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Die Rache der Minderheiten

von Marius Lang

illustriert von Henrike Ledig

Thor ist eine Frau. Diese Meldung überflutete am 15. Juli jede Website Deren Nachrichtenfokus auf Comics liegt. Die Reaktionen waren erwartungsgemäß breit gefächert. Auf der einen Seite gab es Befürworter, die diese Meldung als Schritt in die richtige Richtung sahen, auf der anderen Seite die zu erwartenden Buhrufe männlicher Fans, die freilich nichts gegen Frauen haben, aber sie dennoch nicht auf dem Posten des Donnergottes sehen wollen. Marvel hatte erreicht, was sie wollten: Eine Diskussion auf allen Kanälen. Und damit war noch nicht Schluss.

Zwei Tage später folgten Meldungen über Captain America und Iron Man. Ein Schwarzer soll fortan Caps Schild führen. Und aller Welt liebster Alkoholiker, Iron Man, ist schon bald –  derselbe Typ wie zuvor, nur noch unausstehlicher und in einem Kostüm, das aussieht, als sei es die neueste Innovation von Apple. Aber immerhin, eine Frau und ein Afro-Amerikaner übernehmen die Posten von zwei der wichtigsten Helden des Marvel-Universums. Ein mutiger und wichtiger Schritt von Seiten des Verlages. Die neue Auslegung der Helden verspricht eine weitreichende Diskussion und voraussichtlich steigende Verkaufszahlen. Und etwas mehr Diversität tut dem Medium in jedem Fall gut. Erst recht im Hinblick auf die Erfolge des Marvel-Film-Universums.

 

Boy-Group der Gerechtigkeit

Betrachtet  man nämlich die filmischen Avengers einmal, sticht einem sofort ein Überschuss ins Auge. Sieht man von Scarlett Johannsons Black Widow-Darstellung einmal ab, so besteht die zentrale Heldenallianz nur aus weißen Männern, Nick Fury (Samuel L. Jackson) ausgenommen, der allerdings auch nicht Mitglied des eigentlichen Teams ist. Die Rächer wirken im wesentlichen wie eine 90er Jahre Boy Group der Gerechtigkeit. Und auch die bislang bestätigten Marvel-Filme der Zukunft geben wenig Hoffnung auf ein breiter aufgestelltes Team. Ob auch Marvels Filmuniversum sich den neuen Gegebenheiten anpasst wird sich zeigen. Und auch, ob es überhaupt nötig wird, sich auf lange Sicht anzupassen. Nun stellt sich aber die Frage, wie die Comics den Neuanfang aufbauen werden.

 

Armer arbeitsloser… wer auch immer

Da ist zunächst einmal die neue weibliche Thor. Sie stellt die größte momentane Zäsur des Marvel-Universums dar. Denn wie Marvels Editor Will Moss klarstellt ist sie nicht etwa eine Vertretung des Gottes sondern der wirkliche, einzige Thor. Sie trägt den Namen, den Hammer und die Kräfte des Asen. Und der künftige Autor der Reihe, Jason Aaron, fügt hinzu: „This is not She-Thor. This is not Lady Thor. This is not Thorita. This is THOR. This is the THOR of the Marvel Universe. But it’s unlike any Thor we’ve ever seen before.” Der Plan sieht vor, dass der bekannte Thor es nicht mehr wert ist, seinen Hammer zu tragen und eine Frau, noch ist unklar, wer es sein wird, sich dagegen der Waffe des Donnergottes als würdig erweist. Und die Comics sehen vor, dass wer immer sich des Hammers als würdig erweist, Thors Kräfte und Identität übernimmt. Allerdings ist auch noch nicht klar, was dann aus dem alten Thor wird, noch weiß man, wie er fortan genannt wird, wo ihm doch auch der Name genommen wurde. Klar ist nur, dass die Figur des ehemaligen Thor nicht aus der Kontinuität verschwinden wird.

