Die Multitasking-Medien

von Alexander Karl

Multitasking ist die Norm

Während ich diesen Text schreibe, läuft im Hintergrund Musik, Facebook ist in einem Tab offen und mein Handy hat mir gerade eine SMS angekündigt. Für die Generation der digital natives klingt dies zunächst einmal nicht ungewöhnlich. Unsere Aufmerksamkeit wird gespalten, schlussendlich auch für verschiedene mediale Angebote. Denn die Angebote im Zeitalter des Internets sind so reichhaltig, dass man fast schon parallel arbeiten muss, um wenigstens einen Bruchteil zu nutzen.

Dass Medien immer häufiger parallel genutzt werden, fand 2011 auch eine Studie des Fernsehsenders MTV heraus. Folgende Ergebnisse betrachten die Studienleiter als wichtig:

  • Die 14-49 Jährigen schauen eher abends fern und nutzen Internet und WebTV tagsüber
  • Die allgemeine Mediennutzung wächst trotz gleichbleibender frei verfügbaren Zeit über die parallele Mediennutzung
  • Internet wird häufiger parallel zu anderen Medien genutzt, als Fernsehen
  • Internet und Fernseher werden am häufigsten gleichzeitig genutzt
  • Der Fernseher wird überwiegend exklusiv am Abend genutzt, jedoch nimmt die parallele Nutzung zu

Besonders interessant ist, dass das Fernsehen v.a. zur Primetime genutzt wird, während sonst das Internet am beliebtesten ist. Doch gerade dann ist auch die Parallelnutzung des Internets am größten.

Dieser Trend schlägt sich etwa bei Twitter nieder. So gehört es fast schon zum guten Ton, online über den ‚Tatort‘ zu diskutieren. Bei einer Dezember-Folge kamen beispielsweise 4.700 Tweets zusammen, in der Storyline, Aufbereitung und Farbgebung besprochen wurden. Weiter geht aber ‚The Voice‚: Dort wird zur parallelen Nutzung von Fernsehen und Internet geradezu aufgerufen. Denn in den aktuellen Liveshows wird in die Lounge geschaltet, in der Kandidaten die aktuellen Kommentare von Twitter und Facebook gezeigt werden.

Es liegt also nicht unbedingt an der Qualität des TV-Angebots, dass man sich nebenbei im Internet tummelt – im Gegenteil. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Frauen etwa die Antworten auf Quizfragen suchen, während Männer sich von der TV-Werbung zum Online-Shopping verleiten lassen.

Schattenseite des Multitaskings

Aber Multitasking hat auch seine Schattenseiten: Es schadet der Gesundheit. Von Stress bis hin zum Burn-out kann die parallele Nutzung ziemlich viele ungute Reaktionen im Körper hervorrufen. Und: Es ist nicht effektiv. Das zeigt eine Studie des Ulmer Hirnforschers Manfred Spitzer. Bei der Frankfurter Rundschau heißt es darüber:

Probanden, die als starke oder geringfügige Medien-Multitasker klassifiziert wurden, absolvierten kognitive Tests. Dabei zeigte sich, dass die Nicht-Multitasker die Aufgaben besser lösten, aufmerksamer und schneller waren und besser zwischen Aufgaben wechseln konnten. Spitzer glaubt, Multitasker würden sich durch ihre heftige Mediennutzung Oberflächlichkeit und Ineffektivität geradezu antrainieren.

Eine bereits 2009 durchgeführte Studie der Stanford University kommt zu einem ähnlichen Ergebnis:

Als Gegenbewegung zum Multitasking gibt es die Achtsamkeitstherapie, die den Fokus wieder auf einzelne Handlungen richten soll. Also weg von der parallelen Nutzung, hin zu einer Aufgabe, die dafür aber bewusst absolviert wird. Und das soll auch für die Wirtschaft gut sein – denn der Versuch des Multitaskings kostet allein die US-Wirschaft 650 Milliarden Dollar im Jahr. Ich habe zwischendrin übrigens die Musik beim Schreiben ausgemacht. Ich will ja der Wirtschaft nicht schaden. Na ja, vor allem mir nicht.
Foto: flickr/ryantron (CC BY-ND 2.0)

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