Schon GEZahlt?

von Sebastian Luther

Die GEZ ist unbeliebt, unbeliebt wie wohl kaum eine andere Behörde. Auch das milde Grün von Logo und Umschlag vermögen nicht über diese Tatsache hinwegzutäuschen. Sie finanziert, was den Bürgern eine unabhängige, überparteiliche Meinungsbildung ermöglichen soll: Die Öffentlich-Rechtlichen. Was vielen von uns lieb ist, wird aber ab 2013 vor allem teurer.

GEZaubert?

Den Stolz, der zwischen den Zeilen mitschwingt, kann man kaum überlesen: „Der Erfolg des Marktführers Tagesschau mit Marktanteilen von rund 32 Prozent ist ungebrochen.“ So heißt es in einer Mitteilung der ARD zu den Zuschauerzahlen, veröffentlicht im März vergangenen Jahres. Im Jahr 2010 kam das Nachrichtenflaggschiff der ARD auf durchschnittlich 9,14 Millionen Zuschauer und verwies die Konkurrenz von ZDF und RTL auf die nachfolgenden Plätze. Doch längst ist die Dominanz der Öffentlich-Rechtlichen im Gesamtvergleich gebrochen: Betrachtet man die relevante Währung in der Fernsehbranche, die Marktanteile, liegt RTL hier zwar mit momentanen 13,5 Prozent vorne, kann den Atem der Öffentlich-Rechtlichen aber im Nacken spüren. Möglich macht all das hauptsächlich der Bürger, der brav seine GEZ-Beiträge entrichtet, die sich, entsprechend seiner medialen Ausstattung, auf einen Betrag zwischen 5,76 € und 17,98 € monatlich belaufen. 2010 kam dabei die stolze Summe von 7.402.420.986,36 € zusammen.

abGEZockt?

7,4 Milliarden Euro – eine Zahl, hinter der man sich nicht zu verstecken braucht. Oder eben doch – tritt nämlich der Wutbürger auf den Plan, der sich aus voller Kraft über Niveauverfall allerorts beschwert. Denn ARD, ZDF und Co. verwenden diese Summe nicht nur für die Produktion von Nachrichtensendungen, sondern auch etwa für den Kauf von teuren Sportrechten oder die Produktion von Telenovelas. Ab nächstem Jahr könnte sich zu diesen Vorwürfen in ähnlicher Lautstärke ein weiterer, alt bekannter, gesellen: Zu hohe Beiträge. So haben die Länderparlamente beschlossen, ab Januar 2013 die GEZ-Beiträge abzuschaffen und eine Haushaltspauschale von 17,98 €, dem momentanen Höchstbetrag also, einzuführen. Begründung? Das Problem der Schwarzseher soll damit beseitigt werden, da fast jeder irgendwo in Deutschland einen Wohnsitz gemeldet hat, an dem die Beiträge dann fällig werden. Denn die nicht ganz unbeliebte Praxis, die Gebühren nicht zu bezahlen, bzw. nur ein Radio anzumelden, wo man eigentlich auch einen Fernseher hat, „gewöhnt viele – auch jugendliche – Menschen an die Illegalität, schafft Ungleichheit unter den Nutzern“, so Paul Kirchhof, Verfassungsrechtler und gedanklicher Vater der Umstellung von Beitrag auf Pauschale. Die Zahlungsmoral ist vor allem in Ballungsräumen und unter jungen Erwachsenen schlecht und liegt stellenweise bei unter 80 Prozent. Kirchhof sieht auch kein Problem darin, den Beitrag von Haushalten einzuziehen, die tatsächlich keine Empfangsgeräte besitzen. Seine Aussage lautet sinngemäß: Jeder in der Bundesrepublik profitiert von den Öffentlich-Rechtlichen, egal ob er/sie fernsieht oder nicht.

Was den Blutdruck des Wutbürgers jedoch vorerst nur reflexartig nach oben ausschlagen lässt, bringt Unternehmer jetzt schon zum Haare raufen. Für sie gilt im neuen System ein nach Anzahl der Mitarbeiter gestaffelter Betrag. Zudem wird die gängige Praxis Autoradios aus gewerblich genutzten Fahrzeugen auszubauen hinfällig, gezahlt werden muss trotzdem. So muss dann etwa ein Bäcker mit 60 Mitarbeitern, zwölf Läden und acht Fahrzeugen anstatt wie jetzt 423 Euro, ab 2013 knapp über 2000 Euro zahlen.

Quo vadis, Öffis?