 

Sam Wilson: Vom Falcon zum Captain

In Captain Americas Fall liegt die Sache klarer. Der neue Träger des Schildes wird Sam Wilson, Caps langjähriger Freund und Partner, vormals The Falcon. Steve Rodgers, der momentane und ursprüngliche Captain America wird zu alt für seinen Job und das Superheldenserum, welches seine Kräfte erweiterte, verliert seine Wirkung. Sam Wilson ist ein logischer Nachfolger: Die beiden kennen sich seit Jahren und Wilson genießt Rodgers vollstes Vertrauen. Doch Falcon ist nicht der erste, der das Schild von Rodgers übernimmt. Er ist noch nicht einmal der erste Schwarze. Erst vor wenigen Jahren starb der Steve Rodgers (vorübergehend) und sein Sidekick aus dem zweiten Weltkrieg, Bucky, übernahm den Posten seines Mentors. und die Rolle des ersten schwarzen Captains geht an Isaiah Bradley. Insofern ist die Neuinterpretation des Captains nicht überraschend.

 

iPod Man

Iron Mans große Änderung ist in jeder Hinsicht die unwichtigste der drei Helden. Sein Kostüm wird geändert, es sieht nun weit weniger gut aus, zudem zieht er nach San Francisco und scheint sich dort nicht beliebt zu machen. Seine Neuinterpretation ist jedoch voraussichtlich die mit der längsten Halbwertszeit, denn ein Sympath war Tony Stark nie und eine Veränderung am Kostüm eines Superhelden ist keine Seltenheit. Schlechter sieht es dagegen für die anderen beiden aus.

Zunächst war da der Aufschrei in weiten Kreisen der Fans: eine Frau als Thor, ein Schwarzer als Cap. Nein. Die Szene offenbarte, wie leider so oft, ihr von Sexismus und Vorurteilen geprägtes Weltbild. Aber um die Wahrheit zu sagen, Rassisten, Sexisten, ihr könnt euch beruhigen, das Ganze ist nicht für die Ewigkeit. Marvel sagt zwar, es sei kein Gimmick, doch glauben muss man das nicht. In Captain Americas Fall haben schon einige andere Steve Rodgers Posten übernommen. Aber über kurz oder lang übernahm bisher jedes Mal letzerer wieder sein Schild. Und auch Thor wird früher oder später seinen Hammer (und seinen Namen) zurückerhalten. Das ist der Lauf der Superhelden-Comics. Doch die Avengers ein wenig diverser zu gestalten, das ist grundsätzlich eine gute Idee. Leider aber keine, die mit langer Haltbarkeit gesegnet sein wird. Aber wer weiß, vielleicht ist die Zeit reif, dass sich die Comicszene weiterentwickeln kann. Vielleicht können sich alle irgendwann an die neuen Heldenkonzepte gewöhnen. Bis auf das neue Kostüm von Iron Man natürlich. Das sieht einfach furchtbar aus.

 

Tübinale 2014: Darth Vader hatte die Nase vorn

                                                                                                                                                    von Maya Morlock

Am vergangenen Freitag, den 6. Juni 2014, war es endlich wieder soweit: die Studenten der Medienwissenschaft luden zur „Tübinale“ in die Aula des Keplergymnasiums ein. Die von Prof. Klaus Sachs-Hombach initiierte Veranstaltung stand wie auch in den Vorjahren unter dem Motto „transmediale Welten“. Angehende Jungregisseure bekamen hier die Chance ihre eigenen Filme zu diesem Thema zu präsentieren.

 

Transmediale Welten, wie setzten die Gruppen das um?

Gezeigt wurden 12 Filme à höchstens 6 Minuten, anschließend beantworteten die jeweiligen Verantwortlichen Fragen zu ihrem Werk. Nachdem alle Filme gezeigt vorgeführt wurden, erfolgte die Siegerehrung: Der Publikumspreis wurde an die Gruppe mit dem größten Applaus vergeben, über die Plätze drei bis eins entschied eine externe Jury, bestehend aus Experten der Medienbranche, wie zum Beispiel Manfred Handtke (Tagblatt-Redakteur)  und Studenten der Medienwissenschaft. Thematisch wurde in allen gezeigten Filmen besonders der Umgang mit den Medien und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft fokussiert.
Oftmals wurden die negativen Aspekte aufgezeigt, wie beispielsweise in dem Film „Frei“, in dem ein Mann durch das Ausfallen der medialen Apparate gezwungen wird, wieder in das echte Leben zurückzukehren und dabei bemerkt, dass die Realität mehr bereithält als die mediale Welt. Die Abgrenzung zwischen medialer digitaler und realer Welt und wie sich unter deren Einfluss zwischenmenschliche Beziehungen entwickeln, wurde häufig thematisiert.

