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Twitter und Co.: Zensur mit Hintertür?

Es scheint die Ära einer neuen Zensurstruktur angebrochen zu sein, die einem Spagat gleicht. Twitter macht den ersten Schritt, der Google-Dienst Blogger folgt. Droht eine Welt der Beschränkungen?

Neues Traumpaar? Internet und Politik.

Eine belastete Beziehung, die zwischen der Politik und dem Internet. Gerade auch in Deutschland. Nun entdeckt selbst die Bundesregierung das Internet für sich. In den USA ist man da weiter: Da spielt sogar Facebook Wahl-Orakel.

Das Internet ist Geschichte

Die Angst vor dem Internet ist so alt wie das Internet selbst: Datenschutz und Angst vor einem ‚Big Brother‘, der alles beobachtet. Aber mit jedem Post bei Facebook und Twitter schreiben wir Geschichte. Und die sollte erforscht werden.

Über Wolken: Clouds, die Speichermedien der Zukunft?

von Jens Hagelstein

Die Frage nach der Speicherung von Informationen gehört seit jeher zu den relevantesten jeder Gesellschaft. Die dabei verwendeten Speichermedien haben gewiss eine Entwicklung durchlaufen, doch eines haben der Stein mit gemeißelter Inschrift, die bedruckten Seiten eines Buchs, die Schallplatte und der USB-Stick gemeinsam: Sie alle bieten Zugriff auf den gespeicherten Inhalt nur von einem Ort aus, sind also lokal gebunden. Revolutionär anders funktionieren Clouds, die großen Speicherwolken im Internet: Die hier gespeicherten Daten können überall und jederzeit abgerufen werden. Ist damit gar das Ende der physischen Datenträger besiegelt?

Unterschiedliche Dienste – und was sie können

Toll, so eine Cloud – oder kommt bald der Regen?

Als einer der ersten Cloud-Dienste wurde 2007 Dropbox ins Leben gerufen. Die Idee hinter Dropbox ist simpel und soll der Legende nach einem der Entwickler gekommen sein, als er einen USB-Stick mit benötigten Daten zu Hause vergessen hatte: Nach Anmeldung auf der Webseite erhält der Anwender ein bestimmtes Kontingent an freiem Speicherplatz auf dem Dropbox-Server (der „Cloud“), um persönliche Daten darauf abzulegen. Zusätzlicher Speicher kann gegen einen monatlichen Obolus gemietet werden. Dropbox bietet für alle gängigen Computer- und Handybetriebssysteme spezielle Software an, die Zugriff auf die Dateien in der Cloud und Synchronisieren von Ordnern ermöglicht – so bleibt auch bei der Verwendung mehrerer Geräte, beispielsweise Desktop-PC und Laptop, der Datenbestand überall auf dem neusten Stand. Insbesondere dieses Feature dürfte für die zunehmende Beliebtheit von Dropbox sorgen, denn zwei oder mehr internetfähige Geräte gehören mittlerweile zum Standardrepertoire vieler Anwender. Unlängst kürten die Leser des Blogs netzwertig.com Dropbox zum „Online-Service des Jahres 2011“.

Längst haben die Big Players im IT-Sektor den Trend erkannt und versuchen ihre Clouds zu etablieren. Google bietet mit Google Docs einen Webdienst, der über das Speichern von Dateien hinausgeht: Online abgelegte Dokumente können über eine Oberfläche im Browser bearbeitet werden – und das sogar von mehreren Leuten gleichzeitig.
Apples iCloud gleicht Adressdaten und Kalender zwischen Macs und Mobilgeräten wie iPhone und iPad ab, der gebührenpflichtige Dienst „iTunes in the Cloud“ macht Musik und Filme aus der persönlichen iTunes-Mediathek mobil zugänglich.
Auch Amazon stellt Anwendern eine Plattform zur Datenspeicherung bereit: Cloud Drive wartet mit kostenlosen fünf Gigabyte Speicherplatz auf, für jährlich einen Dollar pro Gigabyte kann auf 20, 50, 100 oder auch 1000 GB aufgestockt werden.

Schattenseiten

Die Vorteile der Cloud-Speicherung liegen auf der Hand, warum nicht also gleich den gesamten persönlichen Datenbestand in die virtuellen Wolken hochladen? Bei vielen Anwendern regen sich Sicherheitsbedenken: Auch wenn die Dokumente in der Cloud nur nach Eingabe des Benutzerpassworts einsehbar sind – die Gefahr eines externen Zugriffsversuchs besteht, insbesondere beim Hoch- und Runterladen der Dateien. Dropbox empfiehlt deshalb, Daten vor dem Upload zu verschlüsseln, etwa mit BoxCryptor. Doch geht bei solch einem Procedere viel von dem Komfort verloren, der eigentlich das Aushängeschild des Webdienstes ist.
Von offizieller Seite warnt man vor dem Übertragen sensibler Daten auf Server im Ausland: Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) möchte stattdessen eine „Bundes-Cloud“ einrichten, damit Behörden und Unternehmen ihre sensiblen Daten nicht den Servern US-amerikanischer Betreiber anvertrauen müssten. Man führe bereits Gespräche mit der Telekom.
Wer den Online-Speicherplatz eines Anbieters nutzt, begibt sich unweigerlich in dessen Abhängigkeit – fallen die Server aus, können die eigenen Dateien nicht abgerufen werden. Auf Nummer Sicher geht, wer Wichtiges in separaten Clouds oder ganz oldschool auf einem physischen Datenträger sichert.

