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„It gets better“ – Ein studentischer Kurzfilm

von David Jetter (Film) und Alexander Karl (Text)

media-bubble.de hat es sich – neben medienkritischen Beiträgen – zur Aufgabe gemacht, studentenische Projekte zu unterstützen und ihnen eine Plattform zu bieten. Dazu gehört etwa der äußerst gelungene Film von David Jetter „It gets better! Homosexualität und christlicher Glaube“. Darin geht es um Samuel, der im Spannungsfeld zwischen Kirche, Dorfleben und Homosexualität nicht weiß, wie er sich richtig verhalten soll. Als seine christliche Freundin Magdalena ihn beim Küssen mit einem Mann entdeckt, eskaliert die Situation…

Harris alias Hunter: „Ich würde bei einer Neuauflage mitmachen!“

von Alexander Karl und Sanja Döttling

Harris Allan ist das Küken der „Queer as Folk“-Schauspieler: Mit seinen 27 Jahren ist der Jüngste des Casts, der zur Convention in Deutschland weilt. Seine Serienfigur Hunter war zunächst Stricher, wurde dann von Michael und Ben adoptiert.

 

 

media-bubble.de traf ihn im Café Morgenstern und sprach mit ihm über Partys, Queer as Folk und seine Zukunft.

media-bubble.de: Harris, die Queer as Folk Charaktere feiern ziemlich viel. Wie sieht es bei dir aus: Bist du auch Privat ein Partytier?

Harris: Schon (lacht). Aber wenn man arbeiten muss, ist das natürlich schwer. Ich bin sowieso eher nicht in Clubs, sondern in Lounges. Zwar auch mit Tanzflächen, aber etwas ruhiger und gediegener.

Ihr seid jetzt in Köln bei der rise ‘n Shine Convention, es gab davor auch schon kleinere. Warst du denn schon einmal auf einer QAF-Convention?

Es gab mal eine Kleine in Torronto, da war ich. Es ist aber immer toll, sich mit Fans auszutauschen und ihre Meinungen zu der Serie und meinem Charakter zu hören.

Aber war es nicht komisch, dass du zur Rise  ‘n Shine –Convention nachnominiert wurdest, nachdem Gale Harold alias Brian abgesagt hat?

Nein, ich war glücklich, überhaupt gefragt zu werden und mit nach Köln zu dürfen.

(Eine Kellnerin kommt mit einem Tablett vorbei. Darauf: Irgendwas Sprudelndes, aber was nur?)

Ist das Champagner oder Prosecco?

Gute Frage.

(Interviewer und Harris sind ratlos)

Was ist denn da der Unterschied?

Prosecco ist die schwule Version von Champagner. Das wird in der schwulen Szene immer getrunken. Und als Studenten können wir uns keinen Champagner leisten.

Ach so (lacht). Und was macht ihr so?

Wir sind eigentlich Studenten, schreiben aber für einen Blog.

Ich studiere auch, BWL, Buisness Management. Aber ich schauspielere auch noch.

Was es eigentlich von Sharon erst gemeint, dass man einen „Queer as Folk“-Film machen sollte?

Echt? Das hat sie gesagt? Ich dachte, das war eher ein Gerücht. Aber wenn – ich würde mitmachen! Doch das wird bestimmt schwierig, man braucht Produzenten, muss alle wieder zusammenbekommen.

Und wie sieht es bei dir derzeit mit Filmen aus?

Ich spiele eine kleine Rolle in einer Komödie namens „Gay Dude“[erscheint 2012] . Und davor habe ich bei Final Destination 3 mitgespielt. Dann ist es schön, einmal wieder etwas Lustiges zu spielen. Obwohl auch Queer as Folk auch viele komische Momente hat.

Foto: Sanja Döttling

Klischee vs. Realität? Der Homo-Film

von Pascal Thiel

Knallige Farben, schrille Electrobeats. Geschminkte, aber nicht gerade sehr männlich wirkende Jungs Anfang 20. Die Beine mittels Bräunungscreme getönt, rasiert und nackt. Sie stolzieren durch den Schwulenclub, stets die muskelbepackten Oberkörper der Typen an der Bar im Blick – so stellt sich der Durchschnittsfernsehkonsument das schwule Leben und somit natürlich auch einen „richtigen“ Schwulenfilm vor. Doch das Klischee täuscht. Fünf schwule Filme fernab des Stereotyps.

