Player, Stadtkarte vs. Navi. Fazit ist, man kommt mit den alten Medien genauso gut ans Ziel, wie mit den Neuen.

„21st Century Love“, der den zweiten Platz belegte, erzählt dagegen die Geschichte einer Internetbeziehung: Die Protagonisten entschließen sich dazu, sich das erste Mal zu treffen. Im Zug wird die Protagonistin von ihrer Gedankenwelt übermannt. Sie stellt sich vor, wie der Liebste sie wegen einer anderen Frau versetzen oder sie mit offenen Armen empfangen könnte. Das reale Geschehen bleibt unerzählt –, da der Film endet, als sie aus dem Zug steigt. Ein Film der zum Nachdenken anregt, wie gut wir die Menschen eigentlich kennen, die wir beispielsweise als Facebook– Freunde haben. Dieser ergreifende Film räumte gleichzeitig den Publikumspreis ab und das Entwickler-Team „Purple Produktions“ freute sich über insgesamt 6,5l Wein, den sie zur Feier des Tages teilen würden.

 

Star Wars – Die Brücke zwischen den Medienangeboten

Beim Siegerfilm “Transmedialove“, von Mareike Stohp, Nina Linsenmayer und Johanna Dreyer, blieb im Saal kein Auge trocken. Stellenweise war nur schallendes Lachen zu vernehmen. Somit ging der erste Platz hochverdient an einen urkomischen Film, der trotzdem einen kritischen Aspekt behandelt: Es wird ein junger Mann über drei Monate hinweg begleitet seine Entwicklung verfolgt. Er ist ein großer Star Wars– Fan und verliert sich zunehmend in der galaktischen Welt. Die prominenten Sounds aus dem Film wurden ebenso aufgegriffen wie  prägnante Zitate, beispielsweise „May the force be with you“. Seine Star Wars– Obsession gipfelt schließlich darin, dass er sich ein Darth Vader Kostüm zulegt, dieses in seinem Alltag trägt und gänzlich dessen Rolle einnimmt. Es hielt kaum noch einen Zuschauer auf seinem Stuhl, als Darth Vader eine Bank betritt und die automatisch öffnenden Türen mithilfe seiner „Macht“ öffnet. Als Vader eine Gleichgesinnte findet, die stark an Prinzessin Leah erinnert, ist die „transmedialove“ perfekt. Ein Film mit wahrer Liebe zum Detail. Überall sind Star Wars Utensilien zu finden. Raffinierte Schnitte, eine gelungene Musikauswahl und eine überzogene Darstellung, wie man sich in einer medialen Welt verlieren kann, machen diesen Film einzigartig. Durch den komischen Aspekt behält er sich zudem vor, eine klare Wertung abzugeben. Vader hat sein Gegenstück, seine Leah gefunden und dort endet auch ihre Geschichte. Es wird nicht gezeigt, ob er den Weg zurück gefunden hat oder mit seiner Leah glücklich in der Phantasiewelt lebt. Sichtlich überrascht über ihren Erfolg betraten die Gewinner die Bühne. Laut eigener Aussage, wählten sie Star Wars bewusst, da es sich hierbei um ein wahrhaft transmediales Format handelt: Die unendlichen Weiten finden sich in Filmen, Comicbüchern, Fernsehserien und auch als Videospiel. Mit Anekdoten vom Dreh entzückte das Siegerteam „Digital Natives“ die Zuschauer: So habe Darth Vader in der Tübinger Innenstadt viel Aufsehen erregt, –Ein Mann habe beim Eintreten in die Bank sogar einen Überfall befürchtet!

Zusammenfassen lässt sich die diesjährige Tübinale wohl als ein Abend voller gelungener Filme, die ein überraschend hohes Niveau zeigten. Zu hoffen ist, dass dieser Event auch 2015 stattfindet, bei dem die Studenten der Medienwissenschaft ihr Können und ihre Kreativität vor Publikum unter Beweis stellen können.

Fotos: ©Presse Tübinale