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Koreanische Produktionen auf Netflix – Wie Streaming die globale Medienökonomie verändert

Der Hype um die Qualitätsserie

Von Philipp Mang

Das traditionelle Fernsehen stirbt. So lautet die düstere Prognose vieler Medienexperten. Die Zukunft der Branche liege stattdessen zunehmend bei Video-On-Demand Dienstleistern wie Netflix oder Amazon Prime. Hier kann der Rezipient aus einem breiten Angebot von Filmen und Serien auswählen und diese anschließend über das Internet streamen – ganz egal wann, wo und wie oft er will. Ein Format, das von dieser Entwicklung profitiert, ist die so genannte Qualitätsserie. Diese erlebt in den letzten Jahren so etwas wie ein goldenes Zeitalter. Ob Game of Thrones, True Detective oder House of Cards – die Liste der High Quality Serien ist lang. Fans anspruchsvoller Fernsehunterhaltung kommen damit voll auf ihre Kosten. Viele von ihnen zählen auch The Walking Dead zum erlesenen Kreis dieser Qualitätsserien, aber ist eine solche Sichtweise wirklich gerechtfertigt?

Quality TV: Was ist das?

3Zur angemessenen Beantwortung dieser Frage ist es zunächst einmal wichtig, den Begriff des Quality TV näher zu definieren. Dieser steht stellvertretend für einen speziellen Typus Serie, der seit Anfang der 90er Jahre auf den amerikanischen Serienmarkt drängt und sich an ein anspruchsvolles, medienkompetentes Publikum richtet. Qualitätsserien werden häufig mit filmähnlichem Aufwand produziert. Sie erzählen keine abgeschlossenen Geschichten, sondern erinnern mit ihren großen Erzählbögen eher an komplexe Romane. Dadurch eignen sich die Stoffe jedoch keinesfalls zur „Nebenbei-Berieselung“ – immer wieder gibt es überraschende Wendungen und Querverweise. Wer einmal mit den ungewöhnlichen Formaten begonnen hat, kann so schnell nicht mehr damit aufhören. Zuschauer greifen deshalb immer häufiger zum so genannten Binge-Watching. Hierbei handelt es sich um ein noch junges Rezeptionsphänomen, bei dem mehrere Folgen einer Serie direkt hintereinander angeschaut werden.

Ein ungewöhnlicher Genre-Mix

Neben dem Publikum hat jedoch auch die Wissenschaft das Serienfieber gepackt. Bereits in den 90er Jahren formulierte der Medienwissenschaftler Robert J. Thompson zwölf Kriterien, wodurch sich Quality TV üblicherweise auszeichnet. Einige davon sollen nun im Folgenden exemplarisch auf TWD angewendet werden: Zu aller erst handelt es sich bei der Zombieserie um hochgradig ungewöhnliches Fernsehen – und das liegt nicht nur an den bereits erwähnten moralischen Kontroversen. Tatsächlich werden hier existierende Genremuster fast beliebig miteinander kombiniert. So finden sich in dem Format nicht nur Elemente des Horror- bzw. Zombiefilms, sondern auch Merkmale des Dramas (Schicksalsschläge, Schwangerschaften & Beziehungsdreiecke). Nicht zu vergessen sind außerdem die zahlreichen Anspielungen auf den Western-Film, die vor allem zu Beginn der Serie häufiger anklingen – etwa wenn Rick auf einem Pferd über die leergefegten Highways von Atlanta reitet. Darüber hinaus zeichnet sich TWD durch ein ungewöhnliches Erzähltempo aus. Während die Handlung in manchen Folgen kaum nennenswert vorangetrieben wird, überschlagen sich die Ereignisse an anderer Stelle geradezu.