Der einzige Film, der die Medien dabei eher positiv darstellte war „treasure“, der die Neuerungen als unendlich großen und namensgebenden Schatz darstellte. Wertungsfreie Filme waren ebenfalls vorhandenwurden, so beispielsweise der Dokumentarfilm „natives vs. immigrants“, in dem Passanten in der Tübinger Altstadt ihre Meinung zu „neuen“ und „alten“ Medien  preisgaben. Einen alten Walkman lehnte eine ältere Dame ab, ein Buch galt als habtisches Gut, das nicht durch ein E-Book verdrängt werden könne und eine Polaroidkamera befand der Großteil trotz der veralteten Technik als zeitlos und hip.

Bei solch einer Bandbreite von Filmen und kreativen Ideen war es sichtlich schwer einen klaren Gewinner zu ermitteln. Einige glänzten mit einem überragenden filmischen Know-How, andere denen man anmerkte, dass es wohl ihre erste Filmproduktion ist, überzeugten dagegen mit einer kreativen Umsetzung.
Bemerkenswert ist, dass alle Siegerfilme ohne gesprochene Sprache auskamen und sich, wenn überhaupt, nur Worteinblendungen bedienten. Die Atmosphäre wurde jedoch durchweg über eine passende Musik- und Soundauswahl übermittelt.

 

Die Wandlung der Medien – War früher alles besser?

Auf dem dritten Platz landete der Film „All the ways“, der die alten Medien mit den Neuen verglich: Wo viele nach dem Aufstehen eine „Wetter-App“ öffnen, streckt der Protagonist den Finger aus dem Fenster, um die Außentemperatur zu ermitteln. Zeitung gegen MP3 Player, Stadtkarte vs. Navi. Fazit ist, man kommt mit den alten Medien genauso gut ans Ziel, wie mit den Neuen.

„21st Century Love“, der den zweiten Platz belegte, erzählt dagegen die Geschichte einer Internetbeziehung: Die Protagonisten entschließen sich dazu, sich das erste Mal zu treffen. Im Zug wird die Protagonistin von ihrer Gedankenwelt übermannt. Sie stellt sich vor, wie der Liebste sie wegen einer anderen Frau versetzen oder sie mit offenen Armen empfangen könnte. Das reale Geschehen bleibt unerzählt –, da der Film endet, als sie aus dem Zug steigt. Ein Film der zum Nachdenken anregt, wie gut wir die Menschen eigentlich kennen, die wir beispielsweise als Facebook– Freunde haben. Dieser ergreifende Film räumte gleichzeitig den Publikumspreis ab und das Entwickler-Team „Purple Produktions“ freute sich über insgesamt 6,5l Wein, den sie zur Feier des Tages teilen würden.

 

Star Wars – Die Brücke zwischen den Medienangeboten

Beim Siegerfilm “Transmedialove“, von Mareike Stohp, Nina Linsenmayer und Johanna Dreyer, blieb im Saal kein Auge trocken. Stellenweise war nur schallendes Lachen zu vernehmen. Somit ging der erste Platz hochverdient an einen urkomischen Film, der trotzdem einen kritischen Aspekt behandelt: Es wird ein junger Mann über drei Monate hinweg begleitet seine Entwicklung verfolgt. Er ist ein großer Star Wars– Fan und verliert sich zunehmend in der galaktischen Welt. Die prominenten Sounds aus dem Film wurden ebenso aufgegriffen wie  prägnante Zitate, beispielsweise „May the force be with you“. Seine Star Wars– Obsession gipfelt schließlich darin, dass er sich ein Darth Vader Kostüm zulegt, dieses in seinem Alltag trägt und gänzlich dessen Rolle einnimmt. Es hielt kaum noch einen Zuschauer auf seinem Stuhl, als Darth Vader eine Bank betritt und die automatisch öffnenden Türen mithilfe seiner „Macht“ öffnet. Als Vader eine Gleichgesinnte findet, die stark an Prinzessin Leah erinnert, ist die „transmedialove“ perfekt. Ein Film mit wahrer Liebe zum Detail. Überall sind Star Wars Utensilien zu finden. Raffinierte Schnitte, eine gelungene Musikauswahl und eine überzogene Darstellung, wie man sich in einer medialen Welt verlieren kann, machen diesen Film einzigartig. Durch den komischen Aspekt behält er sich zudem vor, eine klare Wertung abzugeben. Vader hat sein Gegenstück, seine Leah gefunden und dort endet auch ihre Geschichte. Es wird nicht gezeigt, ob er den Weg zurück gefunden hat oder mit seiner Leah glücklich in der Phantasiewelt lebt. Sichtlich überrascht über ihren Erfolg betraten die Gewinner die Bühne. Laut eigener Aussage, wählten sie Star Wars bewusst, da es sich hierbei um ein wahrhaft transmediales Format handelt: Die unendlichen Weiten finden sich in Filmen, Comicbüchern, Fernsehserien und auch als Videospiel. Mit Anekdoten vom Dreh entzückte das Siegerteam „Digital Natives“ die Zuschauer: So habe Darth Vader in der Tübinger Innenstadt viel Aufsehen erregt, –Ein Mann habe beim Eintreten in die Bank sogar einen Überfall befürchtet!