Die Änderungen in der Finanzierung und Beschwerden über die schleichende Boulevardisierung machen eine Grundsatzdebatte, wie sie über Beiträge und Programminhalte geführt werden sollte, nicht leichter. Flächendeckende Beitragsbemessung hin oder her, die Höhe wirft die Frage auf, ob Kirchhofs Begründung hier noch greift. Profitieren denn wirklich alle davon, dass sie theoretisch fernsehen könnten, und profitieren sie auch noch in dem Maße davon, dass sie Beiträge zahlen müssen, egal ob sie fernsehen oder nicht? Hinzu kommt, dass die GEZ in Zukunft ihren Außendienst, die „Schnüffler“, nicht mehr braucht. Einsparungen, die wohl nicht an die Verbraucher weitergegeben werden.Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk ist für die Konstituierung eines unabhängigen Meinungsmarktes unerlässlich und wird von den Bürgern auch in dieser Funktion wahrgenommen, das belegen die Zahlen. Was sie jedoch nicht belegen, ist die Beliebtheit der Sender und ihrer Programminhalte. Der Unmut über die Beiträge wächst bei vielen angesichts neuer Talkshows, Volksmusiksendungen, Sportübertragungen, vermeintlich immer schlechter werdenden „Tatort“ Folgen und Rosamunde Pilcher Verfilmungen. Immer wieder wird auch die Konvergenz der Inhalte hin zu den Privaten kritisiert. Diese Liste ließe sich aus Sicht jedes einzelnen Zuschauers beliebig fortsetzen, weil jeder etwas im Programm findet, das er oder sie 1. noch nie gesehen hat, 2. für völlig irrelevant hält und 3. mit Sicherheit auch noch vollkommen überteuert sein muss. Einzig und allein „Wetten, dass ..?“ stampft weiterhin unangeschlagen als das letzte Schlachtschiff bundesrepublikanischen TV-Spektakels in gewohnter Manier durch das Samstagabend Programm, wenngleich auch ab April mit neuem Kapitän. Da aber die K-Frage bis jetzt ungeklärt ist und für einen potentiellen Nachfolger der Maßstab „Gottschalk“ gilt, ist die Zukunft der Sendung ungewiss.

Es ist eben eine breite Diskussion, die hier nötig ist. Eine Diskussion über Sinn und Unsinn in Programm, Organisation und Struktur der Öffentlich-Rechtlichen. Denn mit der Umsetzung Kirchhofs Plans wurden die Finanzen gesichert. Ob auch ihre Zukunft gesichert wurde, bleibt abzuwarten.

 

 

Dschungel – und jeder schaut zu. Ein Plädoyer.

Das Dschungelcamp hat Traumquoten – und steht wie immer in der Kritik. Ekel-TV, pfui! Falsch, denn so offen und ehrlich ist kaum eine Sendung. Und natürlich so lustig.

Tot – und trotzdem online

Das Papier-Testament hat ausgedient – die letzten Worte werden virtuell gesprochen. Einige entscheiden sich für Blog- oder Videonachrichten, doch mittlerweile gibt es auch Facebook-Apps, mit denen man vorsorglich Nachrichten aufzeichnen kann. Makaber oder praktisch?

Das Ende der Suche

„Wir denken nicht, wir googeln“ – doch Google funktioniert grundlegend anders als das menschliche Gehirn. Ein Ausweg wäre das „Semantische Web“ und die „Semantischen Suchmaschinen“, die uns nicht mehr nur Suchergebnisse auflisten, sondern Antworten auf unsere Fragen geben.

Werbung, die keine ist. Der Fall Facebook

Facebook wird immer beliebter – nicht nur für die User, sondern auch für die Werbeindustrie. Mit den „Sponsored Stories“ schafft es das Netzwerk, sich noch tiefer in unser Leben zu bohren. Doch wie weit geht Facebook?

Online-Piraten im Visier

von Sandra Fuhrmann

Online-Piraten geraten immer mehr ins Visier der Ermittler. Nachdem die deutsche Kriminalpolizei im letzten Jahr kino.to vom Stecker nahm, soll es jetzt auch dem Nachfolger kinox.to an den Kragen gehen. Die USA aber gehen noch einen Schritt weiter: Mit einem neuen Gesetzesvorhaben könnte auch YouTube illegal werden.