Bewölkte Aussichten

Die Tendenz ist offensichtlich: Das Internet ergänzt seine Kommunikations- zusehends um eine Speicherfunktion und ermöglicht es uns so, unseren gesamten digitalen Datenbestand von überall auf der Welt abzurufen. Dank Online-Anwendungen wie Google Docs könnte der Computer der Zukunft lediglich über Browser und Internetanschluss verfügen, Programme und Dateien wären in Clouds zu finden.
Derzeit befinden sich die virtuellen Wolken noch in der Pionierphase, ein Großteil der Anwender ist bislang skeptisch ob Datenschutz und Ausfallsicherheit – und wird mittelfristig wohl Festplatte, CD oder Stick als Speichermedium vorziehen oder zumindest ergänzend einsetzen, insbesondere wenn es um sehr große, sehr wichtige oder sehr persönliche Daten geht.

Foto: flickr/akakumo (CC BY-SA 2.0)

Wenn Schimpansen unsere Flugzeuge fliegen…

von Sebastian Seefeldt

Eine Welt ohne Facebook, Myspace, Blogs, Youtube, Filehostern, Bildhostern oder kurz gesagt: Eine Welt in der wir unsere eigene Meinung nicht mehr verbreiten dürfen – Dank vier kleinen Buchstaben könnten einige Konzerne bald in der Lage sein das gesamte Internet zu zensieren.
Was sich zuerst anhört wie eine schlechte Nachahmung von George Orwells 1984 könnte bald traurige Realität werden. Dank Menschen, die sich so vor einer Tastatur ähnlich verhalten wie ein Schimpanse im Cockpit einer Boeing – also kein Wissen von der Materie haben – könnte bald ein Gesetzesvorschlag mit weitreichenden Folgen verabschiedet werden. Folgen die nicht nur die US Bürger betreffen, sondern Folgen die sich auf den gesamten Globus ausbreiten könnten. Doch wovon rede ich hier eigentlich?

Schwerstverbrecher: Justin Bieber

Wäre der Gesetzesentwurf bereits in Kraft gewesen als ein gewisser Blondschopf seine Musikkarriere auf Youtube

Justin Bieber wurde durch YouTube berühmt

startete, wäre er wohl mehrere Jahre für Urheberrechtsverletzung ins Gefängnis gewandert. Nein, diese Aussage ist falsch, ein Portal wie Youtube wäre unter solchen Bedingungen niemals entstanden. Ob man nun die Vorstellung, Justin Bieber hinter Gittern zu sehen, befriedigend findet oder nicht, Fakt ist: Wir alle nutzen Youtube und wären somit alle von dessen Verschwinden betroffen. Verantwortlich dafür sind zwei Gesetzesentwürfe, zum einen der Stop Online Piracy Act (SOPA), zum anderen der Protect IP Act (PIPA).  The Guardian hat die SOPA-Problematik knapp zusammengefasst und verschafft einen guten ersten Überblick. Doch wieso hält die US-Regierung diese beiden Gesetze überhaupt für nötig?

Zur Zeit regelt der Digital Millennium Copyright Act das Urheberrecht in den USA. Kurz zusammengefasst: Ein Provider (z.B. Youtube) ist nicht für den Inhalt der von Usern auf die Plattform online gestellt wird verantwortlich. Allerdings muss er dafür sorgen, dass Material welches das Urheberrecht verletzt, auf Verlangen des Rechteinhabers entfernt wird. Der Musik- und Filmindustrie ist das aber nicht genug, sie fordern, dass auch alle die dem Täter direkt oder indirekt Helfen bestraft werden müssten. Genau hier beginnt das Dilemma. „Die Entwürfe würden es Firmen ermöglichen, in den USA den Zugang zu ausländischen Websites zu sperren. Wenn Inhaber von Urheberrechten der Meinung sind, dass eine Seite gegen ihre Interessen verstößt, könnten sie, wird das Gesetz verabschiedet, eine sogenannte Court Order beantragen, eine richterliche Verfügung. Ist diese erlassen, müssten Werbefirmen, die Anzeigen auf der Seite schalten, das unterlassen. Auch Geldtransferdienste wie Paypal müssten sich dann von der beanstandeten Seite zurückziehen. Der Betreiber würde somit finanziell ausgehungert, seine Geschäftsgrundlage zerstört“, wie die Zeit berichtete. Dem nicht genug: die Konzerne hätten die Möglichkeit per DNS-Blocking ganze Webseiten unerreichbar zu machen. Dieses Video fasst die gesamte Problematik sehr treffend zusammen. Alle Portale, auf denen potentiell Urheberechtverletzungen satt zu finden sind – sei es nun Youtube, Facebook, Twitter oder ähnliche Dienste – laufen Gefahr über Nacht abgeschaltet zu werden. Beachtet man nun die Tatsache, dass jede Firma, die auch nur eine einzige Filiale in den USA betreibt, dem US Recht unterworfen ist, wird klar, dass auch wir in Deutschland schnell von der neuen Rechtsprechung betroffen wären (nicht dass der Verlust von sozialen Netzwerken schon genug wäre). Selbst Konzerne wie die deutsche Telekom müssten sich also auch dem neuen Recht beugen. Wieso sollte man also überhaupt SOPA befürworten?

