Drama up your life!

von Alexander Karl

„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“ Dieser durchaus schlaue Satz stammt von Niklas Luhmann, einem Soziologen, der sich auch mit den Medien befasst hat. Aber was lehren uns die Massenmedien über das Leben? Oder anders gefragt: Wie beeinflussen die Medien unser Leben?

 

Sex und Gewalt

Meike Uhrig, Expertin für Medienwirkungs-forschung

Sex and the City hat uns gelehrt, dass Sex nichts Schlimmes ist, man ihn möglichst oft haben sollte und am besten seinen Freundinnen davon erzählt. Gleichzeitig erfahren wir: Man kann in New York auch mit einer kleinen Sex-Kolumne überleben, sündhaft teure Schuhe kaufen und jeden Tag essen gehen. Zumindest in der fiktiven Welt von Carrie und Co.. Doch sind wir in der Lage, Realität und Unterhaltung wirklich zu trennen? Oder beeinflusst Carrie unser Shopping-Verhalten und Samantha unser Sex-Leben?

Meike Uhrig, Expertin für Medienwirkungsforschung der Uni Tübingen, sagt dazu: „Mit dieser Frage hat sich die Filmwissenschaft beschäftigt. Demnach können wir sehr wohl von Filminhalten beeinflusst werden, obwohl wir wissen, dass das was wir sehen nicht real und künstlich konstruiert ist. Wir rezipieren sozusagen unabhängig von diesem Bewusstsein.“

Außerdem beschäftigt sich auch die Medienwirkungsforschung immer wieder mit der Frage, wie sich Film und Fernsehen auf uns auswirken. Doch nicht die Auswirkungen auf unser Sexual- oder Shoppingverhalten stehen im Mittelpunkt, sondern oftmals die Gewaltdarstellung und deren Auswirkung auf den Rezipienten.

Als ein Pionier gilt Albert Bandura, der – verkürzt gesagt – sich mit dem Lernen am Modell auseinander gesetzt hat. Welche Verhaltensweisen eignet sich der Mensch durch Abgucken an, was lernt er durch ein Modell? In seiner sogenannten Bobo-Doll-Studie stellte er fest, dass Gewaltszenen (real wie auch filmisch) das Gewaltpotenzial bei Kindern fördern.

Doch ist es nicht zu einfach gedacht, dass ein Auslöser sofort eine Antwort nach sich zieht? Dieses stimulus-response-Modell wird in der Medienwissenschaft mittlerweile kaum noch als zeitgemäß betrachtet, weshalb auch Kunczik festhält: „Als abgesichert kann hingegen folgende Hypothese gelten: Je realistischer ein Film oder eine Fernsehsendung beurteilt werden, uni [sic!] so violenter werden sie auch empfunden.“ Das bedeutet nach Kunczik, dass Zeichentrickfilme (in den meisten Fällen) weniger gefährlich sind als Filme mit menschlichen Darstellern.

 

Doch wenn wir diese Überlegung für das Drama-Beispiel übernehmen – was bedeutet das?

Nach Kunczik könnte man somit als erste These aufstellen, dass eine shoppende Marge Simpson uns weniger zum Einkaufen verleitet als die Sex and the City-Darstellerinnen. Aber wie prägen die Figuren unsere Gefühle und Erwartungen?

Nehmen wir als aktuelles Beispiel den Film Freunde mit gewissen Vorzügen mit Justin Timberlake. Wünschen wir uns nicht auch, dass unser bester Freund nach einem großen Fehler einen riesigen Flashmob mitten in New York für uns organisiert? Oder wünschen wir uns von unserem (Ex-)Partner  nicht auch wie in Friends, dass er uns zum Flughafen nachfährt, um uns aufzuhalten? Die Überlegung wäre also, in wie fern wir nicht sofort auf das Gesehene reagieren, sondern Verhaltensmuster aus dem Fernsehen als ideal abspeichern und auf unser eigenes Leben übertragen. Erwarten wir von unserem besten Freund, dass er uns einen Flashmob organsiert oder dass der Exfreund uns doch am Flughafen abfängt?

Schaut man sich Facebook-Fan-Pages an, könnte man das vermuten. Nicht umsonst gibt es die Seiten Wegen Edward Cullen habe ich unerfüllbare Erwartungen an Männer oder Disney hat mir unrealistische Vorstellungen von Liebe vermittelt.

