Die Kunst des Interviews

Der Interviewer hat viele Rollen – sogar Stars können sie werden. Doch längst sind Interviews nicht mehr Ausdruck spontaner Statements, sondern geplante PR-Kampagnen. Wie kann ein Interviewer solche Nüsse knacken?

License to brand

von Alexander Karl

Letzte Woche war das Thema Product Placement -doch längst gibt es andere Werbeformen, die den Zuschauer noch explizieter ansprechen wollen. Dazu gehört branded entertainment. Ziel ist es, den Rezipienten nicht mit Werbebotschaften zu überfordern, sondern ihm stattdessen Angebote zu machen, die er möglichst selbstständig wahrnimmt.

Entertainment und Werbung

Guy Ritchie und Madonna sind schon länger kein Paar mehr, doch noch heute sorgt ein Kurzfilm der beiden selbst in der Medienforschung für Verzückung: The Hire. The Hire, eine Kurzfilm-Reihe, wurde 2001 und 2002 für BMW produziert und neben Clive Owen wurden immer wieder Stars vor und hinter die Kamera geholt. Wie eben auch Madonna und Guy Ritchie. Das es sich bei den Filmen streng genommen um Werbung handelt, fällt kaum auf: Zwar spielt sich ein Großteil der Handlung in BMW-Fahrzeugen ab. Doch eigentlich wird der Zuschauer nur eines: Unterhalten. Und eben nicht plump zum Kauf animiert. Zudem wurden die Kurzfilme nur im Internet publiziert, man setzte darauf, dass die Menschen die Filme über Facebook und Co. teilten. Und die Macher sollten recht behalten.

 

Branded entertainment

Schnell wird ersichtlich, dass branded entertainment natürlich Charakteristiken des Product Placement erfüllt. So heißt es etwas in einem Artikel der ZEIT:

Klassische Schleichwerbung war es, einen Yogurt im Tatort zu platzieren oder die Limonadenmarke Florida Boy in der Serie Marienhof unterzubringen. Beim Marienhof haben die Verantwortlichen der Bavaria-Filmproduktion aber auch ganze Handlungsstränge ins Drehbuch montiert, sodass die eigentliche Unterhaltung und die Werbestrecken für den Reiseveranstalter L’tour oder das Autorennen DTM nicht mehr voneinander zu trennen sind. Genau das ist Branded Entertainment.

Doch branded entertainment bedeutet vor allem eines: Dem Rezipienten ein Angebot zu machen und ihn nicht mit Werbebotschaften zu überhäufen. Scott Donaton beschreibt diese Umschichtung des Werbemarkts: Nach Donaton verliert das push-Modell, das auf das Eindringen in den Rezipienten-Habitus setzt, an Bedeutung. Stattdessen trumpft nun das pull-Modell auf, das man als Einladung des Werbenden an den Rezipienten verstehen kann.

Kurz gesagt: Die Werbung soll ihren marktschreierischen Charakter verlieren und stattdessen eher subtil wirken.

Um dies zu bewerkstelligen, gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten. Dazu zählen nach Donaton etwa auch die long-form ads, wie etwa der BMW-Werbespot von Guy Ritchie mit Madonna (The Hire). Ebenso kann die Musikindustrie eingebunden werden, wie bei der Bewerbung der A-Klasse von Mercedes – dazu sang Christina Aguilera den Song „Hello“. Angeblich war Mercedes diese Integration 10 Millionen Dollar wert.

Publicité Mercedes Classe A (version Allemagne)… von Christina-News

 

Prof. Guido Zurstiege, Experte für Werbungeforschung an der Uni Tübingen, hält branded entertainment zwar für zukunftsträchtig, „aber nicht unter diesem Schlagwort.“ Denn, so Prof. Zurstiege, umfasst branded entertainment eine Vielzahl von Werbeformen, die er „Unterhaltungsgeschenke“ nennt. So kann man bei neckermann.de sein Horoskop lesen oder bei MAOAM eine Kinderversion von Wer wird Millionär spielen. Oder eben – wie im Fall von BMW – mit einem Kurzfilm unterhalten werden. „Bei all diesen Formaten wird 0 Prozent in den Kauf von Werbeplätzen investiert, dafür 100 Prozent in die Kreativität“.

