Seth Cohen – Ein Held mit Spielzeugpferd?

von Alexander Karl

Wer ist eigentlich Seth Cohen? Das fragt sich nicht nur Summer Roberts in der ersten O.C. California-Folge. Sie weiß nicht, dass sie seit Kindheitstagen von Seth angebetet wird. Doch leider hat sie ihn noch nicht wahrgenommen. Die Frage aber ist: Hätte sie es lieber getan? Sollte Summer wissen, wer Seth ist? Aber wer er selbst ist, auch das weiß Seth noch nicht so richtig. Ein jüdischer, zynischer und ironischer Junge mit Spielzeugpferd namens Captain Oats? Oder der tobende, kämpfende und über seine Grenzen wachsende Mann, der Seth dann ist, wenn seine Freunde oder die Liebe in Gefahr sind?

Die Vielschichtigkeit von Seth

So richtig wird man als Zuschauer nicht schlau aus dieser Figur, aber gleichzeitig macht sie genau das so unglaublich sympathisch und authentisch – Seth ist kein Stereotyp, sondern ein Original, ein Charakter. Seth ist nicht nur Teil der Handlung über das Leben einer reichen Familie in Kalifornien, er ist ein Medium und Figur. Sein Musikgeschmack beeinflusst Serie und Zuschauer, seine kantig-humorvolle Art dient als Gag der Serie, seine Außenseiterrolle und der Weg daraus als Leitbild für Millionen Fans. Aber ist Seth wirklich ein Held? Ein Held mit Spielzeugpferd?

An dieser Stelle muss zwangsläufig auf Jens Eders‘ „Die Figur im Film: Grundlagen der Figurenanalyse“ verwiesen werden, mit dessen Buch man Seth auf die Psychologen-Coach legen und komplett analysieren könnte. Doch bei vier Staffeln O.C., fällt einiges an Gesprechsbedarf an, weshalb ich nur die wichtigsten Punkte nenne, mit denen man Seth untersuchen kann:

1) Er ist anders als die anderen. Seth ist bestimmt nicht der Prototyp eines Mannes, stattdessen trägt er eindeutig weibliche Züge an sich. Seth ist eitel, selbstverliebt – aber gleichzeitig auch verletzlich und reflektiert immer wieder sein Handeln. Und vor allem spricht er darüber. Nicht selten nimmt er sich den eher stummeren (und maskuliner wirkenden) Ryan zur Brust und sucht seinen Rat (nach Eder: Ebene der fiktiven Figur).

2) Seth ist in gewisserweise der Prototyp eines Losers. Er wird von Klassenkameraden gemobbt und verprügelt, zumindest solange, bis Ryan kommt. Als Comic-Fan wirkt er bewusst verschroben und ist ein klarer Außenseiter – was immer wieder im Kontrast zu den Mitgliedern des Wasserball-Teams deutlich wird. Doch damit ist er auch ein Rebell, der sich gegen die Normen der O.C.,-Welt auflehnt. Vordergründig zählt dort nämlich der schöne Schein (nach Eder: Ebene des Symbols).

3) Seth birgt – eben aufgrund seines Charakters und seiner Einstellung – ein Konfliktpotenzial. Zum einen mit der Newport-Welt, in der er aufwächst, aber verabscheut. Aber auch in seinem privaten Leben. Seine unerfüllte Liebe zu Summer, die später zu einem Wechselbad der Gefühle mutiert, wird bereits in der ersten Folge angedeutet. Auf den ersten Blick passen Seth und Summer kaum zusammen, auf den zweiten dann aber schon. Und hier kommt auch Seths Spielzeugpferd Captain Oats ins Spiel: Summer selbst besitzt quasi das Gegenstück, nämlich Princess Barkle (nach Eder: Ebene des Artefakts).

4) Seth repräsentiert auf den ersten Blick zwar weniger das gänige Männerbild als Ryan, auf den zweiten Blick bietet er der Jugend aber wohl mehr Projektionsfläche als der Junge aus Chino. Denn er ist Teil der Generation Y, die, der Generation X nachfolgend, meist die Geburtenjahrgänge 1977 bis 2002 umfasst, nach manchen Definitionen auch jene von 1978 bis 1989 . Diese Generation ist zielstrebig, selbstbewusst, steht für Wandel und In-Frage-Stellen von Konventionen. Und genau das macht auch Seth. Er ist kein Stereotyp; er verstößt gegen viele Männerbilder und die der Upper-Class. Angefangen von seinem Kleidungsstil bis zu seiner Art ist er individuell und keinesfalls ein Abklatsch eines gängigen Bildes (nach Eder: Ebene des Symtoms).