Klischeefilme: Eine Gefahr?

Ein großer Teil des gegenwärtigen nationalen und internationalen Kinogewerbes hat jedoch glücklicherweise mehr auf und im Kasten, als so mancher Filmemacher, der meint, das Publikum mit kreischenden Tunten und Quiche Lorraine als Sexspielzeug belästigen zu müssen. Obwohl diese Filme in der Regel eine Parodie der Schwulenklischees beabsichtigen, führen sie bei Menschen, die sich mit homosexuellen Themen oder Inhalten eher weniger beschäftigen, zumeist doch zu einer Festigung dieser: Sie sehen sich in ihren Vorurteilen bestätigt, da sie den parodischen Unterton nicht bemerken. Für sie gilt das Klischeebild des CSD: Tunte oder Leder. Die, mit der Wirklichkeit vertrauten, Homosexuellen, müssen sich dann gegen diese Klischees erwehren, um nicht sofort in die Tunten-Schublade gesteckt zu werden.

Doch abseits dieser in Übertreibung und Provokation ersaufenden Klischeefilme erlebt die Homosexualität seit einigen Jahren einen erstaunlichen Aufschwung auf der Leinwand. Dabei steht sie zum Teil unmittelbar im Zentrum der des Interesses: Etwa in Sommersturm, I killed my Mother und Brokeback Mountain. In anderen Filmen wiederum ist sie lediglich ein Randaspekt – etwa in Toast und Was nützt die Liebe in Gedanken.

Meilensteine im Homofilm

Große Gefühle gibt’s in dem deutschen Coming-Out-Film überhaupt: Sommersturm (2004). Während eines Trainingslagers seiner Rudergruppe erlebt Tobi, der in seinen besten Freund Achim verliebt ist, ein turbulentes Coming-Out, das die Freundschaft der beiden zu zerreißen bedroht. Sommersturm war bis dato und ist wohl bis heute der einzige Film im deutschen Kino, der sich mit solch einer Intensität mit dem Thema Homosexualität beschäftigt. Er erzählt auf eine erstaunlich authentische Weise – was sowohl dem Drehbuch als auch der perfekten Auswahl der Schauspieler zu verdanken ist – die besonders schwierige, manchmal auch kräftezehrende Phase des inneren und äußeren Outings, die Millionen Jugendliche durchleben. Zugleich aber zeigt er auch die Ressentiments mancher Jugendliche gegenüber Homosexuellen und versucht diese zu beseitigen.

Diese schwierige Zeit im Leben eines Menschen wird auch in Xavier Dolans I killed my Mother (CA 2009) thematisiert. Hier steht die Homosexualität allerdings im Zeichen der zweiseitigen Persönlichkeit eines fast zwanzigjährigen Protagonisten: Auf der einen Seite sieht man einen künstlerischen, aber reichlich egoistischen Möchtegern-James-Dean, der sich intellektueller Lyrik und Literatur hingibt, auf der anderen Seite einen pubertierenden, fast hysterischen Frühreifen, dessen Mutter seine Homosexualität im Sonnenstudio von der seines Freundes erfahren muss. Aus Ersterem ergibt sich ein besonderer Aspekt der Homosexualität: Eine gewisse Abgrenzung von gleichaltrigen Heterosexuellen und dem Austritt aus dem gewohnten Alltag zur Verdeutlichung des Andersseins, auch durch Verhalten, Lebensweise oder Mode. Das nimmt auch Dolans zweiter Film Herzensbrecher auf.

Für das größte mediale Echo und eine gesellschaftliche Diskussion über Homosexualität- sorgte der wohl bekannteste Homo-Streifen: In Brokeback Mountain (USA 2005) wird eines der wohl stärksten Symbole des American Dream, also gewissermaßen ein Heiligtum der amerikanischen Konservativen, mit Homosexualität in Verbindung gebracht: Der Cowboy. Obwohl sich der „schwule Cowboy“ im Nachhinein zu einem homoerotischen Sexsymbol auf der einen Seite und einer homophoben Metapher auf der anderen Seite entwickelte, stellt der Film wie kaum ein anderer zuvor den Kampf zweier Männer für ihre gemeinsame Liebe dar, der sich über Jahrzehnte hinzieht und schließlich gewaltsam in gesellschaftlichem Hass und Intoleranz erstickt. So treffen in Brokeback Mountain nicht nur zwei junge Cowboys der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufeinander, sondern auch hochaktuelle Themen unserer Zeit: Vom Versteckspiel mancher Homosexuelle, die sich in Familien flüchten, in dem Glauben, sich an die gesellschaftliche Mehrheit anpassen zu müssen, bis hin zur aggressiven, homophoben Haltung von Menschen unserer Gegenwart.

