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Angriff der sexy Sirenen auf Facebook

von Sandra Fuhrmann

Zu 97 % weiblich, zu über 60 % bisexuell und gewöhnlich zu 100 % sexy: Das sind die Sirenen, die in den Tiefen des Cyberspace lauern. Auf Facebook werben sie um unsere Freundschaft – wollen uns aber nicht an die Wäsche, sondern an unser Konto. Sie strecken ihre Klauen nicht nur nach unserem Geld, sondern auch nach den Daten unsrer Freundeslisten aus.

Außen hui und innen pfui

Warum addet man überhaupt Menschen, die man nicht aus dem echten Leben kennt? Ein Grund: Sex sells! Erotik ist laut einer Studie der IT-Sicherheitsfirma Barracuda Networks die Masche, mit der Fake-Profile in Facebook versuchen Nutzer in ihre Fänge zu locken.

Facebook besitzt etwa 845 Millionen Nutzer. In einem Pflichtbericht, den das Unternehmen der US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) überreichte, schätzt Facebook selbst den Anteil der gefakten Profile auf fünf bis sechs Prozent, was in etwa 42 bis 50 Millionen der Konten entspricht. Bis zu 50 Millionen falsche Freunde mit noch falscheren Bildern – und oft auch bösen Absichten.

Mit Speck fängt man Mäuse und mit dem richtigen Profil Freunde in Facebook. Fake-Accounts sind außen hui und innen pfui. Nicht nur, dass sich dahinter keine realen Personen verbergen – ihre Absicht ist es Spam in Umlauf zu bringen, Nutzer zu überreden, Programmen beizutreten, oder auf die privaten Daten der User zuzugreifen. Doch nicht nur das – lässt man die falschen Profile erst einmal auf sein eigenes zugreifen, mutiert man selbst zur Virenschleuder indem man den falschen Freunden Zugang zu den Kontaktdaten seiner richtigen Facebook-Freunde verschafft. Generiert werden die falschen Konten meist automatisch. Ihre Ziele bei der Verbreitung sind häufig Schulen und große Städte.

Schlaraffenland für Betrüger

Für die Betrüger die dahinter stehen, bedeutet jeder Nutzer, der ihnen in die Klauen fällt, Geld im wirklichen Leben. Das funktioniert beispielsweise über Programme, die für den Nutzer ganz schnell zur Kostenfalle werden. Facebook stellt hier in mancher Hinsicht geradezu ein Schlaraffenland dar. Früher wurden Briefmarken gesammelt, heute geht manch einer auf die Jagd nach Freunden. Kein Wunder: Viele Freunde in Facebook machen attraktiv – zu viele aber auch. Laut einer Studie der Michigan State Universität aus dem Jahr 2008, liegt die höchste Attraktivität eines Profils bei einer Freundeszahl von etwas über dreihundert. Bei Zahlen darüber und darunter sinkt sie wieder ab. Besonders im asiatischem Raum jedoch scheint es beim Sammeln von Freunden oft zu regelrechten Wettstreits zu kommen. In diesem Fall ein gefährliches Spiel.

Wie auch im wirklichen Leben heißt es also Kopf einschalten. Was glänzt, muss noch lange kein Gold sein.

Aber woran erkennt man eigentlich ein Fake-Profil? Na ja – lediglich sechs von hundert Frauen geben in der Realität an, bisexuell zu sein. Nur etwa 40 % der richtigen Profile bei Facebook gehören tatsächlich Frauen. 700 Freunde sind bei realen Personen, handelt es sich nicht gerade um Prominente, eher unwahrscheinlich. Bei Fake-Profilen entspricht diese Zahl dem Durchschnitt. Ein weiteres Indiz sind nicht aktualisierte Statusmeldungen. Nur 15 % der realen Facebook-User aktualisieren ihren Status nicht, während es bei falschen Konten 43 % sind.

