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HIV und die Medien

von Alexander Karl

Am 1. Dezember wird man wieder überall rote Schleifen sehen – denn dann ist Welt-Aids-Tag. Die Gefahren von HIV und AIDS sind schon seit über 20 Jahren bekannt, doch wie griffen und greifen die Medien das Thema auf?  Und wird noch immer mit Stereotypen – etwa Homosexuellen oder Drogensüchtigen – gearbeitet?

Die Berichterstattung beim Ausbruch

Elke Lehmann schrieb 2003 in ihrer Dissertation zur Berichterstattung der Medien über das Aufkommen des HI-Virus: „AIDS wurde sogar als eine Epidemie der Medien bezeichnet. Eine Krankheit mit einer geringen Inzidenz, auf deren Existenz die Öffentlichkeit von den Medien aufmerksam gemacht wurde.“ Doch zunächst, so  Lehmann, wurde zu Beginn der AIDS-Epedemie in nur sehr wenigen Zeitungen und Magazine über das Problem berichtet. Denn zumeist ging man davon aus, dass der Virus das Problem einer (homosexuellen) Randgruppe sei, die keinerlei Bedeutung für die alltägliche Berichterstattung habe. Mit Verweis auf Virginia Berridge (1996) stellt sie die folgenden Stationen der Berichterstattung fest:

„Der erste, in den frühen achtziger Jahren, war gekennzeichnet durch die Bezeichnung als ‘Schwulenseuche’, dieser Term wurde sowohl von der Boulevardpresse, als auch von qualitativ guten Zeitungen verbreitet. Ab Mai 1983 wurde die mögliche Ansteckungsgefahr von Heterosexuellen aufgrund von kontaminiertem Blut an die Öffentlichkeit herangetragen. Dadurch wurden erstmals auch Frauen als eine mögliche Risikogruppe beschrieben. Ebenso wurde in dieser Zeit über Afrika als Ursprung der Krankheit debattiert.“

Dass HIV und AIDS schlussendlich doch in den Medien als globales Problem betrachtet wurde, ging auch auf den Tod des Schauspielers Rock Hudson 1985 zurück. HIV und AIDS bekamen nun ein Gesicht und schafften somit den Sprung in die Köpfe der Menschen. Die erzeugten Bilder kokettierten aber noch immer mit dem Unmoralischen. So schrieb The Times 1985:  „Wie auch bei anderen sexuell übertragbaren Krankheiten erhöht sich die Gefahr, sich zu infizieren, durch eine hohe Zahl sexueller Kontakte und Promiskuität.“  Dabei ist aber HIV keine sexuell übertragbare Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr ein Virus, der nicht nur beim Sex, sondern auch durch Blut übertragen werden kann.

Der Beginn der Berichterstattung war also geprägt von Klischees und Unwissen, von Panik bis zur Angstlosigkeit. Aber wie wird HIV und AIDS heute in den Medien – vor allem auch im Fernsehen – dargestellt?

 

Heute im TV

Noch immer gilt das Fernsehen als eines der wichtigsten Medien – und da gerade in Serien versucht wird, die Realität abzubilden, tauchen immer wieder HIV-positive Charaktere auf. In der schwul-lesbischen US-Serie Queer as Folk wird die HIV-Thematik immer wieder in den Fokus gerückt. So sind in allen fünf Staffeln Betroffene Charaktere vertreten – so etwa der Uniprofessor Ben, den alternden und an Aids erkrankten Vic oder der Stricherjunge Hunter.

In Deutschland ist die ‚Lindenstraße‘ Vorreiter in der Konfrontation der Öffentlichkeit mit heiklen Themen und so auch bei HIV. Benno Zimmermann, eine Figur der ersten Stunde, erkrankte 1988 an HIV. Es wurde also nicht nur die Gefahr an sich thematisiert, sondern auch mit Stereotypen gebrochen. Denn Benno Zimmermann war nicht schwul, sondern hatte sich bei einer Bluttransfusion angesteckt.

Monika Siebenbach, Pressesprecherin der Lindenstraße, sagte media-bubble.de, dass es den Machern der Serie bereits damals darum ging, HIV und Aids nicht als schwules Problem darzustellen, sondern auch die Ausgrenzung von heterosexuellen Erkrankten zu beschreiben. 1999 wurde erneut ein HIV-Charakter eingeführt: Felix Flöter hatte sich bei seiner Mutter während der Geburt angesteckt. „Dadurch, dass Felix nach dem Tod seiner Mutter von dem homosexuellen Paar Carsten und Käthe adoptiert wird, treffen die Themen Homosexualität und HIV als Diskussionsstoff in der Geschichte auch nochmal zusammen. Aber eben nicht in der Form, wie man sie zunächst mal erwarten würde. Auch hier hat die Art der Geschichte dazu geführt, dass die Zuschauer offen für das Thema und emotional davon gepackt waren“, so Siebenbach.

Aber haben die Einführung infizierter Charaktere auch einen Aufklärungscharakter? Nehmen die Zuschauer nicht nur die emotinale Botschaft wahr, sondern beschäftigt sich auch mit Themen wie Safer Sex?
Jeff Gavin untersuchte bereits im Jahr 2000 den Komplex der Darstellung von Safer Sex und der Wirkung bei Jugendlichen und urteilte darüber: „Young audiences understand soap opera portrayals of safe sex as the ‘official’ version of safe sex; the type of sex they ought to have. This is contrasted with a ‘real-life’ understanding of safe sex. This is the type of sex that audiences believe they can have.“

Ob die Einführung von HIV-infizierten Charakter also auch einen Aufklärungscharakter hat, ist strittig. Aber zumindest werden die Zuschauer mit der Thematik konfrontiert – was auch das Ziel der aktuellen Kampagne des Bundesgesundheitsministeriums ist. „Positiv zusammen leben – aber sicher!“ soll zu mehr Toleranz gegenüber Erkrankten aufrufen.

 

Foto: Sophie Kröher