Unsere Meinung zur aktuellen digitalen Lehre

Von den Media Bubble-Autorinnen und Autoren

Hier schreiben unsere Media-Bubble Autoren und Autorinnen – alle Studierende an der Uni Tübingen – über ihre persönlichen Erfahrungen zur aktuellen digitalen Lehre in Zeiten von Corona. Welche Herausforderungen gibt es? Was klappt besonders gut? Was nervt? Jede Woche gibt es neue Meinungen. Unsere Serie zeigt, wie sich die Meinung im Laufe der Corona-Krise ändert oder vielleicht sogar gleich bleibt. Am Ende des Semesters ziehen wir ein Fazit: wie war es digital zu lernen? Unsere Sammlung an Meinungen kann zudem helfen, Schlüsse daraus zu ziehen, was beim digitalen Lehren und Lernen wichtig ist.

Hinweis

Falls ihr Erfahrungen mit dem digitalen Lernen habt – nicht nur an der Uni – und sie mit uns teilen wollt: Schreibt uns gerne über Facebook oder Instagram.

Effektiv, aber das soziale Umfeld fehlt

Nathalie Litz

Nathalie ist positiv überrascht von der digitalen Lehre, doch trotzdem fehlt ihr der normale Unialltag sehr. Foto: Nathalie Litz

Als ich erfahren habe, dass das Sommersemester digital ablaufen wird, war ich nicht sonderlich begeistert. Ich mag meinen Unialltag ziemlich, gehe gerne in meine Vorlesungen und Seminare und freue mich meistens auf den Semesterstart nach den Semesterferien. Obwohl ich also eher negativ voreingestellt war, muss ich dennoch eingestehen, dass die digitale Lehre – zumindest für mich – ganz gut und effektiv funktioniert. Was das eigenständige Lernen und den Online-Unterricht angeht, bin ich also doch zufrieden, trotzdem fehlt mir mein Unialltag – denn dieser kann durch die digitalen Kurse meiner Meinung nach nicht ersetzt werden.

– Nathalie Litz, 31. Mai 2020

Einfach nicht das Gleiche…

Fabian Donath freut sich auf das nächste Semester, wenn er wieder auf den Bus zur Uni rennen darf. Foto: Privat

Dieses digitale Semester hat meinen Alltag doch sehr verändert – und das leider stark zum Negativen. Technisch funktionieren die Seminare zwar einwandfrei, sogar besser als erwartet, allerdings fehlt die soziale Komponente eben total. Neben dem Lernen von Inhalten spielt das Soziale im Uni-Leben für die meisten von uns nun mal eine sehr große Rolle. Per Zoom lässt sich zwar recht gut unterrichten, aber schließlich kaum neue Leute kennen lernen oder Freunde treffen. Deshalb kann ich es kaum erwarten, im nächsten Semester endlich wieder morgens auf den Bus zur Uni rennen zu müssen.

– Fabian Donath, 30. Mai 2020

Viele, viele viele verschiedene Möglichkeiten sich zu vernetzen

Hannah_Helfferich

Hannah ist etwas überfordert mit dem Dschungel an verschiedenen Programmen für die digitalen Lehre. Foto: Hannah Helfferich

Ich bin momentan immer wieder fasziniert davon, was für tolle Programme es eigentlich gibt um sich zu vernetzen. Aber es gibt auch eine Menge! verschiedener Programme und da komme ich manchmal schon etwas ins Schwitzen. Die einen wollen Zoom für ihre Vorlesung nutzen, die nächsten WebEx für ihr Seminar und plötzlich poppt auch noch Jitsi auf der Bildfläche auf (und das sind nur die Programme, bei denen man sich live sehen kann). Aber: „Think positiv!“, wenigstens kann man nebenher Eiscafé trinken und sich abends zum virtuellen Spieleabend verabreden.

– Hannah Helfferich, 29. Mai 2020

Aller Anfang ist schwer … Oder doch nicht?

Simona Langlouis ist froh, wenn alle wieder gemeinsam in der Uni sind. Foto: Privat

Das Sommersemester ging ziemlich turbulent los: Innerhalb kürzester Zeit trudelte eine Mail nach der anderen ins Postfach – manche Kurse wurden komplett abgesagt und für die stattfindenden Seminare verschiedene online-Plattformen vorgestellt. Da verliert man im eigenen Stundenplan schnell mal den Überblick! Es hat mich dann aber überrascht, wie gut die Videokonferenzen tatsächlich funktionieren, im ersten Augenblick ist zumindest im Ablauf kaum ein Unterschied zu den normalen Präsenzveranstaltungen zu bemerken. Trotzdem bin ich definitiv froh, wenn wir alle wieder gemeinsam in der Uni lernen dürfen.