Doch was sagen die Medienwissenschaftler dazu? Meike Uhrig, Expertin für Medienwirkungsforschung, meint:

„Die Wechselwirkung zwischen (romantischem) Film- bzw. Fernsehinhalt und dem Alltagsleben des Zuschauers ist ein äußerst spannendes und extrem facettenreiches Thema. Man kann es  aus Richtung der Medienwirkungsforschung untersuchen und fragen, welche Auswirkungen die Medieninhalte auf Emotionen, Verhalten oder Einstellungen des Rezipienten haben.  Außerdem ist es möglich, das Ganze aus Sicht der Filmproduktion zu betrachten, die sich generell an Themenkomplexen orientiert, die Zuschauer gerne ansehen/erleben. Eine dritte Möglichkeit ist die, den Zuschauer als Ausgangspunkt der Untersuchung zu nehmen: Die Nutzungs- bzw. Rezeptionsforschung weist darauf hin, dass Zuschauer eben solche Inhalte nutzen, die sie in ihrem Alltag beschäftigen bzw. dass sie besonders die rezipierten Inhalte wahrnehmen, die mit ihrem Lebensentwurf übereinstimmen.“

Foto: Privat

Der Skandal endet nie

von Bernhard Pörksen

Medien suchen ihn, Mächtige fürchten ihn, das Publikum liebt ihn: den Skandal. Erkenntnisse und Ergebnisse der Skandalforschung.

Prof. Pörksen, Medienwissenschaftler in Tübingen

War da was? Das Publikum vergisst, so zeigt die entsprechende Forschung, nach sechs bis acht Wochen und wendet sich immer neuen Aufregern zu. Aber für die Betroffenen gilt: Der Skandal endet nie. Er kann einen Menschen ganz und gar gefangen nehmen. Wer einmal –  zu Recht oder zu Unrecht – im Fokus unerwünschter Aufmerksamkeit gestanden hat, für den wird diese Erfahrung zu einer Lebensspur, die sich gerade unter den gegenwärtigen Kommunikations- und Medienbedingungen nicht mehr tilgen lässt.

So hat sich der damalige Bundestagspräsident Philipp Jenninger geschworen, nie wieder mit einem Journalisten zu sprechen. Er hielt 1988 zum 50. Jahrestag der Novemberpogrome eine Rede, die für gewaltige Empörung sorgte – auch, weil sich Jenninger des Stilmittels der erlebten Rede bediente und so den (falschen) Eindruck entstehen ließ, er distanziere sich nicht ausreichend vom Nationalsozialismus.

In Hamburg-Altona lebt, inzwischen mittellos, der ehemalige Top-Reporter des Stern, Gerd Heidemann. Er hatte im Auftrag des Magazins die von Konrad Kujau gefälschten Hitler-Tagebücher angekauft und gemeinsam mit der damaligen Chefredaktion als Weltsensation präsentiert. An den Moment, als alles aufflog, erinnert er sich genau. „Ich war gerade auf der Autobahn unterwegs und hörte um 14 Uhr die Nachrichten, als der damalige Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann verkündete: ‚Die Tagebücher sind eine Fälschung.’ Ich konnte kaum noch das Steuer halten, meine Knie waren weich, alle Kraft war erloschen. Ich habe geschaut, ob da irgendwo ein Brückenpfeiler war, gegen den ich donnern konnte. Aber da war keiner.“ Wer ihn besucht, der wird mit Dokumenten überschüttet, die nur eines zeigen sollen: Er konnte nicht wissen, dass Kujau ein Fälscher war, auch er wurde herein gelegt.

 

„Skandal ist Ansichtssache“

An diesen und vielen anderen Fallgeschichten zeigt sich damit noch ein anderer Befund, den der Soziologe Ronald Hitzler auf die Formel gebracht hat: „Skandal ist Ansichtssache.“ Das heißt zum einen: Auch Täter sehen sich gerne als Opfer, denn das scheint (neben der schlichten Leugnung, dem Teilgeständnis, der offensiven Umdeutung, der Berufung auf höhere Werte, der öffentlichen Entschuldigung usw.) eine Möglichkeit, der Schmach zu entkommen. Und es bedeutet zum anderen, dass das Publikum sich oft alles andere als einig ist. Die allgemeine Erregung hat offensichtlich eine äußerst geringe Halbwertszeit; jedem Aufreger ist ein rasches Verfallsdatum aufgeprägt.

