Trends der Buchmesse – Die Zukunft ist Digital

von Sandra Fuhrmann


Kunstvoll aufgeschichtete Bücherstapel, bunt beleuchtete Regale und Bücher, die sich wie Marionetten an Fäden zu einem baumelnden Kunstwerk formieren: Allein optisch ist die Frankfurter Buchmesse ein einzigartiges Erlebnis, das für alle Kunst-, Kultur- und Geschichtenliebhaber keine Wünsche offen lässt. Doch bei allem Flanieren und Staunen durch das Märchenwunderland bleibt dem aufmerksamen Beobachter eines nicht verborgen: Ein deutlicher Trend zeichnet sich ab, der stark in Richtung digitaler Medien führt.

Die Zukunft ist jetzt

Aus einem Heft, das über Zahlen und Fakten der Frankfurter Buchmesse 2011 informiert, geht hervor, dass sich bereits im vergangenen Jahr bei 47 Prozent der Aussteller auch digitale Angebote im Portfolio befanden und sogar sieben Prozent ganz auf digitale Angebote setzten.„Die Digitalisierung verändert die Branche und prägt die Messe“, heißt es im Bericht. Bei 42 Prozent der Fachbesucher des Vorjahres wirkt sich die Digitalisierung merklich auf das Geschäft aus.

Die Zahlen für die diesjährige Messe werden die des Vorjahres mit großer Wahrscheinlichkeit noch toppen. Kaum ein Verlagsstand, an dem man nicht auf die zusätzliche digitale Verfügbarkeit der gedruckten Werke hingewiesen wird. Mit der Verfügbarkeit von E-Books wächst gleichzeitig der Markt rund um die digitalen Texte. media-bubble.de berichtete bereits darüber, wie die soziale Komponente beim Lesen durch die Möglichkeiten des Internets zunehmend an Bedeutung zu gewinnen scheint. Auf der Buchmesse wurde nun die neue Plattform BookShout! Vorgestellt. Die Seite ermöglicht es, E-Book-Nutzern ihre gekauften Titel hochzuladen und abzuspeichern. Anstatt nur auf einem Tool verfügbar zu sein, kann der entsprechende Text damit zum ersten Mal immer und von überall abgerufen werden. Während die Seite zu Anfang nur vom iPhone oder dem iPad aus genutzt werden konnte, ist sie nun auch mit dem Apple Standardbetriebssystem für mobile Geräte iOS mit Android und über das Web verfügbar. Die Seite nimmt weiterhin das Angebot vieler bereits vorhandener Leseforen auf: Leser können sich in Gruppen austauschen, Autoren mit ihren Lesern in Kontakt treten und für Verlage bietet sich die Chance, einen guten Überblick über Trends auf dem Lesemarkt zu bekommen.

Kuhfantofrosch und Co.

Nicht nur die Besucherdrängten sich in den Gängen der Frankfurter Messehallen, sondern auch zahlreiche weitere Anbieter mit Angeboten rund ums E-Book. So beispielsweise eBook.de, diesen Monat hervorgegangen aus der Seite Libri.de. Interessant ist, dass sich auch bei den Angeboten für Kinder ein wachsender e-Markt herauszubilden scheint. So ist zum Beispiel die bekannte Sachbuchreihe „Was Ist Was“ nun auch als App für iPhone und iPad erhältlich. Die Angebote in diesem Bereich jedoch gehen weit über die bloße Digitalisierung von Büchern hinaus. Interaktivität wird hier ganz groß geschrieben. Das zeigt beispielsweise die Firma Manuvo, die interaktive Bücher und Erlebniswelten für Tablets und als Apps produziert. Mit It Is So ergibt sich beispielsweise für manche Eltern eine Antwort auf die Frage, wie dem Kind am besten der Zyklus von Leben und Tod zu erklären ist. Mit dem Universal Animalarium können neuartige Tiere, etwa ein Kuhfantofrosch, kreiert, mit bunten Farben ausgemalt und anschließend in sozialen Netzwerken mit Freunden geteilt werden. Über den pädagogischen Wert solcher Angebote wird es wie üblich wohl viele Meinungen geben, eine Entlastung des elterlichen Nervenkostüms bei manch langer Autofahrt dürfte allerdings garantiert sein.

Neue Türen öffnen sich

Wo ein neuer Markt entsteht, da gibt es gleich zahlreiche Nischen, die zuerst gefunden werden müssen und dann besetzt werden können. Nicht anders ist es im Falle E-Books. Schaut man in den Veranstaltungskalender der Messe 2012, finden sich dort Diskussionsrunden, Vorträge und nicht zuletzt Workshops von Verlagen zu digitalen Medien. Auch für Autoren und die, die es noch werden wollen, öffnen sich mit diesem Trend ganz neue Tore. Dahinter mag vielleicht nicht unmittelbare Berühmtheit liegen, zumindest jedoch die Chance, ein Buch selbst zu veröffentlichen, das von anderen Verlagen abgelehnt wurde. Bei einem gewöhnlichen Werk liegt die Autorenbeteiligung je nach Art (Roman oder Sachbuch) und Ausführung (Hardcover oder Taschenbuch) bei fünf bis zwölf Prozent des Nettoladenpreises. Beim Self-Publishing sind es laut dem Unternehmen ebubli 60 bis 80 Prozent. Dabei steht es dem Autor frei, ob er das Buch nun als gebundene Version, als E-Book oder auch beides veröffentlichen möchte. Auf der Seite des Unternehmens finden sich jedoch Angebote zur Hilfe bei Konvertierung und Design. Je nach Anzahl, Format oder Seitenzahl, kann schon vorab im Internet berechnen lassen, wie viel einen dieser Weg zur Veröffentlichung kosten wird.

Auf einer Bühne in einer der Messehallen läuft ein Mann auf und ab und übt immer wieder denselben Text vor der Kamera. Der Inhalt ist in etwa folgender: „Hätte es zuerst das E-Book gegeben, keiner hätte am Anfang gedruckte Bücher lesen wollen.“ Der digitale Markt ist nicht erst im Kommen. Nimmt man die Eindrücke der Frankfurter Buchmesse 2012, ist er bereits da. Ob einem das gefällt oder nicht, bleibt letztendlich jedem selbst überlassen.

 

Fotos: Logo, Copyright Frankfurter Buchmesse; Bücherstapel, Copyright Sandra Fuhrmann; Kindle, Copyright Sanja Döttling.

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