„Es ist eine riesen Bock-Sache.“ Die LYME im Interview

von Sebastian Luther

LYME, das ist ein neues Magazin, das von Studenten in Tübingen auf die Beine gestellt wurde und demnächst an bestimmten, noch geheimen Orten ausliegen wird, kostenlos. Um was geht es? Wer steckt dahinter? media-bubble.de hat sich mit den Redaktionsmitgliedern Tobias Tullius und Fabian Federl getroffen. Dabei war auch Autorin Anna Tiefenbacher . Zusammen mit den dreien will media-bubble.de ein wenig Licht ins geheimnisvolle Dunkel bringen.

 

[mb]  In eurem Editorial steht, dass ihr „interessante, kurzweilige und genreübergreifende Unterhaltung“ bieten wollt. Was heißt das?

Fabian Wir wollen ein Unterhaltungsmagazin sein, das man überall lesen kann. Beim Warten vor dem Prüfungsamt, an der Bushaltestelle, zuhause in der WG… Unterhaltung einfach. Wir wollen auch kein Musik-, Skate- oder Reisemagazin sein, sondern eine gute Mischung.

Tobias Wie dieses Gefühl, wenn man sich bei einem guten Wikipediaartikel ein bisschen Wissen anliest. Das wollten wir auch erreichen.

Anna Informative Unterhaltung.

Tobias Ja, genau. Im Grunde ist das Ganze nur eine riesen Bock-Sache.

Fabian Es ging darum, ein Magazin zu machen, das man selbst auch gerne lesen würde. Das war der Qualitätskompass. In der ersten Ausgabe wollten wir einfach unser Ding durchziehen, worauf wir eben Lust haben. Wir hatten auch Anfragen von anderen, ob sie mitmachen dürfen. Beim nächsten Mal, ja klar! Und wenn uns in Zukunft jemand eine coole Geschichte zuschickt, dann wird die gedruckt.

[mb]  Bleiben wir noch kurz beim Editorial. Da schließt ihr ja auch vieles aus, wie Fabian bereits gesagt hat. Ihr schreibt, dass Ihr eigentlich kein Magazin seid. Aber was seid Ihr?

Tobias Ich bin ein großer Gegner von Situationsdefinitionen. Man kann es Magazin nennen, weil es gebunden ist und Seiten hat, aber das war es auch schon. Wir hatten Spaß beim Machen und haben Spaß beim Lesen und hoffen, dass das die Leute auch haben, aber wenn nicht, ist es auch ok. Das meinen wir damit, wenn wir im Editorial schreiben, dass wir ein Spielzeug sind. Das kann man mal in die Hand nehmen und benutzen, aber auch einfach wieder weglegen. Wenn es die Busfahrt verkürzt, super! Und wenn es in der WG Küche unter dem Tischbein steckt, auch gut.

[mb]  Ein großer Teil eurer ersten Ausgabe hat mehr oder weniger direkt was mit Sex zu tun. Ist das nicht eigentlich der Bereich der Neon?

Fabian Warum sollte das der Bereich eines einzigen Magazins sein? Auto Motor Sport ist auch nicht die einzige Zeitschrift, die über Autos schreibt.

Tobias Wenn es für gute Geschichten sorgt, dann tut es das. Wenn die Spaß machen beim Lesen, warum nicht? Dann drucken wir die ab. Wir haben ja kein Eifersuchtsdrama, oder ein Liebes-Quiz, oder so etwas.

Fabian Solche typischen Sachen wollen wir auch überhaupt nicht machen, im Sinne von „Woran erkennst du, dass blabla so und so was heißt?“. Außerdem haben wir gar nicht so viel Sex drin.

Anna Na, es ist schon viel.

[mb] Seid ihr zufrieden?

Tobias Bisher? Klar!

Fabian Auf jeden Fall! Wir haben angefangen, wir wollten 500 Stück machen und jetzt sind es 2500 geworden.

Tobias Wir haben das mal ausgerechnet vorher und wollten gucken, wie viel wir zusammen kriegen. 500 klang für uns realistisch und diese Zahl haben wir dann angepeilt.

Fabian Wir haben auch nicht erwartet, dass wir so viel interessante Leute dafür kriegen. Dass wir jetzt fuckyouvermuch und Samy Deluxe im Heft haben, das hätte ich nicht erwartet.

[mb]  Woher kam ursprünglich die Idee? Seid ihr eines morgens aufgewacht und die Idee war da?

