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Wissenschaft sollte für jeden zugänglich sein!

André Lampe sagt über sich selbst: Ich bin Physiker, der in die Biochemie gewech-selt ist, um ein Mikroskop zu bauen. So vielfältig diese Kurzbeschreibung ist, ist auch seine Art Wissenschaft zu kommunizieren. Ob er über Podcast, Blog oder auf der Bühne sein Wissen verbreitet ist ihm eigentlich egal. Über seine Zielgruppe sagt er: „Die Eine gibt es für mich nicht.“

Wissenschaftskommunikation – Nachrichten aus dem Elfenbeinturm?

“Wenn wir nicht selbst kommunizieren, dann machen es andere!” Wir haben mit Dr. Tobias Maier darüber gesprochen, wie wichtig es ist, als Wissenschaftler*innen gemeinsam gegen Fake News vorzugehen und Wissenschaft an die Bevölkerung zu kommunizieren. Welchen Herausforderungen sich die Wissenschaft stellen muss, hat er uns in einem Gespräch verraten.

„Wissenschaftskommunikation gehört einfach dazu“

„Wissenschaftskommunikation ist relevant, weil sie Informationen zu vielen Entscheidungen gibt, die einen selbst betreffen. Zum Beispiel impfe ich meine Kinder?“, sagt Wissenschaftskommunikator Philipp Schrögel.

Wissen direkt aus dem Medizinstudium

Redakteure haben in ihrem journalistischen Alltag oft keine Zeit, Studien richtig zu lesen. Der Druck als erster die Nachricht zu veröffentlichen ist hoch. Dadurch können Ergebnisse verfälscht dargestellt werden und Mythen entstehen. Dagegen möchte die Medizinstudentin Marlene Heckl mit ihren Videos und Blogeinträgen angehen. Für sie ist das schon lange kein Hobby mehr.

Phrasen-Schwein

Die 10 schlimmsten Phrasen

Absolut verführerisch, wenn man selber textet, und doch grottig, wenn man es dann selber lesen soll: Das sind Phrasen. Füttert nicht das Phrasen-Schwein und haltet euch fern von diesen 10 ausgelutschten Floskeln!

Die Zukunft des Journalismus

Von Jasmin Gerst

Der promovierte Politikwissenschaftler Dominik Wichmann referierte am 14. Dezember im Kupferbau der Universität Tübingen über Veränderungen des Verhältnisses zwischen Publikum und Medien sowie dessen Auswirkungen auf den Journalismus wie wir ihn kennen. Wichmann war Chefredakteur des SZ-Magazins und beim STERN, außerdem hat er vor kurzem zusammen mit Guido Westerwelle dessen Biografie „Zwischen zwei Leben: Von Liebe, Tod und Zuversicht“ realisiert.

Geizige Digital Natives?

DominikWichmannWichmann stellt zu Beginn klar, dass der Journalismus noch nie besser war – die Qualität der Inhalte steigt, trotzdem sind immer wenige Konsumenten bereit für diese Qualität Geld zu bezahlen. Eine offensichtliche Veränderung stellt das Leseverhalten der Konsumenten dar. Fakt ist, dass viel weniger Menschen eine Tageszeitung abonniert haben als früher. Und warum? Weil mittlerweile fast alles kostenlos im Netz zu finden ist. Der Kampf, den die Journalisten führen müssen, lässt an der Zukunft des Journalismus zweifeln. Wichmann ist sich jedoch sicher, dass es ihn immer geben wird, allerdings in veränderter Form und mit qualitätsvolleren Inhalten. Die jüngere Generation der Journalisten, die Digital Natives, sind sich ihrer Zukunft zwar ungewiss, bringen jedoch gewisse Vorteile mit sich: Sie können das Neue leichter adaptieren und dabei spielt das Alter eine wichtige Rolle. Da sie bereits in jungen Jahren den Umgang in der digitalen Welt erlernt haben, sind sie der älteren Generation um Längen voraus. Denn Kommunikation allein reicht nicht mehr aus: Die Konsumenten fordern mehr Expertise, aber gerade die Digital Natives sind nicht bereit für diese Expertise zu bezahlen.