Schwul? Na und?

Viele Filme behandeln das Thema Homosexualität sehr entspannt. Ein Beispiel: Toast (GB 2010). In dieser Komödie kämpft sich der junge Nigel Slater (heute einer der angesehensten britischen Starköche) durch eine harte Kindheit und Jugend, geprägt von einer kochunfähigen Mutter, deren Tod und von der Putzfrau Mrs. Potter, die sich mithilfe ihrer Köstlichkeiten aus der Küche an seinen Vater herankocht, was schließlich in dessen Tod und Nigels Flucht endet. Die Homosexualität wird dabei als begleitender Faktor, aber nicht als etwas Besonderes oder Außergewöhnliches beschrieben. Wie es im Leben eben ist, wird erst die Zuneigung des kleinen, ca. sechsjährigen Nigels zu einem benachbarten Gärtner, dann im jugendlichen Alter die erste Liebe gezeigt – jedoch wird die sexuelle Identität dabei nie in den Vordergrund gestellt – vielleicht die versteckte Botschaft des Regisseurs, nicht diese zu sehen bei Homo- und Bisexuellen, sondern deren Talente, deren Persönlichkeit – wie bei jedem anderen auch.

Wenn man über Sexualität spricht, dann wird schnell deutlich:

Homo- und Heterosexualität sind zwei grundverschiedene Dinge. Spricht man über die Liebe, so ist das nicht mehr zwangsläufig so. Was nützt die Liebe in Gedanken (D 2005) zeigt auf eine herrlich lockere Weise, dass man dem zustimmen kann. Wären all die gesellschaftlichen Meinungen und Einschätzungen nicht, so würde man gar nicht mehr von homosexuellen Inhalten sprechen, sondern von einem ganz normalen Liebesdrama. Denn so haben die Macher des Films die Homosexualität eingebunden. Es spielt keine Rolle, welche Geschlechter sich gegenseitig lieben, sondern dass sie sich lieben, Homosexualität wird auch hier nicht als etwas Außergewöhnliches dargestellt. Wenn das auch in unserer realen Gesellschaft getan wird, ist sie bei der heute geforderten Gleichstellung angekommen.

Foto: spielfilm.de, cinema.de

Dieser Text ist ein Beitrag zur Aktion der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld zum „Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie“. Auf media-bubble.de gibt es dazu auch eine Aktionsseite.

Wie kam der Sex in die City?

von Alexander Karl

Wir kennen Carrie Bradshaw und ihre Freundinnen als sexy Vamps aus der US-Erfolgsserie „Sex and the City“. Doch wie wurde Carrie zu der Frau, die wir in sechs Staffeln und zwei Filmen bewundern durften? Diese Frage wird jetzt doppelt geklärt – einerseits in den Büchern der Bradshaw-Schöpferin Candance Bushnell, andererseits in einer  neuen Serie auf Basis der Bücher.

Das ‚alte‘ Sex and the City

Bereits die erste Sex and the City-Serie basierte auf dem gleichnamigen Buch von Candance Bushnell, das 1997 erschien. 1998 startete dann die Serie durch und erzählte von vom Leben, Lieben und Shoppen in New York. Zwei – mehr oder minder erfolgreiche und sehenswerte – Kinofilme später, stellten sich nicht nur die Fans der Serie die Frage, wie es nun weiter gehen soll. Immer wieder gab es Gerüchte, dass es einen dritten Kinofilm geben soll. Dann hieß es wieder, dass die eigentlichen Hauptdarstellerinnen zu alt für den Job seien und es keine Fortsetzung gäbe. Sarah Jessica Parker und Kristin Davis – die in der ursprünglichen Serie Carrie und Charlotte spielten – sprachen sich gegen ein Prequel aus: „And then have like different people with our names? It’s kind of freaky“, so Davis.

Ob es eines Tages doch noch einen dritten Film mit dem alten Cast geben wird, scheint bisher noch offen. Fest steht aber: Es wird ein Prequel der Erfolgsserie geben.