Istanbul

Istanbul? Komischer Nachname! Das dachte sich zumindest Facebook. Ein weiteres Indiz, dass es sich um ein Fake-Profil handelt, sind oft außergewöhnliche Nutzernamen. Da es auch nicht im Interesse des Unternehmens liegt, dass Betrüger auf seinen Seiten ihr Unwesen treiben, lässt Facebook Fake-Profile sperren, nachdem sie identifiziert wurden. In diesem Fall zum Missfallen der Nutzerin Alica Istanbul, bei der es sich dummerweise um eine reale Person handelte. Die US-Amerikanerin mit türkischen Wurzeln konnte eines Tages nicht mehr auf ihr eigenes Profil zugreifen. In so einem Fall ist es sinnvoll, sich persönlich an den Betreiber zu wenden. Da jedoch Facebook weltweit nur 850 Mitarbeiter zählt,  kann es dauern, bis Anfragen bearbeitet werden.

Die Lehre die man daraus ziehen sollte? Falsche Freunde gibt es nicht nur im wahren Leben. Manchmal ist weniger in diesem Fall mehr. Und die Zahl bisexueller Frauen ist weit kleiner, als manch einer vielleicht bisher dachte.

Foto:flickr/cambiodefractal (CC BY-NC-ND 2.0), flickr/Daniel Rocal (CC BY-NC-ND 2.0)

Ein neues ACTA droht!

von Sebastian Seefeldt

SOPA, PIPA, ACTA – wer dachte, die Welle der Akronyme hätte ein Ende gefunden, hat sich getäuscht. Der Cyber Intelligence Sharing and Protection Act (CISPA) stammt aus den USA und stellt den Nachfolger von SOPA und PIPA da, welche zu ihrer Zeit dem Aktivismus der Netzgemeinde nicht standhalten konnten. Und diesmal sind die Einschnitte in die Privatsspähre der User noch größer.

CISPA – SOPA/PIPA 2.0?

Der Grundgedanke von CISPA hat nicht viel mit den alten Gesetzentwürfen zu tun: Der aktuelle Entwurf zu CISPA sieht vor, privaten und staatlichen Einrichtungen den freien Informationsaustausch von Daten zu erlauben, insofern diese Daten die Cyber-Sicherheit bedrohen. Der Austausch erfolgt auf freiwilliger Basis mit dem Ziel, gemeinsam Cyber-Bedrohungen zu bekämpfen. Ein ehrenwerter Gedanke – so könnte schnell und effektiv gehandelt werden und gemeinsam gegen die Bedrohungen im Netz vorgegangen werden. Das neue Konzept, dass am 30. November 2011 von Michael Rogers eingebracht wurde, scheint auch im Repräsentantenhaus Anklang zu finden: 100 Unterstützer konnten bereits gewonnen werden, auch aus einer unerwarteten Richtung erhält der Entwurf Rückenwind.

Opportunisten?

Ruft man sich Geschehnisse im Rahmen von SOPA/PIPA noch einmal ins Gedächtnis, gab es ein bestimmtes Ereignis, dass weltweit mediales und somit auch bürgerliches Interesse geweckt hat: der Blackout Day. Damals zogen große Internetfirmen wie Facebook und Microsoft gemeinsam mit den Netzaktivisten in den Kampf für ein freies Internet. Heute scheint sich der Wind aus einer anderen Richtung zu wehen: Die Netzgemeinde steht allein auf dem Schlachtfeld, denn die Namen von Facebook und Microsoft befinden sich dieses Mal auf der Liste der aktuell 28 öffentlichen Befürworter. Facebook wehrt sich allerdings gegen den Vorwurf des Opportunismus:

A number of bills being considered by Congress, including the Cyber Intelligence Sharing and Protection Act (HR 3523), would make it easier for Facebook and other companies to receive critical threat data from the U.S. government. Importantly, HR 3523 would impose no new obligations on us to share data with anyone –- and ensures that if we do share data about specific cyber threats, we are able to continue to safeguard our users’ private information, just as we do today.

Bisher war es ohne Weiteres nachvollziehbar, wieso CISPA als ein positiver Entwurf gehandelt werden kann – allerdings verschweigen Statements von Facebook und Co. die „Kleinigkeiten“, die eine kritische Überprüfung benötigen.