Mission Internet

Jeder der dieser Tage versucht, die Seite http://tvshack.net/ aufzurufen, wird auf ein interessantes Beispiel für die Bemühungen der USA im  Kampf gegen Online-Piraterie stoßen. Vorzufinden ist auf der Seite nicht, wie vielleicht erwartet, eine Liste mit Verlinkungen zu anderen Seiten, deren Inhalt aus nicht lizensierten Streams von Filmen und Fernsehshows besteht. Stattdessen stößt der Besucher auf eine eindrucksvolle Anzeige, die auf die Beschlagnahmung der ursprünglichen Seite und diverse Strafen hinweist, die Verstöße gegen das Copyright zur Folge haben – gekrönt ist dieser Hinweis von drei offiziellen Wappen der US-Regierung.
Richard O’Dwyer hätte wohl nie damit gerechnet, dass sein Angebot jemals der Grund für solche Furore sein wird. Seit Mai 2011 läuft ein Verfahren wegen krimineller Urheberrechtsverletzung gegen den 23-jährigen Studenten aus Großbritannien.  Die ICE (Immigration and Customs Enforcement) fordert die Auslieferung des jungen Briten an die USA, um den Fall vor einem dortigen Gericht verhandeln zu können.  O‘Dwyers Anwalt argumentiert, dass sich der Server, von dem aus die Seite betrieben wurde, nicht in den USA befand und die Angelegenheit somit unter britisches Recht fällt. Die ICE jedoch erhebt Anspruch auf alle Angebote, die von einer .net- oder .com-Domain aus betrieben werden. Die für diese Domains zuständige Firma hat ihren Sitz in Virginia und damit auf US-amerikanischem Boden. Eine Lösung des Streits steht somit weiterhin aus.

Kriminell aber so nützlich

Sind wir bald alle Piraten?

Klickt man auf den Warnhinweis auf der beschlagnahmten Seite wird man zu einem Video weitergeleitet, das noch einmal die Schwere des Vergehens „Online-Piraterie“ verdeutlichen soll. Dieses Video steht auf einer Seite von YouTube.  Beschäftigt man sich nun mit der geplanten Erweiterung des Gesetzes, das zu O’Dwyers Anklage führte, muss man sich fragen, wo die US-Regierung ihre Videos wohl in Zukunft einstellen will, sollte das neue Gesetz tatsächlich in Kraft treten.
Denn: Mit dem SOPA (Stop Online Piracy Act) nämlich soll zukünftig all jenen die Suppe versalzen werden, deren Seiten das Ziel haben, US-Eigentum zu stehlen und auch solche, die gegen das geltende US-Recht verstoßen, Verstöße erleichtern oder diese nicht verhindern. Dazu gehören dementsprechend auch Facebook, Twitter, Google und YouTube. Tausendfach werden beispielsweise auf YouTube urheberrechtlich geschützte Songs und Videos eingestellt, die sich dann über Facebook und Twitter verbreiten. Es wären genau genommen Seiten weltweit, die von diesem Gesetzt betroffen wären – es wäre das gesamte Internet.

Protest auch aus den eigenen Reihen

Dass die US-Regierung mit dem SOPA eine Grenze überschreitet, darüber sind sich die meisten einig. Der Journalist und Medienexperte Felix Salmon stellt in seinem Blog die Frage, ob es unter den gewöhnlichen Internetusern überhaupt Befürworter des Gesetzes gibt. Sogar unter US-Abgeordneten regt sich mehr und mehr Protest gegen den Entwurf. In einem Brief verschiedener Kongressmitglieder an die Vorsitzenden des Komitees werden die Argumente erläutert, die gegen die Verabschiedung des Gesetzes sprechen.
Kritikpunkte gibt es viele. Zum einen ist es die angeblich schlechte und vage Formulierung in der Vorlage. So wird viel Raum für Interpretation und Willkür geschaffen. Und wem soll das Gesetz nun überhaupt nützen? Die gewöhnlichen User sind es offenbar nicht. Ein Vorwurf lautet, dass die Politik sich von Lobbygruppen wie der Film- und Musikindustrie beeinflussen lasse, da diese die Politiker mit Geld für ihre Wahlkämpfe versorge.
Es ist in der Tat eine feine Suppe, die uns die US-Regierung da eingebrockt hat. Auch Online-Innovationen werden durch das geplante Gesetz blockiert. Gerade kleine Firmen und Start-Ups haben oft nicht genug Geld für Überwachungsstrukturen und zur Abwehr von Klagen. Hätte es das Gesetz schon im Jahr 2005 gegeben, wäre beispielsweise YouTube niemals entstanden.

Mit dem SOPA muss sich die USA nun wohl selbst an die Nase fassen. Ganz gemäß ihrem selbst geschneiderten Ruf haben die USA in der Vergangenheit wiederholt andere Länder, wie China, auf das Recht zur freien Meinungsäußerung hingewiesen. Mit dem neuen Gesetzt jedoch würden Access und Service Provider dazu gezwungen Inhalte zu überwachen und zu sperren, um Verstößen aus dem Weg gehen zu können. Eine Maßnahme deren Auswirkungen sich gerade in China bereits beobachten lassen.