Akzeptieren und Umdenken

Fakt ist also, dass sich die Zeiten geändert haben und man sich dieser neuen Zeit anpassen muss. Dazu gehört nicht nur diesen Wandel zu akzeptieren, sondern ihn auch zu „wollen“. Denn die unendlichen Möglichkeiten, die es nun auf dem Markt gibt, müssen optimiert werden. Es ist also von großer Wichtigkeit, dass der Journalismus diese Angebote wahrnimmt und sich heute viel mehr vermarkten muss als früher. Dazu gehört unter anderem stets präsent zu sein, Expertise zu erlangen, Unvoreingenommenheit sowie Form und Inhalt in Einklang zu bringen. Wichmann stellt außerdem fest, dass dieser Umbruch auch viele Widersprüche mit sich bringt. Ein Journalist muss zwei wichtige Parameter vereinen: möglichst aktuell und möglichst zeitnah sein. Das bedeutet, was die Aktualität betrifft, im digitalen Zeitalter angekommen zu sein (Stichwort Liveticker oder Twitter), sowie möglichst schnellen und guten Journalismus zu präsentieren. Dass die Qualität dadurch auf der Strecke bleibt, ist nur allzu verständlich. Nur ein wirklich guter Journalist kann diese beiden Kräfte vereinen, aber dadurch steigt ein weiterer Druck – die Möglichkeit des Scheiterns.

Präsent sein

Ein weiteres Problem ist, dass die Leser nicht nach bestimmten Nachrichten suchen. Die Daten kommen zum Leser und nicht der Leser zu den Daten. Diese werden aufgrund von den Spuren, die der Nutzer tagtäglich hinterlässt, angepasst. Wichtig sei außerdem, dass die Inhalte dort zu finden sein müssen, wo der Leser sich aufhält (z.B. Werbung bei Facebook / Twitter / Instagram etc.). Deshalb wird es immer wichtiger auf Facebook, YouTube, Twitter usw. präsent zu sein. Dass der mediale Wandel begonnen hat, zeigt sich auch dadurch, dass hochkomplexe Themen mittlerweile über mehrere Stunden (z.B. Serie Mad Men) ausdiskutiert werden können. Problem dabei ist jedoch, dass nicht jeder Sender kooperiert und weiterhin ein „spießiges und biederes“ TV-Programm bietet. Die Digitalität ermöglicht revolutionäre Umbrüche sowie eine enorme Verfügbarkeit der Daten.

Aus Real-Time wird Before-Time

Ist es also ein Ende des Journalismus wie wir ihn kennen? Das Berufsbild wird zwar nie verschwinden, so Wichmann, aber der Journalist muss umdenken und sich deutlich mehr nach seinen Lesern richten. Außerdem wird er es deutlich schwerer haben als früher. Denn der Redakteur der Zukunft übernimmt die Rolle als Chefredakteur der Gegenwart. D.h. die Transparenz der Daten führt dazu, dass er oder sie entscheiden.

Durch diese Verfügbarkeit der Daten wird der Journalismus zu einem ganz anderen, so gravierend wird er sich verändern. Sein retrospektiver Charakter wird erweitert und eine neue Erzählform wird entstehen: aus Real-Time wird Before-Time. Um erfolgreich zu sein, fügt Wichmann hinzu, muss man das Rad nicht neu erfinden, es reicht lediglich es als erster zu importieren. Innovation wird ein großes Stichwort sein, diese ist jedoch mühsam und anstrengend. Deshalb ein weiterer Tipp von Wichmann: bestehendes Optimieren!

Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

media-bubble.de in neuem Glanz

Schon gesehen? Die Arbeiten an unsere Webseite sind endlich abgeschlossen und sie präsentiert sich in einem neuen Look.

Was ist neu? Das Aussehen!

Wir haben die Aufmachung verändert, um euch die Bedienung zu erleichtern und die Webseite noch attraktiver zu machen. Dafür haben wir zwei Menüleisten eingebaut. Die obere (direkt über unserem Logo) umfasst alle Themen rund um die Redaktion von media-bubble und Kontaktdaten. Die untere enthält die unterschiedlichen Kategorien unserer Artikel. Von Büchern & Comics bis zur Uniwelt ist bei media-bubble alles geboten. Neben der Möglichkeit über die Kategorien zu Artikeln zu gelangen findet ihr auf der Startseite stets unsere neusten Beiträge.

