Trickfilmfestival privat

von der Redaktion

Vier Redakteure aus der media-bubble.de Redaktion waren auf dem Trickfilmfestival dabei. Sechs Tage und unzählige Kurzfilme später berichten sie, was ihre persönlichen Highlights und Tiefpunkte waren.

„Müsste man das Trickfilmfestival in einem Wort beschreiben, so wäre dieses wohl: vielseitig. Das gilt nicht nur für das immer größer werdende Angebot der Veranstaltungen, sondern auch für die eingereichten Filme. Von Stop-Motion zu modernster 3D-Animation, von Bleistiftzeichungen bis hin zu Knet-Figuren war wirklich jede erdenkliche Art vertreten, Trickfilme zu machen. Auch in den einzelnen Filmschauen wechselten sich Filme ab, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Kunst meets Spongebob Schwammkopf (eine Folge wurde tatsächlich in einem Panel „Best of Animation“ gezeigt). Mein persönlicher Favorit war dabei „Oh Sheep“, ein wunderschön gestalteter und netter Film über zwei Schafherden, die alle Hürden überwinden, um zusammen zu sein. Bildgewaltig war der Film „Gloria Victoria“, der die Propaganda der UdSSR ironisch un in 3D in Szene setzte. Ein weiterer gelungender zeigt, dass Trickfilm mehr leisten kann als jeder „normale“ Film: „Virtuos Virtuell“ übersetzt eine Kompsition von Louis Spohr in Bilder und macht Musik sichtbar.

Mein einziger Wehmutstropfen auf den Festival ergibt sich aus dessen schnellen Wachstums: So war der Saal bei Eröffnungs- wie Schlussgala überfüllt und einige Besucher mussten stehen. Bei beachtlichen 80.000 Besuchern zwar kein Wunder aber dennoch ärgerlich. Hin und wieder wurde auch die Technik oder die englische Sprache, auf der das Festival abgehalten wurde, zum Stolperstein.“ – von Sanja Döttling

 

 

„Das Trickfilmfestival in Stuttgart ist vorbei. Das bedeutet eine Woche voll mit teilweise verdammt guten Trickfilmen und einigen interessanten Vorträgen.

Natürlich, es war nicht alles perfekt. Dass das Wetter nach der Hälfte des Festivals nicht mehr mitspielte war zu verschmerzen, man verbrachte schließlich den Löwenanteil der Zeit in trockenen Kinosälen. Manchmal war der Ton der Filme schlecht eingepegelt. Einmal lief ein französischer Film im Hauptwettbewerb ohne englische Untertitel (was schade war, denn das, was ich mit meinen bescheidenen Französischkenntnissen von dem Film verstanden habe, war gut). Zuletzt kamen wir dann nicht zur Preisverleihung.

Doch das ITFS war alles in allem ein voller Erfolg mit einer fantastischen Bandbreite an animierten Kurzfilmen aus aller Welt. Auch meine persönlichen Highlights waren entsprechend vielseitig. Zum ersten wäre da The Night of the Loving Dead, eine britische Horror-Liebesgeschichte im Silhouettenstil. Der schwarzhumorige Film von Anna Humphries um liebestolle Zombies mit Tim-Burton-Ästhetik lief im Wettbewerb der Young Animations. Ebenfalls in dieser Sparte lief One Day, die Geschichte eines jungen Mannes, dessen Haus jeden Morgen an einer anderen Stelle steht. Zuletzt bleibt für mich noch Oh Sheep! zu nennen. Eine herrliche blutige Geschichte von zwei Schäfern und ihren Schafherden. Eigentlicher Höhepunkt des Festivals waren allerdings jedes Mal die Trailer aus der Reihe Rollin‘ Safari. Egal wie oft ich diese 30-sekünder ansah, sie brachten mich immer wieder zum schmunzeln.“ – von Marius Lang

 

 

„Mein Highlight des ITFS war gleichzeitig mein persönlicher Tiefpunkt. So verstörend wie faszinierend fand ich die Kurzfilme von Atsushi Wada. Sieben an der Zahl, mit wunderbaren Namen wie „Day of Nose“ oder „Well, that’s glasses“.

Warum faszinierend? Nachdem man die Filme gesehen hat, weiß man genauso viel mit ihnen anzufangen wie davor. Warum verstörend? Das Verständnis für künstlerische Darstellung kann sich kulturell sehr unterscheiden. Ich hoffe jedenfalls, dass es an der mir fremden japanischen Kultur liegt. Wenn nicht bin ich wohl einfach Kunstbanause.

Aber ob Kunstbanause oder Connaisseur, auf dem ITFS 2013 war für jeden etwas dabei: Von Biene Maja bis The Walking Dead, von Lotte Reiniger bis David Silverman war jede Alters- und Interessengruppe vertreten. Da konnte selbst das miserable Wetter den Besuchern nicht die Freude an den bunten Figuren vermiesen. Meine Wünsche für nächstes Jahr: Besseres Wetter, motivierte Moderatoren, die bestenfalls auch noch Englisch können. Und ein Dolmetscher für Atsushi Wada, damit ich endlich verstehe, was das mit diesen Nasen auf sich hat.“ – von Miriam Gerstenlauer

 

Ein bisschen kam es einem vor, als wäre mitten in Stuttgart für ein paar Tage eine Insel für Filmfetischisten aus dem Boden gewachsen. Deshalb ist mein größtes Highlight der vergangenen Woche nicht unbedingt ein einzelner Film, sondern die ganze Atmosphäre des Festivals. Das ITFS ist nicht die Berlinale oder eine Oscarverleihung. Dennoch scheint Filmpreisverleihungen immer zumindest ein Hauch dieses Glamours anzuhaften – auch wenn er hier in mit einem nicht ganz so schicken  Publikum vollgepressten Kinosälen vor sich hin glitzern musste.

Besonders gefreut habe ich mich über zwei ganz alte Schinken, von denen tatsächlich schon jeglicher Glitzer abgefallen ist – Next (1989) und Gilbert & Sullivan: The Very Models (1998) von Barry Pures. Den langsam verblassenden Filmen, die nach Angaben von Purves noch auf den Millionär warteten, der bereit wäre, in ihre Restaurierung zu investieren, haftet ein ganz eigener nostalgischer Charme an. Und die schlechte Qualität des Filmmaterials versteckt schließlich nicht, dass diese Filme auch heute noch toll sind. Ich hoffe jedenfalls, dass der Millionär doch kommen möge, damit Shakespeare in Puppenform auch in zwanzig Jahren noch in den von ihm selbst geschaffenen Rollen begeistern kann und die britischen Opernschreiber Gilbert und Sullivan sich dann noch immer kloppen werden und ihren Produzenten in den Wahnsinn treiben.

Manche anderen Begegnungen mit den Festivalfilmen waren dann zugegebenermaßen eher schräg als glamourös. Figuren mit Händen als Köpfen, die in monotonen Rhythmen Fenster putzen, Figuren, die von Hautporen eingesaugt werden und andere, die in einem Brunnen auf und ab fliegen, während im Vordergrund eine Krankenschwester Ballett tanzt. Aber selbst diese Begegnungen bieten, wie man hier sieht, am Ende Gesprächsstoff und sind immerhin in der Erinnerung haften geblieben – auch wenn ich an der Entschlüsselung wohl noch arbeiten muss. – von Sandra Fuhrmann

 

 

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