Staatliche Spionage im Privatbereich

Gerade das zunächst positiv wirkende Wort „freiwillig“ ist sehr kritisch zu betrachten, denn hier verbirgt sich die Gefahr, dass sich ein Status des quid pro quo etablieren könnte. Wieso sollte Facebook beispielsweise Daten weitergeben, ohne dafür auch Informationen als Gegenleistung zu erhalten?

Auch die Definition, was eine „Cyberbedrohung“ ist, ist mehr als wage formuliert:

Defines „cyber threat intelligence“ as information in the possession of an element of the intelligence community directly pertaining to a vulnerability of, or threat to, a system or network of a government or private entity, including information pertaining to the protection of a system or network from:

(1) efforts to degrade, disrupt, or destroy such system or network; or

(2) theft or misappropriation of private or government information, intellectual property, or personally identifiable information.

Während man bis zu Abschnitt 1 der Beschreibung noch zustimmen kann, liest sich der 2. Abschnitt wie ein Zusatz, der explizit auf das Filesharing abzielt, denn unter den Punkt „intellectual property“ fällt alles, von einer Photoshop-Datei bis hin zum aktuellen Blockbuster-Film. Auch die Formulierung „the protection of a system or network from“ ist mehr als wage, denn hier könnte der Spielraum eingeräumt werden ohne konkreten Beweis, unter dem Vorwand das System/Netzwerk zu schützen, private Daten weiterzugeben – ohne das Mitwissen des Betreffenden. SOPA-Kritiker werden an dieser Stelle wohl den Vorwurf, CISPA sei SOPA in grün, als gerechtfertigt ansehen, dabei sind die Folgen noch viel weitreichender.

Gelangen beispielsweise Regierungsinstitutionen wie das United States Department of Homeland Security und die National Security Agency an User-Daten (E-Mails, Chatverläufe usw.) fehlt eine Regulierung, die es ihnen verbietet auch nach Dingen zu suchen, die mit dem Thema „Cyberbedrohung“ nichts zu tun haben – reguliert ist allein, dass die Informationen unter diesem Vorwand erhalten worden mussten. Wer also nicht möchte, dass Uncle Sam in den eigenen Mails liest, sollte sich wohl näher mit dem Thema beschäftigen – auch derjenige, der nicht Bürger der USA ist, denn da die großen Dienste wie Facebook und Google in den USA ansässig sind und somit dem US-Recht unterworfen sind, können auch private Informationen aus anderen Ländern in die Hände des US-Staats fallen.

Wieso unterstützen die großen Firmen wie Facebook und Mircrosoft nun diesen Gesetzesvorschlag? Ganz einfach: Da die Firmen mit CISPA nicht für ihre User verantwortlich sind, wie es noch bei SOPA der Fall war und somit nicht für sie zur Rechenschaft gezogen werden können, wird ihr Job um einiges einfacher. Dass der Gesetzestext die Grundlage für das Eindringen des Staates in die privatesten Bereiche des Lebens schafft, scheint unwichtig zu sein.

Foto: flickr/Dioboss (CC BY-NC-SA 2.0);  flickr/ pshab (CC BY-NC 2.0)

 

1, 2 oder 3? Braucht Facebook ein drittes Geschlecht?

Ein revolutionärer Vorstoß eines Abgeordneten aus Nepal: Sunil Babu Pant setzt sich für ein drittes Geschlecht auf Facebook ein. Das trifft den Zeitgeist, denn unlängst forderte der deutsche Ethikrat genau das für die BRD. Doch wie reagiert Facebook?

Homo-Hass im Web

von Alexander Karl

Das Internet bietet viele Möglichkeiten, seine Meinung kund zu tun. Kritisch wird es dann, wenn (Rand-)Gruppen diskriminiert werden. Gerade Homosexualität gilt noch immer als Tabu und sorgt im Internet für Wirbel. Wie weit darf die freie Meinungsäußerung gehen?