Figuren mit Gedächtnis

Ein weiteres charakteristisches Merkmal moderner Qualitätsserien sind große Figurenensembles. So setzt sich beispielsweise auch der Hauptcast von TWD derzeit aus fast zwanzig Charakteren zusammen. Diese stammen aus zum Teil sehr unterschiedlichen sozialen Milieus, ethnischen Gruppen oder Altersklassen. Viele von ihnen – und auch das ist typisch für Quality TV – machen im Verlauf der Serie eine gravierende Veränderung durch. Der Zuschauer erlebt die Ereignisse dabei anfänglich vor allem aus Ricks Perspektive. Es sind die Augen des Deputys, durch die man den Horror der Apokalypse zum ersten Mal wahrnimmt. Nach und nach bricht die Serie jedoch mit diesem eindimensionalen Erzählstil und rückt vermehrt auch andere Charaktere in den Mittelpunkt. In späteren Staffeln finden sich schließlich ganze Folgen, die mit multiplen Erzählsträngen arbeiten. Hier wird zumeist in einer Parallelmontage zwischen verschiedenen Schauplätzen hin und her geschnitten, um den Zuschauer in Atem zu halten.

Hang zum Realismus

Laut Thompson versuchen Qualitätsserien außerdem ein möglichst ungeschminktes Bild des sozialen Alltags der Figuren zu zeichnen. Eine solche Tendenz lässt sich durchaus auch in TWD erkennen. Hierfür bedienen sich die Produzenten einiger kinematografischer Tricks: So wird die Serie etwa auf grobkörnigem 16 mm Filmmaterial gedreht und die Farben in der Nachbearbeitung digital entsättigt. Auf diese Weise erhält das Zombie-Gemetzel einen realistischen Look, der die Hoffnungslosigkeit in der Apokalypse perfekt unterstreicht. Des Weiteren unterliegt die musikalische Untermalung gewissermaßen dem Motto „weniger ist mehr“. Statt eines dominanten Soundtracks setzt die Serie vielmehr auf beinahe erdrückende Passagen von Stille und lauten Geräuschen. Gewalt wird niemals beschönigt, sondern so inszeniert, wie sie ist: grausam und blutig. Das so entstehende Gefühl der Bedrohung wird schließlich noch einmal zusätzlich unterstrichen, indem die Drehbuchautoren nicht davor zurückschrecken, auch beliebte Charaktere das Zeitliche segnen zu lassen.

TWD – ein Paradebeispiel einer Qualitätsserie?

Abschließend soll jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass TWD nicht alle der zwölf Kriterien von Thompson uneingeschränkt erfüllen kann. So hat die Zombieserie weder mit ernsthaften Quotenproblemen, noch mit dem Widerstand des Mainstream-Publikums zu kämpfen. Außerdem richtet sie sich nicht ausschließlich an ein gehobenes Publikum, sondern vielmehr an die breite Masse der Gesellschaft. Dennoch scheint es durchaus gerechtfertigt, TWD als ein Produkt des High Quality TV zu bezeichnen. Die dystopische Horrorserie verbindet sowohl verschiedene Figuren- als auch unterschiedliche Genre-Typen. Damit schafft sie vielfältige Identifikations- und Anknüpfungspunkte für den Zuschauer. Dies kann möglicherweise als weiterer Erklärungsansatz für die große Popularität der Serie dienen. Ob TWD damit aber wirklich eine höhere Qualität aufweist, als andere Formate, kann letztlich jeder Zuschauer nur für sich selbst beantworten.

Fotos: flickr.com/Daniel Sempértegui (CC BY-NC-ND 2.0), flickr.com/Shardayyy (CC BY 2.0)


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Streaming – was darf man, was nicht?

von Anne-Mareike Täschner

Die Streaming-Plattform Popcorn-Time sieht mindestens genauso schick aus wie Netflix oder Watchever. Die Filme dort sind sogar noch aktueller. Und kostenlos. Es gibt da nur einen Haken: Popcorn-Time ist nicht nur ein kostenloses Streaming-Portal, sondern eine Tauschbörse. Und genau da liegt das Problem. Das haben jetzt auch die Popcorn-Time-Nutzer zu spüren bekommen: Ihnen wehte in letzter Zeit besonders häufig Post vom Abmahnanwalt ins Haus. Denn während sich die Geister an der Frage, ob man nun legal Filme auf kinox.to gucken darf oder nicht, noch scheiden, ist die Rechtslage im Falle von Tauschbörsen eindeutig: Das darf man nicht. Denn da werden die Filme, die man sich ansieht, nicht einfach nur heruntergeladen, sondern gleichzeitig der Community zur Verfügung gestellt und somit wieder hochgeladen – und das ist strafbar. Was ist nun also legal, was nicht? Der Streaming-Dschungel ist teilweise unergründlich. Vieles ist geregelt, vieles liegt aber auch in einer Grauzone. Wir holen an dieser Stelle das Urheberrechts-Gesetzbuch heraus und versuchen ein bisschen Klarheit in den Streaming-Dschungel zu bringen und mit weitverbreiteten Vorurteilen aufzuräumen.

