Fanworks

Fanworks – Wenn das Original nicht mehr genug ist

Von Annika Zacharias

Viele Fans mögen die Welt und Figuren einer Serie oder eines Films so sehr, dass sie nicht genug davon bekommen können. Also übernehmen sie den Stoff und schaffen ihre eigenen Kreationen damit: Sie schreiben Geschichten, malen Bilder oder kreieren andere Formen von Fanworks. Ich habe mich damit beschäftigt, was diese Fanworks so reizvoll macht.

Wir alle kennen das Gefühl: Wir haben sehr viel Zeit in das Schauen einer Serie gesteckt und plötzlich ist sie vorbei. Was nun? Man könnte zwar eine neue Serie anfangen – Auswahl gibt es ja genug –  aber man ist noch so in dem, was man geguckt hat, gefangen, dass man die Welt der Serie noch nicht verlassen will. Was kann man aber machen, wenn es keine zweite Staffel gibt, keinen zweiten Teil des Films oder keinen nächsten Band des Buchs? 

Viele Leute haben die Lösung dafür gefunden: Fanworks! Von denen, die noch nie selbst in die Welt der Fanworks eingetaucht sind, werden Fanfictions und co. oft belächelt und stigmatisiert, deshalb werde ich im Folgenden versuchen, diese oft unbegründete negative Sicht auf Fanworks zu ändern.

 

Was sind eigentlich Fanworks?

Wie der Name schon sagt, sind Fanworks Kreationen, die die Fans selbst geschaffen haben. Es ist eine Art der Selbstentfaltung und Unterhaltung. Fanworks beziehen sich auf alles Mögliche: Filme, Serien, Bücher, Videospiele und so vieles mehr – alles was eben Fans hat! Dabei gehen die Arbeiten selbst auch weit über ein Medium heraus.

Fanworks

Die wahrscheinlich häufigsten, beziehungsweise bekanntesten Arten von Fanworks sind Fanfiction (Selbstgeschriebene Geschichten, die die Charaktere oder das Setting einer Geschichte oder ähnlichem benutzt) und Fanart (Kunst, die von Serien, Filmen, usw. inspiriert wurde). Diese Formen von Fanworks sind so verbreitet, dass es mehrere Websites gibt, die speziell für Fanfiction existieren, zum Beispiel „Archiveofourown.org“ oder „Fanfiction.net“.

Fanworks

Marvel-Fans verkleiden und treffen sich auf der Dragon Con 2012. Foto: Pat Loika, Avengers cosplays Dragon Con 2012, CC BY 2.0

Eine Art von Fanworks, die vielen eher weniger schnell in den Sinn kommt, ist Cosplay. Bei dieser  aufwendigen und beliebten Arbeit verkleiden sich Fans als ihre Lieblingscharaktere. Das machen sie vor allem auf organisierten Treffen wie der ComicConvention, die in vielen unterschiedlichen Städten abgehalten wird.

Man sieht aber auch ganz andere Fanworks: Zum Beispiel gibt es auf YouTube Videos mit Theorien über Harry Potter, es gibt (Parodie-)Lieder über Game of Thrones oder Memes, die aus Filmen entwickelt und im Internet verbreitet werden. All das und noch vieles mehr fällt unter den breiten Begriff Fanwork, da es ja Arbeit ist, die von Fans erschaffen wurde.

Was ist der Reiz daran?

Herr der Ringe

Das „One does not simply“- Meme kommt von Herr der Ringe. Foto: Annika Zacharias

Es gibt verschiedene Gründe, warum Fans so viel Arbeit in ihre Kreationen stecken. Einer dieser Gründe ist, dass die Fans nicht zu 100% zufrieden mit dem sind, was in einer Serie, einem Film, oder einem Buch passiert. Das ist besonders bei Beziehungen der Fall. Viele Fans „shippen“ Charaktere, das heißt, sie wollen, dass diese Charaktere zusammenkommen und setzen diese erwünschte Beziehung einfach in ihren Fanworks um. Ein Beispiel davon ist, dass viele Harry-Potter-Fans finden, dass Harry und Draco hätten zusammenkommen sollen. Da sie das aber in den Büchern nicht sind, schreiben diese Fans einfach ihre eigenen Geschichten darüber.