Am Pranger – doch zumindest nicht allein

Das Internet ist ein „dunkler Ort“, der „Urheberrechtsverletzungen geradezu fördert“. Zu diesem Schluss kam offenbar auch die Europäische Kommission. Denn nicht nur die US-Regierung kann wegen ihres Gesetzesentwurfs an den Pranger öffentlicher Beschimpfung gestellt werden. Längst gibt es in Europa einen ähnlichen Gesetzesentwurf, gegen den sich ähnlicher Protest regt. Das ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) wird bereits seit gut zwei Jahren im Stillen verhandelt. Unter den 39 teilnehmenden Staaten befinden sich neben den EU-Ländern auch die USA. Beschlossen wurde der Beitritt vom EU-Rat während einer Sitzung des Fischereiausschusses. Die Angst vor dem großen Dunkel und schneller Handlungsbedarf scheinen entsprechend groß zu sein.

Außergewöhnliche Umstände

Vielleicht ist die Frage ja gar nicht die, ob es eine Regelung geben muss, sondern mehr die, wie eine solche Regelung aussehen und wie sie umgesetzt werden soll. Dass das Internet ein außergewöhnlicher Raum ist, der auch außergewöhnliche Maßnahmen erfordert, wird wohl kaum jemand bestreiten. Doch bedeutet das nicht, dass es eventuell unangemessen ist, hier gewöhnliche Gesetze zum Einsatz zu bringen? Einen interessanten Anstoß dazu liefert die Quadrature de Net. Wenn in unserer modernen Zeit jeder Weltweit Zugriff auf im Internet verbreitete Kultur und andere Informationen hat, wie sinnvoll ist es dann eine alte Idee darauf  anzuwenden, die für jeden Akt eine ausdrückliche Genehmigung einfordern möchte?

Foto: flickr/~dolldreamer~ (CC BY-NC-SA 2.0)

Facebook-Beziehung gefällig? – 3…2…1…Deins!

von Mareen Michell

Auf Facebook mit der neuen Freundin prahlen und die Freunde beeindrucken? Die Ex eifersüchtig machen mit dem vollbusigen neuen Fang? Kein Problem! Ein Klick bei eBay genügt.

Beziehungshandel auf eBay – eine illegale Geschäftsidee

Vor ein paar Tagen trennten einen hiervon nur ein paar Mausklicks auf der deutschen Shopping-Website eBay. Junge Frauen boten hier käufliche, ausschließlich virtuelle Beziehungen auf bestimmte Zeit im sozialen Netzwerk Facebook an. Wer sicher gehen wollte, konnte beispielsweise direkt eine Freundin für 250€ erwerben. Doch die meisten Angebote waren herkömmliche Auktionen, bei denen sich das Gebot für den „Artikel“, wie beispielsweise eine 3-monatige Beziehung, nach und nach hochschaukelte. Neben dem reinen Beziehungsstatus, der im Profil oben bei den persönlichen Angaben wie Geburtsdatum, Schule oder Arbeitgeber erscheint, waren Pinnwand-Einträge, diverse Kommentare oder Likes bei Postings, sowie Bildern, oder auch Chatgespräche auf Freundschaftsniveau meistens inklusive.
Die Versteigerungen der Schein-Beziehungen erfreute sich in den letzten Wochen gesteigerter Popularität, woraufhin eBay auf die Geschehnisse aufmerksam wurde und die Auktionen beendete. Denn: Sie verstoßen gegen die eBay Geschäftsbedingungen, welche tatsächlich eine Klausel beinhalten, die bereits eben solche Versteigerungen virtueller Beziehungen untersagt. Leonie Bechtoldt, Sprecherin jenes wohl bekanntesten Auktionsportals, nahm Stellung zum Vorfall, indem sie versicherte, ein Team würde nach den verbotenen Artikeln sehen und diese löschen. Offenbar ist es erfolgreich in seinem Tun, denn beim Anklicken verschiedener Links, die einst zu den netten Ladies führten, erscheinen nun ausnahmslos Fehlermeldungen:  „Dieses Angebot wurde entfernt oder der Artikel ist nicht verfügbar.“
Schade für die Bieterinnen! Denn so manche hätte guten Gewinn erzielt, wie beispielsweise diese:

Für die horrende Gebots-Summe von 132.250 € bei immerhin 58 Geboten zur Zeit des Screenshots ist dann wohl auch eher ihr Foto als der recht einfallslose Text verantwortlich. Denn Die Artikelbeschreibung ihrer selbst lautete:

“Hey Jungs
Wer würde gerne eine 2 Monatige Facebook-Beziehung mit mir haben?
Dann fleißig bieten, ich warte!! 😀
egal wie alt und gilt ab da ich das Geld habe =)))”