 

Was ist überhaupt Streaming?

Um Videomaterial im Internet anzuschauen, gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: Downloaden oder Streamen. Das Videoportal YouTube, die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender oder Video-On-Demand-Portale wie Netflix und Watchever nutzen die Streaming-Methode: Dabei werden per Klick die Filme online abgespielt. Es bedarf keiner speziellen Software und das Material wird im Normalfall nicht komplett heruntergeladen. Da der Stream in der Regel aber vor- und zurückgespult werden kann, werden die Daten im Zwischenspeicher des Computers (RAM) gespeichert, nicht jedoch auf der eigentlichen Festplatte. Die Datei kann deshalb nicht einfach weitergegeben werden. Ein Stream ist kein direkter Download, sondern nur ein Abspielen eines online verfügbaren Videos oder Songs im Browser oder einer speziellen Software, etwa dem Spotify-Player. Anders beim Download: Hier wird die Datei direkt vom Server auf die Festplatte des Computers heruntergeladen. Anschließend kann man die lokal gespeicherte Datei abspielen oder auf andere Speichermedien kopieren.

 

Viele Portale sind kostenlos, nicht alle sind legal

Streams sind nicht per se illegal. Die meisten legalen Video-Streaming-Dienste wie YouTube sind kostenlos und finanzieren sich über Werbung. Legale Video-on-Demand-Portale wie Netflix und Watchever sind dagegen größtenteils kostenpflichtig und funktionieren meist über ein Abo-Modell, bei dem man monatlich einen festen Betrag zahlt und sich dafür so viele Filme ansehen kann, wie man möchte. Aktuelle Kinofilme sucht man hier allerdings vergebens. Schwieriger wird es bei Seiten wie kinox.to, auf denen sich aktuelle Kinofilme oder Serien streamen lassen. Die Betreiber dieser Seiten handeln illegal, da sie weder Lizenzgebühren an die Urheber zahlen, noch Verwertungsrechte an den angebotenen Werken besitzen. Durch die Verbreitung des urheberrechtlich geschützten Materials machen sie sich strafbar. Doch wie steht es um die Nutzer, machen die sich auch strafbar?

Die Rechtlage in Deutschland ist hier nicht ganz eindeutig. Wie gesagt, beim Streaming werden einzelne Datenpakete des gestreamten Materials auf dem Computer zwischengespeichert. Es wird also eine Kopie erzeugt und damit ein urheberrechtlich geschütztes Werk vervielfältig, wenn auch nur vorrübergehend. Eine Kopie eines urheberrechtlich geschützten Werkes ist nach § 53 Abs. 1 Satz 1 UrhG „zum privaten Gebrauch auf beliebigen Trägern […]“ gestattet, aber nur „[…] soweit nicht zur Vervielfältigung eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet wird.“ Die auf kinox.to angebotenen Inhalte sind aber eindeutig rechtswidrig – das sollte selbst Laien auffallen. Schließlich werden hier die aktuellen Kinofilme für lau angeboten. Daraus folgt: Auch der Nutzer begeht beim Streamen von Filmen auf illegalen Portalen wie kinox.to einen Urheberrechtsverstoß – oder nicht? Nicht ganz, denn § 44a UrhG erlaubt „vorübergehende Vervielfältigungshandlungen“, solange diese „flüchtig oder begleitend sind und einen integralen wesentlichen Teil eines technischen Verfahrens darstellen“. Bei den während des Streamens zwischengespeicherten Daten handelt es sich im Grunde um solche flüchtigen Vervielfältigungen, da sie nicht dauerhaft bestehen und auch nicht weitergegeben werden können. Demnach ist das Streamen von Filmen auf solchen Portalen nicht unbedingt  illegal.  Dieser Auffassung schließt sich auch das Bundesjustizministerium an. Bislang gibt es allerdings keine Gerichtsurteile und manche Rechtsexperten widersprechen dieser Auslegung des Urheberrechts. Bis es eine verbindliche Rechtsprechung gibt, bewegen sich die Nutzer von kinox.to in einer rechtlichen Grauzone.