„Es ist alles eine Frage der Grenzen“

Aktuell gibt es 142 öffentliche SOPA Befürworter, darunter vor allem große Medienkonzerne, wie z.B. die Motion Picture Association of America (MPAA) und National Cable & Telecommunications Association (NCTA). Neben den offensichtlichen Argumenten der Medienbranche gibt es aber auch noch wirklich „gute“ Gründe die für SOPA sprechen. Wenn es möglich ist, eine Internetseite eins zu eins zu kopieren und die Kunden so zu täuschen und ihnen Plagiate zu verkaufen, dann muss es eine Möglichkeit geben, dagegen vorzugehen und die aktuelle Rechtsfassung beinhaltet kein anwendbares Gesetz. Es wird also eine Möglichkeit  benötigt Plagiate zu stoppen. Die Diskussion sollte also nicht lauten ob wir SOPA brauchen oder nicht, sondern: Wie weit sollte SOPA gehen? Genau dieses Thema behandelt der Netcast von twit.tv.

„All Your Internets Belong to US“

Dieses mehr als passende Wortspiel stammt von dem Blogger Michael Geist der in seinem Beitrag sehr schön die Effekte von SOPA auf Kanada aufzeigt. Seine Folgerungen  können äquivalent für Europa übernommen werden, passend hierzu dieser Artikel von Netzpolitik.org. Der Widerstand gegen SOPA ist groß, sowohl von Konzernen und Organisationen wie Google, EFF und EU einerseits, andererseits von Netzbürgern selbst. So rufen beispielweise Wikipedia  und Anonymous zum Widerstand auf. Hauptgründe sind meistens das Recht auf freie Meinung und der Vorwurf Amerika würde sich die Mechaniken von Unterdrückerregimen aneignen und der Vorwurf des puren Lobbyismus.
Während die SOPA Anhänger auch in ihrem neuen Antrag OPEN (Online Protection and Enforcement Act) keine wirklichen Eingeständnisse machen, findet die Netzgemeinde bereits Wege die Zensur zu umgehen. Die Proteste zeigen Erfolg, so ziehen sich immer mehr öffentlich Befürworter zurück, so auch die nach eigenen Angaben größte Domain-Registrar weltweit Go Daddy. So offen der Ausgang des Disputs auch sein mag – so brisant wie im Jahr 2012 war die Debatte um die Freiheit im Internet wohl noch nie.

Foto: flickr/iloveJB123 (CC BY 2.0), flickr/Jed Hastwell (CC BY-SA 2.0)

Hacker – Die dunkle Seite der Macht

Sind Hacker die Robin Hoods des 21. Jahrhunderts? Nicht unbedingt. Denn Gut und Böse, richtig oder falsch, sind in vielen Fällen relativ. Denn ohne Licht kein Schatten.

Das Internet und die Kinder – Gefahren im Netz

Das Internet ist wie ein Rummel: Es gibt für jeden etwas – aber auch Pornographie und Gewalt. Für Kinderaugen ist das nicht geeignet. Wie kann man Kinder besser über die Gefahren des Internets aufklären und zugleich davor schützen?

Tot – und trotzdem online

Das Papier-Testament hat ausgedient – die letzten Worte werden virtuell gesprochen. Einige entscheiden sich für Blog- oder Videonachrichten, doch mittlerweile gibt es auch Facebook-Apps, mit denen man vorsorglich Nachrichten aufzeichnen kann. Makaber oder praktisch?

Die Multitasking-Medien

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Auf Entzug vom Informationsrausch

„Killing the Internet at Home Is the Most Productive Thing I’ve Ever Done“, verkündet Joshua Millburn (ironischerweise) auf seinem Blog. Ist der Information-Overload näher, als viele denken? Und was dann?