Shipping

Das „Shipping“ gibt es insbesondere für Charaktere, von denen Fans sich wünschen, dass sie Teil der LGBTQ+ Community und in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung wären. Diese Art der Repräsentation ist in den meisten Unterhaltungsmedien eher schwer zu finden, dafür aber umso mehr in Fanworks.

Natürlich gibt es aber auch den gegenteiligen Grund, Fanworks zu machen: Das Unterhaltungsmedium ist so gut, dass die Fans mehr davon wollen. Das Schaffen von Fanworks macht es einfacher, zum Beispiel die Zeit beim Warten auf die nächste Staffel zu überbrücken. Außerdem drücken Fanworks die Liebe zu einer Sache aus. Wie Schauspieler und Sänger Joey Batey (zu sehen in Netflix‘ The Witcher) in einem YouTube-Video sagt: „I love the fanart. I think it’s the purest expression of fandom. Um… Until it gets weird.“

Ein weiterer Grund ist ganz einfach, dass es Spaß macht, Fanworks zu schaffen. Es ist ein Hobby wie jedes andere auch. Für viele bringen Filme und andere Unterhaltungsmedien Inspiration, um ein Hobby wie malen, schreiben oder Kostüme basteln anzufangen. Fanworks sind eine wunderbare Möglichkeit, sich kreativ zu entfalten und seine Kreationen mit anderen Fans zu teilen.

Das Teilen ist auch ein Motivator: Man ist keine Einzelperson, die etwas mag, sondern Teil von eine „Fandom“, also einer Gemeinschaft von Fans. Besonders bei Veranstaltungen wie der „ComicCon“ erfährt man diesen Zusammenhalt. Die gemeinsame Begeisterung für etwas und die dadurch inspirierte Kreativität bringt viele Fans näher zusammen und schaffen auch oft Freundschaften.

Wir alle kennen Fanworks

Wenn jetzt jemand denkt, dass das Konzept von Fanworks seltsam und befremdlich klingt oder dass er oder sie noch nie von so etwas gehört hat, dem kann ich sagen: Die allermeisten von uns haben schon einmal in irgendeiner Form Fanworks konsumiert, ob wir es wissen oder nicht!

Die „Fifty Shades of Grey“-Bücher sind wohl das bekannteste Beispiel dafür, da sie als „Twighlight“- Fanfiction angefangen haben. Das virale Video von 2007 „Potter Puppet Pals: The Mysterious Ticking Noise“, bei dem Harry-Potter Puppen ein Lied singen, dürfte einigen von uns sehr bekannt sein.

Aber es gibt auch sehr viel verstecktere Arten von Fanworks, bei denen einem vielleicht erstmal gar nicht auffällt, dass es Fanworks sind. Die Percy-Jackson Buchreihe basiert auf griechischer Mythologie und ist damit im Prinzip Fanfiction dazu. Und schon vor hunderten von Jahren hat selbst Shakespeare sich von anderen Geschichten inspirieren lassen und hat mit vielen seiner Stücke somit quasi Fanfiction geschrieben.

Habt ihr vielleicht selbst schon einmal Fanworks gemacht und online gepostet? Was waren eure Erfahrungen damit?

Wenn ihr euch für die Themen Filme und Videospiele interessiert, gibt es hier auf Media Bubble noch Artikel, die euch interessieren könnten. Schaut doch mal vorbei und wer weiß, vielleicht entdeckt ihr dadurch eine neue Serie, von der ihr  selbst Fanworks machen wollt 😉

https://media-bubble.de/paranormal-activity-die-kamera-als-zeuge/

https://media-bubble.de/das-serienhaeppchen-fuer-zwischendurch/

https://media-bubble.de/der-schmetterlingseffekt-handlungsfreiheit-in-until-dawn/