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Beruhigende Virologen?! – Kommunikation in Zeiten von Corona

Drosten, Wieler oder Streek sind uns spätestens seit diesem Jahr ein Begriff: alle drei Virologen. Sie sind die „Stars“ der Corona-Krise. Doch wie wird ihre Kommunikation überhaupt wahrgenommen? Prof. Dr. Sonja Utz vom Institut für Wissensmedien in Tübingen untersucht das zurzeit. Aktuell befindet sie sich in der Auswertung der Daten. Die Ergebnisse der Studie werden erst in ein paar Monaten veröffentlicht. Uns hat sie in einem Interview aber schon ein paar Zwischenergebnisse verraten. Unter anderem, ob die Menschen eine parasoziale Beziehung zu den Virologen aufbauen.

Memes: Generationen im Kommunikations-Konflikt

Auf den ersten Blick wirken Memes wie ein banales Internetphänomen: Ein semi-lustiges Bild mit einer bedeutungsarmen Phrase, oft losgelöst von jeglicher Syntax – fertig ist der Witz en vogue. So einfach ist es dann aber doch nicht, denn was diese Definition vergisst, ist ein nicht ganz unwichtiger Faktor: Memes sind die Stimme einer Generation, die lange mundtot schien.

Eine Frau im Hintergrund und doch ganz vorne mit dabei: Anne Thillosen

Das Portal e-teaching.org fördert die Lehre mit digitalen Medien an Hochschulen und bietet Informationen und Unterstützung für Dozenten und Lehrende. Was macht Lehren und Lernen mit di-gitalen Medien erfolgreich?

De/Recontextualizing Characters

Wie Phantome – Figuren außerhalb des Narrativs

Jeder kennt sie: Figuren, Maskottchen und ähnliche niedlich anmutende, fiktive Charaktere aus Werbung, Fernsehen & Co. Doch was sind solche prä-narrativen und meta-narrative Figuren? Wie sich die medienwissenschaftliche Forschung hierzu gestaltet, zeigt uns Gastautor Lukas Wilde.

Der Mensch, die Medien und ein gutes Buffet

von Pascal Thiel

Seit 2011 lehrt Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach als Professor für Medieninnovation und Medienwandel am Institut für Medienwissenschaft in Tübingen. Am Dienstag, den 20.11.2012 hat er seine Antrittsvorlesung gehalten. In der Vorlesung sprach er über sein neues Forschungsprojekt „Medien aus anthropologischer Perspektive“. Ein Projekt, das eine „Lebensaufgabe“ für Sachs-Hombach werden könnte.

Prof. Dr. Klaus Sachs-Hombach sei der „ideale Inhaber eines Faches, das es nicht gibt, aber bald geben wird“ sagt Prof. Dr. Jürgen Leonhardt, Dekan der Philosophischen Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen. Sachs-Hombach ist studierter Germanist, Psychologe und Philosoph, somit „fachfremd“. Doch bereits einmal wagte er den Schritt ins Unbekannte – und das erfolgreich. Jahrelanges Engagement in der Bildwissenschaft machten ihn zu einem der wenigen „europäischen Experten“ auf diesem Gebiet.

Doch seine thematische Bindung ans Bild hielt ihn nicht davon ab, 2011 erneut einen großen Schritt zu wagen. Er folgte dem Ruf nach Tübingen. Seitdem ist er Inhaber der Medienwissenschaftsprofessur für Medieninnovation und Medienwandel.

Am vergangenen Dienstag hielt er im Rahmen der Vorlesung „Medienkonvergenz“ seine Antrittsvorlesung zum Thema „Warum gelingt menschliche Verständigung?“ Bereits vier Jahre zuvor hatte er seine damalige Professur an der TU Chemnitz mit einem ähnlichen Thema eröffnet. Begab er sich damals – noch stark unter dem Einfluss seiner bisherigen wissenschaftlichen Karriere – auf die Spur des „Homo Pictor“, sprach er dieses Mal aus der Sicht des „anthropologischen Medienbegriffs“.

Kommunikation zeichnet den Menschen aus

Sachs-Hombach macht keine halben Sachen. Deshalb beginnt er seine Antrittsvorlesung am Anfang – und zwar ganz am Anfang: Der Evolution .

