Deutschland, deine Krimis

von Julia Heitkamp

Seit 1970 bringt der Tatort der ARD jeden Sonntagabend Spitzenquoten zur besten Sendezeit. Damit ist es die erfolgreichste und am längsten laufende Fernsehreihe in Deutschland.

Woran liegt es, dass so viele Krimiserien so erfolgreich laufen? Denn mit anderen Produktionen haben die deutschen Sender ja bekanntlich so ihre Probleme. Wenn es sich nicht gerade um Trash-Formate á la Dschungelcamp oder eine Castingshow handelt, halten sich Eigenproduktionen selten länger als eine Saison und ziehen selten so ein großes und heterogenes Publikum an wie Krimiserien.

 

Same but Different

Doch Krimi ist nicht gleich Krimi. In allen möglichen Varianten ist er zu sehen – von lustig bis dramatisch. Doch was ist das Erfolgsrezept der Krimimacher?

Denn die polizeilichen Ermittlungen der öffentlich-rechtlichen Sender beschränken sich nicht nur auf den Sonntagabend. Die Küstenwache im ZDF oder Heiter bis tödlich in der ARD laufen seit einiger Zeit erfolgreich im Vorabendprogramm, das als wichtiger Quotenfänger für die Prime Time gilt. Auch im Nachtprogramm findet man immer häufiger erfolgreiche Importe, die sich sehen lassen können: Die britischen Krimiserien Luther und Sherlock sind hier nur beispielhaft zu nennen.

Doch den Erfolg von Krimiserien haben nicht nur die öffentlich-rechtlichen Sender für sich entdeckt. Auch private Sender wissen um den Quotenerfolg dieser Produktionen und kaufen aus dem Ausland Serien ein, die dem gleichen Konzept folgen.

 

Private Sender setzten eher auf ausländische Formate

Mehr Action, mehr Drama, mehr Emotionen – mit dem größeren Budget, dass die amerikanischen Networks nun mal zur Verfügung haben, lässt sich alles eine Nummer größer produzieren. Serien wie Navy CIS oder verschiedene CSI Formate laufen seit vielen Jahren erfolgreich auch hierzulande. Kaum zu glauben, dass es den Produzenten immer wieder gelingt, neue Storys aus den Fingern zu ziehen. Auch für Schauspieler sind Engagements in diesen Serien äußerst attraktiv und sichern den Lebensunterhalt.

Beliebt sind auch Formate, in denen Charaktere die aus Metiers, die sonst eher wenig mit der disziplinierten Polizeiarbeit zu haben, auf die Ermittler treffen. Diese Konstellation findet man unter anderem in Castle und The Mentalist. In Castle ermittelt der Charmeur und Krimiautor Castle, klopft Sprüche und flirtet mit der Abteilungsleiterin. Das hält ihn aber nicht davon ab, auch mal einen Fall zu lösen.

The Mentalist hingegen zeichnet sich durch seine sehr genaue Beobachtungsgabe aus, die er, als Medium getarnt, zur Lösung des Falles einsetzt. Vielen dieser Serien, nicht zuletzt die amerikanischen Neuauflage der Sherlock Geschichten (Elementary), leben von dem Witz und Charme des Hauptcharakters; all diese Serien orientieren sich stark am Vater aller Krimis, dem deduktiven Genie Sherlock Holmes: Seine Konzentration auf kleine Details und ein Intellekt, der „normale“ Menschen in den Schatten stellt, ist handlungsgebend für viele neue  Krimiserien.

 

Immer mal wieder findet man solche amerikanischen Ambitionen auch im deutschen Fernsehen. Wer erinnert sich nicht an den viel diskutierten ersten Tatort von und mit Til Schweiger, den teuersten Tatort aller Zeiten. Den kritischen Stimmen im Vorfeld zum trotz, konnte sich die Produktion am Ende mehr als sehen lassen und wurde zu einem der erfolgreichsten der Filme, die die Reihe je hervorgebracht hat. Stellt sich die Frage, ob sich internationale Ambitionen für das deutsche Fernsehen auf Dauer umsetzen lassen oder ob man sich nicht auf neue Ideen stürzen sollte. Denn die erfolgreichsten Tatorte stammen bisher immer noch aus Münster, und deren Konzept besticht ja bekanntlich durch andere Qualitäten. Das Zusammenspiel der Hauptcharaktere Kriminalhauptkommissar Frank Thiel (gespielt von Axel Prahl) und Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne (gespielt von Jan Josef Liefers) besticht durch humoristische Dialoge, die bei Publikum und Presse gleichermaßen gut ankommt.

 

Ist das gezeigt nicht doch irgendwie Unrealistisch?

Natürlich gibt es nicht es in Deutschland lange nicht so viele Mord- und Vermisstenfälle, wie sie im Fernsehen untersucht werden. Und doch, immer wieder lesen wir in den Nachrichten von ähnlichen Fällen, die das ganze dann doch wieder in einem realistischen Licht erscheinen lassen. Inzwischen ist folgen auf den Tatort regelmäßig Diskussionsrunden, etwa wie bei Günther Jauch, in denen die Ereignisse aus der Sendung diskutiert und mit wahren Begebenheiten verglichen werden. Ganz aus der Luft gegriffen sind die Ereignisse demnach nicht. Und sie scheinen ja auch einen Nerv beim Publikum zu treffen, das regelmäßig immer wieder einschaltet.

 

Sinn für Gerechtigkeit?

Nicht nur Polizei und Ermittlungen, auch Anwaltsserien wie Boston Legal, Suits etc. laufen seit Jahren erfolgreich auf dem internationalen Markt. Vielleicht sehnen wir als Zuschauer uns einfach nach einer gerechten Welt, in der nach eine Stunde spätestens alles zum Guten wendet. Vielleicht glauben wir Zuschauer einfach gerne an die Überlegenheit unseres Rechtsystems und an ein Happy End – ob im der Fernsehen- oder der realen Welt.

 

 

Bild: WDR

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