Euch gefällt der neue Auftritt und euch gefallen unsere Artikel? Dann teilt sie mit euren Freunden, damit unsere Bubble noch bekannter wird!

 

Ihr habt Anregungen oder Kritik zur neuen Webseite? Dann schreibt uns entweder per Facebook oder Mail, wir sind für jede Rückmeldung dankbar.

„Coffeeshop“: Multimediales Erzählen in der ‚Literatur‘

von Alexander Karl

Das ist der Literaturbranche bestimmt nicht Latte (Macchiato): Denn Coffeeshop von Gerlis Zillgens stellt einen Bruch mit den gängigen Buchkonventionen dar. Zunächst einmal ist es kein haptisches Buch, sondern eine E-Book-Serie mit 12 Episoden (wahlweise auch als Hörbuch oder als Read & Listen Version verfügbar). Darin erlebt die Sachensucherin Sandra die unterschiedlichsten Abenteuer mit ihren drei besten Freunden, deren zentraler Treffpunkt der „Coffeeshop“ ist, das Café ihres schwulen Freundes Captain. Allein die Episodenhaftigkeit und somit die strukturelle Anlehnung an TV-Serien mag für den Literaturbetrieb ungewöhnlich sein. Dabei stellt dies aber nur Basis-Version der Erzählung dar. Denn die „Coffeeshop“-App sorgt für ein kunterbuntes Story-Erlebnis.

Multimediale App

Multimedial wird Coffeeshop vor allem durch die App, die es parallel zu den anderen Produkten gibt: Jede der 12 Episoden in der App besteht nicht nur aus geschriebener Handlung, sondern reichert sie multimedial an. Kurze Filme greifen Handlungselemente auf, führen sie aus und kommentieren sie. Comicsequenzen zeigen die Gedanken der Protagonistin Sandra. Zudem werden Gespräche mit ihrem Vater auf rein auditiver Ebene eingebunden. Hinzu kommen weitere Elemente, um weiter in das „Coffeeshop“-Universum einzutauchen: Die Tagesgerichte des Coffeeshops lassen sich mittels der abrufbaren Rezepte nachkochen und Steckbriefe fassen die Eigenheiten der Protagonisten zusammen. Eine weitere Perspektive auf die Handlung wird durch die jeweils zur Episode passenden Kolumnen von Captain geboten. Hinzu kommen ein Spiel sowie Musik- und Büchertipps der Protagonistin, wobei letztere ins Web ausgelagert sind. Zusätzlich kann man sich die Episoden auch vorlesen lassen.

All das, was sonst transmedial ist

Mit dieser App geht Coffeeshop weit über das hinaus, was der Literaturliebhaber alter Couleur kennt: Statt ‚nur‘ gedruckte Worte auf Papier zu liefern, schafft Coffeeshop ein multimediales Erlebnis, das weit über die eigentliche Buchlektüre hinausgeht und innerhalb einer App all das versammelt, was in TV-Serien sonst gerne transmedial ausgelagert wird. Etwa bei der Erfolgsserie Breaking Bad, die online mit den Blogs der Figuren Marie und Hank sowie Graphic Novel Games und einigen Minisoden aufwartet – wie Jason Mittell in seinem online vorab publizierten Buch Complex TV : The Poetics of Contemporary Television Storytelling beschreibt, dienen die transmedialen Erzählungen von Breaking Bad vor allem dazu, den (Neben-)Figuren zusätzliche Tiefe zu verleihen. Ähnliches lässt sich auch bei Coffeeshop mit der Kolumne von Captain feststellen, da die eigentlichen Episoden aus Sandras Ich-Perspektive erzählt werden. Und auch die kurzen Videos ermöglichen Kommentare der weiteren Hauptdarsteller und Nebenfiguren, etwa Sandras Eltern.

Doch wie neu ist dieses Vorgehen? „Coffeeshop ist ein multimediales Projekt, bei dem erstmals ein Verlag und eine Filmproduktionsfirma zusammenarbeiten und ihre Stärken in einer neuen Form des Storytellings verbinden“, heißt es in einer Presseinformation.

