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Warum Hashtags unsere Welt verändern #oderauchnicht

Die Debatte um #metoo hat mittlerweile viele erreicht – so auch mich. Bei der Recherche zu meiner Bachelorarbeit fiel mir auf, wie viele Facetten es in dieser Debatte eigentlich gibt und in wie viele unterschiedliche Bereiche ihre Auswirkungen schwappen. Warum also nicht diese Aspekte auf unserem Blog ausführen? Ich habe mich mit 4 Themen rund um #metoo kritisch auseinandergesetzt und einen Blick hinter den gängigen Konsens geworfen, der in den Medien hauptsächlich verhandelt wird. Heute angefangen mit ein wenig Hintergrundgeschichte und dem Phänomen „Hashtag-Aktivismus“.

SocialMedia

Wer hat hier Social Media Marketing nicht kapiert?

Social Media Marketing kann auch mal ganz anders funktionieren. Dafür braucht man keine teuren Seminare buchen. Und keine Agentur nach ihren Standardrezepten fragen. Wie das geht, zeigt der analytische Blick auf die Auseinandersetzung zwischen dem irischen Hotel- und Cafébesitzer Paul Stenson und Elle Darby, Social Media Influencer im Bereich Fashion und Beauty. Spoiler: Der Cat Fight hatte einen eindeutigen Sieger.

Phrasen-Schwein

Die 10 schlimmsten Phrasen

Absolut verführerisch, wenn man selber textet, und doch grottig, wenn man es dann selber lesen soll: Das sind Phrasen. Füttert nicht das Phrasen-Schwein und haltet euch fern von diesen 10 ausgelutschten Floskeln!

BikeBridge_Logo

Bike Bridge – eine Audioslideshow

In einer Zeit, in denen uns Medienangebote regelrecht überfluten, ist die Frage, wie man einen journalistischen Beitrag aufbereitet, ganz besonders wichtig. Denn nicht jedes Thema eignet sich für jedes Format. Wie lässt sich zum Beispiel ein Integrationsprojekt anschaulich porträtieren?

Das Identitätsdilemma im digitalen Zeitalter

Von Valerie Heck

Nur noch sehr wenige Menschen sind nicht in mindestens einem sozialen Netzwerk wie Facebook, Instagram oder Twitter angemeldet. Es wird neben der realen eine virtuelle Welt geschaffen, in der der Mensch die Möglichkeit bekommt, sich so zu präsentieren, wie er sein möchte. Doch was bedeutet dies für die eigene Identität? Gibt es noch das eine Ich, wenn im Internet eine Vielzahl virtueller Identitäten aufgebaut werden können?

Ich – Das können viele sein

Daniela Schneider ist Aktionistin für Veganismus, die regelmäßig Beiträge und Artikel zu diesem Thema auf ihrer Facebook-Seite postet. Bei Instagram heißt sie „danispics“, ist Hobbyfotografin und veröffentlicht die schönsten Schnappschüsse aus Alltag und Urlaub. Und bei Tinder ist sie „Daniela“, die gerne kocht und sportlich ist, um mit diesen Eigenschaften die Männer in der Umgebung zu beeindrucken. Es sind drei Namen und drei Identitäten, doch eigentlich steckt nur eine Frau dahinter.

Was im realen Leben nicht denkbar ist, wird in der virtuellen Welt Wirklichkeit, denn das Internet und soziale Netzwerke ermöglichen es, in viele verschiedene Rollen zu schlüpfen oder bestimmte Facetten der Persönlichkeit in den Vordergrund zu stellen. Man spricht von „virtuellen Identitäten“ und meint damit die Art und Weise, wie Menschen sich selbst in der computervermittelten Kommunikation präsentieren. Gründe für den Aufbau von virtuellen Identitäten gibt es viele.

Zum einen geht es darum, bestimmte Eigenschaften zu betonen, um mehr Akzeptanz im virtuellen Umfeld zu erlangen. Wie Daniela, die bei Facebook ihre vegane Lebensart betont, weil viele Freunde Veganer sind. Bei Instagram stellt sie ihre aktive Seite mit Fotos von Reisen und Ausflügen in den Mittelpunkt. Bei Tinder hebt sie Eigenschaften hervor, die bei Männern gut ankommen könnten. In diesem Fall sind die Grenzen zwischen den Identitäten fließend. Zum anderen ist es durch die Anonymität in Chatrooms möglich, seine wirkliche Identität vollkommen zu verbergen und eine Tarnidentität aufzubauen. Die Person macht sich dünner, erfolgreicher oder attraktiver, um befreit von Vorurteilen und sozialem Druck ernst genommen zu werden. In diesem Fall spricht man von „Selbstmaskierung“: Es wird eine virtuelle Identität konstruiert, die sich stark von der Realität unterscheidet, um etwas ausleben zu können, was im realen Leben nicht möglich ist.

