We love Food – Der Weg zum fertigen Film

von Sandra Fuhrmann

„We Feed the World“, „Food INC“, oder „Taste The Waste“ Filme über die Schandtaten der Lebensmittelindustrie kennen wir vermutlich alle. Drei Masterstudentinnen der Tübinger Medienwissenschaft haben sich solche Filme zum Vorbild genommen und feiern am 26. und 27. April die Premiere ihrer Reportage „We Love Food“. media-bubble.de sprach mit Jenny über ein Abschlussprojekt, dass anders und vielleicht auch ein wenig besser sein sollte als seine Vorbilder.

Jenny, könntest du zu Anfang einen kurzen Überblick über den Inhalt geben?

 „We love food- Vom Feld in den Mund und was dabei auf der Stecke bleibt“ ist ein halbstündiger Film über Lebensmittel. In Deutschland werden jährlich über 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, wovon die meisten noch sehr gut verzehrbar sind. Man wirft sie weg, weil sie nicht der Norm entsprechen (wie zum Beispiel eine krumme Gurke) oder weil sie kurz vor dem Ablaufen des Mindest(!)haltbarkeitsdatums sind. Gedreht haben wir größtenteils in und um Tübingen, zum Beispiel unterwegs mit der Tübinger Tafel e.V., einem Mädchen, dass aus politischem Protest „containern“ geht und einer Familie, die eine Bio-Kiste mit regionalen Essen abonniert hat. Der ganze Film spielt auf einer sehr persönlichen Ebene, nah an den Protagonisten.

Du hast den Film gemeinsam mit Katharina Schwarz und Sarah Müller produziert. Wie viel filmische Erfahrung hattet ihr drei vor diesem Projekt?

Genau. Der Film ist unser gemeinsames Projekt, das wir als Abschlussarbeit des Masterstudiengangs Medienwissenschaft produziert haben. Konzept, Dreh und Schnitt haben wir selbst bewerkstelligt. Für uns war das definitiv eine große Herausforderung, da wir vorher nur kleinere Filmprojekte mit Hilfe anderer im Rahmen von Campus TV und für verschiedene Filmtage produziert haben. Aber mit dem Dreh unserer ersten halbstündigen Reportage haben wir wirklich noch vieles gelernt, vor allem auf technischer Seite.

Was sollte an „We Love Food“ anders werden, als bei den bereits bekannten Reportagen über die Lebensmittelindustrie?

Wir wollten es unbedingt vermeiden, das Thema nur – wie es die meisten Reportagen im Fernsehen tun – aus negativer Sicht zu zeigen. Im Fernsehen sieht man oft nur Müllberge von Essen und Menschen und Unternehmen, die einen sehr problematischen, verschwenderischen, Profit-gierigen Umgang mit Essen an den Tag legen. Wir wollten Menschen zeigen, die einen positiven Zugang zur Lebensmittelthematik haben und diesen auch leben. Egal, ob sie über Lebensmittel forschen, diese an Bedürftige weiter verteilen, wie die Tafel oder sie möglichst Umwelt-effizient verkaufen, wie die Bio-Kiste. Das ist uns mit den Protagonisten denke ich auch gelungen.

Hattet ihr anfangs Angst, dass ihr es eventuell nicht schaffen könntet, eure Vorstellung so umzusetzen?

Wir  hatten schon eine gewisse Vorstellung von unserem Film, aber bei nicht-fiktionalen Formaten muss man immer mit Unvorhergesehenem rechnen. Was wirklich sehr schwierig war, war es eine Drehgenehmigung in einem Supermarkt zu bekommen. Wir haben wochenlang Supermärkte angeschrieben, aber immer eine Abfuhr kassiert. Wie viel gute Ware die Supermärkte täglich wegwerfen zeigen sie natürlich nicht gerne. Letztendlich haben wir über private Kontakte einen Supermarktbesitzer kennengelernt, der uns Filmen ließ. Er ist auf dem Land tätig, kennt seine Kundschaft und kümmert sich auch wirklich darum, dass er gut mit den Lebensmitteln umgeht und sie nicht grundlos entsorgt.

Das Thema Lebensmittel ist natürlich eines, das uns alle betrifft. Aber was hat euch dazu veranlasst diesen Film zu drehen?

Wir hatten uns auf dem Holzmarkt eines Abends über Themen für ein mögliches Filmprojekt unterhalten. Was uns damals wirklich beeindruckt und gleichzeitig geschockt hatte war der Film „Taste the Waste“ von Valentin Thurn. Das Unverständnis darüber, weshalb man so viel noch gutes Essen wegwirft, hat uns zum Nachdenken bewogen und auch irgendwie nicht mehr losgelassen. Langsam hat sich die Idee zu „We love food“ gebildet und heute stehen wir mit dem fertigen Film in der Hand da.

Ihr habt noch eine Vierte im Bunde. Eva Müller ist für die Vermarktung des Films zuständig. Welche Maßnahmen wurden in dieser Richtung bis jetzt umgesetzt und wie erfolgreich seid ihr damit?

Eva Müller ist wirklich sehr aktiv, was das Twittern, Bloggen und Posten angeht. Sie hat durch unsere Facebook-Seite, Twitter und der Homepage schon eine gute Fanbase aufgebaut und wir freuen uns immer noch über jeden Kommentar, Post und „Like“. Vor allem stehen nun wertvolle Kontakte zu anderen Aktivisten in der Lebensmittelbranche, wie zum Beispiel „Slow Food Deutschland“, den „Food Fightern“ und vielen mehr. Letzte Woche wurden wir durch unsere Internet-Präsenz auf ein „Bloggertreffen“ der Slow Food Messe in Stuttgart eingeladen, das war schon toll. Mal sehen was noch folgt, wir sind echt gespannt.

Was war das größte Hindernis, dass euch auf eurem Weg zum fertigen Film in die Quere kam?

Das ist schwierig zu sagen…Wahrscheinlich war es die größte Herausforderung aus 15 Stunden gedrehtem Material die besten und stärksten Sequenzen herauszusuchen und dies dann auf eine halbe Stunde herunterzubrechen. Das hat wirklich ein Weilchen gedauert. Man muss das Material sichten, die Interviews transkribieren und die Aussagen der Protagonisten abwiegen. Schnell waren wir uns dann einig, was in den Film soll. Die Arbeit mit den Mädels war wirklich toll!

Und wie wird es für „We Love Food“ und natürlich für euch vier jetzt weitergehen? Hat die Produktion eines Films euch Lust auf mehr gemacht?

Ja, der Traum wäre natürlich eine eigene kleine Produktionsfirma und weiter im Bereich Film zu arbeiten. Wir werden nun erst einmal unser Studium komplett abschließen und dann weitersehen. Eine Idee für ein neues Filmprojekt steht aber schon. Und nach dem wir „We love food“ gemeistert haben, haben wir auch wirklich Lust auf mehr, gerade weil wir jetzt viel gelernt haben und es beim nächsten Mal auch anwenden können.

 

Am 26. und 27. findet die große Premiere von „We Love Food- Vom Feld in den Mund und was dabei auf der Stecke bleibt“ im Kino Museum statt. Der Film wird dort gemeinsam mit einem weiteren Masterprojekt gezeigt werden. „Ins Schwarze getroffen“ ist eine Reportage von Rebekka de Buhr, Bastian Wagner und Ulf Puntschuh, bei der die drei Studenten die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft zum Endspiel begleiten. Die Vorstellung der beiden Filme beginnt um 18 Uhr. Der Eintritt kostet 7 Euro.

 

Trailer und Bild: Copyright Jennifer Raffler, Katharina Schwarz und Sarah Müller

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