Zusammenfassen lässt sich die diesjährige Tübinale wohl als ein Abend voller gelungener Filme, die ein überraschend hohes Niveau zeigten. Zu hoffen ist, dass dieser Event auch 2015 stattfindet, bei dem die Studenten der Medienwissenschaft ihr Können und ihre Kreativität vor Publikum unter Beweis stellen können.

Fotos: ©Presse Tübinale

Abschied vom Pessimismus – Warum der Journalismus von der digitalen Revolution profitiert

von Sabine Appel

 

Jedes Jahr lädt das Institut für Medienwissenschaft in Kooperation mit dem SWR prominente Persönlichkeiten zu einem Vortrag über aktuelle Themen in der Medienbranche ein. Gast bei der 11. Tübinger Mediendozentur am Montagabend, den 26. Mai 2014, war Dr. Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE. Er sprach über die aktuelle Sinnkrise des Journalismus, die aus der Digitalisierung entstanden ist und vertrat die Meinung, dass man ihr deutlich optimistischer entgegenblicken sollte als bisher. „Plakativer Pessimismus“ sei fehl am Platz, denn eigentlich biete die Digitalisierung genügend Chancen für den Journalismus. Laut Döpfner kann der digitale Journalismus in Zukunft sogar besser werden als der analoge.

Das aktuelle Problem der Verlage ist kurz zusammengefasst: Durch den digitalen Wandel und die kostenlosen Angebote im Internet gehen die traditionellen Printmedien unter. Einzelne Monopolisten (Google, Facebook) bedrohen die Verlage auch online mit ihrer Macht, denn sie kontrollieren die Inhalte im Netz. Die Meinungsvielfalt ist in Gefahr, weil Google und Co durch ihre Algorithmen den von den Nutzern – das sind allein in Deutschland derzeit 91,2% aller Internetnutzer – wahrgenommenen Content diktieren.  Eine weitere Gefahr stelle das „Diktat der Klickzahl“ dar, von dem  Professor Bernhard Pörksen in den Vortrag einleitenden Worten sprach: Dieses könne zum Qualitätsverlust führen, denn im Internet muss bis zu einem gewissen Grad veröffentlicht werden, was der Nutzer lesen will. Wer dies ignoriert, bekommt keine Klicks mehr und wird als Medium nicht mehr gehört. Aber was bedeutet das für den Journalismus?

 

Qualitätsjournalismus vom Papier aufs Tablet bringen

Döpfner stellte im Grunde zwei Thesen auf: Im Verlagswesen ändert sich durch die digitale Revolution letztlich nicht so viel wie ständig befürchtet wird. Aus diesem Grund ist der Journalismus an sich auch nicht dem Untergang geweiht. Außerdem dürfe man als Zeitung entgegen einer landläufigen Meinung eben nicht alles anders machen als bisher, um erfolgreich zu bleiben. Der Schlüssel zum Erfolg sei es, so Döpfner, die klassische „Idee des Journalismus vom Papier zu emanzipieren“. Man müsse sich auf die Grundqualitäten und –fertigkeiten des professionellen Journalismus berufen, um als Verlag bestehen zu bleiben, ganz unabhängig vom Medium.

