Pixelspielsplatz im Regen

von Miriam Gerstenlauer

Es gab viel zu sehen auf dem ITFS, die besten Trickfilme und unsere ganz persönlichen Eindrücke haben wir euch bereits vorgestellt. Doch dieses Jahr gab es noch einen anderen Ort, an dem man bunte Figuren bestaunen konnte. Außerhalb der warmen, trockenen Kinosäle war die Gamezone aufgebaut. Ein Zelt draußen im Regen, zwischen dem Kinderzelt und der Frittenbude, in dem man selbst zu Regisseur werden konnte, der Held seiner eigenen Geschichte sein durfte und einem neue Spiele für den Pausenhof gezeigt wurden. „Videospiele sind Kunst“, davon sind die Game-Designer, denen das Zelt im Regen gehört, überzeugt.

Mit den Sims zum Nachwuchsregisseur

Du wolltest schon immer einen Animationsfilm machen? Kannst aber weder gut malen noch zeichnen, geschweige denn am Computer Figuren animieren? In der Gamezone werden Sie geholfen.
Zum Beispiel beim Machinima-Workshop. Machinimas, das sind kleine Filme, die mithilfe von Computerspielen erstellt wurden, mal witzig, mal tiefgründig, ohne dass man großen Aufwand betreiben muss (mehr).
Die Kinder, die hier mitmachen, werden an die Medienproduktion herangebracht, und ihnen werden Kompetenzen vermittelt, die über das übliche „Internet aufmachen und surfen“ hinausgehen. Ihnen dient für diese Aufgabe Die Sims 3, eines der beliebtesten Simulationsspiele der Welt. Die Nachwuchsregisseure werden in die Grundlagen von Kameraführung, Schnitt und Drehbuch eingeführt. Dabei setzen sie sich kreativ mit dem Medium Videospiel auseinander, denn anders als beim normalen Spielen, muss man hier auf einiges mehr achten.

Organisiert wird dieser Workshop von der Initiative Creative Gaming. Sie setzen sich für eine kritische sowie kreative Auseinandersetzung mit Videospielen ein, als Verbindung aus Medienkunst und Medienpädagogik. Sie sind der Meinung, dass Spiele zum Menschen gehören wie sein täglich Brot und dass Games nicht nur aus Gewalt und Blut bestehen, sondern ein bunter Sandkasten ungeahnter Möglichkeiten sind.

Held per Mausklick

Auf der anderen Seite des Zeltes wird währenddessen tatsächlich gespielt und geknobelt und sich das Hirn zermartert, von Groß und Klein. Keine Ballerspiele und kein Sims laufen hier, sondern Indie-Games. Spiele, die von unabhängigen Entwicklern gemacht wurden, die also nicht den strengen Vorgaben und Einschränkungen eines Publishers unterliegen.

Ein Beispiel ist Machinarium, in dem man einen kleinen Roboter spielt, der seine Körperteile ausstrecken und wieder einfahren kann. Ein anderes das Spiel Botanicula, in dem die Baumbewohner mit unterschiedlichen Fähigkeiten ihren Baum vor Parasiten beschützen. Beides sind sogenannte Point-and-Click Adventures, in denen es meistens darum geht, Rätsel zu lösen. Diese Rätsel sind manchmal gar nicht so leicht, an manchen Stellen scheitern einige. An anderen Stellen rauft sich ein Erwachsener die Haare, bei der ein kleiner Junge zuvor keine Schwierigkeiten hatte.

Abenteuerliches Geklicke

Solche Point-and-Click Adventures sind zur Zeit sehr beliebt. Nachdem dieses Jahr das Entwicklerstudio von LucasArts (Monkey Island, Sam and Max, Day oft the Tentacle) geschlossen wurde, ruhen nun die Hoffnungen auf Daedalic Entertainment, die sich mit Edna bricht aus und der Deponia-Reihe in der Adventure-Szene einen Namen gemacht haben. Chaos auf Deponia, der zweite Teil der Serie, gewann vor einigen Wochen sogar den Deutschen Computerspielpreis als bestes deutsches Spiel. Ein Spaß für die ganze Familie und ein sehr dankbares Adventure, dem man gerne den mit 385.000 Euro dotierten Preis überreicht.

Videospiele sind Kunst, davon sind Matthias, Kevin und Jana, die jungen Spieleentwickler in der Gamezone, überzeugt. Man muss sich nur mit ihnen auseinandersetzen, sehen, dass sie mehr sind als sie auf den ersten Blick scheinen. Damit das auch gelingt, machen sie weiter Events, bringen den Menschen Spiele näher, machen Workshops in Schulen. Und wenn sie dürfen, bauen sie auch nächstes Jahr wieder ihr Zelt auf dem ITFS auf, ihren kleinen Pixelspielplatz, dann hoffentlich aber ohne Regen.

 

Fotos: Internationales Trickfilm-Festival Stuttgart

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