International TV: Fernsehen in den USA

von Julia Heitkamp

Mich hat es für mein Auslandssemester in die USA, genauer gesagt nach Kalifornien, verschlagen. Dabei war ich aber nicht faul oder untätig! Bei der Ankunft erwartete mich gleich der erste Schock: Das möblierte Apartment, das mir von der Uni vermittelt wurde, enthielt natürlich keinen Fernseher.  Zumindest hatten mich am Anfang  die Orientierungswochen der Universität so im Griff, dass es mir nicht einmal groß auffiel. Doch irgendwann holte mich der Alltag ein und ich fing an, meine Flimmerkiste zu vermissen. Kinobesuche und Onlinemediatheken hielten mich über Wasser. Doch alles hat seine Tücken- und sei es nur die Landesprache.

 

Original vs. Synchronfassung

Zwar hatte ich in den USA nun Zugriff auf die Mediatheken der großen Networks wie CBS, ABC oder NBC, die Serien wie How I met your Mother und The Big Bang Theory hervorgebracht haben, doch fühlte es sich  irgendwie falsch an. Die Originalstimmen klangen in meinen Ohren  sonderbar im Vergleich zur deutsch-synchronisierten Version, an die ich gewöhnt war. . Jetzt, nach meiner Rückkehr, leide ich übrigens unter dem Umkehrphänomen: Die synchronisierten Fassungen halte ich nun für schlecht übersetzt, sie werden dem Original nicht mehr gerecht.

 

Online – On demand!

Wie gesagt, amerikanische Mediatheken und Video on Demand Webseiten hielten mich über Wasser. Doch bald fing ich an deutsche Fernsehformate zu vermissen. Zwar sind Nachrichtensendungen wie die  Tagesschau und Co. im Ausland abrufbar, doch  deutsche Serien und Shows sind nur begrenzt verfügbar. Als  meine deutschen Freunde alle über den neusten Blödsinn bei Circus Halligalli lachten, konnte ich nicht nachverfolgen worum es geht. Am wenigsten hört man im Ausland von der ProSiebenSat1 Group, etwas besser steht es um die Produktionen der RTL Group auf den jeweiligen Now.de Plattformen.

 

Und dann war da noch Netflix…

Netflix, mein persönliches El Dorado, bestehend aus einer Mischung aus Filmen und Serien, sowohl eingekauft als auch selbstproduziert Erfolgsformate wie Orange Is the New Black. Die Video on Demand-Plattform bietet für jeden Geschmack und jede Stimmung das Passende! Alle Freunde, die ich in den USA kennenlernte, schworen darauf und hatten einen Account. Zwar kostet es einen Beitrag von 7.99$ monatlich, dafür stimmt die Qualität gerade im Hinblick auf die Videoauflösung, wenn man es mit kostenlosen Alternativen wie hulu.com, vergleicht. Das Angebot ist einfach überwältigend. Ein Leben ohne Netflix kann ich mir kaum noch vorstellen. Beinahe unheimlich wie schnell der Dienst von sich abhängig macht… Mit diesem Angebot können deutsche Video on Demand-Anbieter lange noch nicht mithalten.

 

Cable – the holy grail of – TV

Bei all der Begeisterung für das zeitunabhängige und personalisierte Programm darf man das klassische Cable TV  Amerikas jedoch nicht vergessen. Im Gegensatz zum deutschen Fernsehen gibt es schlicht von allem mehr – mehr Sender, mehr Programme, mehr Abwechslung und auch mehr Werbung. Jedoch muss man für die rund 100 Sender, die man durchschnittlich empfängt, Gebühren bezahlen.  Trotzdem wird man  alle paar Minuten mit Werbung beschallt. Da soll sich noch jemand über unser deutsches Fernsehsystem beschweren, denn vergleichsweise läuft sogar auf unseren privaten Sendern weniger Werbung. Was mir  jedoch sehr gut gefallen hat, sind die gebietsspezifischen Nachrichtensendungen der Networks: Je nach Region, aus der man empfängt, gibt es verschiedene regionale Nachrichten. Ob Verkehr oder Wetter, alles mit Fokus auf die Heimat. Der Nachteil daran ist natürlich, dass man im Urlaub dementsprechend von zu Hause weniger mitbekommt.

 

Aber was ist denn nun besser?

Abschließend muss man sagen, dass das deutsche Fernsehen noch nicht schlecht genug sein kann, solange nur die Minderheit der Haushalte für PayTV wie Sky extra zahlt. Auch was die Werbefinanzierung angeht haben wir die Schmerzgrenze offensichtlich noch lange nicht erreicht. Was jedoch Video on Demand Angebote angeht, können wir aus dem Land der unbegrenzten (Un)möglichkeiten noch so einiges lernen. Zwar sind maxdome und Watchever auf dem richtigen Weg und preislich sicher auch nicht mehr zu teuer, doch was die Ausmaße der Inhalte angeht können sie mit Netflix, meiner Meinung nach, einfach nicht mithalten. Woran sie größtenteils keine Schuld tragen, da Ausstrahlungsrechte und die nötigen Finanzierungsmittel oft K.O. Faktoren sind. Denn egal wo ihr landet, ich verspreche euch, einen Fernseher findet ihr wirklich überall. Außer in von der Uni vermittelten möblierten Wohnungen.

 

 

 

Foto: Wikimedia/ Aaron Escobar (CC-BY-2.0)

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