Doch mit kleinen Filmen ist das Potenzial von branded entertainment noch lange nicht erschöpft. Die ZEIT nennt weitere Möglichkeiten der Verknüpfung von Marke und Unterhaltung. So hieß 2005 die Tour der Band Destiny’s Child „Destiny Fulfilled – and lovin’ it“ – ein kleiner Verweis auf die Werbebotschaft von McDonalds, einem Sponsor der Tour. Immerhin ist deren Slogan “ I’m lovin‘ it“. Und natürlich können auch in Romanen Werbebotschaften eingebaut werden: Jean-Marc Lehu zählt in dem Buch ‚The Perfect Manhattan‘ 15 Nennungen von Budweiser. Zufall? Wohl eher nicht.

 

Foto: Sophie Kröher

License to sell

von Alexander Karl

Anfang des Monats wurde bekannt gegeben: James Bond wird wieder auf die Leinwand zurückkehren. Der 23. Film über den Agent 007 soll bereits 2012 wieder zum Kinohit avancieren. Doch neben der Frage, wer das Bond-Girl wird, rätseln nicht nur Autofans, mit welchem Auto Bond diesmal durch die Gegend fahren wird.

 

Bond und Carrie

In Casino Royale waren es sechs bekannte Marken, denen bereitwillig die ein oder andere Sekunde im Mittelpunkt der Handlung geschenkt wurde. Darunter Sony, Omega Uhren und Heineken – aber das wichtigste sind natürlich Bonds Autos! Darunter im letzten Film ein Quantum Trost: Aston Martin und Ford.

Was für Bond die schnellen Autos und Uhren sind, sind für Carrie und Co. bei Sex and the City die Kleidern und Handtaschen: Im ersten Film gab es Über 300 Kostümwechsel und ein Outfit ist grandioser als das vorhergehende. Und wohl auch das beste Beispiel, wie sehr Product Placement den Zuschauer beeinflussen kann. Denn wer kannte vor der Serie schon Manolo Blahnik?

Gegenüber stern.de sagte Regisseur Michael Patrick King: „Die Designer vertrauen uns blind. Sie brachten Klamotten zu Patricia Field, der Kostümdesignerin, und Sarah Jessica Parker – und die durften nach Belieben aussuchen.“

Für die Produzenten natürlich ein Vorteil, denn würde man alle Kleider selbst kaufen müssen, würden Unsummen allein für das Styling ausgegeben werden. Denn so eine Louis-Vuitton-Tasche aus dem Film kostet 3400 Euro. Aber: Die Designer sollen nur ihre Waren zur Verfügung gestellt und sich eben nicht eingekauft haben – nur Mercedes hat anscheinend dafür bezahlt, das Mr. Big nun die S-Klasse fährt.

Doch wie beurteilt die Forschung Product Placement? Prof. Guido Zurstiege der Uni Tübingen, Experte für Werbeforschung, hält Product Placement für eine Erfindung der klassischen Massenmedien: „Product Placement ist so alt wie der Film selbst. Die Markenbotschaften sollen in ein attraktives Umfeld gebracht werden, beispielsweise einem Film.“ Prof. Zurstiege nennt dies Werberahmenprogramm: Ein Aston Martin im James Bond Film wirkt nun einmal attraktiver als in einer Zeitungsannonce.

Vor allem ist Product Placement aber eines: Ein großes Geschäft. Autorin Lacey Rose des Forbes-Magazins fasste 2006 die Größenordnungen der Product Placement Welt so zusammen:

That explains why global brands will spend $3.07 billion collectively on paid placements–that includes movies as well as television, radio and video games–this year, up 39% from the $2.21 billion they shelled out in 2005, according to PQ Media. The technique has even outpaced the growth of Internet advertising, which is up 33% this year over last, according to PricewaterhouseCoopers.