Eine selbstidealisierende Maskerade

Identität

In sozialen Medien wie Facebook oder Instagram ist das virtuelle Ich aber nicht länger eine Maske, sondern eng mit dem Offline-Leben verwoben. Die Alltagswelt wird auf den Plattformen geprägt, wo größtenteils Freunde, Familienmitglieder und Kollegen aus der realen Welt durch Fotos, Videos und Kommentare einen Einblick in das eigene Leben bekommen. Das heißt allerdings nicht, dass die „Freunde“ oder „Follower“ in sozialen Netzwerken die eine „echte“ Identität präsentiert bekommen. Die präsentierte Person hat vielleicht Ähnlichkeit mit der Person in der realen Welt, aber heute ist nichts einfacher als sein Selbstbild im Netz mitzubestimmen oder zu idealisieren. Es geht dabei nicht darum zu zeigen, wer ich bin, sondern um die Frage „Wer könnte ich sein?“. Das Selfie wurde in den letzten zwei Jahren zur vorherrschenden Ausdrucksform dieses idealisierten Ichs, denn darin wird das reale Leben häufig wie auf einer Bühne inszeniert. Wer postet schon ein Foto, auf dem er traurig und alleine auf dem Sofa sitzt? Man zeigt sich in Situationen, in denen man etwas Positives aus dem eigenen Leben mitteilen möchte: „Ich habe etwas Leckeres gekocht“ oder „Ich habe eine wunderschöne Zeit im Urlaub“. Der Trend liegt darin, den eigenen Alltag zu überhöhen und so wird im Internet ein „besseres Ich“ bzw. eine idealisierte Identität geschaffen, die sich aus Status Updates, Fotos und Tweets zusammensetzt.

Insbesondere Kevin Systroms Plattform Instagram, bei der Fotos mit schmeichelnden Filtern verschönert und dann hochgeladen werden können, ist zum Sinnbild der öffentlichen positiven Selbstdarstellung geworden. Instagram liefert nämlich kein gnadenlos ehrliches Bild, sondern schmeichelhafte Bilder, die, laut Alex Williams von der NY Times jeden „ein bisschen jünger, hübscher und Cover-würdiger aussehen“ lassen. Nutzer präsentieren sich und ihr Leben „im Layout eines Hochglanzmagazins“. Leute, die durch das Instagram Profil scrollen, sollen wollen, was du hast. Beeindrucken und Selbstreklame ist hierbei vor allen Dingen bei jungen Leuten das Motto, egal wie die Realität dahinter aussieht.

Virtuelle Anerkennung als Existenzbeweis

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Ist der Urlaub eigentlich wirklich passiert, wenn ich kein Foto vom Strand auf meiner Instagram-Seite veröffentlicht und dazu Feedback in Form von Likes und Kommentaren bekommen habe? Hinter den Fotos, Kommentaren und Videos in sozialen Netzwerken steckt der Wunsch nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, der eng mit der Identitätsfrage verwoben ist. Zugehörigkeit und soziale Akzeptanz sind im Kollektiv wichtig: Nur wenn ich von meinem sozialen Umfeld akzeptiert werde, bilde ich eine Identität.

Der Alltag wird immer mehr vom Nachrichtenstrom in den sozialen Netzwerken bestimmt. Mit Tweets und Instagram-Fotos wird das eigene Dasein bewiesen, denn wer nicht postet, hört auf, zu existieren. Jürgen Fritz, Professor am Institut für Medienforschung und Medienpädagogik in Köln, schreibt, dass Aufmerksamkeit die Essenz sei, die die virtuelle Welt mit Leben füllt und die Interaktionen ermöglicht. Über Posten wird eine eigene Relevanz geschaffen.

Mit dieser Erkenntnis wird die am Anfang gestellte Frage, ob es überhaupt noch das eine Ich gibt, wenn im Internet eine Vielzahl virtueller Identitäten aufgebaut werden, fast hinfällig. Wer ich bin wird durch das virtuelle Umfeld bestimmt und damit stellt sich die Frage: Gibt es überhaupt noch eine Identität außerhalb der virtuellen Welt?

