Social-Media & Gesundheit
Wie viel Einfluss ist zu viel?
Von Naomi Gorin
Soziale Medien sind heute nicht nur Unterhaltungsplattformen, sondern auch wichtige Informationsquellen. Besonders das Thema Gesundheit rückt dabei in den Mittelpunkt. Bereits 2019 war über die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland übergewichtig. Zudem hat die Pandemie das Bewusstsein für einen gesünderen Lebensstil geschärft. Health-Influencer haben dabei eine bedeutende Rolle in der Ernährungs- und Fitnessbranche eingenommen. Sie werben nicht nur mit durchdachten Content-Strategien für einen gesünderen Lebensstil und hilfreiche Produkte, sondern rücken auch ihre Follower in den Vordergrund, die durch diese Produkte oft Gewicht verloren oder Muskulatur aufgebaut haben. Doch wie ethisch vertretbar ist diese Form der Beeinflussung, vor allem auch in Hinsicht auf ihre Follower?“
Insbesondere Marken wie „More Nutrition“, „ESN“, „YFood“, „Alpro“ oder „KoRo“ haben in den letzten Jahren stark an Aufmerksamkeit gewonnen. Sie profitieren von diesem Trend, indem sie proteinreiche Produkte und Nahrungsergänzungsmittel wie Eiweißpulver oder Vitamine in Kapselform durch Health-Influencer auf sozialen Netzwerken vermarkten. Doch es stellt sich die Frage, wie ethisch vertretbar diese Form der Beeinflussung ist und wie stark sie tatsächlich auf die Follower wirkt.
Die Macht der Influencer
Soziale Medien sind heute weit mehr als nur Plattformen zur Selbstdarstellung – sie sind Marktplätze für Ideen, Trends und Produkte. Erfolgreiche Health-Influencer wie Pamela Reif, Christian Wolf oder Antonia Zimmermann (bekannt als Toni) haben sich im Bereich gesunde Ernährung und Fitness eine bemerkenswerte Position erarbeitet. Sie nutzen ihre Reichweite gezielt, um Themen wie bewusste Ernährung und die Integration von

Abnehmerfolg von Herrn Stöcker durch Tipps von Herrn Wolf und den Produkten von More Nutrition, Quelle: Instagram Account von @christianwolf
Sport in den Alltag zu fördern. Damit sensibilisieren sie ihre Community für einen gesundheitsbewussteren Lebensstil.
Ihre Beiträge sind reich an Ernährungstipps, gesunden Rezepten und Workouts, die darauf abzielen, die Follower zu motivieren und ihnen konkrete Möglichkeiten für ein gesünderes Leben aufzuzeigen. Durch die kontinuierliche Präsenz solcher Beiträge tritt der Mere-Exposure-Effekt ein. Dieser besagt, dass Menschen eine positive Einstellung gegenüber etwas entwickeln, je häufiger sie damit konfrontiert werden. Dies scheint erfolgreich zu sein: Christian Wolf betont auf seiner Instagram-Seite, dass er über 500.000 Menschen dabei geholfen hat, gesünder zu leben und Körperfett zu reduzieren. Ein Beispiel für diesen Einfluss zeigt das folgende Instagram-Highlight von @christianwolf:
Reine Nächstenliebe oder doch kommerzielles Interesse?
Insbesondere gegenüber ihren jüngeren Followern tragen Influencer eine große Vorbildfunktion und Verantwortung. Umfragen und Studien zeigen, dass Kinder und Jugendliche am stärksten durch Medien beeinflusst werden – noch vor ihrem direkten sozialen Umfeld. Das bedeutet, dass ihre Essgewohnheiten und ihr Körperbild zunehmend von digitalen Vorbildern geprägt werden, während Familie und Freunde erst in zweiter Linie eine Rolle spielen. Doch wie ethisch vertretbar ist es, gezielt die Kaufentscheidungen und Lebensweisen ihrer Community zu beeinflussen?
Auf der positiven Seite fördern Influencer durch ihre Inhalte einen bewussteren Umgang mit Ernährung und motivieren ihre Follower zu mehr Bewegung im Alltag. Dies wirkt sich nicht nur positiv auf die physische, sondern auch auf die mentale Gesundheit aus.
Problematisch wird es jedoch, wenn die Beeinflussung primär kommerziellen Interessen dient. Laut einer Statista-Umfrage (2023) unter 462 Online-Shoppern und Social-Media-Nutzern in Deutschland geben 61 % an, eher eine Marke zu kaufen, wenn ein Influencer sie beworben hat. Dies verdeutlicht den erheblichen Einfluss von Influencer-Marketing auf Kaufentscheidungen.