Diese eigentlich subtile und attraktive Einbindung von Produkten steht aber gerade hierzulande in der Kritik. Oftmals wird in diesem Kontext abfällig von Schleichwerbung gesprochen. Offiziell gibt es aber seit April 2010 Richtlinien, die sagen, was bei Product Placement erlaubt ist und was nicht.

 

Die Grenzen der Platzierung

Der Branchendienst DWDL.de fasst die aktuellen Rahmenbedingungen für Product Placement so zusammen:

Einzelne Produkte dürfen in vornehmlich unterhaltenden und fiktionalen Programmen platziert werden, sofern dies „redaktionell gerechtfertigt“ ist. Nach wie vor verboten sind Produktplatzierungen in Nachrichtensendungen, informierenden Magazinen und Kinderprogrammen. Bei der Darstellung darf dem Produkt „keine auffällige Stellung im Sendungsverlauf eingeräumt“ werden, eine werbliche Darstellung – zum Beispiel in Form von lobenden Dialogen außerhalb der Handlungslogik – ist nach wie vor verboten.

Doch die Frage, ab wann eine Platzierung auffällig ist und ab wann unauffällig, wird wohl auch in Zukunft strittig bleiben. Wie das Beispiel des Marienhof zeigte, kann es lange dauern – bei der Soap waren es 10 Jahre – bis jemand die Schleichwerbung publik macht. Wenn Geld für die Produktplatzierung geflossen ist, so die Vorgabe, müssen nun laut DWDL.de „[m]indestens drei Sekunden lang zu Beginn und zum Ende einer Sendung, sowie nach einer Werbepause die Abkürzung „P“ und ein Hinweis wie „unterstützt mit Produktplatzierungen“ eingeblendet werden.“

Aber ist Product Placement überhaupt noch ein Modell mit zu Zukunft? „Ja“, sagt Prof. Zurstiege, „doch seit Anfang der 2000-Jahre hat Product Placement Konkurrenz bekommen. Die Unternehmen werden nun aktiv und schaffen selbst die Rahmenprogramme, bespielweise auf ihren Webseiten.“ So kann man bei neckermann.de sein Horoskop lesen oder bei MAOAM eine Kinderversion von Wer wird Millionär spielen.

Solche Angebote werden oftmals als branded entertainment bezeichnet. Dazu mehr nächste Woche, hier auf media-bubble.de.

 

Foto: Sophie Kröher

Billy ohne Bücher

von Alexander Karl

Es ist das Tüpfelchen auf dem i, es bezeugt den Wandel einer ganzen Industrie. Und doch ist es eigentlich nur ein Regal – aber eines mit hohem Stellenwert. Das BILLY-Regal von IKEA, einst das Bücherregal für jedermann, folgt dem veränderten Kundenhabitus und macht die Böden tiefer. Weg vom typischen Bücherregal, hin zum Staubfänger für Krimskrams. Denn gelesen wird ja jetzt papierlos.

E-Books im Kommen

Hat das gute, alte Bücherregal bald ausgedient?

Hat das gute, alte Bücherregal bald ausgedient?

Nachdem in den vergangenen Jahren bereits der Musik- und Filmmarkt kräftig durchgeschüttelt und das Motto „höher, schneller – online“ abgefeiert wurde, sieht sich Dank Amazons Kindle und weiteren Konkurrenzprodukten der Buchmarkt zunehmend auf der Sprung ins Netz. Nicht nur die alten Buchhandlungen in den historischen Innenstädten haben ausgedient und sind gegen Thalia-Filialen in Einkaufscentern und Amazon ersetzt worden – auch das gute alte Buch kommt immer virtueller daher.