Fotos: flickr.com/Zlatko Vickovic (CC BY 2.0), flickr.com/Kroejsanka Mediteranka (CC BY-NC-ND 2.0)

Update completed: Sie sind jetzt vollständig vernetzt

Von Valerie Heck, Miriam Lenz und Anita Mäck

Vollständige Vernetzung, permanentes Einspeisen von Daten und selbstständig miteinander kommunizierende Maschinen – das ist längst kein Zukunftsentwurf mehr. Studenten organisieren den Unialltag über Facebook und WhatsApp. Frischgebackene Mütter tauschen sich in Blogs über Erziehungstipps aus. Familien überprüfen im Urlaub über ein Tablet, ob zu Hause die Tür verschlossen ist. Locked-in-Patienten kommunizieren mit Hilfe von Computern. Sportbegeisterte bekommen immer wieder Werbung für Sneakers, für die sie sich zuvor interessiert hatten. Gesundheitsbewusste überprüfen mit Pulsarmbändern ihre Aktivität.

Es sind alltägliche Kommunikationsmittel und Anwendungen, die zusammenhangslos scheinen, aber zur vollständigen Vernetzung und Profilerstellung führen. Die folgende Artikelreihe beschäftigt sich deshalb damit, was mit uns passiert, wenn wir zunehmend online unterwegs sind, unsere Daten preisgeben und uns auf Maschinen verlassen. Es stellen sich politische und ethische Fragen, wie z. B. wie viel Macht wir Maschinen zugestehen, wie sehr wir uns noch auf unsere eigenen Fähigkeiten verlassen, wie sehr wir zum gläsernen, manipulierbaren Bürger werden und wie sich die Definition von Privatsphäre verändert.

In den kommenden neun Tagen wird täglich ein Artikel veröffentlicht, der eine oder mehrere dieser Fragen behandelt. Das sind die Titel:

  1. Das Identitätsdilemma im digitalen Zeitalter
  2. „Ein Freund, ein guter Freund…“?
  3. Eine Frage der Macht
  4. Die Gedanken sind frei?!
  5. Scrollst du noch oder weißt du’s schon?
  6. Das Streben nach Perfektion
  7. Der errechnete Mensch
  8. Smart Home: Vernetztes Wohnen heute und in Zukunft
  9. Silicon Valley: Die Tech-Elite unter sich

Foto: flickr.com/Sacha Fernandez (CC BY-NC-ND 2.0)

Look Up! – Viral wie ein Katzenbaby

 von Nico Busch

Du glaubst, du bist gesellschaftskritisch? Dir fällt auf, was tausenden Anderen auch schon aufgefallen ist? Dann schreib doch mal ein Gedicht darüber, trag das vor, lass dich dabei filmen und stell das Video ins Internet.

 

Baby, Baby, was ist denn bloß los mit dir?“

Mach es wie Julia Engelmann im Mai letzen Jahres. Der war nämlich aufgefallen, dass es seit 2000 Jahren etwas gibt, dass wir Lethargie nennen. Ein Gefühl der Langeweile und Tatenlosigkeit. Julia Engelmann fühlt das manchmal. Und die weiß, dass du das auch fühlst. Nämlich dann, wenn du daheim auf deiner Couch liegst und plötzlich merkst, dass dein Leben verglichen mit den Lebensentwürfen der Medien oder deiner 600 internationalen Facebook Freunde für immer nur Durchschnitt sein wird. Was die Julia aber nicht verstanden hat, ist, dass dieser Vergleich im Endeffekt bloß konsumgenerierende Einbildung ist. Und deshalb rät sie dir mit ganz viel sprachlichem Pathos in ihrem Video, nochmal so richtig auf die Kacke zu hauen, um am Ende deines Lebens bloß nicht als Langweiler dazustehen. Aus irgendeinem Grund klingt das für dich alles sehr plausibel, was die Julia da sagt. Die ist jetzt immerhin auch schon 21 Jahre alt. Da hat man eben Angst vor der Zukunft. Ja, vor was denn sonst? Du hörst noch irgendwas, das klingt wie „Mal wieder was riskieren“, oder feiern bis die Kühe lila sind, denkst dir YOLO, chillst weiter auf der Couch und fühlst dich bestätigt.

 

 Look Up? Grow up!