Käufliche Liebe ist nichts neues, doch erscheint diese zwar harmlosere Form dennoch obskur. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass viele Facebook-user (unter ihnen meine eigenen Freunde) diverse dieser Auktionen in den vergangenen Wochen posteten. Selbstverständlich erreicht jede Meldung, die in einem Netzwerk mehrfach geteilt wird, binnen kürzester Zeit ein riesen Publikum. So wurden wohl die bis dato recht versteckt gebliebenen Geschäftchen der jungen Frauen bekannt. Denn die Idee und das Geschäftsmodell sind keineswegs so brandneu wie die Ermittlungen gegen die oftmaligen Fake-Profile, hinter denen keine realen Persönlichkeiten stehen. Die gab es bereits im August dieses Jahres, wie ein Blogger beweist. Zu seinem Blogeintrag gehört ein Bild, wieder ein Screenshot aus eBay. Erstaunlich ist, dass dieses Mal ein Mann seinen Namen und sein Profil für eine Web-Beziehung versteigert, waren es anderen Bloggern zufolge vor allem in letzter Zeit doch hauptsächlich weibliche Anbieterinnen.

Wie hoch bietest du? Oder: Wie tief sinkst du?!

Doch mal ehrlich: In was für einer Welt leben wir, in der sich offenbar nicht nur das halbe Leben im Internet abspielt, wo Leute gerne zeigen, in welcher Form einer Beziehung  sie angeblich mit wem stecken, sondern auch noch Menschen ganz bewusst sich selbst als Produkt in ein Shopping-Portal stellen?! Und ist es denn auf Käufer- bzw. Bieter-Seite nicht Selbstdiskriminierung genug, eine Fake-Beziehung mit einem Unbekannten einzugehen? Offenbar nicht. Denn gewinnen tut der, der am meisten bietet…oder doch eher der, der bereits am tiefsten gesunken ist? Beziehungen stellen im online-Zeitalter offensichtlich nichtmehr das dar, was sie einmal taten. Ständig liest man auf seiner Startseite neue Meldungen bezüglich des Beziehungsstatus‘ diverser (Facebook-)Freunde, die häufig genauso gerne teilen wenn sie sich wieder einmal getrennt haben und erneut zu den „Singles“ gehören, wie wenn sie eine neue (zeitweilige) Partnerschaft eingehen. Doch wer absichtlich provoziert, dass sein Beziehungsstatus für von vorneherein 2 festgesetzte Monate im Profil ganz schön aussieht und dafür auch noch hunderte, bzw. tausende von Euro hinblättert, ist schon ein schiefer Typ. Vielleicht fanden deswegen einige ihre Wunsch-Beziehungen in eBay unter der Rubrik „Sammeln & Seltenes > Total Verrücktes > Total durchgeknallt“, wie in einem Artikel dieses Medien-News-Portals  bereits im September berichtet wurde.

Prestige-Förderung durch falsche Beziehungen?

Insgesamt dient dieses ganze Vorspielen und fälschliche Vorgeben einer interpersonalen Beziehung auf Facebook jedoch einzig und allein dem Prestige einer Person, das bei besonders hübschen, oder „geilen“ Freundinnen / Freunden, wohl positiv beeinflusst wird. So, oder so ähnlich müssen die Motive der Mitsteigerer auf eBay ausgesehen haben, denn wie in einem weiteren privaten Online-Blog  beschrieben ist, beinhalteten die Angebote „kein reales Treffen oder jegliche Chancen auf ein reales Kennenlernen.“ Weiter steht dort, dass die Freundschaft und der Beziehungsstatus sofort vom Anbieter gekündigt werden darf, sobald obszöne Mails, Bilder, oder Anfragen auch nach einer Verwarnung nicht aufhören sollten. Es war also von vorne herein erklärt, dass sich der Ersteigerer seines als allgemein für hübsch befundenen „Artikels“ keine Hoffnungen auf mehr oder eine jemals echte Beziehung machen durfte.
Doch auch auf der anderen, der Anbieter-Seite, ist es, wie bereits erwähnt, doch fragwürdig, sich auf materielle Ebene herabzusetzen und sogar seinen „Artikelzustand“ anzugeben. Manche titulieren sich als „sehr gut“ , andere geben sogar in wenig für sich werbender Art und Weise an, bereits „gebraucht“ zu sein.