 

Nur Anschauen, nicht weiterverbreiten

Das Rechtslage um das Streamen von Filmen auf illegalen Filmportalen ist also kompliziert. Wegen des Anschauen eines Films auf einem illegalen Streaming-Portal wird jedoch kein User eine Abmahnung vom Abmahnanwalt bekommen. Nur herunterladen oder gar weiterverbreiten sollte man nichts. Das kann nämlich schnell teuer werden. Einige Streaming-Portale, unter anderem auch Popcorn-Time, sind so angelegt, dass eine Datei heruntergeladen und dann wieder anderen Nutzern angeboten wird. Das passiert teilweise unbemerkt im Hintergrund bei sogenannten Peer-2-peer- oder Torrent-Netzwerken. Diese Tauschbörsen sind illegal, da hier urheberrechtliche geschützte Inhalte unerlaubt verbreitet werden. Auch der Nutzer macht sich hier strafbar, da er die Inhalte selbst verbreitet. Er begeht somit eine klare Urheberrechtsverletzung und das kann sehr schnell sehr teuer werden. In solch einem Fall sollte man besser einen Anwalt zu Rate ziehen, denn nicht jedes Mahnschreiben ist immer gerechtfertigt und jede Gebühr in ihrer Höhe zulässig.

 

Achja…

Darf man eigentlich die Tonspur eines YouTube-Videos aufzeichnen und als MP3 speichern? Hier sind sich die Juristen nicht einig. Einige vertreten die Auffassung, dass bei diesem Vorgang mittels der verwendeten Software die technischen Schutzmaßnahmen ausgehebelt werden. Der Großteil der Experten wiederum hält das Aufzeichnen der Tonspur für unproblematisch, denn der Vorgang ist im Prinzip vergleichbar mit einer Aufnahme im Radio und deshalb erlaubt. Und wenn man sie nicht weiterverkauft, ist auch das Verschenken einer Privatkopie der Songs an Freunde und Familie erlaubt.

Foto: flickr.com/John Trainor (CC BY 2.0)

Video on Demand – Das große Kräftemessen

von Julia Heitkamp

Die Ankündigung, dass Netflix seine Dienste auch bald in Deutschland anbietet, hat große Wellen geschlagen. Viele, die Netflix schon im Ausland getestet haben, sind restlos begeistert. Doch die Konkurrenz hierzulande ist groß. Zeit für einen Vergleich:

Maxdome, Watchever und Amazon Instant Video (ehemals Lovefilm) sind die drei führenden Video on Demand Anbieter in Deutschland. Alle drei haben eigene Vorteile und richten sich an unterschiedliche Vorlieben und Zielgruppen.

 

Maxdome

Bei Maxdome kann man Filme hauptsächlich zum Einzelpreis ausleihen. In der Regel kostet ein Film in Standard-Qualität 3,99€, in HD kostet der Film oft schon 4,99€. Alternativ kann man auch verschiedene Pakete buchen. Das Premium-Paket für 9,99 Euro im Monat umfasst beispielsweise Filme aus den Paketen Movie, Serien und Kids. Neuere Blockbuster sind in den Abonnements jedoch nicht eingeschlossen und müssen zum Einzelpreis gebucht werden.

Filme und Serien, wie „Pacific Rim“ oder „Breaking Bad“ sind zeitnah nach Ihrer Veröffentlichung verfügbar. Maxdome der ProSiebenSat.1-Media-Gruppe angehört, hat man auch Zugriff auf viele Eigenproduktionen der Sender.

