Influencer

Influencer- Innovative Eintagsfliege oder ernstzunehmender Beruf ?

Von Jennifer Bajrami

Mittlerweile ist der Beruf Influencer*in besonders bei jungen Leuten bekannt – aber auch sehr umstritten, nicht zuletzt deshalb, weil sie durch Werbeplatzierungen in sozialen Medien ihren Unterhalt verdienen. In diesem Beitrag schauen wir uns das Konzept des Influencer-Marketings am Beispiel der Marke „Sugarbearhair“ genauer an.

Ich kenne es und ihr bestimmt auch. Wenn uns die Updates unserer Freunde auf Instagram irgendwann zu langweilig geworden sind, packt uns die Neugierde. Wir suchen Abwechslung und folgen denen, die uns Motivation und Inspiration liefern. Hin und wieder lassen diese uns mit einer Mischung aus Bewunderung und Neid zurück. Die Rede ist von Influencer*innen.

Breit aufgestellt in den verschiedensten Interessengruppen, gibt es Menschen, die davon leben, sich selbst zu vermarkten. Die Digitalisierung und der Fortschritt der Technologie haben jeder*m die Möglichkeit eröffnet, fast professionelle Fotos und Videos selbst zu machen. Damit kann jede*r sich perfekt selbstinszenieren. Viele Menschen werden von dem zur Schau gestellten Luxus oder der übermäßigen Schönheit einer Privatperson, die alle an ihrem Leben teilnehmen lässt. Auf diesen Umstand sind auch findige Unternehmen aufmerksam geworden, die diesen Hype um Influencer*innen nutzen, um gezielt Werbung zu machen, die sich von der bekannten Art stark unterscheidet.

Ich habe das Ganze mal etwas genauer unter die Lupe genommen und mir ein aktuelles Instagram Phänomen ausgesucht, um das Social Media Marketing anhand eines Beispiels genauer zu betrachten.

 

Gummibärchen für die Haare

Social Media Marketing

Die blauen Bärchen überzeugen im Netz durch schönes Design und Werbegesichtern mit perfektem Haar. Foto: Jennifer Bajrami

Das Unternehmen Sugarbearhair ist zu einer Marke avanciert, die vielen Beauty- Interessierten bekannt ist. Die babyblauen Haarvitamin-Gummibärchen wurden zuerst 2016 auf Instagram gesichtet, als die Kardashian-Schwestern Kylie, Kim und Khloe damit auf ihren Social Media Kanälen posierten. Wenig später folgten die US-Schauspielerin Vanessa Hudgens und das Model Emily Ratajkowski, sowie weitere Prominente, die den blauen Bärchen scheinbar ihr schönes Haar verdanken. In den darauffolgenden Monaten wurden Sugarbearhair Vitamins zu den bestverkauften Haarvitaminen online.

Der fast schon kometenhafte Aufstieg von Sugarbearhair scheint teilweise unerklärlich, da die Mechanismen der viralen Anziehungskraft nach wie vor schwer (be)greifbar sind. Selbst erfahrene Nutzer*innen älterer Plattformen haben bei diesem Phänomen Probleme mit der Nachvollziehbarkeit.

Wie konnte das Interesse der User*innen auf ein Produkt, dem es offensichtlich an Innovation mangelt, erzeugt werden? Wie hat Sugarbearhair die surreale Ästhetik bestimmt, die in ihren Beiträgen zu sehen ist?

From zero to hero

Die Marketingbranche hat erkannt, dass Social Media Plattformen eine neue Option bieten, über Kundennähe Werbung zu betreiben.  Dabei ist es wichtig, das Image zu pflegen, Informationen und Support zu bieten, den Abverkauf zu steigern, Traffic für die eigene Website oder den Blog zu generieren oder die Suchmaschinenoptimierung im Auge zu behalten.

Dieses sogenannte Influencer Marketing hat sich in den letzten Jahren bewährt und durchgesetzt. Interessanterweise hat es auch neue Prominente mit eigenen Produktlinien hervorgebracht. Clevere Influencer*innen nutzen ihre Reichweite nicht nur für die Produktwerbung von Unternehmen, sondern verkaufen darüber ihre selbstkreierten Produkte oder fördern ihre eigenen Ambitionen, weshalb sie zwischen Schauspieler*innen und Musiker*innen über den roten Teppich laufen.

Was ist SEO?

Suchmaschinenoptimierung, im Englischen auch search engine optimization und oft mit SEO abgekürzt, sind Maßnahmen, die die Sichtbarkeit einer Website und ihrer Inhalte für Benutzer einer Websuchmaschine wie beispielsweise Google erhöhen.

Der Erfolg der Influencer*innen spricht für sich

Ob Videospiele, Autos, Make-up oder Nahrungsmittel- Influencer*innen lassen sich dafür bezahlen, zu bewerbende Produkte in ihren Videos, Blogs und Posts vorzustellen und ihren Follower*innen zu empfehlen. Für die Hersteller der Produkte ist es lohnenswert, sich den Einfluss der Influencer*innen auf ihre Fans und Follower*innen zu Nutzen zu machen, da dieser erheblich ist.

Den größten Einfluss auf Kaufentscheidungen haben laut einer Studie des Social-Media-Atlas die YouTuber*innen. Von 100 YouTube User*innen haben innerhalb eines Jahres 21 mindestens ein empfohlenes Produkt gekauft. Fünfzehn Blog User*innen haben mindestens ein Produkt gekauft, weil es von einer Bloggerin oder einem Blogger empfohlen wurde und die gleiche Anzahl an User*innen weiterer Social Media Plattformen, da es von einem Social Media Prominenten beworben wurde.

Dieses neuartige Werbekonzept ist gerade für Start-Up-Unternehmen interessant. Viele junge Unternehmen setzen auf das Web 2.0 und seine Influencer*innen, von denen es unzählig viele gibt. Damit lässt sich fast jede Zielgruppe erreichen. Durch den Instagram Algorithmus, der auf die Komponenten Timeliness, Interest, Relationship, Frequency und Following zurückgreift, sind Influencer*innen eine gute Anlaufstelle für Produktwerbung. Hierbei sprechen sie nicht nur die eigene Followergemeinde an, sondern auch Menschen mit ähnlichen Interessen. 

Dem Influencer Marketing auf der Spur

Um genauer zu verstehen, was es mit Werbung und dem Marketing auf sozialen Netzwerken auf sich hat, habe ich einen Experten aufgesucht und interviewt. Dr. Prof. Guido Zurstiege ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Im Gespräch ging es unter unter anderem darum, welche Risiken Influencer Marketing mit sich bringt und wie die Zukunft von Werbung aussehen könnte. Das Interview gibt es im nächsten Beitrag dieser Reihe.