Online-Handel mit Dienstleistungen für soziale Netzwerke wird immer populärer

Da fragt man sich:  Wie weit soll dieser Handel mit Dienstleistungen für soziale Netzwerken noch gehen? Schockierend genug ist es, dass, seit geraumer Zeit jegliche Dienste online für Geld zu haben sind. Und das ganz legal und völlig normal?! Beispielsweise zahlt man bei getfansfast.com bis zu knapp 3.000$ für bis zu 10.000 neue Facebook-Fans, und das alles bei 100%iger Geld-zurück-Garantie, falls es nicht funktionieren sollte. Ein anderes Beispiel ist die Seite Fünfi.de, auf der, passend zum Namen, 5-€-Deals zu allem Möglichen abgeschlossen werden können. Gibt man den Suchbegriff „Facebook“ ein, ergibt sich eine Liste diverser Dienste. Ob man nun sein Produkt promoten lassen möchte, oder lieber „how-to“-Tipps für 500 neue Fans pro Tag  bekommen will – das Portal lässt keine Wünsche offen. Wirklich keine. Denn auch hier bietet eine Verkäuferin namens Fashionmodel an, über 2 Monate hinweg eine Facebook-Beziehung mit dem Käufer zu führen – inklusive Beziehungsstatus, süßer Posts, oder Modelbilder ihrer selbst auf seiner Pinnwand. Dieses Konzept funktioniert auch für andere soziale Netzwerke wie StudiVZ oder Wer-kennt-wen.de, wie weitere bei Fünfi.de aufgelistete Angebote zeigen. Anscheinend ist hier die gefundene Marktlücke, welche ja auf eBay verboten ist, nicht nur ebenfalls bereits entdeckt worden, sondern auch gut am Laufen. Denn der Beschreibung des genannten Beziehungs-Angebots für Facebook lässt sich entnehmen, dass bereits zwei Aufträge bei Fashionmodel in der Warteschlange sind.
Völlig crazy? – Ja! Denn auch dieses Angebot findet sich bei Fünfi.de unter der Kategorie „Verrücktes“.

Die Multitasking-Medien

Immer häufiger werden Medien parallel genutzt – etwa beim Fersehen im Internet gesurft oder nebenbei gesimst. Doch während Multitasking in den letzten Jahren zum Schlüsselwort für die Arbeitserleichterung war, ist jetzt klar: Es ist nicht zielführend.

Unser Leben im Netz (Teil 2)

von Alexander Karl

Wir sind digital natives. Wir sind die Zukunft. Wir sind online. Ziemlich oft sogar und ziemlich lange. Aber was machen wir im Netz? Und wie verändert das Internet sich und schlussendlich uns? media-bubble.de wirft einen Blick auf aktuelle Studien zu unserem Nutzungsverhalten.

Diesmal: Google und die Merkfähigkeit, die Wikipedia-Schreiber und die Zukunft des Internets.

Google und die Merkfähigkeit

Google merkt sich ja ziemlich viel. Um etwa die Google-Suche zu optimieren, nutzt die Suchmaschine 57 Indikatoren, die bei jedem Besuch untersucht werden. Neben Informationen über unsere Search History,  den Browser, den Aufenthaltsort und der genutzten Sprache wird auch dokumentiert, wie lange man zum Tippen seiner Anfrage braucht, ob man mit Enter oder der Maus die Suche abschickt, ob die Autovervollständigung genutzt wird und so weiter. Da klingt es ein wenig verwunderlich ,wenn Stefan Keuchel, Pressesprecher bei Google Deutschland, der ComputerBILD sagt: „Wenn jemand die Google-Suche nutzt, ist das recht anonym, schließlich ändert sich bei den meisten regelmäßig die IP-Adresse und Namen kennen wir auch keine.“ Na ja. Außer, man nutzt Google+, denn dann personalisiert Google die Suche noch weiter.

Aber wie verändert sich die menschliche Merkfähigkeit durch Google? Das haben Forscher der Columbia University untersucht und fanden heraus:

“Our brains rely on the Internet for memory in much the same way they rely on the memory of a friend, family member or co-worker. We remember less through knowing information itself than by knowing where the information can be found.”


Der Spruch: „Man muss nur wissen, wo es steht“, bekommt durch Google eine ganz neue Bedeutung. Sachen von denen wir ausgehen, dass wir sie online finden, vergessen wir. Wenn wir aber glauben, dass wir etwas nicht im Netz finden, merken wir es uns.

Wikipedia – und keiner schreibt

Wikipedia ist wohl mittlerweile jedem Internetnutzer ein Begriff, immerhin findet man zum eingegebenen Suchbegriff sehr häufig zunächst die entsprechende Seite der Online-Enzyklopädie. Doch Wikipedia gehen die Autoren aus! So verschwanden etwa in den ersten drei Monaten des Jahres 2009 bei der englischen Version des Angebots 49.000 Schreiber. Und der Einstieg ist für neue Autoren nicht mehr reizvoll: „So werden Beiträge von Wikipedia-Neulingen heute viel öfter gelöscht als früher. Auch das Artikelwachstum ist längst vom ursprünglich exponentiellen Pfad zu einem eher linearen Wachstum übergegangen“, fasst heise.de den Trend zusammen. Heißt also: Viele Themengebiete sind mittlerweile beackert, viele Einträge müssen nur ab und an aktualisiert werden – es gibt nicht viel zu tun, aber viel zu lesen. Auch die ARD-ZDF-Onlinestudie des Jahres 2011 stellt fest, dass viele Wikipedia nutzen (97 %), aber nur 1 Prozent etwas einstellt und lediglich 2 Prozent beides tun.