Oder dein Name ist Gary Turk. Du bist jung, ambitioniert, schreibst natürlich auch Gedichte (!) und hast auch online einen Namen. Du bist gebildet, aber du hast diesen naiv-optimistischen Forrest Gump-Spirit. Dein sehnlichster Wunsch ist es, irgendwann einmal auf einer Parkbank zu sitzen, Pralinen zu mampfen und glücklich auf dein Leben zurückzublicken, ohne das Gefühl zu spüren etwas verpasst zu haben. Obwohl dir etwa 3300 Menschen auf Twitter folgen, fühlst du dich einsam. Grund genug für dich anzunehmen, dass eine ganze Generation dasselbe Problem hat. Die These von der gemeinsamen Einsamkeit, die die MIT Professorin Sherry Turkle in ihrem Buch Together Alone unserem digitalen Zeitalter schon 2011 unterstellte, machst du unbemerkt zu deiner eigenen, zentralen Thematik deines Gedichts. Melancholische Hintergrundmusik begleitet deinen filmischen Vortrag, der mit einer Liebesgeschichte sein anschauliches Ende findet. Look Up, heißt dein Video und du willst damit sagen: Seht von euren Smartphones auf und stürzt euch ins reale Leben, ihr Langweiler! Deine rhythmischen Reime massieren mehr als 32 Millionen Hirne (Anzahl der Aufrufe des Videos auf YouTube, Stand 09.05.2014). Aber deine Zeilen haben gerade soviel Tiefgang, dass sie die große Masse für vielleicht zwei Wochen in absolute Betroffenheit und Nachdenklichkeit stürzen, ohne durch zuviel Komplexität zu überfordern oder irgendeine Art von Verhaltensänderung zu initiieren. Die Wirkung deines Beitrags ist von jener eines süßen Katzenbabyvideos nicht zu unterscheiden.

 

 

Bei Risiken oder Nebenwirkungen fragen Sie ein virales Video

Egal ob Engelmann oder Turk, was heute an Gesellschaftskritik im Netz viral geht, mutet textlich nicht nur an wie allerfeinster deutscher Pop Schlager à la Unheilig, sondern liest sich auch so: Geboren, um zu leben. Wie wir leben sollen, können Engelmann und Turk so genau auch nicht sagen. Sicher ist scheinbar nur: Überall und in allen Dingen erwartet uns heute das geheimnisvolle Event, die große Herausforderung, die einmalige Chance. Wer sie nicht nutzt, aus dem wird nichts! Was soll einer später im hohen Alter mal erzählen, der in seiner Jugend nichts von Bedeutung erlebt hat? (Engelmann). Und wie soll man die große Liebe finden, wenn man doch ständig auf das Handy starrt? (Turk). Die große Gemeinsamkeit der thematisch unterschiedlichen Beiträge Gary Turks und Julia Engelmanns ist es, dass sie jedem Moment unserer Existenz eine Einzigartigkeit, Gemeinschaftlichkeit und Erlebnisorientierung unterstellen, die wir so tatsächlich weder digital, noch analog erleben und die uns auch in ihrer praktischen Umsetzung schlichtweg überfordern würde.

 

Die mahnende Erinnerung an unser fast vergessenes, romantisch verklärtes, analoges Lebens liegt trotzdem nahe. Sie ist die einfachste und medientauglichste Antwort auf das große Vorurteil der Assozialität durch digitale Kommunikation. Und sie ist alles, was uns technisch-überforderten Hypochondern momentan einfällt, auf unserer panischen Suche nach der großen digitalen Epidemie.

 

 

Fotos: flickr.com/SigfridLundberg  und  flickr.com/Phae (CC BY-NC-SA 2.0)

 

Wer wir sind und was wir wollen: Kommentar von einem weiteren Digital Native

von Sabine Appel

Er sieht aus wie ein deutscher Justin Bieber und seine Geschichte ist nicht ganz unähnlich. Mit seinem Podcast „Mein iPhone und ich“ wurde Philipp Riederle schon mit 13 über Nacht zum Star – er zeigte, wie man das damals nur auf dem US-Markt verfügbare iPhone für deutsche Simkarten knackt. Er hat damit den richtigen Trend erwischt, denn das iPhone boomt und Apple wird zur Trendmarke. Philipp Riederle wird zum bekanntesten deutschen Podcaster, ein Digital Native, der anderen seiner Generation, vor allem aber auch Älteren, die Bedienung von Smartphone und Tablet erklärt – weil er es kann. Und daraus entstand wohl auch die Geschäftsidee, Unternehmen den Umgang mit der neuen Technik, vor allem aber mit Social Media und einer neuen Generation, beizubringen. Mit 18 Jahren nennt er sich Unternehmensberater und schreibt ein Buch, das seine Generation erklären soll: „Wer wir sind und was wir wollen“. Als Teil dieser Generation habe ich das Buch unter die Lupe genommen. Wer sind wir denn nun? Und wollen wir das wirklich?