Homo-Hass online

„It gets better“ soll LGBT Mut machen.

Unter dem Motto „NEVER confuse HATE speech with free speech – HATE SPEECH KILLS !“ macht Wipeout homophobia on Facebook (WHOF) auf ein grundlegendes Problem des Internets – und gerade Facebook – aufmerksam: Dort, wo die freie Meinung erlaubt ist, wird ihr oftmals keine Grenze gesetzt. Dies geht bis hin zur Diskriminierung. Kevin ‚Kel‘ O’Neil, Gründer von WHOF, suchte 2010 nach schwulen Gruppen bei Facebook und stieß auf zwei Hater-Gruppen. „I decided to“report“ both pages. Hate speech is illegal in most of the free world and is also against Facebook’s own terms of use“, so O’Neil. Daraufhin wurde die WHOF-Seite auf Facebook gegründet. Regelmäßig wird sich für die Rechte von Homosexuellen in den USA eingesetzt oder über neue Projekte berichtet. Mittlerweile hat die Fan-Seite von WHOF bei Facebook rund 340.000 Mitglieder.

Doch nicht nur werden immer wieder homophobe Seiten und Gruppen gegründet, auch in Kommentaren werden (vermeintliche) Schwule diskreditiert. Facebook ist da längst kein Einzelfall. Ebenso wird bei YouTube Schwulenhass zur Schau gestellt und immer wieder werden die Betreiber der Seiten kritisiert, weil die Löschung zu lange dauert.

Dass dieses Problem kein rein US-amerikanischen ist, zeigt das Beispiel Viva: Der Musiksender postete auf seiner Facebook-Seite ein Bild von Bill Kaulitz‘ (Tokio Hotel) neuer Frisur. Die Reaktion der User schockierte die Redaktion: „Die darauffolgende Stunde waren unsere Redakteure damit beschäftigt, hunderte schwulenfeindliche und diskriminierende Kommentare unter dem Beitrag zu löschen.“ In einem Blogbeitrag der Redaktion erteilte Viva Homophobie eine Absage:

Wir fragen uns: Was ist da los? In der heutigen Zeit, in unserer Generation, bei all dem kulturellen und politischen Fortschritt wundern wir uns darüber, dass es immer noch so viele Jugendliche gibt, die über das Thema Homosexualität nicht hinreichend aufgeklärt sind und deswegen so engstirnig und herablassend damit umgehen.

[…]

Unser Fazit: “Schwul“ ist keine Beleidigung und sollte als solche auch nicht verwendet werden!
Um dem Thema noch mehr Ausdruck zu verleihen, haben wir hier einige Gay Pride Bilder und Musikvideos für Euch gesammelt und erklären Euch mehr zu „Gay Pride“ und „LGBT“:

Aufklärung und Hilfe 2.0

Vivas Antwort auf die Kommentare kann nur vorbildlich genannt werden. Denn die offene Auseinandersetzung mit Homosexualität kann nämlich auch durch das Netz vorangetrieben werden. So gibt es etwa das Projekt „It gets better„, in dem vom Promi bis hin zum Jungen von nebenan jeder der Online-Welt Mut machen kann, sich zu outen. Auch Mitarbeiter von Facebook zeigten Flagge:

In Deutschland gibt es ein ähnliches Portal: „Du bist nicht allein„. Dort soll gerade jungen Schwulen ermöglicht werden, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und einen Weg zu finden, mit seiner Sexualität umzugehen. Gleichzeitig verbreiten sich homophobe Aussagen im Web wie ein Lauffeuer – das musste in letzten Jahr auch der Ex-Formel-1-Fahrer Niki Lauda merken, als seine homophoben Aussagen einen Proteststurm hervorriefen. Und auch Facebook will nun gemeinsam mit der US-Organisation GLAAD dafür sorgen, dass im Netz weniger diskriminiert wird.