Allerdings sind es die neuen Medien, insbesondere das Netz, die heute die Skandalkultur der Gesellschaft verändern. Jeder kann (per Blog, in einem Filmchen auf YouTube, in einer Protestmail, aber auch mit Hilfe des Fotohandys) versuchen, Öffentlichkeit herzustellen und andere Empörungswillige auf die eigene Sache zu verpflichten. „Gegen Ohnmächtige oder kleine Leute“, so schrieb vor mehr als 40 Jahren der Publizist Johannes Gross, „bricht kein Skandal aus.“

Diese Diagnose ist längst überholt, denn inzwischen kann prinzipiell jeder zum Objekt kollektiver Empörung werden. Dies zeigen Spezial-Seiten, auf denen wütend über eigene Nachbarn berichtet wird (rottenneighbor), über  miese Erfahrungen mit Liebhabern (don’t date him girl), über schlechte Lehrer und unbeliebte Professoren. Dies zeigt auch das Beispiel eines koreanischen Mädchens, das als Dog-Shit-Girl global Bekanntheit erlangte und nun in medienwissenschaftlichen Analysen als Paradebeispiel für die neue Skandalöffentlichkeit fortexistiert. Ihr Hund hatte, irgendwo in einer U-Bahn in  Südkorea, den Wagen beschmutzt, und sie weigerte sich, seine Hinterlassenschaft zu beseitigen. Nur: Ein Umstehender fotografierte sie, Blogger fielen über sie her; es dauerte nur ein paar Tage, bis man sie identifiziert und in Südkorea und später den USA an den digitalen Pranger gestellt hatte. Das ist nun auch schon länger her, aber Google vergisst nicht. Selbst marginales Fehlverhalten bleibt öffentlich abrufbar und weltweit präsent. Die Frage wird sein, wie man in einer Gesellschaft, die in dieser Weise transparent geworden ist, noch Fehler machen und aus ihnen lernen kann, ohne womöglich ein Leben lang auf diese festgelegt zu werden. Auch kleine und große Skandale sollten schon allein deshalb, irgendwann, enden.

 

Bernhard Pörksen ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Gemeinsam mit Jens Bergmann und Studierenden schrieb er das Buch „Skandal! Die Macht öffentlicher Empörung“ (Halem-Verlag).

Foto: Privat; Sophie Kröher

 

Viel Rauch im TV

von Alexander Karl

Nicht nur wirtschaftlich setzt China Akzente – auch in Sachen Rauchverbot: So wurde gerade erst der Glimmstängel aus dem TV verbannt – außer, es ist aus künstlerischen Gründen unbedingt notwendig. In der westlichen Hemisphäre sieht das zumeist noch etwas anders aus. Von Sex and the City über Mad Men bis Brokeback Mountain – in Film und Fernsehen wird auch heute noch geraucht, immerhin gibt es kein Verbot von Tabakkonsum im TV. Aber: Wie reagieren die Rezipienten darauf? Und warum raucht Lucky Luke nicht mehr?

 

Lucky Nichtraucher

Mit seinem erstmaligen Erscheinen im Jahr 1947 gab es einen ständigen Begleiter von Lucky Luke – die selbstgedrehte Zigarette. Als cooler Westernheld mit Fluppe war er dem Marlboro-Cowboy um fast 10 Jahre voraus. Lucky Luke trank und rauchte bis Ende der Siebziger. Nichtraucher wurde er erst, als ein kalifornisches Studio, das die TV-Serie produzierte, den Autoren Morris überzeugte, dass rauchende Kinderhelden auf dem amerikanischen Markt nicht sonderlich gut ankämen. Morris ließ sich davon überzeugen und mit der Anti-Rauch-Bewegung in den achtziger Jahren wurde auch bei den Comics die Fluppe gegen einen Grashalm getauscht.

Gesa Thomas untersucht in ihrem Aufsatz „Warum Lucky Luke das Rauchen aufgeben musste“ den Grund für den Rauchstopp: Man ging davon aus, dass der Westernheld seine jungen Leser und Zuschauer zum Rauchen verführen könnte –  deshalb dürfen in den USA Drogen in Comics nur mit abschreckender oder negativer Wirkung genutzt werden . Doch konstant waren die Zeichner bei Lucky Luke nicht – immer mal wieder tauchte er mit Zigarette auf und bekam eine Pistole mehr ins Halfter; vielleicht, um den Männlichkeitsverlust durch die Rauchentwöhnung wieder wett zu machen.

Lucky Luke als Nichtraucher, den Kindern wegen? Dieser Sachverhalt zieht natürlich die Frage nach sich: Werden Kinder von rauchenden Comicfiguren wirklich so sehr beeinflusst?