Die Werbung ist tot, es leben die wilden Behauptungen

Mein Vorsatz, Herrn Riederle und seine Schreibe objektiv zu behandeln, ging in den ersten 50 Seiten schon beinahe über Bord. Die Einleitung ist ein Chaos. Es fehlt Struktur, roter Faden und aufeinandergestapelt werden wilde Behauptungen und Phrasen. Fast jedes Kapitel beginnt und endet mit einem abgedroschenen Spruch. Verallgemeinerungen regieren. Keiner will mehr ein Auto, die Werbung ist tot, wir sind die Besten und Aufgeklärtesten und nichts kann uns blenden. Hin und wieder wird ein Fachbegriff wie das Riepelsche Gesetz eingeworfen, aber irgendwie weiß man nicht, was nun Fakt ist und was Fiktion – alias die subjektive Meinung eines Jungen. Das Schlimmste daran: Der arrogante Tonfall, der teilweise gegenüber den „Alten“ ins Beleidigende übergeht. Reißerische Gedanken für die finale Kritik bildeten sich in meinem Hinterkopf. Aber dann kam… okay, nicht alles anders, aber ein bisschen anders, als erwartet.

Der Hauptteil ist besser. Es ist etwas dran an dem, was Philipp Riederle zu sagen hat. Viele seiner Thesen bleiben naiv, zum Beispiel beharrt Riederle auf der Behauptung, dass klassische Werbung die Generation der Digital Natives nicht mehr beeinflussen könne. Sie dirigieren den Markt mit ihren „Likes“, dass der Markt sie immer noch mindestens genauso im Griff hat wie sie ihn, ignoriert Riederle. Womit er allerdings Recht hat, ist, dass es – vielleicht dank ihrer Generation, Onlinerezensionen und Social Media – einen Trend gibt, in Werbespots weniger zu verführen und mehr zu erzählen. Zu bewegen. Emotionales Storytelling.

Wer sind wir denn nun?

Ein paar Thesen, die Philipp Riederle aufstellt, sind also gar nicht so unangebracht, wie man aufgrund des Tonfalls zunächst annehmen mag. Aber jetzt zum Kern: Wer sind die Digital Natives denn nun eigentlich? Ich wartete vergeblich darauf, dass mir das im Hauptteil irgendwann explizit erklärt wird. Riederle spricht ständig von einem „Wir“, in dem ich mich als Digital Native inbegriffen fühle, aber irgendwie hat man das Gefühl, dass es viel mehr darum geht, seiner Meinung zu sein, als nur mit Computer und Smartphone aufgewachsen zu sein – Letzteres ist meine Definition von „Digital Native“. „Es ist eine Frage der Haltung“, stellt Riederle an einem Punkt fest, und bleibt damit unglaublich vage. Gehöre ich jetzt eigentlich dazu? Eine Antwort darauf habe ich in seinem Buch nicht gefunden, da er tatsächlich an keiner Stelle eine klare Definition liefert.

Manche seiner Verallgemeinerungen bringen mich allerdings dazu, gar nicht unbedingt in dieses „Wir“ fallen zu wollen, genauso wenig wie ich glaube, dass der Großteil der Gleichaltrigen dort hinein passt.  „Wir“ brauchen nämlich zum Beispiel keine Statussymbole ergo Autos mehr, meint Riederle. Dass das neueste iPhone und das Retina MacBook genauso Statussymbole sind wie damals das erste Moped und die getunte Karre, entgeht dem jungen Superhirn komplett. Dabei spricht er ständig von iProdukten. Er verteidigt Smartphone und Co. irgendwann etwas lasch als „Mittel zum Zweck“. Na klar, aber da würde es doch auch ein 5 Jahre alter Dell Laptop und ein Huawei Smartphone tun, oder?! Nein, viele von „uns“ brauchen ihr erstes Statussymbol mit dem Apfel heutzutage schon im Alter von 10 Jahren. „Wir“ sind daher insgesamt  nicht halb so unabhängig, wie Herr Riederle tut. Es ist doch fraglich, ob der Großteil der Digital Natives sich wirklich immer genau über alle Produkte informiert, anstatt auch oftmals Trends zu folgen und einfach das Produkt der beliebtesten Marke zu kaufen.

Der Teufel sitzt bei Philipp Riederles Buch im Detail – oder im Fehlen dessen. Vieles könnte besser definiert sein, er hätte weniger verallgemeinern und stattdessen ein bisschen tiefer blicken sollen. Positiv anzumerken ist, dass einige gute Ideen präsentiert werden, die vielleicht an sich nicht total neu sind; dennoch war es schön, sie zusammengefasst und in verständlicher Sprache zu lesen.