 

Ist Seth nun ein Held?

Geht man nach Joseph Campbell, so ist Seth tatsächlich ein Held. In „Der Heros in tausend Gestalten“ heißt es:

„Der Held ist deshalb der Mensch, ob Mann oder Frau, der fähig war, sich über seine persönlichen und örtlich-historischen Grenzen hinauszukämpfen zu den allgemein gültigen, eigentlich menschlichen Formen“. (Campbell, 1999: 26)

Um aber zum Held zu werden, kämpft Seth primär gegen sich selbst. Seth Cohen ist also bestimmt kein Held, der sich selbst als Held sehen würde – vielmehr ist er nach Christopher Vogler ein unwilling hero:

„Full of doubts and hesitations, passive, needing to be motivated or pushed into the adventure of outside forces” (Vogler, 1999: 45).

Seth steht also sicher nicht auf einer Ebene mit Spider- oder Superman (obwohl er ironischerweise Summer mit Spiderman-Maske küsst). Er ist eher ein Alltagsheld, einer wie wir – nur eben mit Spielzeugpferd.

Literatur zur Figurenanalyse:

Campbell, Joseph (1999): Der Heros in tausend Gestalten. Insel Verlag Frankfurt am Main.

Eder, Jens (2008): Die Figur im Film: Grundlagen der Figurenanalyse. Schürer Verlag,  Marburg.

Vogler, Christopher (1992): The Writer’s Journey: Mythic structure for storytellers & screenwriters. Michael Wiese Productions, Studio City.

Watchblogs – Die Wächter des Internets

von Alexander Karl

Es gibt im Netz eine Vielzahl von Blogs: Manche sind rein autobiographisch wie jener von Airen, aus dem sich Helene Hegemann bediente. Dann natürlich noch jene zu special-interest Themen wie etwa Computer, Promis und Co.. Wer sich aber wirklich kritisch mit Themen auseinandersetzen möchte, der betreibt oder liest einen Watchblog.

 

Was ist ein Watchblog?

Ein watchblog beobachtet – was ja bereits im Namen steckt – und gibt seine Beobachtungen in Form eines Blogs wider. Dabei kann von Personen, Unternehmen bis hin zu den Medien so ziemlich alles beäugt werden.

Der wohl bekannteste deutsche Watchblog ist der seit 2004 existierende BILDblog. Seit Mai 2009 steht nicht mehr nur die BILD im Visier der Web-Fahnder, sondern auch andere Medien wie etwa die Tagesschau oderDer Spiegel. Aktuell wird beispielsweise die Berichterstattung der BILD zum Schmerzensgeld im Fall Gäfgen kommentiert.

Doch was zeichnet Watchblogs aus? Der BILDblog beschreibt seine Relevanz so: „Es gibt viele Beispiele dafür, wie deutsche Medien ihrer Verantwortung nicht gerecht werden. Oft fehlt es schon an der schlichten Bereitschaft, eigene Fehler zu korrigieren.“

Daher ist das Ziel des BILDblogs:

Was wir dagegen setzen wollen, ist dasselbe wie bisher [seitdem man auch andere Medien als die BILD beobachtet; Anm. d. Verfassers]: Aufklärung. Wir glauben, dass es hilft, die Fehler und Abgründe öffentlich zu machen — die kleinen Pannen und die große Desinformation. Damit deutlich wird, wie wichtig es ist, in Qualität zu investieren.

Dabei bittet der BILDblog auch um „sachdienliche Hinweise“ der 40.000 Leser, die nach eigener Aussage täglich auf die Seite strömen. Doch nicht nur die Medienlandschaft wird ständig beobachtet, auch soziale Netzwerke wie etwa Facebook haben einen Watchblog.

 

Wer beobachtet eigentlich die Watchblogs?

Das Problem bei Watchblogs ist: Wer überprüft die Überprüfer? Denn Ziel eines Watchblogs ist es ja, den Großen auf die Finger zu gucken und schlimmstenfalls auch einmal drauf zu hauen. Doch nicht jeder Watchblog scheint wie der BILDblog dazu permanent in der Lage zu sein. So hat es den Anschein, als das der GoogleWatchblog mittlerweile nicht mehr sonderlich kritisch über Google, sondern eher über Produktneuheiten der Suchmaschine berichtet. Also bedürfte es eigentlich eines Watchblogs für die Watchblogs.

Denn ein Watchblog sollte eben genau das tun – Kritik dort üben, wo es notwendig ist und als gesellschaftliches Korrektiv wirken.