Studie: Kinder lassen sich verführen

Es gibt Studien, die belegen: Gerade Jugendliche lassen sich durch Zigaretten auf der Mattscheibe beeindrucken. So geht aus einer Studie im Auftrag Bundesministeriums für Gesundheit hervor: “ Jugendliche mit ersten Raucherfahrungen beurteilen dieselbe attraktive weibliche Protagonistin dann deutlich „schöner“,„cooler“, „jünger“ und „sexier“ sofern diese in einer Filmsequenz raucht im Vergleich zu einem bis auf die einzige Rauchszene identischen Film, in der die Protagonistin nicht raucht.“ Mehr noch: Es löst bei ihnen das Verlangen selbst zu rauchen aus. Die Studie kommt daher zu den Schlussfolgerungen, dass Rauchen im Film Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche hat, gerade auf solche, die schon einmal geraucht haben. Aber auch bisherige Nichtraucher lassen sich vom Qualm beeindrucken:

Das Schauen von Rauchszenen in Filmen beeinflusst nicht nur Jugendliche, die bereits Erfahrungen mit dem Rauchen gesammelt haben, sondern auch Jugendliche, die noch nie in ihrem Leben geraucht haben. Diese unterliegen einem erheblich größeren Risiko, im Laufe ihrer Entwicklung mit dem Rauchen zu beginnen, sofern sie viele Filme mit
Rauchszenen gesehen haben.  Sie imitieren also das Verhalten der Rollenmodelle, die in den Filmen gezeigt werden.

Zwar darf keine Werbung mehr für Zigaretten im TV laufen und selbst Formel1-Autos müssen auf die Glimmstängel-Sponsoren verzichten, aber generell gibt es in Deutschland noch kein Rauchverbot im TV. Im Mai 2007 wagte die damalige Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, den Vorstoß, das Rauchen im TV zu verbieten. Doch er blieb erfolglos.

In den Augen der Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. ist das ein großer Fehler; sie apellierte Anfang des Jahres an die Serien- und Filmemacher, besonders auch an die deutschen:

Wer im letzten Jahr neue deutsche Spielfilme und -serien beobachtet hat, wird zu der Feststellung gelangen, dass weiterhin nicht nur häufiger als in US-Produktionen geraucht wird, sondern dass auch eine Vielzahl von Szenen zu sehen ist, in denen gegen gesetzliche Nichtraucherschutzbestimmungen verstoßen wird. Entweder ist der Anteil unfähiger Filmproduzenten  und Regisseure in Deutschland größer als anderswo, oder es ist die Vermutung zutreffend, dass sich die Tabakindustrie Rauch-Szenen erkauft.

 

Foto: flickr/Ferran. (CC BY-NC-ND 2.0)

Liebe 2.0

Von Alexander Karl

Können E-Mails genauso romantisch sein wie handgeschriebene Liebesbriefe? Ja, werden wohl alle Leser von  „Gut gegen Nordwind“ sagen. Denn der Bestseller ist eigentlich ein E-Mail-Liebesroman, mit dem Daniel Glattauer ein literarischer Bestseller gelang – ebenso mit dem Folgeband „Alle sieben Wellen“. Doch fernab der fiktiven Online-Romantik stellt sich die Frage, wie Liebesbekundungen sich in Zeiten des Internets verändert haben – und Liebe im Web überhaupt entsteht.

Liebe im Web

Lange galt das Klischee, dass Computernutzer sozial isoliert wären – doch seit es soziale Netzwerke gibt, scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Je beliebter man ist, desto mehr soziale (Online-) Kontakte hat man, desto länger ist die Freundesliste oder desto häufiger gibt man an, mit seinen Freunden irgendwas zu unternehmen. Und somit ist es kein Wunder, dass immer mehr Beziehungen online entstehen oder dort intensiviert werden.

Doch wie entsteht Liebe im Web? In der Forschung wird beispielsweise das Online-Kennenlernen nach gezielter Partnersuche (z.B. Partnerbörse) und beiläufigem Kennenlernen (z.B. in Chat-Foren oder neuerdings wohl auf Facebook) unterschieden (vgl. Döring, 2003, S. 7-9).

Aber wie findet man seinen Partner im Netz? Nicola Döring vermutet dass man entweder nach Profilübereinstimmungen (Größe, Alter, Hobbys etc.) oder aufgrund von Seelenverwandtschaft selektiert. Während oftmals die den Partnerbörsen eigenen Suchmaschinen bereits die Profilübereinstimmungen herausfiltern, findet der Check bei Seelenverwandtschaft von „innen nach außen“ statt, wie Döring es nennt (2003, S. 11).

Meistens folgt aber irgendwann der Schritt in die Realität – bei einem persönlichen Treffen außerhalb des Internets werden dann vertiefende Kontakte gekünft.

Doch Online-Dating spielt mittlerweile nicht nur in der Forschung eine große Rolle, sondern ist ein gesellschaftlicher wie wirtschaftlicher Faktor: Im Jahr 2010 fanden insgesamt 5,4 Millionen Deutsche ihre Partner im Netz. Längst sorgt das auch für Umsatz. „Die wichtigsten 100 Datingportale erwirtschafteten in Deutschland 2010 rund 188,9 Mio. Euro – über 85% in Form von Mitgliedsbeiträgen, der Rest sind Werbeeinnahmen“, berichtet aktuell etwa finanznachrichten.de. Und gerade auch durch neue, auf Facebook basierende Dienste wird der Markt derzeit aufgemischt.