Die Evolution des Menschen ist ein Prozess, der seit acht Millionen Jahren im Gange ist. Seit 200.000 Jahren gibt es den „Homo Sapiens“, der seitdem zu den verhaltensbezogenen „modernen“ Menschen gezählt wird. Dieser ist ein Primat und zeichnet sich, so Sachs-Hombach, durch eine wesentliche Eigenschaft aus: durch eine bestimmte, nämlich die sogenannte „menschliche“, Kommunikation. Diese ist durch die Verbindung zweier wichtiger Elemente gekennzeichnet, der Bild- und der Sprachfähigkeit.

Die Bildfähigkeit ist die Kompetenz, auf verbildlichte Gegenstände, etwa Gesten, angemessen reagieren zu können. Das ist in eingeschränkter Weise auch bei Tieren möglich. Die Sprachfähigkeit hingegen ist das Vermögen des Menschen, sich mittels komplexer Zeichenvorgänge oral auszudrücken. Bezogen auf den Menschen ist das die Bildfähigkeit die Voraussetzung der Sprachfähigkeit. Die beiden Aspekte bedingen sich. Daraus zieht Sachs-Hombach den Schluss, dass die sprachliche Form der Kommunikation beim Menschen immer schon in der nicht-sprachlichen Form eingebettet war.

Um Verständigung zu erreichen, bedarf es also Kommunikation. Doch Kommunikation, so Sachs-Hombach, geschieht nur über Medien.

Medien bestimmen Kommunikation

Bezogen auf die im ersten Abschnitt beschriebene menschliche Kommunikation bedeutet das, dass die Sprache als ein Medium verstanden werden kann. Dabei hält sich Sachs-Hombach nahe am Medienbegriff von Roland Posner (1986). Er versteht ein Medium als „ein System von Mitteln für die Produktion, Distribution und Rezeption von Zeichen“, das den „in ihm erzeugten Zeichenprozessen bestimmte gleichbleibende Beschränkungen auferlegt“. Medien sind hier durch einen „Mittelcharakter“ bestimmt. Sie gelten als „Träger“ der kommunikativen Zeichen. Dabei ist jedes Medium und somit auch die jeweilige Art der Kommunikation durch seine eigene Medialität, also die Alleinstellungsmerkmale eines Mediums, geprägt.

Um dies zu verdeutlichen, greift Sachs-Hombach auf die Überlegungen des US-amerikanischen Anthropologen und Verhaltensforschers Michael Tomasello zurück. Dessen Medienbegriff definiert gestische, nonverbale Zeichen als Träger von Kommunikation. Sie wird dabei in einem weiten Verständnis begriffen. Die Kommunikation des Menschen gilt dabei im Gegensatz zur tierischen als vollendet entwickelte Kommunikationsform.

Tomasello beschreibt zwei Arten gestischer Zeichen. Als „Displays“ bezeichnet er animalische Warnrufe ohne Botschaft und Intention. „Gesten“, die zweite Form können wiederum in zwei Fälle unterteilt werden. „Intentionsbewegungen“ sind intentionale Gesten mit unmittelbarer Reaktion des Empfängers. „Aufmerksamkeitsfänger“ sind intentionale Gesten mit dem Ziel der Aufmerksamkeitserregung, die aber interpretatorische Leistung beim Empfänger notwendig machen. Weiterhin können menschliche Gesten in „Zeigegesten“, also auffordernde, nicht informative Gesten und „ikonische Gesten“, also auf Aufmerksamkeit konzentrierte, interpretationsbedürftige Gesten unterteilt werden.

Gesten dienen also der Kommunikation – mal mehr und mal weniger. Sie sind demnach Medien der personalen Verständigung.

Die bisherige Argumentation hat gezeigt: Verständigung ist nur durch Medien möglich. Eine innere Differenziertheit der Medien ist dabei essenziell, schon allein zur Unterscheidung verschiedener Gesten und ihren Bedeutungen. Denn die Modalitäten dieser Gesten werden nicht durch bestimmte Instanzen bestimmt, wie etwa bei der Sprache durch das Lexikon. Die Bedeutungszuschreibung erfolgt allein aufgrund der individuellen Interpretation des Dargestellten, des Bildes. Kommunikation kann nicht nicht-modal sein. Keine Kommunikation ist bedeutungslos.

Medien bestimmen den Menschen

Diese personale Kommunikation wird stark von Medien bestimmt. Sie nehmen Einfluss auf die Art und Weise der menschlichen Kommunikation. Sie bestimmen ihn und seine „Identitätsbildung“. Geschieht Kommunikation öffentlich, kommt es zur gesellschaftlichen „kulturellen Identitätsbildung“.