Maxdome bietet das stärkste Film-Angebot (derzeit ca. 3.700 Filme) und arbeitet angeblich auch daran, sein Serien-Angebot auszubauen. Trotzdem kann es Maxdome bei Serien aber noch nicht mit dem Angebot von Watchever aufnehmen, das sich ganz klar an Serien-Junkies richtet.

 

Watchever

Bei Watchever muss man ein Abonnement abschließen: Für 8,99€ im Monat erhält man unbegrenzten Zugriff auf das TV-Serien- und Film-Angebot. Ein Großteil des Angebots ist, wie bei Maxdome, auch in HD und Originalfassung verfügbar.

Watchever richtet sich stark an Serien-Junkies. Ob „Breaking Bad“, „Dexter“ oder „Die Sopranos“ – Watchever bietet sowohl aktuelle Top-Serien als auch Klassiker an.

Klarer Schwachpunkt von hier ist aber aktuell das Film-Angebot. Wenn man die Titel der einzelnen Genres zusammenzählen, kommen wir auf rund 3500 Filme. Viele der Videos sind jedoch in mehreren Genres gespeichert. Eine genaue Anzahl lässt sich somit nicht ohne weiteres ermitteln. Insbesondere aktuelle Filmhits sind oft nicht verfügbar. Das Angebot bietet jedoch einige Klassiker und Kino-Hits aus den letzten Jahren. Wem es aber wichtig ist, Filme möglichst nah zur DVD-Veröffentlichung zu sehen, der wird von Watchever enttäuscht sein.

Dafür  ist Watchever aber auch günstiger als Maxdome. Für einen geringen Monatspreis erhält man unbegrenzten Zugang auf das gesamte Angebot. Bei Maxdome aktuelle Blockbuster außerhalb der Pakete zum Einzelpreis zu buchen, kann im Gegensatz dazu schnell kostspielig werden.

 

Amazon Prime Instant Video

Neben unbegrenztem Streaming erhält man bei Amazon Prime Instant Video auch alle anderen Prime-Vorteile des Onlinehändlers, wie beispielsweise den kostenlosen Versand am nächsten Tag bei Warenbestellungen von ausgewählten Produkten, und die Möglichkeit, sich eBooks auf sein Kindle auszuleihen. Wenn man regelmäßiger Amazon Kunde ist und womöglich auch noch einen Kindle besitzt, ist dieses Angebot unschlagbar.

Für 49€ im Jahr (oder 4,10€ im Monat) erhalten Kunden einen unbegrenzten Zugriff auf die 12.000 Filme und Serien umfassende Amazon-Mediathek. Diese Zahl ist jedoch etwas irreführend, da sie durch die Multiplikation von Serienepisoden künstlich aufgeblasen wird. Unter dem Strich stehen daher „nur“ etwa 1.500 Filme und mehr als 800 Serien zur Verfügung.

Amazon Prime Instant Video bietet neben Serien-Highlights, wie „Breaking Bad“ und „The Big Bang Theory“ auch einige Exklusiv-Titel an. Darunter die Serien „Revenge“, sowie die Netflix-Eigenproduktion „Hemlock Grove“. Diese Inhalte findet man auf keiner anderen deutschen Video on Demand Plattform. Will man die Serien aber auf Englisch sehen, muss man dafür extra zahlen. Am Beispiel von „Scandal“ wären es pro Folge 2,99€.

Zwar finden sich im Angebot von Amazon Prime Instant Video auch aktuelle Blockbuster, doch muss man für diese meist noch einen Einzelpreis zusätzlich zur Prime-Mitgliedschaft zahlen. Man kann die Filme dann entweder vollständig erwerben oder leihen.

Auch wenn Amazon Prime Instant Video derzeit im Film-Angebot noch nicht ganz auf einer Ebene mit Maxdome ist, ist der wesentlich günstigere Preis ein starkes Argument.

