Schluss mit Krise!?

von Natalie Schaaf

Brauchst du dringend Geld? Willst du damit etwas Produktives anstellen? Was Journalistisches? www.krautreporter.de, eine neue Crowdfunding-Plattform sucht nach Leuten mit Ideen und welchen mit Geld.

Zeitungssterben, Krisen, überall Krisen und das Geld fehlt an allen Ecken und Enden. Wenn Zeitungen sich irgendwann alle nur noch mit Shops finanzieren können (ui, was gibt es da für tolle Dinge im ZEIT Shop. Eine Hario Skerton Kaffeemühle oder ein iPad Etui namens „Couch Potatoe“), dann werden Journalisten dankbar sein, wenn sie ihr Geld von anderer Stelle bekommen. Wie wäre es zum Beispiel mit Crowdfunding? Heute, am 29.1. startet eine neue Plattform. Sie heißt Krautreporter. Oh je, schon wieder? Reichen nicht www.startnext.de/ , www.visionbakery.com/, www.inkubato.com/de, www.pling.de/? Dazu sagt Sebastian Esser, der die Plattform mit Wendelin Hübner gegründet hat: „Krautreporter bietet ein Umfeld für Journalismus. Bei startnext und anderen Crowdfunding-Plattformen finden sich alle möglichen Projekte: Kinofilme, Gartenbauprojekte, Theaterstücke. Journalismus findet dort unter ferner liefen statt “. Eine Plattform, die sich auf Journalismus spezialisiert, könnte da also eine gewisse Ordnung in das Crowd-Kraut bringen. Leute, die Journalismus unterstützen wollen, müssen nicht erst bei einer altbekannten Plattform „Journalismus“ ins Suchfeld eingeben, sondern sie sollen gleich wissen, dass sie bei www.krautrepoter.de richtig sind. Aber Pluralität ist ja immer gut.

 So funktioniert´s

Der Reporter, Fotograf oder Dokumentarfilmer stellt sein Projekt auf der Plattform vor. In einem kurzen Video fasst er zusammen, was sein Ziel ist, wie viel Geld er bis wann benötigt und welche Prämie er seinen Unterstützern als Gegenleistung verspricht. Wenn die Summe nicht bis zum angestrebten Datum erreicht wurde, kommt das Projekt nicht zustande und die Geldgeber erhalten ihre gesamte Investition zurück. Wichtig ist, dass die Projekte mit einer gewissen journalistischen Professionalität durchgeführt werden. Die Macher müssen sich an den Pressekodex halten, transparent, unabhängig und faktisch korrekt arbeiten. So ist schon mal der Weg für qualitativ guten Journalismus geebnet.

Money, Money, Money

Finanziell unterstützen kann die Projekte jeder. Da kommt wieder die Frage auf: Bekommen dadurch die Reichen mehr Einfluss auf den Journalismus? Dazu Esser: „Die Gefahr halte ich für konstruiert. Menschen, die mit ihrem Geld in irgendeiner Weise Macht und Kontrolle ausüben wollen, würden das kaum über Crowdfunding machen.“ Dem fügt er noch schelmisch hinzu, dass er froh wäre, wenn sich Leute mit viel Geld melden würden. Dennoch: unterwerfen sich Journalisten damit nicht dem Diktat von Angebot und Nachfrage? – Davon sollten sie doch unabhängig sein. Und geht dadurch nicht Pluralität verloren, wenn am Ende immer nur die Projekte „gewinnen“, die die meisten Nachfrager gefunden haben? Oder ist gerade das besonders demokratisch?

Die Zukunft des Journalismus?

Das Allheilmittel für den am Hungertuch nagenden Journalisten, der seinen Schreibtisch bei der  Frankfurter Rundschau oder der dapd verlassen musste, ist Krautreporter nicht. Sebastian Esser erhebt auch gar nicht den Anspruch, dass seine Plattform die Zukunft des Journalismus ist. Sie sei nur eine von vielen Finanzierungsmöglichkeiten. Eine Ergänzung, die Reporter & Co. unabhängig  von Verlagen und Sendern macht.

Unter den ersten Projekten sind ein Dokumentarfilm, eine Auslandsreportage, ein Fotoprojekt, ein Fachbuch und ein hyperlokales Journalismusprojekt, also Lokaljournalismus auf noch kleinerer Ebene. Also Schluss mit Krise? Nun ja, ein bisschen!

 

Fotos: flickr/68751915@N05 (CC BY-SA 2.0); flickr/planeta (CC BY 2.0)

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