Denn, so ZEIT-Autor Stefan Mesch, zeichnen sich die Watchblogs durch „Geschwindigkeit, Vernetzung, flexible Formen“ aus. Dadurch erhalten sie eine gesellschaftliche Relevanz, gerade dann, wenn gezielt oder unbewusst die Unwahrheit propagiert oder diskriminiert wird. So empfiehlt Mesch etwa auch den NPD-Blog, der sich kritisch mit der Partei und deren Treiben auseinander setzt, während foodwatch ein Auge auf die Lebensmittel werfen.

Watchblogs erfüllen also durchaus eine wichtige Funktion in der Gesellschaft, doch auch hier gilt: Selbst Watchblogs sollte man kritisch sehen.

Foto: flickr/Maria Reyes-McDavis (CC BY 2.0)

Von Peter Pan bis Potter – Amazons langer Schwanz

Von Alexander Karl

Einen Umsatz von 10 Mrd. US-Dollar kann nicht jedes Unternehmen vorweisen, das erst 1994 gegründet wurde. Amazon schon. Man könnte jetzt denken, dass Amazon Dank Bestsellern bei Büchern, CDs und DVDs so extrem erfolgreich ist. Doch weit gefehlt: Der lange Schwanz macht’s.

Amazon und ‚the long tail‘

Amazon ist ein Paradebeispiel für das, was Chris Anderson ‚ the long tail‘, auf Deutsch ‚langer Schwanz‘, nennt. 2004 stellte er im Magazin „Wired“ die These auf, dass Unternehmen über das Internet mit Nischenprodukten den meisten Gewinn machen. Denn, so Anderson, die Zeit des Massenmarkts ist vorbei, Individualisierung ist angesagt und diese wird durch das Internet noch weiter voran getrieben.

In seinem Buch „The Long Tail – Der lange Schwanz“ vergleicht er in der Einleitung seine Jugend in den 70ern mit der heutigen.  Während es früher wenige Radiostationen gab, die aber die Playlist der Songs – und somit Hits – vorgaben, können wir über YouTube oder Pandora selbst Programmchef sein. Für uns ist die Wahl zwischen Mainstream und Nische nur einen Klick entfernt. Und dieses Prinzip macht sich auch Amazon zu nutze. So können aktuelle Bestseller genauso wie derzeit weniger populäre Titel gekauft werden. Und erstaunlicherweise sind es eben jene Nischenprodukte, die für den Gewinn sorgen.

Die 98 Prozent-Regel

Anderson sagt:

The 80-20 rule, also known as Pareto’s principle (after Vilfredo Pareto, an Italian economist who devised the concept in 1906), is all around us. Only 20 percent of major studio films will be hits. Same for TV shows, games, and mass-market books – 20 percent all.

Denn kein Geschäft – vom Tante Emma Laden bis Karstadt – kann es sich leisten, alle verfügbaren CDs, Bücher oder Waschmittelsorten im Angebot zu haben. Stattdessen treffen sie eine Auswahl, die oftmals an Hitlisten orientiert ist, aber auch eine Hitliste kann nicht den Geschmack aller abdecken.

Jetzt kommt aber dieses neue Medium Internet und gibt den Unternehmen die Möglichkeit, Angebote virtuell zu positionieren. Kein teurer Regalmeter wird mehr für schlechtlaufende Rockmusik oder experimentelle Literatur verschenkt; stattdessen ist die Präsentation von Waren im Web quasi kostenlos.

Und plötzlich gilt die 80-20-Regel nicht mehr:

Robbie Vann-Adib, the CEO of Ecast, a digital jukebox company whose barroom players offer more than 150,000 tracks – and some surprising usage statistics. He hints at them with a question that visitors invariably get wrong: „What percentage of the top 10,000 titles in any online media store (Netflix, iTunes, Amazon, or any other) will rent or sell at least once a month?“ […] But the right answer, says Vann-Adib, is 99 percent. There is demand for nearly every one of those top 10,000 tracks.

Mittlerweile scheint Anderson nicht mehr von 99 Prozent, sondern von 98 Prozent auszugehen. Doch der Effekt bleibt der gleiche. Amazon – wie auch Ecast oder jeder andere Online-Store – hat verstanden, dass nicht nur Blockbuster, Chartbreaker oder Bestseller für den Umsatz sorgen, sondern eben auch die vermeintlichen Flops eine Fangemeide haben.

Anderson stellt daher für (Online-) Unternehmen folgende Regeln auf:

1) Make everything available. Denn der Grundgedanke ist: Für alles gibt es eine Käufergruppe (s. Grafik oben).