Das ’neue‘ Sex and the City

Mit The Carrie Diaries zeigte Candance Bushnell die junge Carrie in ihrer Zeit vor New York. Sie lebt in einer Kleinstadt bei einem alleinerziehenden Vater und will mehr vom Leben. Dieses Mehr wird dann in Summer and the City, dem zweiten Teil der Buchreihe, beschrieben. Dort lernt sie in New York die verlobte Samantha und die Feministin Miranda kennen. Eingefleischte Serien-Fans wird Summer and the City zunächst etwas verwundern: Eine kochaffine Carrie? Eine verlobte Samantha? Candance Bushnell verteigt die neue Vergangenheit der Charaktere:

The little differences between the show and the books feel incidental to me. They may not to other people, but as the writer and the creator, the characters still feel like the characters in both iterations. […]

You know, the way it was in the show just didn’t work in the book. I know there’s also a brief mention in the show about Carrie losing her virginity at 15 in her basement, but that doesn’t work in the book either. Where is she going to go as a character in these books if she loses her virginity at 15? It doesn’t make sense here. If it’s an off-hand remark in a series, it’s fine, because they’re never going to revisit it.

Nun soll auf Grundlage der beiden neuen Bücher auch eine neue Serie auf die Bildschirme kommen – und genauso wie die Bücher die Vergangenheit von Carrie und Co. beleuchten. Der Pilot der Serie wurde bereits vom US-Sender The CW geordert und auch der Inhalt der Serie ist bereits durchgesickert. Doch viele Fragen sind noch offen: Wer soll Carrie und ihre Freundinnen spielen? Von bekannten Namen bis hin zur jüngsten Vermutung, ein völlig unbekanntes Gesicht zu nehmen, scheint alles möglich.

Die Frage aber bleibt: Kann die neue Serie – die zudem auch detailgetreu in den Achtzigern spielen wird – tatsächlich an die Erfolge der ersten Serie anknüpfen? Oder will man die Marke Sex and the City solange schröpfen, bis sie völlig wertlos ist?

Es ist zumindest ein cleverer Schritt, die Vorgeschichte der Damen zu erzählen und nicht einen dritten Film zu drehen – so gerne mancheiner die Schauspielerinnen wiedersehen würde. Denn der zweite Teil wurde von Kritikern in der Luft zerrissen und auch Chris Noth – Carries Mr. Big – äußerst sich kritisch über die späten Tage der Serie. Außerdem – und das zeigte leider auch das letzte Film – spielen sowas der Sex, als auch die City nur noch eine Nebenrolle. Vielleicht ändert sich das ja mit dem Prequel.

 

Foto: flickr/Associated Fabrication (CC BY 2.0)

Sherlock Holmes 2.0

Aktuelle und brisante Vorlage für den Fall von Holmes und Watson ist der Datenklau-Skandal von
Sony, bei dem von mehr als 80 Millionen Kunden private Daten – wie etwa auch Bankzugänge –
gestohlen wurden. Beschuldigt wird die Hackergruppe Anonymous.

In unserem Film trägt das betroffene Unternehmen in Anlehnung an die reale Firma Sony den Namen
Ynos. Der Ynos-Chef bittet die Detektive um Unterstützung, denn sie sollen herausfinden, wer hinter
den Hackerangriffen steckt. Im Film wird die Thematik der „digital immigrants“ und „digital natives“
aufgegriffen, wobei Sherlock Holmes den „immigrant“ verkörpert, der die Nutzung neuer Medien
erst lernen muss, während der „native“ Watson mit den neuen Medien aufgewachsen und somit
bereits bestens mit ihnen vertraut ist.

Während Holmes sich dementsprechend der traditionellen Mitteln bedient, versucht Watson sein
Glück auf dem digitalen Weg.

Um dem Zuschauer Interaktivität zu ermöglichen, sind die Filmsequenzen so zusammengestellt, dass
der Rezipient vier verschiedene Möglichkeiten zum Abspielen des Films hat:

So kann der Zuschauer 1. nur dem Ermittlungsweg von Sherlock Holmes folgen, 2. nur Dr. Watson
bei der Lösung des Falls begleiten, 3. den Film mit beiden Ermittlern als Gesamtes abspielen
oder 4. zwischen den beiden Ermittlern hin und herswitchen – da sie sich trotz unterschiedlicher
Lösungswege immer auf dem gleichen Stand befinden.