Lichter aus in Hollywood?
Warum immer weniger Filmproduktionen in der Traumfabrik Hollywood entstehen und welche Auswirkungen dies für den Weltweiten Kinomarkt hat
Von Simon Kinzler
„The Movie Industry in America is DYING a very fast death.“ Mit diesen Worten begann Donald Trump einen Post auf seiner berüchtigten Plattform Truth Social am vierten Mai 2025. In diesem echauffiert sich der US-Präsident darüber, dass die amerikanische Filmindustrie im Niedergang sei. Schuld daran seien die finanziellen Anreize von anderen Ländern, welche die US-Produktionen abwerben. Er bezeichnet das als nationale Sicherheitsbedrohung und als ausländische Propaganda und kündigt an, deshalb einen 100-%-Zoll auf alle im Ausland produzierten Filme zu verhängen, um Filmproduktionen wieder in die USA zurückzuholen.
Hollywood in Los Angeles gilt seit dem frühen 20. Jahrhundert als Herz der internationalen Filmindustrie. Große Studios, viel Platz und gutes Wetter mit guten Lichtverhältnissen begünstigten die Entstehung zu einem weltweiten Anziehungspunkt für Filmschaffende. Bis heute steht Hollywood für Glamour, Stars, den American Dream und einen kulturellen Einfluss der weit über die vereinigten Staaten hinaus geht. Gerade deshalb ist es auch aus wirtschaftlicher Sicht für die USA relevant. Trump hat auch nicht völlig unrecht mit seiner Aussage darüber, dass immer mehr Studios ihre Produktionen aus Kalifornien weg-verlagern. Seine Bezeichnung von ausländischer Propaganda und Sicherheitsbedrohung aufgrund dieser Veränderung sind jedoch, wie bei Trump typisch, sehr überspitzt dargestellt. An was liegt es aber, dass immer mehr Produktionen Los Angeles verlassen, und bedeutet dies den Untergang der bisherigen Filmhochburg?
Warum wandern Produktionen aus?
Die Gründe für die Auswanderungen der großen Produktionen sind hauptsächlich finanziell bedingt. Produktionskosten und Arbeitslöhne sind in vielen Ländern günstiger als in Kalifornien. Hinzu kommt, dass die technologischen Entwicklungen im Ausland mittlerweile denen in Hollywood nicht mehr hinterher hängen. In den Zwanzigern profitierte Hollywood von den klimatischen Bedingungen Kaliforniens, der rasch wachsenden Studioinfrastruktur und einem klar organisierten Studiosystem. Heute sind Filmproduktionen sehr viel internationaler aufgebaut als früher. Während in einem Studio gefilmt wird, kann das Spezialeffekt-Team sich in einem völlig anderen Land befinden, die Synchronisation oder Musik kann wiederum am anderen Ende der Welt entstehen.

Filmstudio-Gasse in Hollywood: Blick auf nummerierte Soundstages, Produktionsfahrzeuge und Palmen unter blauem Himmel.
Wohin wandern die Produktionen?
Neben den bekannten Studios in Hollywood wie Disney, Universal, Warner Bros., oder Paramount, gibt es auch außerhalb von Kalifornien große Studiokomplexe, welche immer mehr an Relevanz gewinnen. Atlanta wird mittlerweile bereits als das „Hollywood of the south“ bezeichnet, da es sich zu einem riesigen TV- und Film-Produktionszentrum entwickelt hat. Auch in Orlando befindet sich ein riesiger Studiokomplex von Universal. Innerhalb der Filmbranche gilt neben diesen beiden Standorten vor allem auch New York als einer der größten inneramerikanischen Konkurrenten Kaliforniens. Zwar stellen diese Standorte zum Teil für Hollywood eine Konkurrenz dar, nicht jedoch für den gesamten amerikanischen Filmmarkt und sie fördern auch nicht das von Trump bereits geschilderte Problem. Studios im Ausland sind ihm mehr ein Dorn im Auge. Immer mehr große Blockbuster Produktionen werden zu Runaway Produktionen im Ausland. Haupt-Zuwanderungsorte sind vor allem Kanada, England, Neuseeland oder Tschechien.
Runaway-Produktionen
Runaway-Produktionen sind Film- und Fernsehproduktionen, die ihren ursprünglichen Produktionsstandort verlassen und in andere Bundesstaaten oder Länder ausweichen. Hauptgründe sind steuerliche Anreize, niedrigere Kosten und staatliche Förderprogramme. Oft führt dies zu wirtschaftlichen Verlusten für traditionelle Filmstandorte, wie zum Beispiel in Kalifornien.
Agent 007 im Auftrag für Disney
Die Pinewood Studios in England, nahe London sind eines der größten Filmstudios außerhalb Hollywoods. Bekannt wurden sie vor allem durch zahlreiche James Bond Filme, die dort gedreht wurden. Mittlerweile befinden sich hier jedoch nicht mehr nur noch englische Produktionen, sondern vor allem auch amerikanische. Hauptsächlich Disney produziert viel in diesen Studios. Beispielsweise wurden die letzten Ableger aus dem erfolgreichen Star Wars Film-Universum alle dort gedreht. Auch die weltweit beliebten und erfolgreichen Marvel Filme entstanden zu großen Teilen dort. Einer der meisterwarteten Filme der nächsten Jahre: „Avengers Doomsday“ wurde hauptsächlich in den Pinewood Studios, den Filmstudios in Atlanta und in Bahrain gedreht. Es wird vermutet, dass der Superheldenfilm einer der erfolgreichsten des Jahres und der ganzen Franchise werden könnte. Nicht gerade fördernd für die Krise innerhalb Hollywoods und die der gesamten amerikanischen Filmproduktionen.