Mehr noch: Coffeeshop stellt ein Beispiel für Paradigmenwechsel der Buchwelt dar, die zusehends mit hochwertig produzierten (und komplexen) TV-Serien konkurrieren muss, die als Romane der Neuzeit gefeiert werden. Daher scheint es nur logisch, die Stärken der unterschiedlichen Medien zu vereinen und dadurch ein multimediales Gesamterlebnis zu schaffen.

 

„Coffeeshop“ von Gerlis Zillgens von Bastei Lübbe, hier die Übersicht der Produkte.

 

Cover: Copyright Bastei Lübbe

Zensur mit Hintertür

von Ann-Katrin Gehrung

Von freier Meinungsäußerung, verantwortungsbewusster Veröffentlichung und einem flexiblen Umgang mit Rechtsgrundlagen ist die Rede – um was es geht? Internetzensur. Es scheint die Ära einer neuen Zensurstruktur angebrochen zu sein, die einen Spagat zwischen diesen  Anforderungen schaffen soll. Twitter macht  den ersten Schritt, der Google-Dienst Blogger folgt.

Was ist neu?

Dem Microblogging-Dienst Twitter ist es zukünftig möglich, einzelne Tweets auf Länderbasis zu sperren und auf diesem Wege gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.  Einerseits ermöglicht es dem Unternehmen einen flexiblen Umgang mit den jeweils  länderspezifisch geltenden Gesetzen und Vorschriften, andererseits werden somit Sperrungen auf globaler Ebene vermieden und die Inhalte bleiben für den Rest der Welt auch weiterhin zugänglich.
Des Weiteren wäre die Existenz von Twitter ohne Zensurmaßnahmen vor allem in repressiven Staaten fragwürdig. Durch solch eine „individuelle“ Sperrung nach den Vorgaben der Regierung kann den nationalen Vorschriften Rechnung getragen werden und ein Bestehen im jeweiligen Land gesichert werden.
Und zu guter Letzt gewährt Twitter seinen Mitarbeitern auf diesem Wege Schutz vor Restriktionen, da diese im jeweiligen Land für die veröffentlichten und verbreiteten Inhalte haftbar gemacht werden können.

Kritik und Anerkennung

Einige Organisationen sprechen bereits von Zensur – aber Twitter rechtfertigt seinen Schritt:
„Wir versuchen, Inhalte zu bewahren, wann und wo immer es uns möglich ist“, so das  Unternehmen. Doch was sich zunächst als Maßnahme der verantwortungsbewussten Veröffentlichung ausgibt, wird von Kritikern mit deutlichen Worten bewertet. So meldete sich unter anderem die Electronic Frontier Foundation (EFF) zu Wort und urteilt: „Let’s be clear: This is censorship“.
Laut Twitter kam die Zensurmethode bisher noch nicht zum Einsatz, nichtdestotrotz hält EFF an ihrer Warnung fest: „’if you build it, they will come,’- if you build a tool for state-by-state censorship, states will start to use it.”
Allerdings schlägt die Organisation im selben Atemzug auch mildere Töne an. Wohlwollend werden Twitters Ankündigungen aufgenommen, alle zukünftig anfallenden Sperrungen für die User kenntlich zu machen und im Sinne der Transparenz auf der Website ChillingEffects.org zu veröffentlichen.

Erste Follower

Der Vorstoß Twitters findet im Web schnell Nachahmer – etwa den Google-Dienst Blogger. Er agiert in ähnlicher Manier. „[…]promoting free expression and responsible publishing while providing greater flexibility in complying with valid removal requests pursuant to local law.“, lautet die im Januar dieses Jahres veröffentlichte Erklärung des Unternehmens. Indem die Blogs auf eine länderspezifische Domain umgeleitet werden, kommt es auch hier zu einer möglichen Blockierung von Inhalten auf der jeweiligen nationalen Ebene, wodurch die anfallenden Sperrungen für möglichst wenige Nutzer Konsequenzen haben sollen und eine Blockade auf globaler Ebene umgangen wird.
So werden beispielsweise Nutzer aus Indien, die Blogs auf blogspot.com ansteuern, auf blogspot.in umgeleitet und bekommen möglicher Weise andere Inhalte zu sehen, als Nutzer, die dies in Australien versuchen und auf blogspot.au umgeleitet werden.