 

Foto: flickr/nettsu (CC BY-NC-ND 2.0)

Der ewige Bundespräsident – zumindest bei Facebook

von Alexander Karl

Eigentlich müsste das Thema Wulff langsam einmal langweilig werden. Denn nach dem Zapfenstreich, der auch wieder für Wirbel sorgte, könnte es eigentlich ruhig um den Ex-Bundespräsidenten werden.

Aber eine Frage bleibt: Warum ist Wulff bei Facebook noch immer Bundespräsident (Stand: 10.März 2012, 17.33 Uhr)?

Der letzte Post auf der Fanpage von Wulff – die übrigens www.facebook.com/Christian.Wulff.Bundespraesident ist – ist zwar vom 14. Februar. Doch seitdem scheint niemand in den Sinn gekommen zu sein, Wulffs Info-Seite zu aktualisieren. Sprich: Ihn zum Bundespräsidenten a.D. zu küren, der er nun einmal mittlerweile ist. Auf der offiziellen Homepage des Bundespräsidenten heißt er übrigens bereits „Bundespräsident a.D. Christian Wulff“.

Rückblick: Wulffs Facebook-Seite wurde in der Vergangenheit von Usern/Bürgern genutzt, um ihn zum Rücktritt aufzufordern.

 

Foto: Screenshot Facebook.de (10.03.2012)

Der Facebook-Code

von Alexander Karl

Die wunderbare Facebook-Welt scheint offen für alle und alles. Doch nicht immer ist das tatsächlich so. Denn wie jetzt bekannt wurde, gibt es bestimmte Themen, die der Social-Media-Riese aus dem Netz tilgt: Ganz vorne dabei ist Sex – aber auch stillende Mütter.

Offiziell: Vieles ist erlaubt

Die Facebook-Gemeinschaft wächst täglich, doch was die User nur selten wissen, ist was in der Welt hinter dem blauen Logo passiert. Amine Derkaoui, ein 21-jähriger Marokkaner, weiß, wie es hinter den Kulissen aussieht: Er arbeitete für eine Firma, die die Facebook-Richtlinien überwacht. Bezahlung: Ein Dollar in der Stunde! Nun öffnete er dem US-Blog Gawker die Türen zu bisher geheimen Facebook-Richtlinien, die weit mehr Informationen darüber geben, was bei Facebook geht oder nicht, als die Selbstdarstellung dies bisher tat.

Offiziell heißt es unter den „Standards der Facebook-Gemeinschaft„:

Als zuverlässige Gemeinschaft von Freunden, Familienmitgliedern, Arbeitskollegen und Klassenkameraden reguliert sich Facebook weitgehend selbst. Menschen, die Facebook nutzen, können Inhalte melden, die sie fraglich oder anstößig finden, und tun dies auch. Um die Bedürfnisse und Interessen einer globalen Gemeinschaft zu berücksichtigen, bitten wir alle Nutzer darum die folgenden Standards für Inhalte zu respektieren: Drohungen, Darstellung von Selbstverletzung, Schikane & Belästigung, Hassreden, Grafische Gewalt, Sex & Nacktheit, […]

Inoffiziell etwas wundersam

Was „weitgehend“ heißt, zeigt das Dokument von oDesk, der Firma, wo Amine Derkaoui angestellt war: Dort ist detailliert aufgelistet, was geht und was nicht:

1. Any OBVIOUS sexual activity, even if naked parts are hidden from view by hands, clothes or other objects. Cartoons/art included. Foreplay allowed (kissing, groping, etc.) even for same-sex individuals. […]

6. Breastfeeding photos showing other nudity, or nipple clearly exposed. […]

9. People “using the bathroom”. […]

Während der neunte Punkt fast noch amüsant wirkt, brachten die anderen beiden Punkte Facebook zuletzt in die Schlagzeilen: Das Foto eines küssenden schwulen Paars wurde ebenso zensiert wie auch ihre Kinder stillende Mütter. Die laufen Sturm gegen die Regelung. Den „Regeln“ von Facebook zufolge würde das linke Bild der stillenden Mutter verboten werden, das rechte wäre ok. Paradox, dass das, gerade in den USA zumeist so prüde behandelte, Thema Sexualität hier mit Argusaugen beobachtet wird.