Ein entscheidender Faktor für den Bedeutungsverlust Hollywoods ist der Aufstieg der Streaming-Dienste. Plattformen wie Netflix, Amazon Prime, Disney+ oder Apple TV+ haben die Produktions- und Distributionslogik der Filmbranche nachhaltig verändert. Es wird nicht mehr primär fürs Kino produziert, sondern für globale Online-Publikationen. Die Produktionen, welche von Streaming-Diensten in Auftrag gegeben werden, agieren international, investieren weltweit und umgehen klassische Hollywood-Strukturen. Kreative Entscheidungen werden hier datenbasiert getroffen und Produktionsstandorte flexibel gewählt. Los Angeles ist dabei nur noch einer von vielen Knotenpunkten. Besonders Netflix verfolgt eine Strategie, die bewusst auf internationale Produktionen setzt. Hollywood verliert dadurch seine frühere Gatekeeper-Rolle. Außerdem bildet Social Media einen großen Konkurrenten zum Filmkonsum. Zeit ist schließlich nicht unbegrenzt und jede*r teilt sich seine freie Zeit, um unterhalten zu werden selbst ein. Filme konkurrieren dabei natürlich mit sozialen Plattformen, dem Hören von Musik dem Lesen von Büchern und vielen anderen Aktivitäten. Je mehr Auswahl Nutzer*innen haben, desto schwieriger wird es sich gegen die vielen Angebote durchzusetzen.

Der große Konkurrent des Kinos: das Streamen auf diversen Plattformen wie zum Beispiel Netflix.
Ist es nun also aus für Hollywood oder sogar für die Filmbranche im Ganzen?
Nein, soweit würde ich nicht gehen. Der Film wurde seit seiner Entstehung bereits immer wieder für überholt erklärt. In der frühen Filmgeschichte Ende der 1920er Jahre galt der Stummfilm mit dem Aufkommen des Tonfilms als überholt, in den 1950er Jahren wurde das Kino durch die rasche Verbreitung des Fernsehens bedroht. In den 1980er Jahren sorgten VHS und Heimkino für die Prognose eines massiven Kinosterbens, während ab den späten 1990er Jahren Digitalisierung, das Internet und Filmpiraterie als existenzielle Gefahr für die Branche galten. In den 2010ern wurde schließlich der Aufstieg der Streaming-Plattformen als das Ende des klassischen Kinos interpretiert. Diese Einschätzung spitzte sich während der COVID-19 Pandemie durch weltweite Kinoschließungen und drastische Rückgänge an Filmproduktionen nochmals zu. Die „Todeserklärungen“ erwiesen sich rückblickend nicht als Endpunkte, sondern viel mehr als Wendepunkte und Strukturwandel, in denen sich die Branche neu organisierte. Schaut man sich die Umsatzzahlen des Kinos weltweit an, sieht man, dass sich die Branche nach einem großen Einbruch während der Pandemie wieder langsam erholt. Der Film und das Kino stehen also meiner Meinung nach nicht vor dem Aus, ebenso Hollywood nicht. Auf die Veränderungen der Branche muss lediglich klug reagiert werden, damit Hollywood ein Comeback gelingt – schließlich lebt es selbst von großen Comeback-Geschichten.
Quellen:
- Trump will Zölle auf ausländische Filme erheben: https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/trump-zoelle-filme-100.html
- Hollywood stirbt langsam:https://www.zeit.de/zeit-magazin/2025/42/hollywood-krise-filmbranche-los-angeles-social-media
- Hollywood in der Krise: https://m.tvspielfilm.de/news/filme/hollywood-in-der-krise-ist-die-filmstadt-bald-geschichte,13140181,ApplicationArticle.html
- Von der Traumfabrik zum Albtraum: https://www.gmx.at/magazine/unterhaltung/filme-serien-kino/hollywood-traumfabrik-albtraum-41540322
- Avengers Doosmday Info: https://www.imdb.com/de/title/tt21357150/
- Kalifornien erhöht Steueranreize für Dreharbeiten: https://www.spiegel.de/kultur/kino/hollywood-filme-in-der-krise-kalifornien-erhoeht-steueranreize-fuer-dreharbeiten-a-2dbbe7e7-8f56-471c-9038-599bf573154a
- Umsatz Kinokasse: https://de.statista.com/outlook/amo/medien/kino/weltweit
Bildquellen:
- Titelbild Hollywood-sign: Unsplash: https://unsplash.com/de/fotos/weisses-betongebaude-auf-dem-gipfel-des-berges-bei-sonnenuntergang-6QDvwq2Fjsc
- Bild Filmstudio: Unsplash: https://unsplash.com/de/fotos/zwei-wagen-in-der-nahe-des-weissen-gebaudes-geparkt-tBlYM_VcIkE
- Bild Fernseher: Unsplash: https://unsplash.com/de/fotos/person-mit-fernbedienung-die-auf-den-fernseher-zeigt-11SgH7U6TmI