Die Mentalität einer Generation – und ihre Aufgabe

Besonders die Veränderung von (Arbeits-)Zeit und Tagesablauf im Angesicht der Digitalisierung wird gut und ausführlich diskutiert, zwar gespickt mit subjektiver Meinung, aber das ist in Ordnung, so lange es nicht nur Behauptungen sind. Der wissenschaftliche Bezug wird deutlicher, auch die Struktur ist im Hauptteil etwas klarer. Riederle hat über alle wichtigen Aspekte des Lebens nachgedacht; Freizeit, Arbeit, Bildung, Partnersuche, Familie; und sich doch überraschend konstruktiv mit ihnen auseinandergesetzt. Zugegeben, er bietet für das meiste keine endgültige Lösung, aber das kann man auch nicht erwarten, da es sich um gesellschaftliche Diskussionen handelt, die seit Jahren zu keinem Schluss kommen. Was aber rüberkommt, ist Riederles Verständnis der Mentalität einer Generation. Sicher kann man nicht alle über einen Kamm scheren, aber das Bedürfnis nach Substanz und Authenzität, nach Selbstständigkeit und Freiheit beim Arbeiten, trifft die aktuelle Stimmung doch ganz gut.

Dass „wir“ nicht so unpolitisch sind, wie andere Generationen oft behaupten, vertritt Riederle ebenfalls recht überzeugend. Er verteidigt die Nutzung von Social Media auf eine angebrachte Weise, die die Klischees des sinnlosen „Chattens“ und der völligen Öffentlichkeit persönlicher Inhalte widerlegt – Klischees, die sich viele Digital Natives bis heute von Digital Immigrants anhören müssen, die Facebook vielleicht nie betreten haben. Denen möchte ich dieses Buch, oder zumindest ein paar Kapitel daraus, doch tatsächlich mal in die Hand drücken. „Wenn ihr mir schon nicht glaubt, dann glaubt doch dem Typen, der schon Daimler und McDonalds beraten hat“ (Aber passt auf, dass ihr ihm nicht alles glaubt).

 

Bilder: google bilder/Marc Weber (CC-BY-SA-3.0); flickr/frauleinschiller (CC BY-NC-ND 2.0)

„Wir stoßen da in eine Lücke“

von Alexander Karl

Im März dieses Jahres fing alles an: Da gingen die Eimsbütteler Nachrichten online. Nicht ganz Hamburg, sondern speziell der Bezirk Eimsbüttel steht im Zentrum des hyperlokalen Projekts – circa 250.000 Einwohner leben in Eimsbüttel und sind damit eine eigene Großstadt in der Hansestadt. Von Beginn an Teil des hyperlokalen Projekts ist Ada von der Decken, Jahrgang 1984. Nach ihrem Volontariat arbeitet sie nun als freie Journalistin, u. a. für die NDR-Formate ZAPP und plietsch.  – und eben auch als Chefredakteurin der Eimsbütteler Nachrichten.

Im Gespräch mit media-bubble.de spricht sie über Lokaljournalismus, die Akzeptanz von Online-Projekten und die Bedeutung von Social Media.

Ada, Hamburg hat mit dem Hamburger Abendblatt und der Hamburger Morgenpost zwei große Tageszeitungen, 2014 will auch noch die Wochenzeitung Die Zeit einen Hamburger Lokalteil bringen. Wofür braucht es da die Eimsbütteler Nachrichten?

Es gibt jede Menge Kollegen, die über Eimsbüttel schreiben, das stimmt. Aber der Bezirk Eimsbüttel hat über 250.000 Einwohner, gleichzeitig ist der Platz in den Tageszeitungen begrenzt, da es noch mehr über Hamburg und die Welt zu berichten gibt. Aber eine Stadt in der Größe des Bezirks Eimsbüttel hätte sicherlich eine eigene Zeitung. Deshalb gibt es uns.

Was gibt es denn im Hyperlokalen so Spannendes zu berichten?

Alles, was es im Großen gibt, gibt es auch im Lokalen oder Hyperlokalen. Es mangelt hier nicht an Themen, auch nicht an harten Themen. Wir haben aber genauso eine Kolumne über den Tierpark Hagenbeck, da geht es dann auch mal um Halloween im Affenkäfig. Dass ein bisschen Lokalkolorit dazugehört, finde ich absolut schön und sehe es als Bereicherung.

Kürzlich gab Ismaningen Online, ein ähnlich hyperlokales Projekt aus Bayern, kurz vor seinem zweijährigen Bestehen bekannt, gescheitert zu sein. Als ein Grund wird die fehlende Relevanz genannt, durch die keine Anzeigenkunden gefunden werden konnten. Können sich neue Online-Projekte überhaupt gegen etablierte Medien behaupten?