 

Netflix – Der Newcomer

Über das zukünftige deutsche Netflix ist zurzeit noch nicht viel bekannt, bis auf die Meldung, dass es bald existieren wird. Viele Fans der amerikanischen Version haben jedoch Befürchtungen, dass die deutsche Version nicht mit der Qualität des Originals mithalten kann. Und diese Befürchtungen sind nicht ganz unbegründet: Die Ausstrahlungsrechte für Serien könnten zum Problem werden. Selbst für Eigenproduktionen wie House of Cards sind die Rechte bereits an Sender wie Sky verkauft worden. Damit kann Netflix diese Serien nicht mehr ohne weiteres auf der Plattform zu streamen bereitstellen, sondern muss die Erstausstrahlung abwarten.

Auch was der Dienst zukünftig kosten wird ist unbekannt. In den USA kostet der Dienst monatlich für Neukunden 8,99$. Sollte das in Deutschland ähnlich aussehen, wäre es preislich ähnlich wie das Abo-Angebot von Watchever. Zeigen muss sich außerdem, wie viele deutsche Produktionen zum Angebot gehören und ob es amerikanische Fernsehserien auch mit Originalton geben wird – ein Feature, das sich zumindest der harte Kern der Fans wünschen dürfte.

Die Konkurrenz auf dem deutschen Video on Demand Markt ist jedenfalls stark – Hier muss sich Netflix erstmal beweisen.

 

 

Foto: flickr.com/viagallery.com (CC BY 2.0)

Neues Fernsehen

von Lina Heitmann

HBO, Netflix, Amazon, Twitter – wie verändern sie Fernsehinhalte und unser Fernsehverhalten? Eine Untersuchung von der Entstehung neuer Qualitätsserien bis hin zur Bedeutung von Social Media.

Wie HBO & Co alte Serienstrukturen umwarfen

Im Tagesspiegel schreibt Bodo Mrozek, dass sich Serien verändert haben, weil die Charaktere menschlicher wurden – aber wie geschah das? Möglich wurde die Entwicklung, wie auch in dem Essay dargestellt, dadurch, dass die Handlung sich nun über eine oder mehrere Staffeln hinausziehen konnte. NBC gab vielleicht mit Hill Street Blues den Anstoß, aber möglich wurde die Revolutionierung der Fernsehinhalte durch die Premium-Kabel-Sender in den USA, die anfingen, selbst Serien zu drehen. HBO (The Sopranos, The Wire, Boardwalk Empire, Girls, Game of Thrones) und Showtime (Dexter, Californication, Weeds, Nurse Jackie, Homeland) sind weder an Werbeeinnahmen, noch an strenge FCC-Regeln gebunden, die Profanität verbieten. Vince Gilligan, der Erfinder der Erfolgsserie Breaking Bad deutet noch auf einen weiteren Vorteil hin: die Staffeln auf Kabelsendern sind 13 statt 24 Folgen lang. Nicht nur kann die Handlung dadurch viel straffer sein, die gewonnene Zeit kann für genaueste Konzeption und Vorproduktion genutzt werden; die Showmacher können sich für eine Folge viel mehr Zeit nehmen.

Im Buch The Revolution Was Televised beschreibt TV-Kritiker Alan Sepinwall anhand von Interviews mit den Qualitäts-TV-Machern die Ursprünge dieser Serien, denen bis dahin unvorstellbare kreative Freiheiten gegeben wurden. Auf HBO also durfte experimentierfreudig geschrieben werden. Zwar ist es schwierig, bei Serien mit einer einer staffelübergreifenden Handlung nach dem Beginn der Serie neue Zuschauer zu gewinnen. Man betrachte nur einmal The Wire, wo ein Einstieg in der Mitte nahezu unmöglich ist. Andererseit sind die bei HBO entstandenen Serien das beste Beispiel dafür, dass ein solcher Aufbau dennoch nachhaltig sein kann – zum Beispiel durch den Verkauf von DVDs. Bald entstanden auch bei Basic-Kabel-Sendern wie AMC und FX weitere Qualitätsserien wie Mad Men, Breaking Bad und Louie. Natürlich gab es auch auf Broadcast-Network Serien, die kreative Freiheiten zeigten, doch diese Ausnahmen waren eher weniger erfolgreiche Serien, die den Chefs wohl eher egal waren. Beispiele dafür sind Freaks and Geeks, Friday Night Lights und Arrested Development.

