Bild: Constanze Ramsperger

Zwischen Kreativität und Dienstleistung

Alumni-Portrait über die Regisseurin und Redakteurin Constanze Ramsperger

Von Hannah Braun

Constanze Ramsperger ist Regisseurin und Redakteurin bei der Filmagentur aha! film. Im Gespräch mit Hannah Braun erzählt sie von ihrem persönlichen Werdegang und davon, wie sie Wissenschaftskommunikation und Geschichten erzählen im Beruf verbindet.

Regisseur*innen treffen alle Entscheidungen selbst und lassen sich nicht ins Wort reden, wenn es darum geht ihre Visionen umzusetzen. Kompromisse schränken schließlich den kreativen Prozess ein, oder? Nicht, wenn man Constanze Ramsperger fragt. Ich war nie diese virtuose Regisseurin, die sich irgendwas ausdenkt und alle tanzen nach meiner Pfeife. Sie selbst arbeitet als Regisseurin und Redakteurin in der Filmagentur aha! film und hat schon früh das Filmemachen für sich entdeckt. Aber von himmelhohen Egotrips und Regieassistenzen mit Augenringen bis zum Boden ist Constanze weit entfernt. Ihre Erfahrungen als Kind einer Teeladenbesitzerin prägen auch ihre heutige Tätigkeit. Ich bin eigentlich so ein Arbeiterkind. Und ich begreife mich halt als Dienstleisterin 

Die Arbeit in einer Filmagentur lebt von der Kund*innenkommunikation 

Constanze sieht ihre Aufgabe immer darin, mit den Kund*innen so zu kommunizieren, dass sie zusammen das beste Resultat erreichen. Die Arbeit versteht sie als gemeinsamen Prozess. Erklärvideos und Imagefilme für Universitäten, NGOs oder das Regierungsministerium Baden-Württemberg entstehen also nie, ohne den Input der Auftraggeber*innen. Um aus diesem Input jedoch einen kompakten informativen Film zu machen, muss Constanze den Wust an Informationen kanalisierenDeshalb organisiert aha! film auch Workshops für und mit verschiedenen Institutionen, bei denen sie zusammen Kommunikationsstrategien herausarbeiten. Allzu oft komme es vor, dass Auftraggeber*innen nicht wirklich wissen, was sie mit dem Video überhaupt erreichen wollen. Das, scherzt Constanze, zeige sich oft, wenn sie nach der Zielgruppe fragt und die Antwort lautet es solle eigentlich für alle seinDas ist dann keine Zielgruppe sagt Constanze und lacht. Aber um den Kund*innen dabei zu helfen herauszufinden, wo sie mit dem Video hinwollen, sei sie ja da. Sie liebt die Arbeit mit Menschen und sieht vor allem diese Abwechslung aus dem Kund*innenkontakt, dem Schreiben und den Drehs als Vorteil ihres Berufs. 

Von der Meeresbiologie zum Film 

Bild: Constanze Ramsperger

Filme waren aber noch nicht immer Constanzes Leidenschaft. Ihr Kindheitstraum war es ursprünglich Meeresbiologin zu werden. Tatsächlich, weil ich einen Film gesehen habe, wo es so eine total coole Meeresbiologin gab. Dass es dann doch lieber der Film selbst sein soll, statt der darin dargestellten Tätigkeit merkte Constanze als ein Cutter in ihre Schule eingeladen wurde, um dort Beispiele seiner Arbeit zu zeigen. Ab da war ihre Begeisterung für die Filmproduktion entfacht. Anfänglich Feuer und Flamme für den Schnitt nutzte sie den Tag der offenen Tür der Filmuniversität Babelsberg und schaute sich den Montage-Bachelorstudiengang dort an. Die Bewerbung an einer Filmhochschule steckt jedoch voller Hürden, die sich nur für wenige als potenzielles Sprungbrett zum Erfolg herausstellen. Die HFF München zählt jährlich allein rund 500 Bewerber*innen von denen nur 45 eine Chance auf den erhofften Erfolg erhalten. Eine dieser 45 wollte Constanze sein. Nach ihrem Abitur sammelte sie unter anderem als Set-Runnerin und Regieassistentin Erfahrung bei mehreren no– und low-budget Produktionen. Auch das Kabeltragen bei Dahoam is Dahoam sollte sie näher in Richtung Filmhochschule tragen. Stück für Stück füllte sich ihre Bewerbungsmappe. Arbeitsproben, Exposés und Zeugnisse – alles, was sie vorweisen konnte, fügte sie zusammen und versuchte ihr Glück an der HFF München. Doch ohne Erfolg. Also retroperspektiv muss ich da jetzt sagen, das war schon ein bisschen obvious. Unter den jährlichen Bewerber*innen sind einige bereits professionelle Filmemacher*innen. Die Anforderungen sind schon allein aufgrund der begrenzten Studienplätze nur durch jahrelange Praxiserfahrung zu meistern.