Das war bei uns nie ein Thema. Wir haben uns ganz selbstverständlich als Eimsbütteler Nachrichten vorgestellt, am Anfang noch hinzugefügt, dass wir neu sind. Aber wir wurden immer sofort für voll genommen. Wir stoßen da in eine Lücke. Und das wird beispielsweise von den hier ansässigen Vereinen als sehr positiv empfunden.

„Der lokale Bezug muss da sein.“

Und dabei habt ihr ein breites Spektrum, über das ihr berichtet: Von Hagenbecks Tierpark, über Fußball bis hin zu Politik ist alles dabei.

Ja, aktuell gibt es auch fast jeden Tag einen neuen Artikel – womit wir nach so kurzer Zeit selbst nicht gerechnet hätten. Wir hatten im November etwa 30.000 Seitenaufrufe und würden unser thematisches Spektrum gerne noch erweitern, um etwa über weitere Sportarten berichten zu können. Aber: Der lokale Bezug muss da sein.

Es gibt in Hamburger ja noch weitere hyperlokale Projekte, die sich mit einem Bereich in der Großstadt beschäftigen.

Genau: Mittendrin beschäftigt sich mit Hamburg-Mitte, Wilhelmsburg Online mit der Elbinsel und Elbmelancholie versteht sich eher als Blog und Magazin für Hamburg. Wir haben aber einen gemeinsamen Stammtisch und tauschen uns aus. Wir sind vor allem durch den lokalen Bezug voneinander abgegrenzt, aber kooperieren miteinander.

Aber werdet ihr als Eimsbütteler Nachrichten von Politik und Presseabteilungen von Unternehmen als Online-Projekt überhaupt ernst genommen?

Ja, ich glaube spätestens seit unserer Podiumsdiskussion vor der Bundestagswahl, an der sieben Direktkandidaten unseres Wahlkreises teilgenommen haben. Vielleicht liegt es an unserem Namen – als ‚Eimsbüttel Online‘ wäre es vielleicht schwieriger. Hinzu kommt: Wir arbeiten sorgfältig, das merken sich die Leute.

Siehst du trotzdem Vorteile in einem zusätzlichen Printteil oder wollt ihr ausschließlich online bleiben?

Wir planen derzeit auch eine Printauskopplung um uns bekannter zu machen – auch weil mache sagen: Ihr seid gar keine richtige Zeitung, ihr seid ja nur online (lacht). Online können wir aber all das machen, was wir in der Zeitung nicht könnten: Etwa Videos und Audios einbinden oder verlinken. Wir sehen das als große Spielwiese. Für uns ist da aber wichtig, dass der Medieneinsatz zum Thema passt. Aber der Printteil ist von uns eher als Offline-Werbung gedacht.

„Die Teilbarkeit für Social Media ist wichtig.“

Wenn du die Offline-Werbung ansprichst: Wie sieht es denn mit der Aufmerksamkeit online aus? Wie wichtig ist der Einsatz von Social Media für euch?

Social Media sind für uns als Online-Medium wichtig, klar. Wir haben mittlerweile über 700 Facebook-Fans und veranstalten im Web auch Balkon- und Fotowettbewerbe. Die Teilbarkeit für Social Media ist wichtig, gerade auch bei Artikeln mit einem Service-Charakter. Diese werden zudem gut aufgerufen.

Wenn die Einnahmen nicht durch eine Print-Ausgabe kommen: Wie finanziert ihr euch?

Wir haben Partnerprogramme und orientieren uns damit an anderen Stadteilzeitungen. Lokale Geschäfte können sich bei uns vorstellen, das ist dann als Anzeige markiert. Die Partner wissen aber, dass wir Redaktionelles und Werbung strikt trennen, die Werbetexte werden auch nicht von der Redaktion geschrieben. Für die Anzeigenkunden ist jedoch der Vorteil, dass sie sehr zielgruppenspezifisch in einer hyperlokalen Umgebung werben können.

 

Foto: Özgür Uludag

5 Möglichkeiten, wie Medien und Journalisten soziale Netzwerke nutzen können

von Alexander Karl

Die Zeiten, in denen gesellschaftliche Debatten in der Kneipe um die Ecke stattfinden, sind noch nicht vorbei. Doch mit den sozialen Netzwerken haben sich neue Orte etabliert, in denen diskutiert wird: Seit Wochen ist etwa die Große Koalition, kurz GroKo, ein zentrales Twitter- und Facebookthema. Die klassischen Medien und einige Journalisten haben Twitter und Facebook längst für sich entdeckt – und greifen über diese in die Debatten ein. Doch wofür nutzen Medien, Journalisten und Blogger soziale Netzwerke?

