Kindheit reloaded: Das Internet als Gedächtnis

von Alexander Karl

Fernab kaputtgetretener Sandburgen war die Kindheit doch eine schöne Zeit, an die man sich gerne erinnert. Wenn man sich überhaupt erinnern kann. Denn abseits von Ausflügen in Freizeitparks und Schulaufführungen gab es eine Vielzahl von kleinen Momenten, welche die Jugend auszeichneten. Dazu gehören auch Erinnerungen an Musik und Filme, die man schemenhaft vor seinem inneren Auge hört oder sieht, aber nicht so recht in Worte fassen kann. Aber glücklicherweise gibt es dieses Internet, das in solchen Momenten eine große Hilfe ist – so auch bei mir.

Captain Planet und die Coversongs der Schlümpfe

Mir ging es vor ein paar Jahren schon einmal so. Damals war ich auf der Suche nach einer Fernseherserie, die ich als Kind geschaut hatte. Ich erinnerte mich, dass die Zeichentrick-Protagonisten bestimmte Elemente – Erde, Feuer, Wasser, Wind, Liebe – darstellten. Aber den Namen der Serie? Keine Ahnung. Wahrscheinlich wäre ich in einer internetlosen Welt ohne die Antwort gestorben oder verrückt geworden. Doch dank des Internets erfuhr ich nach intensiver Recherche: Die Serie heißt Captain Planet. Das bedeutet zwar nicht, dass ich sie mir seitdem jemals wieder wirklich angesehen hätte, aber es tat gut eine Antwort auf meine Frage zu bekommen.

Ähnlich ging es mir kürzlich, als ich in den Annalen der Musikgeschichte stöberte und auf den Song „No Limit“ von 2 Unlimeted stieß. So eine schmissige Eurodance-Nummer, die in grauer Vorzeit mal echt cool war. Und irgendwie kam mir in den Sinn, dass Die Schlümpfe den Song mal gecovert hatten. DennMitte der 1990iger Jahre interpretierten Die Schlümpfe aktuelle Hits mit eigenen Texten für Kinder neu. In der Schlumpf-Version hieß „No Limit“ dann „Keine Schule“, hatte aber auch den stampfenden Beat des Originals. Tatsächlich gibt es die alten CDs der Schlümpfe bei Amazon zum Reinhören und Kaufen. Also hörte ich mich durch die CDs und durch meine (schlumpfigen) Kindheitserinnerungen und stellte außerdem fest: Die Schlümpfe covern auch heute noch Songs, diesmal beispielsweise den Eurovision Songcontest-Siegerhit „Euphoria“ (bei den Schlümpfen: „Ein Schlumpfentag“).

Google und das Gehirn

Dass es für die Merkfähigkeit unseres Gehirns nicht toll ist, sich nur auf Google und dessen Ergebnisse zu verlassen, habe ich schon einmal auf media-bubble.de berichtet. Aber manchmal ist es doch schön, wenn es Antworten auf lange offene Fragen liefert – denn nicht immer kann man seinen Gehirnschmalz so sehr anstrengen, als dass das Problem sich von selbst beantworten ließe. Und da das Internet selbst wohl die größte Chronik aller Zeiten ist, eröffnet sie die Möglichkeit, längst Vergessenes wieder hervorzuholen. Das kann bei Skandalen und Peinlichkeiten natürlich eine schlimme Sache sein – immer wieder hört man ja den Spruch „Das Internet vergisst nichts“. Aber oftmals hat das auch seine guten Seiten. Nämlich dann, wenn man für einen Abend noch mal ein Dreikäsehoch sein und Die Schlümpfe hören kann.

 

Bilder: flickr/otis0329; flickr/Izcreations

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