Schlupfloch lautet das Zauberwort

So weit, so gut – doch der eigentliche Clou der neuen Zensurmaßnahmen steht im Kleingedruckten: Umgehungsmöglichkeiten.
Dabei handelt es sich nicht um technische Hochleistungen, die nur durch Expertenwissen durchführbar sind, sondern um offensichtliche, unkomplizierte und ohne technischen know how durchführbare Maßnahmen, die es auch dem durchschnittlichen Internetuser ermöglichen, die Sperrungen und Blockaden auf einfachstem Wege zu hintergehen.

So basieren die Zensurmaßnahmen von Twitter für die nationalen Sperrungen von Inhalten auf der von den Nutzern selbst angegebenen Konto-Einstellung der Länderangabe. Solange das Unternehmen auf das so genannte IP-Geoblocking, bei dem der Standort des Computers mittels IP-Adresse ermittelt wird und somit der Zugriff auf eine Website verweigert werden kann, verzichtet, kann der User durch eine manuelle Eingabe bzw. Änderung dieser Konto-Einstellung selbst festlegen in welchem Land er sich gerade befindet und welchen Zensurvorschriften er sich unterwerfen möchte. So ist es also auch Nutzer in repressiven Staaten mit strengen Zensurvorschriften auf diese Weise möglich, die technischen Barrieren zu umgehen und die gesperrten Inhalte einzusehen.

Ähnliche Hilfestellungen gibt es derweilen auch bei Blogger. Indem die Nutzer den Zusatz „/ncr“ (No Country Redirect) verwenden, kann eine Weiterleitung auf die länderspezifische Domain verhindert werden und der angesteuerte Blog ist somit für den User in seiner ursprünglichen Form unter der ursprünglichen Domain weiterhin zugänglich. So kann auch hier die automatische Umleitung auf einfachste Weise umgangen werden.

 Ein Fragezeichen bleibt

Doch wozu das Ganze? Wem nutzen Zensurmaßnahmen, die offensichtlich auf die einfachste Art und Weise umgangen werden können? Alarmierte Leser melden sich zu Wort. Getreu dem Motto „Wenn Möglichkeiten zur Zensur vorhanden sind, werden sie auch genutzt“, ist in ihren Kommentaren beispielsweise von  einer PR-Beruhigungspille die Rede, die aufgebrachte User besänftigen soll.  Denn auf Druck der Regierungen würden sich die bisher möglichen Schlupflöcher ganz einfach stopft lassen und somit ein Umgehen der Zensur deutlich erschwert werden. Andere sehen in dem Vorgehen der Unternehmen ein rein kommerzielles Streben: „So hat Twitter vor, die Zahl der aktiven Nutzer von derzeit 100 Millionen aktiven Nutzern auf mehr als eine Milliarde zu steigern.“ Um dies zu erreichen dienen die Zensurmaßnahmen der Existenzsicherung in einzelnen Ländern, wodurch einer weitere Expansion und einer weiteren Einnahmequelle des Unternehmens nichts mehr im Wege stehen soll.

Wieder andere vertreten die Auffassung eines Täuschungsmanövers. So geht auch Martin Weigert in seinem Beitrag der Frage nach, wie sich das Vorgehen des Unternehmens erklären lässt, das zwar bewusst Platz für einfachste Umgehungsmaßnahmen bietet, diese jedoch offiziell unbenannt lässt. „Sollen demokratiefeindliche Staaten auf diese Weise im Glauben gelassen werden, Twitter würde ihnen ein wertvolles Zugeständnis machen? Schwer vorstellbar, immerhin wird es nicht lange dauern, bis das Twitter-Universum und die Medien verstanden haben, wie bewusst transparent und löchrig Twitter die Maßnahme gestaltet hat“, so die Gedanken des Autors.

Ob und wenn ja welche dieser Prophezeiungen sich zukünftig überhaupt bewahrheiten wird, bleibt abzuwarten und solange dies noch nicht entschieden ist, sollte man sich die Vorhersage der EFF doch zu Nutze machen: ’if you build it, they will come,’ – wenn Schlupflöcher zur Umgehung der Zensur ermöglicht werden, dann werden Nutzern sie auch nutzen.

 

Foto: flickr/ Scott Beale/Laughing Squid (CC BY-NC-ND 2.0)