Variante 1: Social Media zur Distribution journalistischer Inhalte

Sicherlich haben nur die wenigsten User Zeit und Lust, alle wichtigen journalistischen Medien wiederholt am Tag zu besuchen. Abhilfe schaffen da die Medien selbst: Spiegel Online, heute.de und Co. sind auf den sozialen Netzwerken vertreten und posten dort ihre Beiträge. Followen die User bei Twitter oder Liken sie die Seiten bei Facebook, bekommen sie die News direkt auf die Timeline. Artikel und Videos erreichen die Nutzer somit da, wo sie sich sowieso befinden: In den sozialen Netzwerken.

Variante 2: Social Media als Themenlieferant und Straßenumfrage

Die Landung eines Flugzeugs im Hudson River oder News der Koalitionsverhandlungen – die Informationen haben die User wahrscheinlich zuerst in den Sozialen Netzwerken erreicht. Bei der Notlandung im Hudson River 2009 war ein Tweet „mit höchster Wahrscheinlichkeit die erste Nachricht überhaupt, die über die Beinahe-Katastrophe von New York in die Welt gesetzt wird“, wie es Spiegel Online formuliert. Bei den Koalitionsverhandlungen waren es die Politiker selbst, die die Öffentlichkeit so auf dem Laufenden hielten. Sowohl die Notlandung 2009, als auch die Twitter-Nachrichten aus den Koalitionsverhandlungen wurden von den klassischen Medien entsprechend aufgegriffen. Die sozialen Netzwerke werden so zum Themenlieferant. Doch nicht nur die Tweets von Politikern werden journalistisch aufbereitet: Auch die Tweets von Otto-Normal-Bürgern werden von etablierten Online-Medien aufgegriffen. Anstatt in Deutschlands Innenstädten Passanten nach ihrer Meinung zu fragen, stellen Journalisten die Tweets und Posts der Nutzer zu einem Thema zusammen – quasi als Straßenumfrage 2.0 (media-bubble.de berichtete).

Variante 3: Social Media als Kommunikator

Die Zeit, in der es sich die klassischen Medien erlauben konnten, auf ihre Rezipienten nicht einzugehen, ist vorbei: Journalisten suchen auf Twitter und Facebook den Diskurs – so fragte die Schwäbische Zeitung ihre Follower beispielweise nach ihrer Meinung zu den Maut-Plänen der CSU. Gleichzeitig können die Medien Fragen der User beantworten und Feedback entgegennehmen. Tweets und Facebook-Kommentare sind damit das Online-Pendant zu den klassischen Leserbriefen. Mit einem großen Unterschied: Sie sind öffentlich und für jedermann einsehbar.

Variante 4: User helfen bei der Recherche

Warum sollten Journalisten nicht unter ihren eigenen Followern oder Freunden nach Unterstützung für Beiträge suchen? Daniel Bröckerhoff fragte beispielsweise Ende November für das Medienmagazin ZAPP um Hilfe über Twitter. Für den ZDFcheck während des Wahlkampfes konnten die User gar bei der Recherche helfen. Dabei wurden die Aussagen von Politikern auf ihre Richtigkeit geprüft, die User konnten die Recherche mit Hinweisen unterstützen.

Variante 5: Journalisten werden sichtbarer

Nicht nur die Medien können sich und ihre Beiträge über Social Media darstellen und sichtbar machen, sondern auch die Journalisten selbst. Sie können ihre Community mit persönlichen Meinungen, Analysen und Linktipps auf dem Laufenden halten und sich damit gleichzeitig selbst nur Marke machen. Gerade für Journalisten, die nicht vor den TV-Kameras stehen, ist das eine Möglichkeit, sich zu präsentieren. Dabei reicht das Spektrum der twitternden Journalisten von BILD-Chefredakteur Kai Diekmann, über den Mitherausgeber der FAZ Frank Schirrmacher, bis hin zum Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Der SPIEGEL Wolfgang Büchner.

Social Media – das hat diese Übersicht gezeigt – ist von großem Nutzen für den modernen Journalismus. Gleiches gilt natürlich auch für Blogger, die in den sozialen Netzwerken unterwegs sind. Und doch ist klar: Je mehr Medien, egal ob klassische oder reine Online-Medien, die sozialen Netzwerke bevölkern, desto eher droht ihnen die Gefahr, im News-Strom nicht mehr wahrgenommen zu werden. Und dann sind es doch wieder die analogen Stammtische, die das eigentlich Wichtige herausfiltern.

 

Bilder: flickr/lioman123 (CC BY-SA 2.0), flickr/mauricevelati (CC BY 2.0)