Über Umwege zur Medienwissenschaft 

Für Constanze war trotzdem klar: Sie will Geschichten erzählen. Zu verstehen, was hinter dem Erzählen von Geschichten steckt. Das erhoffte sie sich dann von ihrem Bachelorstudium der vergleichenden Literaturwissenschaft. Sie selbst bezeichnet sich als eine untypische Literaturstudentin. Statt in ihrer Freizeit Tolstoi, Hesse und Shakespeare zu lesen, galt ihr Interesse der Dramaturgie und Filmanalyse. Aber auch die theoretische Beschäftigung mit der Sprache an sich, die sie im Rahmen ihres Studiums erlernte, helfen ihr noch heute. Fragen danach, wie man durch Sprache Emotionen vermittelt, oder wie Geschichten möglich verständlich formuliert werden, muss sie sich schließlich auch beim Filmtexten stellen. „Film besteht ja letztlich aus sehr viel Text. 

Bild: Aus dem Takt

Aus sehr viel Text bestanden aber auch die zahlreichen Hausarbeiten und Essays, die Teil des Studiengangs waren. Nach dem Bachelor einen Master draufzusetzen, der eine sechzigseitige Abschlussarbeit beinhaltet, kam für Constanze nicht in Frage. „Das sind dann wieder eigentlich nur meine Gedanken und nur eine Aneinanderreihung von Buchstaben in irgendeinem Word-Dokument. Da habe ich gemerkt, das ist nichts für mich. Es sollte also ein Masterstudiengang sein, den man mit einem praktischen Werkstück abschließen kann. Und so kam Constanze schließlich nach Tübingen, um Medienwissenschaft zu studieren. Dabei arbeitete sie bereits zusammen mit zwei weiteren Studierenden als freie Filmautorin für Erklärvideos. Ähnlich wie in der Agenturarbeit waren auch damals die Rollen nicht strikt aufgeteilt, aber ihr „Fokus lag doch immer schon auf der Redaktion und RegieUnd ihre Abschlussarbeit? Natürlich praktisch. Zusammen mit Oliver Lichtwald und Christoph Jäckle drehte sie den Dokumentarfilm Aus dem Takt über Menschen mit Demenz und deren Beziehung zur Musik. Dafür verbrachten sie unter anderem eine Woche in Südtirol und drehten auch nachts bei -18 Grad. Die Arbeit zahlte sich jedoch aus. Ihr Film wurde im Kino gezeigt und sowohl als DVD verkauft als auch auf Amazon angeboten.

Der Trailer zum Dokumentarfilm Aus dem Takt

Wissenschaftskommunikation und Geschichten 

Das ist ja letztlich was Wissenschaftskommunikation ausmacht: Wie kann ich ein Thema so aufbereiten, dass ich noch richtig bleibe, aber es trotzdem so vereinfachen, dass ich es leichter vermitteln kann?

Constanzes Arbeit bei aha! film lebt von der Abwechslung. Neue Themen, neue Protagonist*innen, neue Aufgaben. Was jedoch immer gleich bleibt, ist der Anspruch aus den Themen eine verständliche Geschichte zu machen, egal ob Nanotechnologie oder Biodiversität. Probleme damit sich in die Themen einzuarbeiten, hat Constanze allerdings keine„Ich muss mich gar nicht so tief in die Dinge einarbeiten, sondern meine Aufgabe ist es ja eher die Kernaussage herauszuarbeitenWissenschaftskommunikation lebe davon, Dinge so zu vereinfachen, dass jede*r sie versteht. Der Blick von außen helfe ihr dabei die Dinge auf den Punkt zu bringen. Kompaktes Erzählen war auch noch nie ein Problem für Constanze. Das merkte sie bereits beim Hausarbeiten-Schreiben im Studium. „Ich habe dann immer so vier bis fünf Sätze geschrieben und gedacht: Da steht ja jetzt eigentlich alles drin 

Es müssen jedoch nicht immer nur Kurzgeschichten sein. Bei der Frage, wo sie sich in fünf Jahren sieht, hat Constanze schon einen genauen Plan im Kopf. Sie sehe sich noch in ihrem jetzigen Beruf. Ihre Zeit, die ihr daneben noch bleibt, würde sie jedoch gerne für ein eigenes Filmprojekt nutzen. Am liebsten solle es eine Langzeitbeobachtung sein. Ein Projekt von Anfang bis Ende mitverfolgen, das wäre Constanzes Traum. „Was eigentlich dem widerspricht, dass ich sage ich finde es super alles so in kurz zu machen. Das spricht vielleicht für sich. Da hat man doch wieder auch den Wunsch mal was in die Länge erzählen zu können. 

 

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