Beziehungspflege 2.0

Auch in Zeiten des Internet werden sie noch geschrieben und verschickt – Liebesbriefe. Zwar fehlt der typische Parfumgeruch oder das gemalte Herzchen am Rand, doch Liebesbriefe im Internet sind grundsätzlich nicht anders als ihre Offline-Pendants. Aber – wie Wyss (2003, S. 9) es nennt – gibt es Internetcodes, die die Beschränktheit des Mediums wettmachen; so ersetzen Smileys beispielsweise liebevoll an die Seite des Blattes gemalte Blumenranken. E-Mail-Liebesbriefe brechen oftmals auch althergebrachte Kommunikationsformen wie die Anrede auf oder – wie bei kurzen Liebesbekundungen – sind eher im Telegrammstil gehalten. Aber: Natürlich gibt es auch Liebes-E-Mails, die gängige Konventionen einhalten.

Der Vorteil des elektronischen Liebesbriefs ist natürlich die schnelle Übertragung, wobei nicht nur E-Mails genutzt werden: Mittels SMS können auf die schnelle auch kurze Liebesbotschaften verschickt werden, während MMS oder Bild-Anhängen an E-Mails der pictorial turn verstärkt wird (Simonis, 2008, S. 431). Gleichzeitig besteht aber auch die Möglichkeit, über Youtube Liebesbotschaften zu gestalten und sie für die ganze Welt zugänglich zu machen.

Aber: Nicht jeder ist kreativ genug, um selbst Liebesbriefe zu schreiben. Daher gibt es im Internet Liebesbriefgeneratoren, die einem diesen Job abnehmen. Doch wie Berichte in Internetforen zeigen, kommen diese beim Empfänger nicht immer gut an.

 

Foto: flickr/dev null (CC BY-SA 2.0)

Seth Cohen – Ein Held mit Spielzeugpferd?

von Alexander Karl

Wer ist eigentlich Seth Cohen? Das fragt sich nicht nur Summer Roberts in der ersten O.C. California-Folge. Sie weiß nicht, dass sie seit Kindheitstagen von Seth angebetet wird. Doch leider hat sie ihn noch nicht wahrgenommen. Die Frage aber ist: Hätte sie es lieber getan? Sollte Summer wissen, wer Seth ist? Aber wer er selbst ist, auch das weiß Seth noch nicht so richtig. Ein jüdischer, zynischer und ironischer Junge mit Spielzeugpferd namens Captain Oats? Oder der tobende, kämpfende und über seine Grenzen wachsende Mann, der Seth dann ist, wenn seine Freunde oder die Liebe in Gefahr sind?

Die Vielschichtigkeit von Seth

So richtig wird man als Zuschauer nicht schlau aus dieser Figur, aber gleichzeitig macht sie genau das so unglaublich sympathisch und authentisch – Seth ist kein Stereotyp, sondern ein Original, ein Charakter. Seth ist nicht nur Teil der Handlung über das Leben einer reichen Familie in Kalifornien, er ist ein Medium und Figur. Sein Musikgeschmack beeinflusst Serie und Zuschauer, seine kantig-humorvolle Art dient als Gag der Serie, seine Außenseiterrolle und der Weg daraus als Leitbild für Millionen Fans. Aber ist Seth wirklich ein Held? Ein Held mit Spielzeugpferd?

An dieser Stelle muss zwangsläufig auf Jens Eders‘ „Die Figur im Film: Grundlagen der Figurenanalyse“ verwiesen werden, mit dessen Buch man Seth auf die Psychologen-Coach legen und komplett analysieren könnte. Doch bei vier Staffeln O.C., fällt einiges an Gesprechsbedarf an, weshalb ich nur die wichtigsten Punkte nenne, mit denen man Seth untersuchen kann:

1) Er ist anders als die anderen. Seth ist bestimmt nicht der Prototyp eines Mannes, stattdessen trägt er eindeutig weibliche Züge an sich. Seth ist eitel, selbstverliebt – aber gleichzeitig auch verletzlich und reflektiert immer wieder sein Handeln. Und vor allem spricht er darüber. Nicht selten nimmt er sich den eher stummeren (und maskuliner wirkenden) Ryan zur Brust und sucht seinen Rat (nach Eder: Ebene der fiktiven Figur).