– Simona Langlouis, 27. Mai 2020

Tolle Unterstützung

Jennifer Bajrami nimmt die Herausfordernung der digitalen Lehre gerne an. Foto: Privat

Das Sommersemester 2020 soll mein letztes Semester werden. Natürlich habe ich es mir anders vorgestellt aber ich fühle mich von den Dozenten bestens unterstützt. Es sind zwar keine Sprechstunden im üblichen Sinne möglich, jedoch kriegt man derzeit viel schneller eine E-Mail beantwortet und auch Skype Sessions oder Telefonate werden angeboten. Anfangs hatte ich Panik ob ich meine Bachelorarbeit unter diesen Umständen schaffen würde , doch mittlerweile nehme ich diese Herausforderungen gerne an. Nicht zuletzt weil sowohl Unibibliotheken als auch Dozenten alles mögliche in Bewegung setzen um Literatur zugänglich zu machen und für jedes Problem eine Lösung zu finden. Leider fehlt vielen MeWi Studenten zurzeit das ZFM, der Avid Pool oder das Aufnahmestudio. Ich hoffe, dass diejenigen, die dieses Jahr weniger Praxiserfahrung an der Uni sammeln können dies mit Praktikas o.ä. ausgleichen können. Vor allem der Ausfall der diesjährigen Tübinale tut mir für alle Beteiligten sehr leid, das ist für mich persönlich das Highlight meines Studiums bisher gewesen. Nichtsdestotrotz hoffe ich, dass die Filme trotzdem online gezeigt und geehrt werden, da wir alle wissen wieviel Mühe dahinter steckt.

– Jennifer Bajrami,  25. Mai 2020 

Organisationstalent in Jogginghose

Laura Scherer fühlt sich wie eine  krass professionelle, moderne Geschäftsfrau in Joggingshose. Foto: Privat.

Eine besondere Herausforderung finde ich, dass man nicht einfach mal so in die Bibliothek gehen kann. Alles ist mit viel mehr Planungs- und Koordinationsaufwand verbunden. Meetings über Zoom oder andere Apps funktionieren erstaunlich gut und machen mir persönlich auch viel Spaß. Da fühle ich mich immer wie eine krass professionelle, moderne Geschäftsfrau – in Jogginghosen.

– Laura Scherer, 21. Mai 2020

Kommlitonen vermisst!

Lisa Hornung ist angenehm überrascht. Foto: Privat

Ich muss zugeben, dass ich der digitalen Lehre an der Universität anfangs nicht sehr optimistisch entgegengeblickt habe. Tatsächlich funktioniert das Ganze aber ziemlich gut und hat mich wirklich angenehm überrascht! Es ist ein bisschen kräftezehrender konzentriert zu bleiben als in gewöhnlichen Präsenzsitzungen und natürlich vermisse ich meine Kommilitonen. Alles in allem ist mein Fazit bis dato trotzdem sehr positiv.

– Lisa Hornung, 19. Mai 2020

Die Corona-Krise als Chance

Teresa Seeger ist zuversichtlich, dass wir die Corona-Krise als Chance für die Digitalisierung begreifen.  Foto: Privat

Da ich mich derzeit in meinem Praxissemester befinde, bin ich aktuell nicht von der Problematik „Uni von Zuhause aus“ betroffen und verfolge dadurch das Geschehen größtenteils “von außen“. Dennoch beschäftigt mich das Thema „digitales Lernen“ und die Verwendung von digitalen Medien bei der Wissensvermittlung sehr, und ich hoffe und bin zuversichtlich, dass wir die Corona-Krise auch als eine Art Chance begreifen, um die Digitalisierung und den Einsatz von digitalen Medien in Schulen, Universitäten und im Alltag weiter voranbringen zu können.

– Teresa Seeger, 17. Mai 2020

Einfach ist nicht immer gut

Sophie Landolt ist froh, wenn sie ihre Joggingshose hoffentlich bald wieder gegen eine Jeans eintauschen kann. Foto. Privat

Digitale Lehre klingt erst einmal verführerisch: Man spart sich den Weg zur Uni, wofür es sonst eine Sprechstunde braucht, reicht nun (scheinbar) eine E-Mail aus und Videokonferenzen machen das Tragen von Hosen optional. Im Seminar genügt es, das Mikrofon stummzuschalten, um – zum Dank der unvermeidbaren Geräuschkulisse in meiner WG – nicht ins Rampenlicht der Zoom-Session gedrängt und zu einem unfreiwilligen Beitrag gezwungen zu werden. Leider geht dabei aber auch die Disziplin und Routine verloren, die doch irgendwie jeder braucht, um sich als funktionierender Mensch zu verstehen. So zerfließen Privatleben und Studium momentan in einem Planschbecken voller Aufgaben, die sich nicht mehr voneinander distinguieren lassen und ein Gefühl der Strukturlosigkeit hinterlassen. Tatsächlich ist dadurch alles irgendwie einfacher geworden, aber leider bedeutet „einfach“ nicht immer „gut“. Ich bin froh, wenn ich mich wieder aus meiner Jogginghose schälen und die Treppen der Bibliothek hochschleppen muss, um am Ende des Tages das Gefühl zu bekommen, dass der Tag nicht umsonst war.

– Sophie Landolt, 15. Mai 2020