ZDF: 50 Jahre und noch immer frisch?

Eine Mini-Serie von Pascal Thiel

„Es ist soweit: Ohne feierliche Eröffnung, ganz aus dem Alltag der Arbeit, geht nunmehr das Zweite Deutsche Fernsehen auf den Schirm.“ Mit diesen Worten des ersten ZDF-Intendanten Karl Holzamer, begann die Erfolgsgeschichte des ZDF, das in diesen Tagen seinen 50. Geburtstag feiert.

Dies ist der erste Teil einer Miniserie zum 50. Geburtstag des Zweiten Deutschen Fernsehens. Das Thema: Wie frisch ist das ZDF heute? Doch zuvor: Wie kam es überhaupt zur Gründung des ZDF?

Kind der Länder

Deutschland 1961: Bundeskanzler Konrad Adenauer sieht sich mit zunehmend regierungskritischer Berichterstattung vonseiten der ARD konfrontiert. Er geht in die Offensive: Ein zweites, vom Bund kontrolliertes, regierungsfreundlicheres Fernsehen soll etabliert werden. Doch er scheitert. Das Bundesverfassungsgericht stoppt seinen Vorstoß und spricht hingegen den Ländern die volle Rundfunkkompetenz zu. Diese beschließen in den Folgemonaten die Gründung einer zweiten öffentlich-rechtlichen, gemeinnützigen, aber von den bisherigen Rundfunkanstalten unabhängigen Fernsehanstalt – das ZDF ward geboren. Am 1. April 1963 war es dann so weit: Der Sender mit den Matschaugen nahm den Fernsehbetrieb auf.

Mittlerweile hat sich das ZDF fest in den Fernsehgewohnheiten der Menschen in Deutschland etabliert. Es hat gelernt, zu informieren und zu unterhalten – und innovativ zu sein. Die größte Show Europas thront wohl über allen Innovationen, aber auch das heute-journal und zahlreiche andere Sendungen sind nicht zu vernachlässigen.

Das ZDF heute

Keine Frage, das ZDF hat zweifellos beispiellose 50 Jahre hinter sich. Doch: Wo steht das ZDF heute? Und wo wird es in 50 Jahren stehen?

Auf Goethe lugend stellte Karl Holzamer vor 50 Jahren seine Idee des Fernsehens vor:

„Wie machen wir’s, dass alles frisch und neu und mit Bedeutung auch gefällig sei?“ 

Später erklärte er:

„Frisch heißt eben möglichst live, direkt, in einer unmittelbaren Zwiesprache mit dem Zuschauer. Neu, die Aktualität, selbstverständlich. Mit Bedeutung, möglichst kein Quatsch. Und gefällig, unterhaltend. Das wären so die vier Momente gewesen, die heute noch gültig sind meines Erachtens.“

Frisch, direkt, aktuell, kein Quatsch, unterhaltend. Wir sieht das heute aus?

Frisch?

Zweifellos hat sich das ZDF seit 2009 eine Verjüngungskur auferlegt. Die etwas überholt wirkenden Spartenkanäle zdf.dokukanal, zdf.infokanal und zdf.theaterkanal wurden der Reihe nach mit einem neuen Konzept und Design überzogen. So entstanden: ZDFneo (2009), ZDFinfo und ZDFkultur (beide 2011).

ZDFneo richtet sich speziell an die älteren der jüngeren und an die jüngeren der älteren Zuschauer – konzipiert ist es für Menschen von 25 bis 49, auf der Suche nach Spaß und „Unterhaltung mit Anspruch“. Auf dem, quotenbezogen, wohl erfolgreichsten der drei digitalen Spartenprogramme des ZDF, treffen amerikanische Serien auf spacige Dokus wie Wild Germany oder DWMÜ, aber auch auf jede Menge Wiederholungen aus dem Hauptprogramm. Und hätte man seine Late-Night-Show nicht zu Tele 5 ziehen lassen, so bließe Benjamin von Stuckrad-Barre im Hause des ZDF noch heute so demonstrativ affrontiv den, über ihr stressiges Leben parlierenden Politikern den Qualm billiger Zigaretten in die Schnute.

So neo das eine, so brav zu mancher Sendezeit das andere: ZDFinfo. Neben jede Menge Wiederholungen gesellen sich immer wieder neue Formate, wie etwa das interaktive heute plus, dessen Zuschauer parallel zur Live-Ausstrahlung Fragen äußern können. Oder Berlin PolitiX, das gleichsam ernsthafte wie ungewöhnlich kuriose Themen im politischen Berlin behandelt. Und natürlich nicht zu vergessen, der Elektrische Reporter: 15 Minuten Netzkultur, E-Politik, Web-Trends und digitale Visionen.

ZDFkultur lebt wie kein anderer deutscher Sender die digitale Popkultur. Mit Anleihen an MTV und VIVA brachte der Hipster unter den deutschen Fernsehprogrammen die wohl innovativsten Formate der Gegenwart hervor. Nirgendwo konnte man das Scheitern so grandios begaffen wie bei Roche und Böhmermann, der Ohrfeige an den deutschen Abendtalk. Nirgendwo wirkten Interviews so herzlich wie ungezwungene Dates als bei Kathrin Bauerfeind. Klassenkameraden: Pixelmacher, On Tape. OpenAir. ZDFkultur ist der lang ersehnte Experimentalkanal im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Etwas, worauf das ZDF stolz sein müsste – doch in einer durch Quoten regierten Fernsehwelt denkt man anders.

Und dann ist da ja noch das Hauptprogramm. Allen voran die heute-show, die mit ihrer satirischen Berichterstattung garniert mit einem herrlichen Leck-mich-doch-am-Arsch-Slang so ziemlich alles abräumt, was es zu gewinnen gibt. Aber auch ZDFzoom, unter dessen Namen modernste TV-Dokus ausgestrahlt werden. Und nicht zuletzt die manchertags futuristisch anmutenden heute– und heute-journal-Nachrichten aus der „grünen Hölle“ auf dem Lerchenberg.

Frisch? Ja!

Das ZDF entfernt sich zusehends von seinem Image als Rentnerfernsehen: Es ist jünger, innovativ und frisch geworden – zumindest in den letzten vier Jahren. Doch die Absetzung von ZDFkultur, die Abwanderung von Formaten wie Stuckrad-Late-Night oder NeoParadise birgt die Gefahr, gewonnene junge Publika, im Besonderen die hippe Mitte-20-Generation, wieder an die Privaten zu verlieren.

 

Das ZDF ist frisch, aber ist es auch direkt, aktuell, kein Quatsch und unterhaltend? Mehr dazu im zweiten Teil dieser Miniserie.

 

Bilder: flickr: GeraldS (CC BY-NC 2.0); flickr: Videopunk (CC BY-NC-SA 2.0)

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