Gerade auch in den USA schreitet die Digitalisierung immer weiter voran, Amazon verkauft mittlerweile mehr E-Books als „paper-books“. So heißt es im Economist: „In the first five months of this year sales of consumer e-books in America overtook those from adult hardback books.“ Doch diese Entwicklung zieht auch Probleme nach sich: Die Gefahr der Buch-Piraten steigt. Denn Buch-Dateien sind deutlich kleiner als Filme oder Musikalben – und können so noch schneller illegal heruntergeladen werden. Das zweite Problem: Die habtische Präsens in den Buchhandlungen fehlt. Während ein Spotankauf früher durch Werbung in den Schaufenstern der Büchereien zustande kam, lassen wir uns heute doch Amazon Empfehlungen und Bewertungen zum Kauf führen.

 

Virales Marketing für Bücher

Um aber die Bücher auch in der digitalen Welt an den Käufer zu bringen, setzten immer mehr Verlage auf Social Media und Fanpages im Web. Neben der mittlerweile standardmäßigen Fanpage auf Facebook versuchen die Verlage, den Strom der Leser auf teilweise sehr aufwendige Webseiten zu lenken.

So wie etwa die House of Night-Seite des S. Fischer-Verlags. In der Online-Community sind Blutstropfen sind die einzige Währung. Als Neuling auf der Seite ist man ein Jungvampir und bekommt Blutstropfen, wenn man Quizfragen beantwortet oder Zaubersprüche veröffentlicht. Der Leser ist dann nicht mehr nur Rezipient, sondern Teil des Buch-Universums. Diesen Schritt ging jetzt auch Joanne K. Rowling: Mit Pottermore sollen nicht nur die Potter-E-Books verkauft werden, sondern auch Hogwarts-Fans aus aller Welt die Möglichkeit haben, sich auszutauschen und kreativ auszutoben.

Und damit sich der ganze Aufwand lohnt, sollen die Rezipienten möglichst selbstständig möglichst viel Werbung machen – Stichwort virales Marketing, also Werbung, die sich wie ein Virus ausbreitet.

 

Ganz neu: Instand E-Books

Von Online-Nachrichtendiensten sind wir ja schon gewöhnt, dass im Sekundentakt Meldungen über Erdbeben, Wahlen und Co. über die Bildschirme flimmern. Im Buchmarkt war das bisher anders: Bis ein Buch geschrieben, lektoriert und schlussendlich gedruckt ist, vergehen teilweise Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Doch auch hier – E-Book sei Dank – wird nun neuerdings auf die Tube gedrückt. So heißt es im Blog Hyperland:

„Genau sieben Tage oder 144 Stunden nachdem ein Spezialkommando der US-Navy Seals Osama Bin Laden in seinem Versteck in Pakistan erschossen hatten, erschien auf Amazon.com das Buch „Beyond Bin Laden: America and the Future of Terror“, das, so der Verlag Random House, endlich eine Antwort geben sollte auf die Frage: Was ist genau passiert? Und was kommt als Nächstes auf uns zu?“

Logisch, ohne die Zeit für den Druck wird der Prozess des Publizierens beschleunigt. Aber kann man innerhalb von so kurzer Zeit ein sauber recherchiertes Buch auf den Markt bringen? Oder ist es wie bei der ARD, die noch zu Lebzeiten die Nachrufe für wichtige Persönlichkeiten vorbereitet und sie dann bei Bedarf bringt?

Wie sich der Buchmarkt weiterentwickeln wird, lässt sich nur schwerlich beurteilen. Kindle-Gegner und Befürworter haben gute Arguemte für oder gegen das E-Book. Doch eines ist klar: Egal ob für Marketing, als Händler oder gar als Medium – am Internet kommt das Buch nicht mehr vorbei.

 

Foto: Alexander Karl; Screenshot http://www.houseofnight.de/ (19.09.2011)

Drama up your life!

„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“ Das sagt Niklas Luhmann. Aber was lehren uns die Massenmedien über das Leben? Oder anders gefragt: Wie beeinflussen die Medien unser Leben?