Einen Vorschlag für die Weiterentwicklung von Wikipedia – nämlich einen Angriff auf Facebook – bringt Der Freitag:

„Wikipedia ist nicht mehr sexy. Dies kann sich ändern, wenn Wikipedia sich ein Soziales Netzwerk zulegt. Die Software gibt es bereits: Diaspora funktioniert sehr gut. Die Idee hinter Diaspora ist überzeugend: eine Open Source-Software, die es erlaubt, dezentrale, aber miteinander kompatible Soziale Netzwerke zu installieren. Diaspora zu implementieren hätte für Diaspora und für Wikipedia eine positive Signalwirkung: Diaspora würde an Attraktivität und Bekanntheit gewinnen und Wikipedia könnte wieder jugendlicher werden.“

Von den technischen Möglichkeiten einmal abgesehen: Wäre das ein Schritt, den Wikipedia wagen könnte, vielleicht sogar sollte? Nein, sollte Wikipedia nicht. Denn wenn Wikipedia nicht genügend Nutzer gewinnt und noch kläglicher scheitert als Google+, würde Wikipedia einiges an Vertrauen verlieren. Und das ist das letzte, was der Community passieren sollte.

Die Zukunft des Internets

Was könnte die Zukunft in der digitalen Welt mit sich bringen? Was wird sie uns bringen? Zum einen könnte der Traum vom offenen Netz ein für alle Mal ausgeträumt sein – und wir sind selbst daran Schuld. Jonathan Zittrain ist Professor für Recht und Informatik an der Harvard University und sieht in den Smartphones und Tablet-PCs eine große Gefahr. Denn anders als der PC-Marktführer Microsoft bestimmen Apple und Co. die Inhalte von Software, also der Apps:

„Das Zulassungsprocedere von Apps verschleiert allerdings, worum es wirklich geht: Das Geschäft von IT-Unternehmen besteht jetzt auch darin, Texte, Bilder und Töne zu genehmigen – und das auch noch einzeln. Sie bestimmen, was wir auf den wichtigsten Portalen der Welt finden und nutzen können. […] Zwei, drei Betriebssystem-Hersteller sind in der Position, sämtliche Apps und deren Inhalte zu verwalten, und eine kleiner werdende Gruppe von Cloud-Dienste-Anbietern ermöglicht Webseiten oder Blogs, die vor Denial-of-Service- Problemen geschützt sind.“

Der SPIEGEL brachte Ende 2011 eine Titelgeschichte, in der Zittrains Überlegungen noch ein wenig weiterführt werden: Per se gibt es im Internet keine Monopole. Gleichzeitig haben sich aber mittlerweile vier US-Firmen herausgebildet, die den Online-Kuchen zu großen Teilen unter sich aufteilen: Amazon, Apple, Facebook und Google. Jeder bedient eigentlich ein eigenes Segment, gleichzeitig wildert mittlerweile jeder im Revier des anderen: Amazon bringt mit dem Kindle Fire ein Tablet-PC  auf den Markt und greift Apples iPad an, Google+ soll Facebook den Kampf ansagen – und so weiter. Am Ende liegt dann wieder die Entscheidung beim Nutzer – also bei uns – auf welchem Unternehmen er sein Vertrauen (und seine Daten) schenkt.

Wir User werden also in den nächsten Jahren wohl noch häufig überlegen müssen, was wir in der digitalen Welt so alles tun oder auch nicht. Wem wir unser Vertrauen schenken oder auch nicht. Es bleibt also spannend wie sich das Web (und somit unser Leben) verändern wird. Übrigens: Eine erste Prognosen zu den Entwicklungen im Social Web 2012 findet ihr hier.

Unser Leben im Netz (Teil 1) über den digital divide, Facebook und E-Mail gibt es hier.