Als Beispiel nennt Sachs-Hombach eine Medienform, die sich in seinem Forschungsbereich mittlerweile etabliert hat: Computer- beziehungsweise Videospiele.

Aus anthropologischer Perspektive diene das „Spielen“ dem Erlernen diverser Fähigkeiten. Aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive haben PC- und Videospiele eine erhebliche Bedeutung bei der Wirklichkeitserfassung. Durch virtuelle Welten, die immer näher an der Realität sind, ist eine deutliche Entwicklung zu erkennen. Immer stärker wird die Wirklichkeit selbst durch mediale Erfahrung erfasst. Obwohl das Spielen zumeist im Privaten stattfindet, sei es dennoch ein Massenphänomen. Eine Veränderung der „kulturellen Identität“ durch PC- und Videospiele ist also laut Sachs-Hombach durchaus möglich.

Ein gutes Buffet bestimmt den Menschen

Obwohl man auf Antrittsvorlesungen gerne „alles das sagen [würde], was man schon immer mal sagen wollte“, blieb Sachs-Hombach sachlich und mit dem Thema verbunden. Nach einer mit zahlreichen Annahmen bespickten Vorlesung traf man sich noch im Kleinen Senat der Neuen Aula mit einem Buffet für Gäste, Hörer und Studenten. Dort wurden offene Fragen noch einmal eifrig diskutiert.

Bild: Institut für Medienwissenschaft Eberhard Karls Universität Tübingen (genehmigt, Ausschnitt)

Nerds entern die Politik

von Pascal Thiel

Mit lautem Gebrüll entern die Piraten die Parlamente des Landes. Doch vorbei sind die Zeiten der Säbel, Enterhaken und Co.. Denn die Piraten von heute halten etwas in der Hinterhand, von dem die etablierten Parteien keinen blassen Schimmer haben: neue, onlinebasierte Kommunikationstechniken.

Kuschelkurs oder Attacke? Die Piraten sind im Aufwind.

Allen voran CDU und SPD tasten sich seit Jahren an „dieses Internet“ heran, jedoch mit eher mäßigem Erfolg. Die Piratenpartei ist ihnen auf diesem Gebiet hingegen längst enteilt. Während Merkel und Co. das Gros ihrer Kommunikation über Telefonate  SMSen und E-Mails bewältigen und nur vereinzelt Abgeordnete mit dem Tablet-PC gegen die Langeweile kämpfen, nutzen die Piraten das Netz aktiv. Auch wenn es inhaltlich und realpolitisch noch Defizite gibt, punkten die Piraten durch ihre Netzaffinität. Doch wie sieht die Kommunikation genau aus?

Es gilt zwischen zwei Arten von Kommunikation zu unterscheiden: zwischen der Kommunikation in der Partei und der mit der Öffentlichkeit. Zur parteiinternen Verständigung nutzt die Piratenpartei diverse vor allem onlinebasierte Kommunikationsmittel.

Piratenkommunikation

Sie verfügt zum Beispiel über ein synchronisiertes Forum, das in einen öffentlichen und einen passwortgeschützten, internen Part aufgeteilt ist. Hier laufen drei Kommunikationsmittel zusammen: die Funktionen eines herkömmlichen Forums, Mailinglisten und ein Newsserver.

Die Forumfunktionen dienen besonders dem Austausch von Meinungen und Anregungen der Piraten untereinander. Es ist leicht, eine Diskussion entstehen zu lassen, an der jeder teilnehmen kann, da die Benutzung keine speziellen Kenntnisse erfordert. Zudem gibt es Mailinglisten, mithilfe derer entweder alle Piraten bundesweit oder nur bestimmte Landes-, Regional- und Lokalverbände erreicht werden können. All diese Mailinglisten sind im Zuge des Gebots der absoluten Transparenz unverschlüsselt einsehbar. Ein Newsserver komplettiert die Anwendungstrilogie: Besitzt man einen Newsreader, so kann man hier diverse Nachrichten der Partei abrufen.

Skype oder ICQ?

Auf welcher Plattform soll kommuniziert werden? Mittels Skype oder doch ICQ? Oder woanders? Dieses Problem ist weit verbreitet. Man will mit einem Freund chatten, der ist aber nicht beim selben Chatanbieter registriert. Doch mit dem richtigen Programm ist dies leicht zu umgehen. Auch die Piratenpartei hat das erkannt.