Übrigens: Cannabis ist bei Facebook ok (solange man es nicht verkauft), andere Drogen dürfen allerdings nicht erwähnt werden.

Fernab von Bildern gibt es auch klare Regeln, was geschrieben werden darf oder nicht. Zwei Bespiele mit sexuellem Inhalt, die einmal verboten, einmal erlaubt sind:

[Unconfirmed] Yeah I’d like to poke that bitch in the pussy. [poke in the pussy = sex. No details given]

[Confirmed] Ladies and girls, I need some pussy. Call me on 555 143 5746 [sexual solicitation]

Außerdem: Der Holocaust darf nicht geleugnet werden, Kinderpornographie ist natürlich auch verboten und Staatsoberhäupter dürfen nicht bedroht werden. Ein wenig verwundert ein besonderes Foto-Verbot: „Burning the Turkish flag [other flags are ok to be shown burning]“. Warum dürfen alle anderen Flaggen brennend gezeigt werden?

Ebenfalls verwunderlich ist der Umgang der Darstellung von toten Tieren: „Poaching of animals should be confirmed. Poaching of endangered animals should be escalated“. Und Blut ist an und für sich auch kein Grund, ein Bild zu löschen: „Deep flesh wounds are ok to show; excessive blood is ok to show. Crushed heads, limbs, etc. are ok aslong as no insides are showing“.

Psychische Schäden der Mitarbeiter

Generell ist der Richtlinienkatalog natürlich positiv zu bewerten – und auch, wenn es Menschen gibt, die sich Facebook noch einmal genauer ansehen. Doch diese haben mit hohen psychischen Belastungen zu kämpfen. Gegenüber dem Blog Gawker sagten Mitarbeiter einer Firma, die sich mit den Abgründen der Facebook-Welt beschäftigt:

„Think like that there is a sewer channel,“ one moderator explained during a recent Skype chat, „and all of the mess/dirt/ waste/shit of the world flow towards you and you have to clean it.“

Each moderator seemed to find a different genre of offensive content especially jarring. One was shaken by videos of animal abuse. („A couple a day,“ he said.) For another, it was the racism: „You had KKK cropping up everywhere.“ Another complained of violent videos of „bad fights, a man beating another.“

One moderator only lasted three weeks before he had to quit.

„Pedophelia, Necrophelia, Beheadings, Suicides, etc,“ he recalled. „I left [because] I value my mental sanity.“

Übrigens: Bei manchen Sachen bedarf es keiner Mitarbeiter – manchmal zensiert Facebook automatisch. Zum Beispiel werden Links zu Porno-Seiten über den Chat erst gar nicht verschickt.

 

Foto: flickr/ pshab (CC BY-NC 2.0), flickr/ gweggyphoto (CC BY-NC-ND 2.0)

Minderwertigkeitskomplexe dank Facebook

Party- und Urlaubsbilder von Freunden auf Facebook können auf’s Gemüt schlagen – aber auch krank machen. Studien zeigen, wie das Selbstwertgefühl angegriffen wird. Mediziner sprechen schon von der Facebook-Depression.

Comeback des Internet-Dinos? Myspace.

von Alexander Karl

Es ist sicherlich eine Analogie, die nicht gewollt ist. Trotzdem besitzt sie Symbolkraft. In Justin Timberlakes aktuellem Film „In Time“ wird nicht mehr mit Geld bezahlt, sondern mit Lebenszeit. Der Film-Timberlake versucht, seine Lebenszeit zu maximieren – und so versucht er es derzeit auch mit dem Internet-Dino Myspace.

Kollaps und Hoffnungsschimmer

In den ersten Tagen des Social Webs war Myspace der Inbegriff für ein florierendes Netzwerk: 2003 gegründet, 2006 hatte es bereits über 100 Millionen User und tausende Bands, die sich über die Plattform präsentierten. Da gehörte es schon der  News Corporation, die es 2005 für 580 Millionen US-Dollar gekauft hatte. Der Schwerpunkt lag auf der Musik, Künstler konnten sich präsentieren und jeder User sich seinen „Space“ einrichten – eine Art Profil, inklusive Vernetzung mit Freunden. Der Fall von Myspace kam mit dem Aufstieg von Facebook.