Tobias Es war ein kurzer Prozess, aber es war nicht im Bett.

Fabian Also, es hat damit angefangen, dass ich Borreliose bekommen habe und mein Knie nicht bewegen konnte. Ich durfte keinen Alkohol trinken und durfte auch nicht in die Sonne…

Anna … und das war letzten Sommer…

Fabian …ja, ich war dann in meinem kleinen Kämmerchen zuhause.

Tobias Dann sind Fabi und ich viel abgehangen und wir haben uns überlegt „Wir brauchen ein Projekt“ ansonsten langweilen wir uns vier Wochen lang. Fabi kann schreiben, ich kann fotografieren, machen wir doch einfach ein Magazin. Dann haben wir das gemacht, haben uns abendelang zusammengesetzt und uns durch die Saftauswahl unseres Supermarkt getrunken und nach einer Woche war die erste Version schon fertig. Dann hatten wir das Magazin schon gemacht und wollten es dann auch nicht in die Ecke legen. Und weil die Krankheit Lyme Borreliose heißt, heißt das Magazin jetzt auch Lyme. Das hatten wir so nach zwei Wochen fertig, aber das endgültige Magazin hat dann schon ein paar Monate gedauert.

Tobias Vor allem in der Endphase saßen wir täglich acht Stunden zusammen und haben nur Kleinigkeiten ausgebessert, Layout, Kommasetzung, solche Dinge eben.

 [mb]  Aber mit dem Prototyp, den ihr nach zwei Wochen hattet, seid Ihr auf Sponsorensuche? 

Tobias Genau. Die Grundideen für die Artikel sind die gleichen geblieben, aber wir haben das Ganze noch verfeinert.

Fabian Man muss auch dazu sagen, dass es so was in Tübingen noch nicht gegeben hat. In anderen Studentenstädten gibt es das eben schon und es passt auch zu Tübingen. Viele Leute, die wir vorher gefragt haben, meinten, dass es eine coole Idee sei.

Tobias Ja, Tübingen ist der perfekte Nährboden. Zehn Plakate and zehn wichtige Stellen und die ganze Stadt ist informiert. Jetzt schauen wir einfach mal, wie es ankommt. Finanzierung steht, Druck auch und was die Leute sagen werden, merken wir dann schon.

 [mb]  Ihr seid umsonst. Wieso?

Fabian Wir sind für immer umsonst.

Tobias Würdest du für etwas Geld ausgeben, dass du nicht kennst? Nicht bevor du von der Qualität überzeugt bist. Wenn wir überhaupt wollen, dass es ankommt, muss es schon kostenlos sein. Und über kostenlose Dinge freut man sich eh mehr, als über kostenpflichtige. Wir auch.

 [mb]  Auch nicht, wenn ihr in die Zukunft schielt? 

Tobias Wir gucken erst mal gar nicht in die Zukunft. 

Anna Mit Werbung hat das jetzt für die erste Ausgabe gut funktioniert. 

Fabian Damit kann man ein tolles Magazin machen. Die Werbung ist halt nicht so hübsch, aber besser als Geld nehmen. 

Tobias Deswegen auch nur ganzseitige Werbung. Den Apothekenumschau-Look mit zehntausend kleinen Anzeigen wollten wir nicht. 

 [mb]  Wenn jemand zu Euch sagen würde, ihr wärt prätentiöse Hipster, die den ultimativen Selbstdarstellungstrip fahren, was wäre eure Antwort darauf?

 (Anna lacht)

Fabian Ich würde darauf verweisen, dass wir unsere Namen nur ein einziges Mal angeben und auch Bilder von uns nur im Impressum zu finden sind.

Tobias Ich würde mich gar nicht verteidigen. Das Hipster-Thema ist ausdiskutiert genug, aber ich würde ihn auf ein Bier einladen, weil er die Eier hat, zu uns zu kommen und uns so was ins Gesicht zu sagen. Klingt nach einem lustigen Zeitgenossen. 

Anna Und wir haben ganz viel Zeit und Arbeit investiert, um im Endeffekt die Leute, und natürlich auch uns selber, zu unterhalten.

 [mb] Ihr habt das letzte Wort. 

Tobias Wir wollen die LYME Launch Party am 8. Dezember im Kuckuck ankündigen! DJ Caniggia kommt!

 

Das Interview führte Sebastian Luther.

Foto: Copyright Sebastian Luther 

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