Die zweite Revolution: Amazon, Netflix und Social Media

Heute sind wir schon inmitten einer zweiten TV-Revolution. Diese haben wir, wie die erste, neuen Content-Anbietern zu verdanken. Diesmal sind es nicht HBO und andere Fernsehkanäle, sondern Streaming-Videotheken, die die Fernsehlandschaft verändern. Netflix, eine Online-Videothek für Abonnenten (wie hier z. B. Watchever), und Amazon drehen nun eigene Serien. Der Internetriese Amazon geht nun auf Nutzer direkt zu und lässt sie abstimmen, welche der von ihm gedrehten Pilote als Serien weiterverfolgt werden sollten. Netflix seinerseits hat mit House of Cards mit großem Erfolg die erste eigene Serie herausgebracht (ein Remake der britischen Serie gleichen Namens). Zur Erstellung hat Netflix gesammelte Daten über die Rezeptionsgewohnheiten seiner 29 Millionen Nutzer erfasst  und untersucht. Es ergab sich, dass die Zielgruppe politische Dramas, Kevin Spacey und David Fincher mag. Aus genau diesen Puzzleteilen wurde dann eine Serie gemacht – voilà, House of Cards! Die sehr genauen Vorgaben, die sich aus der Analyse von Nutzerverhalten ergeben, haben in diesem Fall zu einem Erfolg geführt. Die Einschränkungen, die sich aus dieser Arbeitsweise ergeben, stehen aber in starkem Kontrast zu der kreativen Freiheit, die den Machern von Vorreiterserien wie The Sopranos, The Wire und Mad Men gegeben wurde – die übrigens alle nicht von bereits bekannten Stars leb(t)en.

Die Online-Videothek Netflix belebte nun die Kultserie Arrested Development neu, die nie den großen Erfolg hatte, dafür aber immer sehr vokale, loyale und im Internet aktive Fans. Netflix ist nicht an Quoten gebunden, aber der Anbieter weiß genau, welche Nutzer welche Filme oder Serien ansehen. Er empfiehlt deshalb darauf basierend weitere Angebote. Die Kategorien können so banal sein wie „Komödien“ und so spezifisch wie „Dramas, die auf zeitgenössischer Literatur basieren”.

Bisher wird die Präsenz von Serien in sozialen Netzwerken nicht über Quoten erfasst. Trotzdem gewinnen die virtuellen Treffpunkte auch für das Film-und Fernseh Business an Bedeutung – beispielsweise durch das Live-Tweeten von Sendungen. Die traditionellen Quoten verlieren dabei immer mehr an Bedeutung. Es wird zunehmend deutlich, dass traditionelle Quoten kaum akkurat darüber Auskunft geben, wie viele Zuschauer eine Sendung tatsächlich hat. Erst seit Kurzem gibt es die +7 Version der Ratings, die auch die DVR-Rezipienten innerhalb von einer Woche zählt. Mediatheken werden gar nicht gezählt. Wired schreibt schon pointiert: „The Nielsen Family is Dead“. (Die Nielsen Ratings sind in den USA die Fernsehquotenzahlen, vergleichbar mit der GfK in Deutschland.) Die Sender aber verlassen sich immer noch stark auf Quoten, um Programmentscheidungen zu treffen. Außerdem hängen TV-Quoten und das Engagement der Fans beispielswise auf Twitter miteinander zusammen: so auch bei Scandal, dem White House Drama von Shonda Rhymes (Grey’s Anatomy, Private Practice), welches mit acht Millionen Zuschauern pro Woche die besten Quoten eines Dramas in seinem Zeitfenster hat. Während den Ausstrahlungen kommen mehr als 190.000 Tweets zusammen. Das Live-Tweeting trägt dazu bei, dass mehr Zuschauer die Folgen live sehen, um sogenannte “Spoiler” zu vermeiden. So wird TV wieder zu einem gemeinsamen Erlebnis.

 

Fotos: flickr/perspective (CC BY-SA 2.0), flickr/mo (CC BY-SA 2.0)