Der Journalismus dient laut Döpfner nicht mehr als Instrument zur Volksbelehrung, das dem Leser überlegen ist, sondern ist zu einer Dienstleistung geworden, die sich nach dem Nutzer richten und damit auskommen muss, dass der Nutzer selbst auch publiziert – seien es Kommentare oder sogar eigene Blogs. Doch viele sehen in genau dieser Umkehrung die Problematik: Wenn jeder sein eigener Chefredakteur sein und seine Meinung im Internet publizieren kann, sind Profis vielleicht irgendwann überflüssig. Dem widerspricht Döpfner – denn es gebe „nicht nur Schwarmintelligenz, sondern auch Schwarmdummheit“. Zwar sei der kritische Nutzer eine Bereicherung für die Diskussion, aber keine Bedrohung. Denn je größer das Angebot an Informationen sei, desto größer sei auch das bleibende Grundbedürfnis nach Orientierung und Anleitung durch kompetente Meinungsführer. Im digitalen Journalismus ginge es dem Nutzer nicht mehr nur um Informationsbeschaffung, sondern um die Einordnung und Diskussion dieser Information. Davon können Verlage profitieren, indem sie sich auf ihre traditionellen Qualitätsmerkmale berufen.

 

Content is king

Eine weitere interessante These Döpfners ist, dass „elektronisches Papier“ in einigen Jahren so aussehen wird wie heutzutage analoges Papier. Es sei dann dünn und faltbar, habe also alle Qualitäten des bisherigen und sei durch die fortgeschrittene Technologie und ökologische Verträglichkeit noch besser. An dieser Stelle zieht Döpfner eine Parallele zum Journalismus: Mit dem abbildenden Universalmedium könne auch der Journalismus besser werden, da sich die Zeitungen nicht mehr durch Materialmerkmale von den anderen unterscheiden könnten, sondern nur noch durch besser aufbereitete Inhalte. Diese Anforderung sei auch eine Chance. Der Journalismus im Netz sei 1. tiefgründiger, weil er längere Beiträge ermöglicht, 2. aktueller, weil eine sofortige Publikation möglich ist, 3. relevanter, weil es einen größeren Adressatenmarkt gibt und die Inhalte für jeden zugänglich sind, 4. interaktiver und damit klüger, weil Fehler korrigiert werden können und 5. intermedial und deshalb kreativer nutzbar. Der digitale Journalismus fördere damit Qualität wie eh und je. Das Erfolgsrezept für Verlage sei daher, „technisch progressiv, ästhetisch neu und inhaltlich konservativ“ aufzutreten.

Eine kleine, überwindbare Hürde sieht Döpfner in der aktuell vorherrschenden „Gratiskultur“, die generell Informationen und besonders qualitativ hochwertigen Journalismus als kostenlose Güter annimmt. Dies sei viel gefährlicher für den Journalismus als der Wechsel von Print zu Digital. Dennoch ist Döpfner optimistisch, dass Nutzer in Zukunft vermehrt bereit sein werden, für unabhängig recherchierten, professionellen Journalismus zu bezahlen. Verlage müssten sich nun darauf konzentrieren, auch das junge Publikum zu begeistern. Das ginge am Besten, indem sie die drei traditionellen Qualitätskriterien – Neuigkeiten, Meinung und Sprache – charismatisch und mit Zeitgeist vertreten. Nutzer suchen laut Döpfner nicht nur nach Information, sondern nach Haltung – ganz unabhängig davon, ob sie dieser am Ende zustimmen oder nicht. Außerdem sei eine emotionale Note sehr wohl gewünscht – Medien dürften ruhig eine Seele verkörpern, die die Leser bewegt. Durch die gesteigerte Medienkompetenz entstehen hohe Ansprüche an Journalisten, die jedoch auch als Chance wahrgenommen werden können. Abschließend sagte Döpfner, dass unabhängig davon, was sich technisch verändere, doch immer eines bleibe, das man bewahren müsse: Guter Journalismus. Eine sinnvolle Forderung, so simpel sie auf den ersten Blick auch erscheinen mag.

