„Modern Family“ – Äußerst komisch!

von Alexander Karl

Man nehme eine Patchwork-Familie und tue so, als würde man sie auf Schritt und Tritt begleiten, garniert das mit viel Humor und fertig ist eine äußerst komische Comedy-Sendung. Und die Erfolge sprechen für sich: 2012 gab es den Golden Globe als beste Comedy-Serie.

Patchwork. Oder: Wie geht Familie?

In der ersten Episode der ersten Staffel ist man – sollte man ohne Hintergrundwissen die Serie schauen – vielleicht etwas verwirrt: Warum haben sich die Schreiberlinge genau diese drei Familien einfallen lassen, die auf den ersten Blick so unterschiedlich sind?

Oberhaupt von Familie Delgado-Pritchett ist der reiche und in die Jahre gekommene Jay (gespielt von „Eine schrecklich nette Familie“-Darsteller Ed O’Neill). Er ist seit kurzem mit einer attraktiven Kolumbianerin Gloria verheiratet, die ihren Sohn Manny mit ihn die Ehe bringt.

Familie Dunphy hat drei Kinder, die alle kurz vor oder direkt in der Pubertät stecken, einen Dad, der sich für den coolsten und hippsten Vater auf Erden hält, und eine fürsorgliche Mutter.

Und schlussendlich Familie Pritchett-Tucker, bestehend aus zwei Schwulen, die eine Tochter aus Vietnam adoptiert haben.

Was diese Familien verbindet? Jay ist der Vater der fürsorglichen Mutter Claire und dem schwulen Mitchell (den Stammbaum gibt’s auch bei Wikipedia).

Eine klassische Patchwork-Familie also, die sich fernab von sämtlichen gesellschaftlichen Schranken formiert hat. Und darum geht es in „Modern Family“: Das moderne Familienleben mit schwulem Sohn und einer Stiefgroßmutter, die jünger (und attraktiver) als die eigene Mutter ist.

Wie ist sie also, die „moderne Familie“? The Atlantic fasst es so zusammen:

In the case of Modern Family, however, it must be acknowledged that the trick, or bag of tricks, works. It works spectacularly. The American family circa 2011 is, after all, an acutely self-conscious and self-interrogating unit: How does one “parent”? Who does what, which “role”? Is Dad sufficiently dad-like and Mom enough of a mom? And what if there are two dads, or two moms, or half- or step-siblings?

Dabei wird natürlich auch mit Klischees gespielt: Der coole Übervater Phil will ein Nacktbild auf dem PC seinem zehnjährigen Sohn Luke anhängen. Wenige Folgen später beschließen er und seine Frau Claire, den Valentinstag mit einem Rollenspiel zu begehen. Blöd nur, dass sich der Mantelgürtel in einer Rolltreppe verfängt – und Claire nichts drunter trägt. Ein böses Ende gibt es aber nicht: Vater Jay kommt mit der neuen Frau Gloria vorbei, die Rat weiß. Typisch Sitcom, also: Jede Episode wird abgeschlossen und endet positiv, obwohl sich die Charaktere natürlich immer weiterentwickeln.

Wie mit Klischees gespielt wird, zeigt auch das Paar Mitchell und Cameron: Der schwule Cameron präsentiert die frisch adoptierte Tocher dem Rest der Familie zur Titelmusik aus „König der Löwen“, der unglaublich authentisch vom heterosexuellen Eric Stonestreet gespielt wird. Zu recht bekam er für seine Rolle 2010 einen Emmy. Trotz oder gerade wegen dieser vordergründig offenen Thematisierung von Homosexualität wurde der Show von den Fans angelastet, keine körperliche Zuneigung des Paares zu zeigen. Erst in der zweiten Staffel wird ein Kuss des Paares gezeigt.

Mockumentary und Technik für den Humor

Mockumentary ist eine Wortschöpfung aus „(to) mock“ und „documentary“, also ein verspotten des Dokumentarfilms. In Deutschland ist dies vor allem aus der Serie „Stromberg“ bekannt, in der die Charaktere zum einen in die Kamera schauen dürfen (oder müssen), die Bilder manchmal ein wenig wackeln und zum anderen die Figuren (fiktive) Interviews vor der Kamera führen.

Gleichzeitig aber spielt die neue Technologie und das digitale Leben in der Serie eine große Rolle: Da wird gesimst und mit dem Handy telefoniert, aber gleichzeitig auch mit den Problem kokettiert. So passiert es Claire, dass sie halbnackt in das Zimmer ihrer Tochter geht, während dort die Webcam läuft und deren Freund seine Schwiegermutter in spe so in Unterwäsche sieht. Dieser Einbau von moderner Kommunikation ist geschickt, das wissen auch die Serienmacher:

“We used to talk about how cellphones killed the sitcom because no one ever goes to anyone’s house anymore,” said Abraham Higginbotham, a writer on the show. “You don’t have to walk into Rachel and Ross’s house, because you can call and say, ‘Hey, what’s up?’ We embrace technology so it’s part of the story.”

Gleichzeitig erhebt modern Familie aber nicht den Anspruch, die Realität abzubilden – das wird alleine durch die mockumentary-Kameraführung deutlich. Vielmehr führt uns die Serie Rollen und Muster vor, die wir aus unserem eigenen Leben kennen. Und unterhält zudem. Nicht schlecht für 20 Minuten Sitcom.

Nur schade, dass in Deutschland „Modern Family“ nur über Satellit auf RTL Nitro (montags, 20.15 Uhr) zu empfangen ist. Auf RTL Now sind die Folgen bis 7 Tage nach Ausstrahlung kostenlos zu sehen.

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