Serielles Erzählen – Das große Thema auf dem Dokville Festival 2018

Einmal im Jahr findet in Stuttgart das Dokville Festival statt. Hier sprechen Filmemacher aus ganz Deutschland über ihre Projekte rund um den Dokumentarfilm. Ein spannendes come together denkt über serielles Erzählen im Dokufilm nach…

Das diesjährige Dokville Festival fand vom 28.-29. Juni 2018 in Zusammenarbeit mit dem SWR Dokufestival, das parallel vom 27.-30. Juni 2018 lief, statt. Bei diesem Branchentreff in Stuttgart drehte sich alles um serielles Erzählen in Dokumentarfilmen. Die Themen des Treffens erstreckten sich dabei von neuen Formaten der Doku-Serie, wie der historischen Dokudrama-Serie Krieg der Träume, über Doku-Serien für die junge Zielgruppe, wie die Reportagen des Y-Kollektivs von Funk, über die Förderung von seriellen Formaten z.B. durch das Medienboard, bis hin zu True Crime Doku Serien wie Killing For Love. Gespräche mit einem der wichtigsten Dokumentfilmer Eric Friedler und dem erfahrenen Filmemacher Christoph Hübner bereicherten diese Tagung.

Astrid Beyer über ihre Entscheidung, serielles Erzählen zum Thema des diesjährigen Dokville Festivals zu machen

Astrid Beyer, die Kuratorin des Dokvilles und des Haus des Dokumentarfilms, bringt die aktuellen Entwicklungen auf den Punkt. Streaming-Dienste haben den Hype um die Serie ausgelöst, und zwar nicht nur bei fiktionalen Formaten, sondern auch bei dokumentarischen – denkt man nur mal an Beispiele wie Making a Murderer auf Netflix. Deshalb erscheint es immens wichtig, sich mit seriellem Erzählen und neuen innovativen Doku Serienprojekte auseinanderzusetzen.

Christoph Hübner über die Chancen des seriellen Erzählens für den Dokufilm

Für Christoph Hübner (Autor und Regisseur) kommt serielles Erzählen dem Dokumentarfilm in einer Welt, in der alles immer komplexer wird, sehr entgegen. Im Gegensatz zu einem abgeschlossenen Film muss man hier einen großen Bogen über die verschiedenen Folgen der Serie spannen. Dieses Element verbindet die doch so vielschichtige Welt der Dokumentarserien.

Unterschiedlichste Projekte offenbaren, auf wie vielen Wegen man dokumentarische Serien umsetzen kann. Auf die Frage nach der Authentizität in der Doku-Serie – was darf man eigentlich alles – antworten Gunnar Dedio (Produzent) und Jan Peter (Autor und Regisseur), dass man erst mal alles darf. Es kommt auf den eigenen Anspruch an. In ihrem historischen Dokudrama Krieg der Welten haben sie sich selbst auferlegt historisch korrekt, trotz szenischer Umsetzung, zu erzählen. Auch Dennis Leiffels (Head of Content, Y-Kollektiv) geht es um Glaubwürdigkeit. Er ist davon überzeugt, dass Transparenz, Authentizität und objektives Recherchieren, aber subjektives Erzählen für online only Dokus unumgänglich ist.

So bunt gemischt die Arbeitsweisen und Projekte sind, sind auch die Beweggründe sich für eine Doku-Serie statt einen Dokumentarfilm zu entscheiden. Wir wollten von verschiedenen Filmemachern wissen, was das serielle Erzählen für den Dokumentarfilm so interessant macht.

Gunnar Dedio (Produzent Looksfilm) über das Zeitalter der Serie

Dennis Leiffels (Y-Kollektiv) – dokumentarische Inhalte sind online Mangelware

Julian Windisch (ARTEcreative) über den Vorteil von Webserien

Dörthe Eickelberg (X:ENIUS Moderatorin und Filmemacherin) über serielles Erzählen als Erweiterung des Dokumentarfilms

Florian Karpf (Geschäftsführer Labo M) über die Vorteile der kürzeren Episoden bei Dokumentarserien

Lene Neckel (SWR) über den Grund, die Kinderserie Der Krieg und ich über den zweiten Weltkrieg seriell zu erzählen