Der Skandal endet nie

Nach sechs bis acht Wochen soll das Publikum den Skandal vergessen haben. Aber für die Betroffenen gilt: Der Skandal endet nie. Und durch das Internet nimmt nicht nur die Verbreitung zu, sondern auch die Erinnerung.

Viel Rauch im TV

von Alexander Karl

Nicht nur wirtschaftlich setzt China Akzente – auch in Sachen Rauchverbot: So wurde gerade erst der Glimmstängel aus dem TV verbannt – außer, es ist aus künstlerischen Gründen unbedingt notwendig. In der westlichen Hemisphäre sieht das zumeist noch etwas anders aus. Von Sex and the City über Mad Men bis Brokeback Mountain – in Film und Fernsehen wird auch heute noch geraucht, immerhin gibt es kein Verbot von Tabakkonsum im TV. Aber: Wie reagieren die Rezipienten darauf? Und warum raucht Lucky Luke nicht mehr?

 

Lucky Nichtraucher

Mit seinem erstmaligen Erscheinen im Jahr 1947 gab es einen ständigen Begleiter von Lucky Luke – die selbstgedrehte Zigarette. Als cooler Westernheld mit Fluppe war er dem Marlboro-Cowboy um fast 10 Jahre voraus. Lucky Luke trank und rauchte bis Ende der Siebziger. Nichtraucher wurde er erst, als ein kalifornisches Studio, das die TV-Serie produzierte, den Autoren Morris überzeugte, dass rauchende Kinderhelden auf dem amerikanischen Markt nicht sonderlich gut ankämen. Morris ließ sich davon überzeugen und mit der Anti-Rauch-Bewegung in den achtziger Jahren wurde auch bei den Comics die Fluppe gegen einen Grashalm getauscht.

Gesa Thomas untersucht in ihrem Aufsatz „Warum Lucky Luke das Rauchen aufgeben musste“ den Grund für den Rauchstopp: Man ging davon aus, dass der Westernheld seine jungen Leser und Zuschauer zum Rauchen verführen könnte –  deshalb dürfen in den USA Drogen in Comics nur mit abschreckender oder negativer Wirkung genutzt werden . Doch konstant waren die Zeichner bei Lucky Luke nicht – immer mal wieder tauchte er mit Zigarette auf und bekam eine Pistole mehr ins Halfter; vielleicht, um den Männlichkeitsverlust durch die Rauchentwöhnung wieder wett zu machen.

Lucky Luke als Nichtraucher, den Kindern wegen? Dieser Sachverhalt zieht natürlich die Frage nach sich: Werden Kinder von rauchenden Comicfiguren wirklich so sehr beeinflusst?

Studie: Kinder lassen sich verführen

Es gibt Studien, die belegen: Gerade Jugendliche lassen sich durch Zigaretten auf der Mattscheibe beeindrucken. So geht aus einer Studie im Auftrag Bundesministeriums für Gesundheit hervor: “ Jugendliche mit ersten Raucherfahrungen beurteilen dieselbe attraktive weibliche Protagonistin dann deutlich „schöner“,„cooler“, „jünger“ und „sexier“ sofern diese in einer Filmsequenz raucht im Vergleich zu einem bis auf die einzige Rauchszene identischen Film, in der die Protagonistin nicht raucht.“ Mehr noch: Es löst bei ihnen das Verlangen selbst zu rauchen aus. Die Studie kommt daher zu den Schlussfolgerungen, dass Rauchen im Film Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche hat, gerade auf solche, die schon einmal geraucht haben. Aber auch bisherige Nichtraucher lassen sich vom Qualm beeindrucken:

Das Schauen von Rauchszenen in Filmen beeinflusst nicht nur Jugendliche, die bereits Erfahrungen mit dem Rauchen gesammelt haben, sondern auch Jugendliche, die noch nie in ihrem Leben geraucht haben. Diese unterliegen einem erheblich größeren Risiko, im Laufe ihrer Entwicklung mit dem Rauchen zu beginnen, sofern sie viele Filme mit
Rauchszenen gesehen haben.  Sie imitieren also das Verhalten der Rollenmodelle, die in den Filmen gezeigt werden.