Die Jagd nach der goldenen Statue – Das Oscar-Horoskop 2014

von Henrike W. Ledig und Marius Lang

Auch dieses Jahr steigt sie wieder: Die berühmt-berüchtigte Verleihung der goldenen Männchen! media-bubble.de hat erneut zwei führende Filmfreunde ins Rennen geschickt, um euch eine Prognose auf den Ausgang des Rennens unter der Herrschaft der diesjährigen Schirmherrin Ellen Degeneres zu liefern.

Wie letztes Jahr gilt auch dieses mal wieder: Wer sich von unseren Redakteuren am häufigsten vertippt hat, der muss zur Strafe den schlechtesten Film 2013 ertragen. Die Wahl dessen dürfen wir freundlicherweise dem Komitee der Goldenen Himbeere überlassen, die traditionell am Vorabend der Oscar-Verleihung verliehen wird. So wie es den Anschein hat, sind die „Favoriten“ dabei Disneys grandios vergeigte Western-Komödie The Lone Ranger, Adams Sandlers jüngster Versuch, doch noch von der Welt als witzig anerkannt zu werden, a.k.a. Kindsköpfe 2 und der mit der Smith’schen-Doppelspitze besetzte Science-Fiction-Reinfall aus der Regiehand des gefallenen Film-Heilands M. Night Shyamalans After Earth. Wir zittern jetzt schon.

Natürlich wird die Oscar-Nacht wieder fleißig per Facebook und Twitter von unseren Redakteuren kommentiert werden, zunächst aber die eigentliche Prognose:

 

 Marius Lang:  Henrike W. Ledig:

Favorit

Der große Favorit ist dieses Jahr Steve McQueens Sklavereidrama 12 Years a Slave (oder für weiße Amerikaner auch 2 and a half Hours of Shame). Der Film schaffte es nicht nur, seinen begnadeten Regisseur endlich in das längst überfällige Rampenlicht zu rücken, er kann sich auch bei den diesjährigen Academy Awards extrem gute Chancen ausrechnen. Auch Alfonso Cuaróns Gravity darf sich zu den Favoriten zählen. Allerdings werden hier vor allem die technischen Kategorien fällig, vor allem für die beeindruckenden Bilder.

Favorit

Ganz ehrlich? Rückblickend war für mich das Jahr 2013 eher mager, was wirklich gute Filme anbelangt. Und das spiegelt sich deutlich in den Oscar-Nominierungen wieder, die dieses Jahr nicht sonderlich breitgefächert sind: Hollywood feiert sich größtenteils selbst und so kommen die fast übertrieben zahlreich mit Nominierungen beschmissenen Streifen schon alle als sehr, sehr amerikanisch daher. Aber was soll man machen? Also los:Als die großen Favoriten des Abends gelten natürlich American Hustle und Gravity, mit jeweils zehn Nominierungen, sowie 12 Years A Slave mit Neun. Mich persönlich konnte davon zwar wider aller Erwartungen nur Gravity tatsächlich vom Hocker reißen, trotzdem wette ich darauf, dass das historische Biopic über Sklaverei und Rassismus als großer Gewinner den Abend für sich entscheiden kann.

Verlierer

Auch wenn es sich hier um den, meines Erachtens mit Abstand besten Film handelt, wird Martin Scorseses Meisterwerk The Wolf of Wall Street voraussichtlich weitgehend leer ausgehen. Zu Unrecht, da der Film der wieder einmal zeigt, dass von all den jungen, talentierten Regisseuren und nicht minder talentierten alten Hasen es noch immer niemand schafft, dem Großmeister Scorsese auch nur ansatzweise das Wasser zu reichen. Als Trostpflaster für mich wird sich auch David O. Russels zehn Mal nominiertes Machwerk American Hustle (hoffentlich) nicht zu den großen Siegern zählen können. Tragischer ist da schon wieder, dass auch Nebraska und Her wohl leer ausgehen werden.

Verlierer 

Dass die Ansichten der Academy nun mal häufig nicht die eigenen Ansichten widerspiegeln, dürfte sich morgen Abend mal wieder besonders ausdrücklich unter Beweis stellen.Deswegen wird vor allem die bitterböse Börsensatire The Wolf of Wall Street leer ausgehen, was aber sowohl die Darsteller als auch Regisseur Scorsese verkraften können. Viel trauriger wird es vermutlich für das grandiose britische Drama Philomena, das den illegalen Verkauf von Kindern durch die katholische Kirche im Irland der 50er aufarbeitet. Immerhin vier mal nominiert, wird es für dieses weitere Meisterwerk aus der Hand Stephen Frears (Die Queen) schwer werden, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten.