Foto: flickr/keso (CC BY-NC-ND 2.0)

Amerika wählt – zwischen YouTube-Videos und Analsex

von Sanja Döttling

Wollte man früher Leute –  sagen wir,  Politiker –  öffentlich beleidigen, erforderte das großen Aufwand und viel Planung.
Man musste zu einer Veranstaltung gehen. Man musste Tomaten mitnehmen. Gut zielen können. Und schnell wegrennen. Das Internet aber entwickelt ganz neue Formen und Möglichkeiten, andere zu diffamieren. Und beim Kampf um das Präsidentenamt in Amerika bietet die Gelegenheit, virtuelle Tomaten zu werfen. Und zwar richtig große.
Der Startschuss zum Run auf den auf das höchste Amt in den Vereinigten Staaten ist gefallen. Während die Demokraten Barack Obama zur Wiederwahl aufstellten, haben die Republikaner im Moment noch sechs Kandidaten im Rennen. Sechs Kandidaten, die nicht nur Obama als Feind sehen, sondern auch die anderen fünf. Und dieser Kampf wird medial ausgetragen.

Jeder gegen Jeden

Bis zu den Präsidentschaftswahlen am 6. November 2012 herrscht politische Kriegsstimmung in Amerika. Die Betonung im Wort Wahlkampf liegt klar auf der zweiten Silbe. Dabei wettern nicht nur die Republikaner gegen Obama (auch ein alter Hut, inzwischen. Schon McCain stetzte Anruf-Roboter ein, die Obama als Terroristenfreund bezeichneten), sondern lassen auch untereinander kein gutes Haar aneinander.
So wird etwa Mitt Romney, der in Vorwahlen aktuell führt, als Jobzerstörer oder Schwuler betitelt. Seine vermeintliche Homosexualität – logischerweise in konservativen Kreisen eine wenig schmeichelhafte Bezeichnung – wird im Brokeback Mountain-Stil hochgekocht. Lustig ist das keinesfalls.

Hinter dem Video, das Romney als miesen Kapitalisten zeichnet, steht ein sogenannter „Super PAC“. Diese „Gruppen“ haben das Ziel, andere Kandidaten zu diffamieren – und den eigenen in einem guten Licht erscheinen zu lassen. Sie agieren im Schatten des eigentlichen Kandidaten und können aus den Vollen schöpfen: Denn die Super-PACs dürfen für ihren favorisierten Kandidaten so viel Geld bereitstellen, wie ihre Taschen hergeben. Und die sind meistens ziemlich, ziemlich groß.

Google Bombe: Santorum und Analsex

Doch es geht noch schlimmer: Mit der Google-Bombe. Sie nutzt den Google-Algorithmus, um durch das gezielte Verlinken einer Webseite mit einem Text Leute oder Unternehmen zu diffamieren.
Rick Santorum, ebenfalls Präsidentschaftskandidat, ist einer der Attackierten (Handelsblatt und Süddeutsche berichteten) – allerdings zu recht.
Bekannt wurde der erzkonservative Kandidat mit locker-leichten, weltumarmenden Aussagen wie: Eine schwule Ehe sei nichts anderes als wenn „ein Mann mit einem Kind, ein Mann mit einem Hund, oder so etwas in der Art“ sexuell aktiv werden würde (das sagte er 2003). Außerdem zitierte er einen zwielichtigen, unbekannten Experten mit den Worten: „Er fand heraus, dass Väter im Gefängnis, die ihr Kind verlassen hatten, immer noch besser sind als überhaupt keinen Vater im Leben eines Kindes zu haben“ und bezog sich dabei auf Kinder, die bei gleichgeschlechtlichen Eltern aufwachsen.

Da ist wirklich das Gemüse zu schade für, dachte wohl auch der Schwulenaktivist Dan Savage. Seit 2003 arbeitet er an der Santorums-Google-Bombe, die bis heute intakt ist: Wer bei Google „Rick Santorum“ eingibt, erhält unter den ersten Treffern auch diesen. Nachdem santorum als „forthy mixture of lube and fecal matter that is sometimes the by-product of anal sex“ definiert wurde, gelangt man auf Savage’s Blog. Der hat die einfache Aufgabe, all den verbalen Müll zu sammeln, den Santorum in den Medien hinterlässt.
Solche politischen Spielchen gibt es übrigens auch in Deutschland, wenn auch harmloser: So hörte Angela Merkels Webpräsenz eine Zeit lang auf den Namen „Experiment Kohlkopf“ und die SPD fand man, indem man die „Verräter Partei“ suchte.

Schönes, neues demokratisches Google

Urs Hölzle, Mitarbeiter von Google, erwiderte 2004 auf die Frage, was man gegen das „Google-Bombing“ unternehme, übrigens folgendes: „Nichts. Das ist ein Zeichen, wie demokratisch das Internet ist. Wenn genügend Leute ihre Webseiten entsprechend verlinken, kann es so herauskommen.“
Naja. Okay, schöne Neue Welt: Inzwischen lässt Google die Bomben dann doch entschärfen.

Teaser-Foto: YouTube