Zwar darf keine Werbung mehr für Zigaretten im TV laufen und selbst Formel1-Autos müssen auf die Glimmstängel-Sponsoren verzichten, aber generell gibt es in Deutschland noch kein Rauchverbot im TV. Im Mai 2007 wagte die damalige Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing, den Vorstoß, das Rauchen im TV zu verbieten. Doch er blieb erfolglos.

In den Augen der Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. ist das ein großer Fehler; sie apellierte Anfang des Jahres an die Serien- und Filmemacher, besonders auch an die deutschen:

Wer im letzten Jahr neue deutsche Spielfilme und -serien beobachtet hat, wird zu der Feststellung gelangen, dass weiterhin nicht nur häufiger als in US-Produktionen geraucht wird, sondern dass auch eine Vielzahl von Szenen zu sehen ist, in denen gegen gesetzliche Nichtraucherschutzbestimmungen verstoßen wird. Entweder ist der Anteil unfähiger Filmproduzenten  und Regisseure in Deutschland größer als anderswo, oder es ist die Vermutung zutreffend, dass sich die Tabakindustrie Rauch-Szenen erkauft.

 

Foto: flickr/Ferran. (CC BY-NC-ND 2.0)

Können E-Mails genauso romantisch sein wie handgeschriebene Liebesbriefe? Ja, werden wohl alle Leser von „Gut gegen Nordwind“ sagen. Aber wie entstehen Liebesbeziehungen im Web? Und wie werden sie gepflegt?

Seth Cohen – Ein Held mit Spielzeugpferd?

von Alexander Karl

Wer ist eigentlich Seth Cohen? Das fragt sich nicht nur Summer Roberts in der ersten O.C. California-Folge. Sie weiß nicht, dass sie seit Kindheitstagen von Seth angebetet wird. Doch leider hat sie ihn noch nicht wahrgenommen. Die Frage aber ist: Hätte sie es lieber getan? Sollte Summer wissen, wer Seth ist? Aber wer er selbst ist, auch das weiß Seth noch nicht so richtig. Ein jüdischer, zynischer und ironischer Junge mit Spielzeugpferd namens Captain Oats? Oder der tobende, kämpfende und über seine Grenzen wachsende Mann, der Seth dann ist, wenn seine Freunde oder die Liebe in Gefahr sind?

Die Vielschichtigkeit von Seth

So richtig wird man als Zuschauer nicht schlau aus dieser Figur, aber gleichzeitig macht sie genau das so unglaublich sympathisch und authentisch – Seth ist kein Stereotyp, sondern ein Original, ein Charakter. Seth ist nicht nur Teil der Handlung über das Leben einer reichen Familie in Kalifornien, er ist ein Medium und Figur. Sein Musikgeschmack beeinflusst Serie und Zuschauer, seine kantig-humorvolle Art dient als Gag der Serie, seine Außenseiterrolle und der Weg daraus als Leitbild für Millionen Fans. Aber ist Seth wirklich ein Held? Ein Held mit Spielzeugpferd?

An dieser Stelle muss zwangsläufig auf Jens Eders‘ „Die Figur im Film: Grundlagen der Figurenanalyse“ verwiesen werden, mit dessen Buch man Seth auf die Psychologen-Coach legen und komplett analysieren könnte. Doch bei vier Staffeln O.C., fällt einiges an Gesprechsbedarf an, weshalb ich nur die wichtigsten Punkte nenne, mit denen man Seth untersuchen kann:

1) Er ist anders als die anderen. Seth ist bestimmt nicht der Prototyp eines Mannes, stattdessen trägt er eindeutig weibliche Züge an sich. Seth ist eitel, selbstverliebt – aber gleichzeitig auch verletzlich und reflektiert immer wieder sein Handeln. Und vor allem spricht er darüber. Nicht selten nimmt er sich den eher stummeren (und maskuliner wirkenden) Ryan zur Brust und sucht seinen Rat (nach Eder: Ebene der fiktiven Figur).