Die meisten Instant-Messagers (IMs) laufen über ein bestimmtes Protokoll, das sogenannte „Extensible Messaging and Presence Protocol“ (XMPP), auch Jabber genannt. Besitzt man ein Programm (z.B. Adium), das in der Lage ist, dieses Protokoll zu „lesen“, ist es möglich die Accounts der verschiedenen Anbieter (ICQ, Skype, etc.) miteinander zu verbinden. Dann kann man über ein fest auf dem Computer installiertes Programm mit Kontakten aus den verschiedenen IMs kommunizieren. So ist es den Piraten möglich, sich unabhängig von Anbietergrenzen untereinander zu verständigen.

Der blaue Helfer – auch bei den Piraten.

Skype wird von manchen Piraten allenfalls zum normalen Instant-Messaging in Kombination mit Jabber genutzt, stellt aber kein primäres Kommunikationsmittel dar. Es herrscht offenbar eine gewisse Skepsis, dass Skype die Daten seiner Anwender ordnungsgemäß schützt. Zuletzt gab eine Hackerin bekannt, sie habe herausgefunden, Skype spähe ab Installation die sog. BIOS-Daten, also die zentrale Schaltzentrale eines jeden Computers aus.

Eine weitere Möglichkeit ist Twitter. Doch dadurch wird eher die Internet-Avantgarde der Piraten angesprochen, Personen, die nicht so internet-affin sind eher weniger.

Während die Piraten mit Jabber vorrangig über Textnachrichten kommunizieren, verwenden sie zum Voicechat ein anderes Programm: Mumble.

Mumble wurde ursprünglich für Online-Videospiel-Spieler konzipiert, um ihnen während dem Spiel die Möglichkeit zur gegenseitigen Kommunikation zu eröffnen. Doch die Piraten nutzen es nun, um kurze Besprechungen abhalten zu können, ohne durch ganz Deutschland reisen zu müssen. Die Vorteile z.B. gegenüber Skype liegen im besseren Schutz der Benutzerdaten, dem relativ niedrigen Leistungsverbrauch, der aber gleichzeitig ausgezeichneten Sprachübertragungsqualität sowie in der Individualität des Programms.

Eine weitere Hilfe der eher dezentralen Piratenpartei ist das Piratenpad. Dies ist eine Abwandlung von Etherpad, einem Programm, mit welchem die Online-Bearbeitung von Dokumenten durch mehrere Personen an verschiedenen Internetanschlüssen möglich ist. Mit einem zusätzlich eingebauten Chat können sich die am Dokument schreibenden Personen zusätzlich untereinander verständigen.

Kommunikation mit „Nicht-Piraten“

Da die Piratenpartei nach ihrem Einzug ins Abgeordnetenhaus von Berlin sowie in den saarländischen Landtag ohnehin schon unter besonderer Beobachtung der Öffentlichkeit steht, ist eine große Aufmerksamkeitskampagne nicht nötig. Dennoch macht die Partei durch Plakate, Flyer und digitalen Werbebannern auf sich aufmerksam. Der erste Weg ins Reich der Piraten führt meist zum zentralen Onlineportal, der offiziellen Homepage oder zu einer der offiziellen Facebookseiten. Hier werden ähnlich wie bei anderen Parteien Fragen geklärt, wie „Wer sind die Piraten überhaupt?“, „Für was stehen sie?“ oder „Wie kann ich mitmachen?“.

Wer sich genauer informieren möchte, schaut ins Piratenwiki. Das ist, ähnlich wie Wikipedia über die Welt, eine Art Internetlexikon über die Piratenpartei. Hier kann sich der Bürger auf 160.251 Seiten über alle Bereiche der Arbeit der Piraten informieren. Hier wird der Anspruch der Piraten auf absolute Transparenz besonders deutlich. Zudem gibt es einige Piratenblogs, die zusätzliche News liefern.

Die Piraten bedienen sich also einer breiten Palette von Kommunikationsinstrumenten, um den Sturm auf deutsche Politik vorzubereiten. Ob es ihnen gelingt, ist abzuwarten. Rein technisch verfügen sie über beste Voraussetzungen.

Foto: flickr/gerougos; skype.com

Der Skandal endet nie

Nach sechs bis acht Wochen soll das Publikum den Skandal vergessen haben. Aber für die Betroffenen gilt: Der Skandal endet nie. Und durch das Internet nimmt nicht nur die Verbreitung zu, sondern auch die Erinnerung.