2) Seth ist in gewisserweise der Prototyp eines Losers. Er wird von Klassenkameraden gemobbt und verprügelt, zumindest solange, bis Ryan kommt. Als Comic-Fan wirkt er bewusst verschroben und ist ein klarer Außenseiter – was immer wieder im Kontrast zu den Mitgliedern des Wasserball-Teams deutlich wird. Doch damit ist er auch ein Rebell, der sich gegen die Normen der O.C.,-Welt auflehnt. Vordergründig zählt dort nämlich der schöne Schein (nach Eder: Ebene des Symbols).

3) Seth birgt – eben aufgrund seines Charakters und seiner Einstellung – ein Konfliktpotenzial. Zum einen mit der Newport-Welt, in der er aufwächst, aber verabscheut. Aber auch in seinem privaten Leben. Seine unerfüllte Liebe zu Summer, die später zu einem Wechselbad der Gefühle mutiert, wird bereits in der ersten Folge angedeutet. Auf den ersten Blick passen Seth und Summer kaum zusammen, auf den zweiten dann aber schon. Und hier kommt auch Seths Spielzeugpferd Captain Oats ins Spiel: Summer selbst besitzt quasi das Gegenstück, nämlich Princess Barkle (nach Eder: Ebene des Artefakts).

4) Seth repräsentiert auf den ersten Blick zwar weniger das gänige Männerbild als Ryan, auf den zweiten Blick bietet er der Jugend aber wohl mehr Projektionsfläche als der Junge aus Chino. Denn er ist Teil der Generation Y, die, der Generation X nachfolgend, meist die Geburtenjahrgänge 1977 bis 2002 umfasst, nach manchen Definitionen auch jene von 1978 bis 1989 . Diese Generation ist zielstrebig, selbstbewusst, steht für Wandel und In-Frage-Stellen von Konventionen. Und genau das macht auch Seth. Er ist kein Stereotyp; er verstößt gegen viele Männerbilder und die der Upper-Class. Angefangen von seinem Kleidungsstil bis zu seiner Art ist er individuell und keinesfalls ein Abklatsch eines gängigen Bildes (nach Eder: Ebene des Symtoms).

 

Ist Seth nun ein Held?

Geht man nach Joseph Campbell, so ist Seth tatsächlich ein Held. In „Der Heros in tausend Gestalten“ heißt es:

„Der Held ist deshalb der Mensch, ob Mann oder Frau, der fähig war, sich über seine persönlichen und örtlich-historischen Grenzen hinauszukämpfen zu den allgemein gültigen, eigentlich menschlichen Formen“. (Campbell, 1999: 26)

Um aber zum Held zu werden, kämpft Seth primär gegen sich selbst. Seth Cohen ist also bestimmt kein Held, der sich selbst als Held sehen würde – vielmehr ist er nach Christopher Vogler ein unwilling hero:

„Full of doubts and hesitations, passive, needing to be motivated or pushed into the adventure of outside forces” (Vogler, 1999: 45).

Seth steht also sicher nicht auf einer Ebene mit Spider- oder Superman (obwohl er ironischerweise Summer mit Spiderman-Maske küsst). Er ist eher ein Alltagsheld, einer wie wir – nur eben mit Spielzeugpferd.

Literatur zur Figurenanalyse:

Campbell, Joseph (1999): Der Heros in tausend Gestalten. Insel Verlag Frankfurt am Main.

Eder, Jens (2008): Die Figur im Film: Grundlagen der Figurenanalyse. Schürer Verlag,  Marburg.

Vogler, Christopher (1992): The Writer’s Journey: Mythic structure for storytellers & screenwriters. Michael Wiese Productions, Studio City.

Watchblogs – Die Wächter des Internets

von Alexander Karl

Es gibt im Netz eine Vielzahl von Blogs: Manche sind rein autobiographisch wie jener von Airen, aus dem sich Helene Hegemann bediente. Dann natürlich noch jene zu special-interest Themen wie etwa Computer, Promis und Co.. Wer sich aber wirklich kritisch mit Themen auseinandersetzen möchte, der betreibt oder liest einen Watchblog.

 

Was ist ein Watchblog?

Ein watchblog beobachtet – was ja bereits im Namen steckt – und gibt seine Beobachtungen in Form eines Blogs wider. Dabei kann von Personen, Unternehmen bis hin zu den Medien so ziemlich alles beäugt werden.

Der wohl bekannteste deutsche Watchblog ist der seit 2004 existierende BILDblog. Seit Mai 2009 steht nicht mehr nur die BILD im Visier der Web-Fahnder, sondern auch andere Medien wie etwa die Tagesschau oderDer Spiegel. Aktuell wird beispielsweise die Berichterstattung der BILD zum Schmerzensgeld im Fall Gäfgen kommentiert.