Häufig verschwimmen jedoch die Grenzen zwischen authentischen Empfehlungen wie gesünderen Rezepten mit Produkten aus dem Supermarkt und reinem Marketing, bei dem die spezifischen Marken beworben werden. Dies erschwert die Unterscheidung zwischen echten Empfehlungen und kommerziellen Interessen und gefährdet die Glaubwürdigkeit der Inhalte.
Zudem stellt sich die Frage, ob Influencer die möglichen Auswirkungen ihrer Empfehlungen ausreichend reflektieren und sich dieser bewusst sind. Das Leibniz-Institut für Medienforschung bestätigt, dass die Nutzung sozialer Medien das Wohlbefinden, insbesondere von jungen Mädchen und Jungen, beeinflussen kann. Es lässt sich vermuten, dass Empfehlungen, die zu mehr Aktivität und einer zuckerreduzierten sowie kalorienärmeren Ernährung anregen, bei Jugendlichen gesundheitliche Risiken bergen – etwa in Form von gestörtem Essverhalten.
Herausforderungen und Chancen
Viele Health-Influencer berichten, dass sie selbst früher ein ungesundes Essverhalten hatten und durch die beworbene Ernährungsanpassung eine gesündere Einstellung entwickelt haben. Sie betonen ein gesundes Maß an Alltagsaktivität und Zuckerreduktion einzuhalten, um so den gewünschten Effekt (Fettverlust) zu erzielen.
Auch wenn es viele Influencer gibt, die authentische Erfahrungen und positive Veränderungen teilen, fehlt bei einigen oft der wissenschaftliche Kontext oder eine differenzierte Betrachtung der jeweiligen Bedürfnisse ihrer Follower. Dies kann dazu führen, dass ihre Ratschläge verallgemeinert und ohne professionelle Beratung übernommen werden und so auch falsch umgesetzt werden könnten.
Fazit
Health-Influencer prägen die Ernährungs- und Fitnessgewohnheiten vieler Menschen und inspirieren ihre Follower zu einem gesünderen und damit oft einhergehenden glücklicheren Lebensstil. Durch ihre Beiträge in den sozialen Medien klären sie über bewusste Ernährung auf und animieren ihre Community, sich in ihrem Alltag mehr zu bewegen. Im Fokus stehen dabei Wohlbefinden und Gesundheit.
Jedoch ist es wichtig, kritisch zu hinterfragen, welcher Influencer ehrliche und gute Absichten hat und welcher primär kommerzielle Interessen verfolgt. Besonders gefährlich wird es, wenn die Grenzen zwischen authentischen Ratschlägen und reinem Marketing verschwimmen.
Neben den Vorteilen wie Gewichtsabnahme, Muskelaufbau und einem verbesserten Wohlbefinden birgt das Befolgen solcher Empfehlungen auch Risiken. Insbesondere junge Frauen könnten durch idealisierte und inszenierte Beiträge einen verzerrten Eindruck von Körperidealen bekommen.
Umso wichtiger ist es, dass Influencer ihre Verantwortung wahrnehmen, transparent agieren und die individuellen Bedürfnisse ihrer Follower berücksichtigen. Nur so können sie eine nachhaltige, positive Wirkung erzielen und ihrer Vorbildfunktion glaubwürdig nachkommen.
Quellen:
- Eisend, M. (2025). Marketingkommunikation: Grundlagen, Wirkungsweise und Anwendung (S. 73). Springer Gabler. https://doi.org/10.1007/978-3-658-46726-5
- Leibniz-Institut für Medienforschung. (n.d.). Medienwirkungen auf die Gesellschaft. Leibniz-Institut für Medienforschung. https://leibniz-hbi.de/3590/
- Pilgrim, K., & Bohnet-Joschko, S. (2019). Selling health and happiness: How influencers communicate on Instagram about dieting and exercise: Mixed methods research. BMC Public Health, 19(1), 1054. https://doi.org/10.1186/s12889-019-7387-8
- Statistisches Bundesamt (Destatis). (n.d.). Übergewicht in Deutschland. Statistisches Bundesamt. https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Bevoelkerung-Arbeit-Soziales/Gesundheit/Uebergewicht.html
- (n.d.). Beeinflussungsfaktoren bei Kindern und Jugendlichen. Statista. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/5525/umfrage/beeinflussungsfaktoren-bei-kindern-und-jugendlichen/
- (n.d.). Einfluss von Influencern auf Kaufentscheidungen bei Markenkooperationen in Deutschland. Statista. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1395793/umfrage/umfrage-einfluss-kaufentscheidung-influencer-marke-zusammenarbeit-deutschland/
- Instagram Account von @christianwolf