2) Seth ist in gewisserweise der Prototyp eines Losers. Er wird von Klassenkameraden gemobbt und verprügelt, zumindest solange, bis Ryan kommt. Als Comic-Fan wirkt er bewusst verschroben und ist ein klarer Außenseiter – was immer wieder im Kontrast zu den Mitgliedern des Wasserball-Teams deutlich wird. Doch damit ist er auch ein Rebell, der sich gegen die Normen der O.C.,-Welt auflehnt. Vordergründig zählt dort nämlich der schöne Schein (nach Eder: Ebene des Symbols).

3) Seth birgt – eben aufgrund seines Charakters und seiner Einstellung – ein Konfliktpotenzial. Zum einen mit der Newport-Welt, in der er aufwächst, aber verabscheut. Aber auch in seinem privaten Leben. Seine unerfüllte Liebe zu Summer, die später zu einem Wechselbad der Gefühle mutiert, wird bereits in der ersten Folge angedeutet. Auf den ersten Blick passen Seth und Summer kaum zusammen, auf den zweiten dann aber schon. Und hier kommt auch Seths Spielzeugpferd Captain Oats ins Spiel: Summer selbst besitzt quasi das Gegenstück, nämlich Princess Barkle (nach Eder: Ebene des Artefakts).

4) Seth repräsentiert auf den ersten Blick zwar weniger das gänige Männerbild als Ryan, auf den zweiten Blick bietet er der Jugend aber wohl mehr Projektionsfläche als der Junge aus Chino. Denn er ist Teil der Generation Y, die, der Generation X nachfolgend, meist die Geburtenjahrgänge 1977 bis 2002 umfasst, nach manchen Definitionen auch jene von 1978 bis 1989 . Diese Generation ist zielstrebig, selbstbewusst, steht für Wandel und In-Frage-Stellen von Konventionen. Und genau das macht auch Seth. Er ist kein Stereotyp; er verstößt gegen viele Männerbilder und die der Upper-Class. Angefangen von seinem Kleidungsstil bis zu seiner Art ist er individuell und keinesfalls ein Abklatsch eines gängigen Bildes (nach Eder: Ebene des Symtoms).

 

Ist Seth nun ein Held?

Geht man nach Joseph Campbell, so ist Seth tatsächlich ein Held. In „Der Heros in tausend Gestalten“ heißt es:

„Der Held ist deshalb der Mensch, ob Mann oder Frau, der fähig war, sich über seine persönlichen und örtlich-historischen Grenzen hinauszukämpfen zu den allgemein gültigen, eigentlich menschlichen Formen“. (Campbell, 1999: 26)

Um aber zum Held zu werden, kämpft Seth primär gegen sich selbst. Seth Cohen ist also bestimmt kein Held, der sich selbst als Held sehen würde – vielmehr ist er nach Christopher Vogler ein unwilling hero:

„Full of doubts and hesitations, passive, needing to be motivated or pushed into the adventure of outside forces” (Vogler, 1999: 45).

Seth steht also sicher nicht auf einer Ebene mit Spider- oder Superman (obwohl er ironischerweise Summer mit Spiderman-Maske küsst). Er ist eher ein Alltagsheld, einer wie wir – nur eben mit Spielzeugpferd.

Literatur zur Figurenanalyse:

Campbell, Joseph (1999): Der Heros in tausend Gestalten. Insel Verlag Frankfurt am Main.

Eder, Jens (2008): Die Figur im Film: Grundlagen der Figurenanalyse. Schürer Verlag,  Marburg.

Vogler, Christopher (1992): The Writer’s Journey: Mythic structure for storytellers & screenwriters. Michael Wiese Productions, Studio City.

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