2) Cut the price in half. Now lower it. Der Komsument ist es (im schlimmsten Fall) gewöhnt, Filme und Musik kostenlos zu erhalten. Um mitzuhalten, müssen Unternehmen bis zur Schmerzgrenze gehen. Oder darüber hinaus.

3) Help me find it. Dank der heutzutage einfachen Suche bei Online-Händlern ist das Finden kein Problem, zumal wir auch „persönliche Empfehlungen“ bekommen. Amazon und Co. überprüfen, was Kunden mit einem ähnlichen Profil wie dem unseren auch gefallen hat und bieten es uns dann ebenfalls an.

Kritik am long tail

Doch wie immer in der Forschung ist nicht jeder Andersons Meinung. Anita Elberse hält den ‚long tail‘ für ein Märchen – und die SZ fasst Elberses Überlegungen so zusammen:

Elberse analysiert darin Branchendaten: Demnach nimmt die Bedeutung von Hits und Blockbustern in der Online-Wirtschaft nicht ab, sondern legt im Vergleich zur traditionellen Ökonomie sogar kräftig zu. Der Schwanz dagegen werde zwar länger, aber auch immer flacher: 91 Prozent der digitalen Musiktitel, die 2007 in den USA verkauft wurden, seien weniger als hundert Mal und immerhin 24 Prozent nur ein einziges Mal abgesetzt worden. „Was Verbraucher über das Internet kaufen,“ so Elberses, „entspricht größtenteils dem, was sie schon immer gekauft haben.“

Anderson hat sich dieser Kritik angenommen,streitet aber mit Elberse um die Frage, was noch zum ‚großen Kopf‘ und was bereits zum ‚langen Schwanz‘ gehört. Für Anderson endet der Kopf bei jenen 10.000  CDs, die eine Wal-Mart-Filiale im Programm hat, alles darüber hinaus gehört für ihn bereits zum langen Schwanz.  Elberse hält diese Grenzziehung für willkürlich.

 

Wer Anderson gerne in Farbe sehen möchte und seine Theorie noch einmal ausführlich hören will, der schaue hier:

 

Foto: flickr/Яick-Harris (CC BY-SA 2.0)

Facebook Party

I love my iPad

Die neuen Medien haben die Gesellschaft und das Leben jedes Einzelnen verändert. Technische Spielereien wie das Smartphone oder iPad sind aus dem Alltag ihrer Nutzer nicht mehr wegzudenken und in manchen Fällen wird das elektronische Gerät sogar zum zentralen Lebensmittelpunkt. Dort, wo sich alles darum dreht, nichts zu verpassen und mit der Welt in ständigem Kontakt zu stehen, rücken reale Beziehungen und soziale Kontakte in den Hintergrund. Wir haben uns überlegt, wie ein Tag im Leben eines Menschen aussehen könnte, dessen iPad zum Partner- und Freundesersatz geworden ist. Hier das Ergebnis in Bildern.

 

 

 

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Experiment

Fahre mit der Maus über das Bild für mehr Infos oder nutze die Links unter dem Bild.

Sherlock Holmes 2.0

Aktuelle und brisante Vorlage für den Fall von Holmes und Watson ist der Datenklau-Skandal von
Sony, bei dem von mehr als 80 Millionen Kunden private Daten – wie etwa auch Bankzugänge –
gestohlen wurden. Beschuldigt wird die Hackergruppe Anonymous.

In unserem Film trägt das betroffene Unternehmen in Anlehnung an die reale Firma Sony den Namen
Ynos. Der Ynos-Chef bittet die Detektive um Unterstützung, denn sie sollen herausfinden, wer hinter
den Hackerangriffen steckt. Im Film wird die Thematik der „digital immigrants“ und „digital natives“
aufgegriffen, wobei Sherlock Holmes den „immigrant“ verkörpert, der die Nutzung neuer Medien
erst lernen muss, während der „native“ Watson mit den neuen Medien aufgewachsen und somit
bereits bestens mit ihnen vertraut ist.

Während Holmes sich dementsprechend der traditionellen Mitteln bedient, versucht Watson sein
Glück auf dem digitalen Weg.

Um dem Zuschauer Interaktivität zu ermöglichen, sind die Filmsequenzen so zusammengestellt, dass
der Rezipient vier verschiedene Möglichkeiten zum Abspielen des Films hat:

So kann der Zuschauer 1. nur dem Ermittlungsweg von Sherlock Holmes folgen, 2. nur Dr. Watson
bei der Lösung des Falls begleiten, 3. den Film mit beiden Ermittlern als Gesamtes abspielen
oder 4. zwischen den beiden Ermittlern hin und herswitchen – da sie sich trotz unterschiedlicher
Lösungswege immer auf dem gleichen Stand befinden.