Screenshot der Myspace-Startseite

2011 folgte dann der Verkauf aus Murdochs Medienimperium für läppische 35 Millionen US-Dollar an den Werbekonzern Specific Media mit Justin Timberlake. Wer Timberlakes Karriere verfolgt, weiß, dass der Sänger, Schauspieler, Modedesigner – nennen wir es Alleskönner – stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist. Und das, was er anpackt, zu Gold wird.

Das neue Myspace

Neben der Rückbesinnung auf die musikalischen Wurzeln der Plattform planen Timberlake und sein Team ein interaktives Fernsehen, wie er im Januar 2012 bekanntgab:

„We’re ready to take television and entertainment to the next step by upgrading it to the social networking experience. Why text or email your friends to talk about your favorite programs after they’ve aired when you could be sharing the experience with real-time interactivity from anywhere across the globe?“

Auch von einer Kooperation mit Panasonic ist die Rede. Weiter wird Timberlake zitiert:

As the plot of your favorite drama unfolds, the joke of your favorite SNL character plays or even the last-second shot of your favorite team swishes the net, we’re giving you the opportunity to connect your friends to your moments as they’re actually occurring. This is the evolution of one of our greatest inventions, the television.

Screenshot des Myspace-Radios

Wer sich also dazu entscheidet, sich Myspace genauer anzusehen, wird zunächst einmal feststellen, dass man es mit Facebook und Twitter verbinden kann. Das bedeutet dann aber auch, dass alle Songs, die man auf Myspace hört, durch den Liveticker bei Facebook wandern und – außer man stellt es aus – auf der Facebook-Chronik landen.

Und auch der neue Myspace Musikplayer, der im Prinzip an die Konkurrenz wie Pandora oder lastfm angelehnt ist, ist noch nicht ganz perfekt: Gerade von den populären Songs gibt es teilweise nur 30-Sekunden Versionen. Etwa Rihanns Smashhit „We found love“ oder „Born this way“ von Lady Gaga gibt es nur in der Kurzversion. Von anderen Künstlern aber wie Christina Aguilera, Britney Spears oder Whitney Houston gibt es die Songs in kompletter Länge.

Screenshot des Myspace-Profils

Insgesamt scheint sich der neue Kurs aber durchaus auszuzahlen: Eine Millonen neue User sollen seit Dezember neu auf Myspace angekommen sein, so die aktuellen Zahlen, die von 40000 Neuanmeldungen pro Tag sprechen. Die Erklärung liefern die Besitzer der Seite laut New York Times selbst:

The new focus, Mr. Vanderhook said, was not to compete with Facebook as a social network, but to be the conduit for music and other forms of entertainment that can be shared through other networks.

Diese Möglichkeit scheint auch Ex-„The Voice of Germany“-Kandidat Percival genutzt zu haben: So landete er in den Playlisten mehrfach vor Adele. Es bleibt abzuwarten, wie lange Myspace diesen Positivtrend beibehalten kann – oder wann die Zeit entgültig abgelaufen ist.

 

Screenshots: myspace.de (24.02.2012)

Social Sitter: Die virtuelle Profilvertretung im Internet

Wenn man einmal keine Zeit hat, sich um die Profile in sozialen Netzwerken zu kümmern, präsentierte eine Werbeagentur die Lösung: einen Social Sitter. Was steckt hinter diesen Apps? Und welche negativen Konsequenzen könnte es geben?

Quo vadis, Urheberrecht?

Dank ACTA wird derzeit über das Urheberrecht debattiert – und das ist gut so. Denn auf Facebook und Co. brechen wir jeden Tag massenhaft das Gesetz. Welchen Sinn hat das Urheberrecht dann überhaupt? Und wo könnte uns der Konflikt hinführen?