Missachtet

Auch in diesem Jahr ist die Academy wieder sehr darauf bedacht gewesen, eine exzellente Auswahl an Filmen und aus irgendeinem Grund American Hustle mit Nominierungen zu bedenken. Ein Wehrmutstropfen ist, dass Inside Llewyn Davis von den Coen-Brüdern nicht in den wirklich wichtigen Kategorien zu finden ist. Und erneut wurden diverse Filme wenig oder gar nicht beachtet, die nicht ins Schema der Academy passen. Doch darüber kann man getrost hinwegsehen, da man es ja gewohnt ist und die meisten nominierten Filme dies auch mehr als verdient haben.

Missachtet

Wie zuvor erwähnt, bin ich mit der Filmauswahl durch die Academy für diese Verleihung nicht wirklich glücklich: Zu einseitig sind mir die angesprochenen Thematiken: Allein das „Groß-angelegte-übers-Ohr-hauen-um-so-an-möglichst-viel-Geld-zu-kommen“ ist in allein drei der meist bedachten Filmen der wichtigste Plotstrang. Nein, das ist mir nicht divergent genug. Andererseits blieben mir abseits dessen auch keine wirklich bahnbrechenden Streifen längerfristig im Gedächtnis! Also, Filmindustrie: Einmal drück’ ich noch ein Auge zu!

Bester Film

Die wichtigste Kategorie wird mit großer Wahrscheinlichkeit 12 Years a Slave für sich beanspruchen. Und auch wenn ich ihn nicht für den wirklich besten Film halte, ist dieser Preis durchaus verdient. McQueen schuf einen Film, in dem jede Szene Bände spricht, eine erschütternde Darstellung der Sklaverei im Süden der USA, getragen von brillanten Schauspielern und untermalt von Hans Zimmers bestem Score seit langem. Jede Einstellung in diesem Film war stimmig. Möglicherweise nicht der beste Film, aber in diesem Jahr könnte ich mich allermindestens nicht über diese Entscheidung der Academy beschweren.

Bester Film

Geht mit absoluter Sicherheit an 12 Years a Slave. Warum auch immer. Gezwungenermaßen meiner Meinung nach, denn anscheinend haben wir erneut einen überhypten Film gebraucht, der uns zeigt, dass Weiße generell Arschlöcher sind, die nichts anderes tun, als Maskenbälle in ihren Südstaatenvillen zu feiern. Gähn. Wenn ich hier meine werte Kollegin Gerstenlauer zitieren darf: „Fand ich jetzt gar nicht mal so gut.“Natürlich: Sklaverei und Rassismus sind doof, trotzdem ermüdet mich die Filmschwelle der ebengleichen Thematik in den letzten Jahren inzwischen nur noch. Und da es anscheinend immer öfter usus wird, dass Filme ungeheuerliche 2 ½ Stunden ertragen werden müssen und Kino deshalb immer öfter zum regelrechten Aushaltekino avanciert, darunter leidet auch 12 Years A Slave.

Beste Regie

Für mich definitiv Martin Scorsese. Doch sein Film polarisierte zu sehr und das wird selten belohnt. Wichtigste Kandidaten sind hier demnach Steve McQueen für 12 Years a Slave und Alfonso Cuarón für Gravity. Beide lieferten fantastische Arbeiten ab und es ist schwer zu sagen, wer wirklich am Ende als der Sieger hervorgehen wird. Persönlich setze ich mein Geld auf Cuarón, weil sein Film vielleicht an sich nicht so gut wie McQueens Werk, aber dafür die größere Augenweide war. Gravity zog einen in den Bann, was auch Cuarón zu verdanken ist. Zudem konnte Cuarón bereits den Golden Globe gewinnen, was oft eine gute Prognose für die Oscars ist.

Beste Regie

Traditionell geht eigentlich immer der Oscar für die beste Regie auch an den besten Film. Dem wird dieses Jahr nicht so sein, denn die beste Regiearbeit lieferte mit großem Abstand der Mexikaner Alfonso Cuarón, der mit Gravity einen der technisch perfektesten Filme der letzten Jahre schuf. Großen Respekt dafür!