Doch was zeichnet Watchblogs aus? Der BILDblog beschreibt seine Relevanz so: „Es gibt viele Beispiele dafür, wie deutsche Medien ihrer Verantwortung nicht gerecht werden. Oft fehlt es schon an der schlichten Bereitschaft, eigene Fehler zu korrigieren.“

Daher ist das Ziel des BILDblogs:

Was wir dagegen setzen wollen, ist dasselbe wie bisher [seitdem man auch andere Medien als die BILD beobachtet; Anm. d. Verfassers]: Aufklärung. Wir glauben, dass es hilft, die Fehler und Abgründe öffentlich zu machen — die kleinen Pannen und die große Desinformation. Damit deutlich wird, wie wichtig es ist, in Qualität zu investieren.

Dabei bittet der BILDblog auch um „sachdienliche Hinweise“ der 40.000 Leser, die nach eigener Aussage täglich auf die Seite strömen. Doch nicht nur die Medienlandschaft wird ständig beobachtet, auch soziale Netzwerke wie etwa Facebook haben einen Watchblog.

 

Wer beobachtet eigentlich die Watchblogs?

Das Problem bei Watchblogs ist: Wer überprüft die Überprüfer? Denn Ziel eines Watchblogs ist es ja, den Großen auf die Finger zu gucken und schlimmstenfalls auch einmal drauf zu hauen. Doch nicht jeder Watchblog scheint wie der BILDblog dazu permanent in der Lage zu sein. So hat es den Anschein, als das der GoogleWatchblog mittlerweile nicht mehr sonderlich kritisch über Google, sondern eher über Produktneuheiten der Suchmaschine berichtet. Also bedürfte es eigentlich eines Watchblogs für die Watchblogs.

Denn ein Watchblog sollte eben genau das tun – Kritik dort üben, wo es notwendig ist und als gesellschaftliches Korrektiv wirken.

Denn, so ZEIT-Autor Stefan Mesch, zeichnen sich die Watchblogs durch „Geschwindigkeit, Vernetzung, flexible Formen“ aus. Dadurch erhalten sie eine gesellschaftliche Relevanz, gerade dann, wenn gezielt oder unbewusst die Unwahrheit propagiert oder diskriminiert wird. So empfiehlt Mesch etwa auch den NPD-Blog, der sich kritisch mit der Partei und deren Treiben auseinander setzt, während foodwatch ein Auge auf die Lebensmittel werfen.

Watchblogs erfüllen also durchaus eine wichtige Funktion in der Gesellschaft, doch auch hier gilt: Selbst Watchblogs sollte man kritisch sehen.

Foto: flickr/Maria Reyes-McDavis (CC BY 2.0)

Von Peter Pan bis Potter – Amazons langer Schwanz

Von Alexander Karl

Einen Umsatz von 10 Mrd. US-Dollar kann nicht jedes Unternehmen vorweisen, das erst 1994 gegründet wurde. Amazon schon. Man könnte jetzt denken, dass Amazon Dank Bestsellern bei Büchern, CDs und DVDs so extrem erfolgreich ist. Doch weit gefehlt: Der lange Schwanz macht’s.

Amazon und ‚the long tail‘

Amazon ist ein Paradebeispiel für das, was Chris Anderson ‚ the long tail‘, auf Deutsch ‚langer Schwanz‘, nennt. 2004 stellte er im Magazin „Wired“ die These auf, dass Unternehmen über das Internet mit Nischenprodukten den meisten Gewinn machen. Denn, so Anderson, die Zeit des Massenmarkts ist vorbei, Individualisierung ist angesagt und diese wird durch das Internet noch weiter voran getrieben.

In seinem Buch „The Long Tail – Der lange Schwanz“ vergleicht er in der Einleitung seine Jugend in den 70ern mit der heutigen.  Während es früher wenige Radiostationen gab, die aber die Playlist der Songs – und somit Hits – vorgaben, können wir über YouTube oder Pandora selbst Programmchef sein. Für uns ist die Wahl zwischen Mainstream und Nische nur einen Klick entfernt. Und dieses Prinzip macht sich auch Amazon zu nutze. So können aktuelle Bestseller genauso wie derzeit weniger populäre Titel gekauft werden. Und erstaunlicherweise sind es eben jene Nischenprodukte, die für den Gewinn sorgen.

Die 98 Prozent-Regel

Anderson sagt:

The 80-20 rule, also known as Pareto’s principle (after Vilfredo Pareto, an Italian economist who devised the concept in 1906), is all around us. Only 20 percent of major studio films will be hits. Same for TV shows, games, and mass-market books – 20 percent all.

