Zombie goes to Hollywood

von Selina Juliana Sauskojus

Heute startet der Zombie-Blockbuster World War Z in den deutschen Kinos. Regie-Chamäleon Marc Forster schickt Brad Pitt in einen Weltkrieg gegen eine Zombie-Pandemie, die bereits einen Großteil der Menschheit dahingerafft hat. Das klingt nach einer Kombi, bei der eigentlich nichts schief gehen kann…

 

Globaler Krieg gegen die Untoten

Die menschliche Zivilisation steht vor dem Kollaps. Eine Zombie-Pandemie rafft die Menschheit dahin. Kein Kontinent bleibt verschont. Der pensionierte UN-Ermittlungsbeamte Gerry Lane (Brad Pitt) hat sich bereits vor einiger Zeit aus den Krisengebieten dieser Welt zurückgezogen. Statt Kriegsverbrechen in Tschetschenien aufzuklären, bereitet er nun allmorgendlich seiner Frau und den beiden Töchtern die Pfannkuchen zu. Bis zu dem Tag an dem die Zombie-Welle Philadelphia erwischt und sich der Familienvater unmenschlich schnellen Untoten entgegenstellen muss, um seine Familie zu schützen. Dank alten Arbeitskontakten werden die vier aus der city of brotherly love evakuiert und auf einen amerikanischen Flugzeugträger gebracht – der vermeintlich letzte sichere Ort auf Erden. Doch für Gerry währt der Frieden nicht lange. Anstatt den Frieden mit seiner Familie genießen zu können, wird er beauftragt seine Arbeit als Ermittler wieder aufzunehmen um herauszufinden wo die Pandemie ihren Ursprung hat und, wenn möglich, eine Antwort auf die Seuche zu finden. Zum Schutz seiner Familie macht er sich auf zu einer Reise um die Welt, um den World War Z zu stoppen.

 

Ein Spannungsböglein für den Anfang

Wer den Film wegen seiner Action-Elemente anschauen will wird nicht enttäuscht – zumindest nicht in den ersten dreißig Minuten. World War Z startet furios. Wie der Protagonist wird auch der Zuschauer direkt in das apokalyptische Szenario geworfen. Die Ausbreitung der Pandemie in Philadelphia, gedreht wurde übrigens in Glasgow,  ist ein wahrer Reigen an stark choreographierten Massenszenen, in denen hyperschnelle Zombies den Lebenden den Garaus machen. Weder Zuschauer noch Figuren können mehr unterscheiden, wer bereits zu den Infizierten gehört oder wer nur in Panik versucht sich zu retten. Es fehlt die komplette Übersicht und genau dies erzeugt die Spannung, die eine derartige Szene braucht.

Die Entscheidung der Filmemacher weitestgehend auf CGI zu verzichten, ist durchaus lobenswert und zahlt sich aus. Mehr als 150 Fahrzeuge wurden allein beim Dreh in Glasgow zerstört – zum Wohle des Realismus. Wer sich bis dahin nicht vor Spannung in den Kinositz krallt wird es ab diesem Zeitpunkt vermutlich auch nicht mehr tun. Denn nach der Rettungsaktion der Familie Lane geht der Spannungsbogen rapide bergab. Plötzlich verkommt World War Z zum üblichen Hollywood-Produkt, bei dem eine schmalzige Familiengeschichte, harte Soldaten (auch in weiblicher Ausführung) und höher-schneller-weiter-Bilder Hand in Hand die vorhergegangenen starken dreißig Minuten killen. Wer genau diese stereotypen Hollywood-Elemente erwartet und schätzt wird dann auch auf seine Kosten kommen.

 

Where have all the Zombies gone?

Wer allerdings dem Genre Zombiefilm zugeneigt ist, wird eine herbe Enttäuschung erleben. Dass Zombies, oder Infizierte, sich schnell bewegen können, ist spätestens seit 28 Days Later (2002) Konsens unter Freunden der Untoten-Films. Dass sie aber plötzlich in Puma-Manier ihre Opfer anspringen und Autoscheiben mit dem Kopf einschlagen scheint doch sehr befremdlich. Eine weitere Fähigkeit des neuen Zombies ist es, sich in seiner Raserei im Schwarm zu einer Pyramide zu formen, um scheinbar unüberwindbare Mauern zu erstürmen. Das sieht auf der Leinwand nicht nur wahnsinnig gut aus, es ist tatsächlich auch ein Element, bei dem man sich sagt: das scheint im Zuge der Zombie-Evolution irgendwie Sinn zu machen. In dieser Verfilmung steht der Schwarm-Charakter der Zombies im Vordergrund. Neu ist das nicht, man denke allein an einen der Klassiker des Genres: Dawn of the Dead von George A. Romero (1978). Was jedoch den Zombiehorror bisher ausgezeichnet hat, ist die gesellschaftskritische Aussage. Bei Romero ging es um das Aufkommen der amerikanischen Konsumgesellschaft. 2002 erfand Danny Boyle den Zombie neu. Mit seinem Film 28 Days Later verbildlichte er die, dem Menschen innewohnende, rohe Gewalt und entwarf ein postapokalyptisches Szenario, das realistischer kaum hätte sein können. Obwohl jedes gesellschaftskritische Element zu fehlen scheint bei World War Z, setzt Regisseur Marc Forster die Infizierten dennoch nicht schlecht.

 

Das ewige Leid mit dem 3D

Wer im Übrigen die Gelegenheit hat sich den Film im traditionellen 2D anzuschauen, tut gut daran diese Möglichkeit zu nutzen. „Zu manchen Bewegungen passt ein hektischer Stil der Kamera und eine rasche Schnittfolge“, so Produzent Ian Bryce. Das ist auch in der Tat sehr gut umgesetzt worden. Allerdings ist die Kombination aus schnellen Kamerabewegungen, flottem Schnitt, ziemlich vielen Close-Ups, insbesondere zu Beginn des Films, und 3D dann doch etwas zu viel des Guten. Das Auge ist einfach maßlos überfordert mit der Flut der Eindrücke. Das ist der Erzeugung von Chaos vielleicht zuträglich, dem Filmgenuss allerdings eher nicht. Funktionieren tut das Dreidimensionale immerhin beim Ausbruch der Pandemie in Philadelphia und bei der Erstürmung Jerusalems durch Zombies. Durch das 3D erhalten die Massenszenen in den Straßenschluchten mehr Tiefe, die auf die Kamera zustürmenden Zombies wirken bedrohlicher. Brauchen tut man es dadurch aber noch lange nicht.

 

Fazit

Der Veröffentlichung von World War Z ging eine Medienkampagne sondergleichen voraus. Dem Zuschauer wurden viele Versprechungen gemacht. Das eine Versprechen hält der Film: World War Z ist ein Action-Reißer, der durchaus Spaß machen kann, wenn man nicht zu viel erwartet. Brad Pitt spielt so stark wie man die flache Figur eben spielen kann, auch sonst sind filmtechnische Schnitzer so gut wie nicht vorhanden. Die Hollywoodisierung des Zombies macht allerdings eher traurig als beschwingt. Den Standards des amerikanischen Kinos angepasst, verkommt der Untote von einer gesellschaftlichen Metapher zum bloßen Horrorprodukt. Früher oder später fällt eben jeder gute Stoff der Maschinerie Hollywood zum Opfer um brav von den Massen konsumiert werden zu können. Womöglich sagt diese Tatsache an sich unfreiwillig mehr aus, als es der Film selbst jemals könnte.

Copyright: Paramount Pictures

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