Denn kein Geschäft – vom Tante Emma Laden bis Karstadt – kann es sich leisten, alle verfügbaren CDs, Bücher oder Waschmittelsorten im Angebot zu haben. Stattdessen treffen sie eine Auswahl, die oftmals an Hitlisten orientiert ist, aber auch eine Hitliste kann nicht den Geschmack aller abdecken.

Jetzt kommt aber dieses neue Medium Internet und gibt den Unternehmen die Möglichkeit, Angebote virtuell zu positionieren. Kein teurer Regalmeter wird mehr für schlechtlaufende Rockmusik oder experimentelle Literatur verschenkt; stattdessen ist die Präsentation von Waren im Web quasi kostenlos.

Und plötzlich gilt die 80-20-Regel nicht mehr:

Robbie Vann-Adib, the CEO of Ecast, a digital jukebox company whose barroom players offer more than 150,000 tracks – and some surprising usage statistics. He hints at them with a question that visitors invariably get wrong: „What percentage of the top 10,000 titles in any online media store (Netflix, iTunes, Amazon, or any other) will rent or sell at least once a month?“ […] But the right answer, says Vann-Adib, is 99 percent. There is demand for nearly every one of those top 10,000 tracks.

Mittlerweile scheint Anderson nicht mehr von 99 Prozent, sondern von 98 Prozent auszugehen. Doch der Effekt bleibt der gleiche. Amazon – wie auch Ecast oder jeder andere Online-Store – hat verstanden, dass nicht nur Blockbuster, Chartbreaker oder Bestseller für den Umsatz sorgen, sondern eben auch die vermeintlichen Flops eine Fangemeide haben.

Anderson stellt daher für (Online-) Unternehmen folgende Regeln auf:

1) Make everything available. Denn der Grundgedanke ist: Für alles gibt es eine Käufergruppe (s. Grafik oben).

2) Cut the price in half. Now lower it. Der Komsument ist es (im schlimmsten Fall) gewöhnt, Filme und Musik kostenlos zu erhalten. Um mitzuhalten, müssen Unternehmen bis zur Schmerzgrenze gehen. Oder darüber hinaus.

3) Help me find it. Dank der heutzutage einfachen Suche bei Online-Händlern ist das Finden kein Problem, zumal wir auch „persönliche Empfehlungen“ bekommen. Amazon und Co. überprüfen, was Kunden mit einem ähnlichen Profil wie dem unseren auch gefallen hat und bieten es uns dann ebenfalls an.

Kritik am long tail

Doch wie immer in der Forschung ist nicht jeder Andersons Meinung. Anita Elberse hält den ‚long tail‘ für ein Märchen – und die SZ fasst Elberses Überlegungen so zusammen:

Elberse analysiert darin Branchendaten: Demnach nimmt die Bedeutung von Hits und Blockbustern in der Online-Wirtschaft nicht ab, sondern legt im Vergleich zur traditionellen Ökonomie sogar kräftig zu. Der Schwanz dagegen werde zwar länger, aber auch immer flacher: 91 Prozent der digitalen Musiktitel, die 2007 in den USA verkauft wurden, seien weniger als hundert Mal und immerhin 24 Prozent nur ein einziges Mal abgesetzt worden. „Was Verbraucher über das Internet kaufen,“ so Elberses, „entspricht größtenteils dem, was sie schon immer gekauft haben.“

Anderson hat sich dieser Kritik angenommen,streitet aber mit Elberse um die Frage, was noch zum ‚großen Kopf‘ und was bereits zum ‚langen Schwanz‘ gehört. Für Anderson endet der Kopf bei jenen 10.000  CDs, die eine Wal-Mart-Filiale im Programm hat, alles darüber hinaus gehört für ihn bereits zum langen Schwanz.  Elberse hält diese Grenzziehung für willkürlich.

 

Wer Anderson gerne in Farbe sehen möchte und seine Theorie noch einmal ausführlich hören will, der schaue hier:

 

Foto: flickr/Яick-Harris (CC BY-SA 2.0)

Facebook Party

I love my iPad

Die neuen Medien haben die Gesellschaft und das Leben jedes Einzelnen verändert. Technische Spielereien wie das Smartphone oder iPad sind aus dem Alltag ihrer Nutzer nicht mehr wegzudenken und in manchen Fällen wird das elektronische Gerät sogar zum zentralen Lebensmittelpunkt. Dort, wo sich alles darum dreht, nichts zu verpassen und mit der Welt in ständigem Kontakt zu stehen, rücken reale Beziehungen und soziale Kontakte in den Hintergrund. Wir haben uns überlegt, wie ein Tag im Leben eines Menschen aussehen könnte, dessen iPad zum Partner- und Freundesersatz geworden ist. Hier das Ergebnis in Bildern.

 

 

 

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Experiment

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