Bester Haupt-/Nebendarsteller

Die Entscheidung ist knapp und drei Herren haben die Nase vorn. Chiwetel Ejiofor als in die Sklaverei verkaufter Violinist Solomon in 12 Years a Slave, Matthew McConaughey als Aids-kranker, homophober Elektriker im Texas der 80er Jahre in Dallas Buyers Club und Leonardo DiCaprio als amoralischer Börsenmakler Jordan Belfort in The Wolf of Wall Street. Alle drei liefern Meisterleistungen ab und wer hätte vor wenigen Jahren gedacht, dass ausgerechnet McConaughey irgendwann mal ein Oscarfavorit ist. Die Entscheidung wird also zwischen diesen dreien Fallen und mein Tipp ist dabei DiCaprio. In The Wolfliefert er die beste Leistung seiner bisherigen Laufbahn ab, er spielt den Rest des Casts locker an die Wand und selten konnte man seine Leinwandpräsenz so spüren wie hier.Bei den Nebendarstellern ist die Entscheidung klarer und nur zwischen zwei Schauspielern zu treffen, die ernsthaft dafür in Frage kommen. Michael Fassbender als brutaler Plantagenbesitzer in 12 Years und Jared Leto als aidskranker Transvestit in Dallas Buyers Club. Auch hier gibt es ein Kopf-An-Kopf-Rennen, dass am Ene wohl Fassbender für sich entscheiden wird. Selten spielt Fassbender so gut wie in den Filmen von McQueen und in 12 Years greift er erneut tief in die schauspielerische Trickkiste. Der Oscar wäre da eine absolut logische Konsequenz.

Bester Haupt-/Nebendarsteller 

Auch wenn das vielleicht gefährlich anmaßen sollte: Ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass Leonardo DiCaprio endlich den Oscar als bester Hauptdarsteller in The Wolf of Wall Streetbekommt. Nachdem er jahrelang fast aus Prinzip, oder so schien es zumindest, übergangen wurde, könnte jetzt seine Zeit reif sein. Ich hätte mir nur gewünscht, dass es mit einem weniger plakatierenden Streifen gewesen wäre.Zwar halte ich 12 Years a Slave nicht für den grandiosen Film, wie es andere tun, trotzdem war Michael Fassbenders Performance als sadistischer Sklavenherr überragend! Dafür hat er den Oscar mehr als verdient. Zwar täte es Jared Leto ebenso für seine Darstellung des Transsexuellen Rayon in Dallas Buyers Club, aber Fassbenders Chancen stufe ich als deutlich höher ein

Beste Haupt-/Nebendarstellerin 

Können wir uns bitte darauf einigen, Meryl Streep eine Art Präventiv-Oscar zu geben und sie dann nicht mehr als beste Hauptdarstellerin zu nominieren? Allerdings ist sie dieses Jahr nicht wirklich zu den Favoriten zu zählen. Hier könnte dagegen erstmals American Hustle punkten. Amy Adams gilt als Favoritin und obwohl ich sie grundsätzlich sehr schätze, wäre meine Wahl Cate Blanchett für Blue Jasmine, die wie üblich alles gibt und ihre Rolle als bankrottes, ehemaliges Miglied der High-Society fantastisch verkörpert.Jennifer Lawrence ist der Liebling der Amerikaner und glücklicherweise auch eine äußerst talentierte Schauspielerin. In der Kategorie der besten Nebendarstellerin ist sie dieses Jahr Favoritin und auch einer der wenigen Lichtblicke in David O. Russels American Hustle. Der Preis sei ihr gegönnt sie spielt ihre Rolle vortrefflich. Aber auch die anderen nominierten Damen lieferten extrem Gute Darstellungen ab. Mit Lawrence können sie da leider in diesem Jahr nicht ernsthaft konkurrieren.

Beste Haupt-/Nebendarstellerin 

Dazu: Ich bin großer Fan von jeweils Dame Judi Dench, Cate Blenchett und Meryl Streep. Aber bitte, liebe Academy: Gebt der wundervollen Amy Addams doch bitte den seit langem überfälligen Oscar! Ihre herausragende Performance in American Hustle sollte eigentlich Grund genug dafür sein. Auch, wenn ich mich natürlich über eine zweite goldene Statuette für Jennifer Lawrence freuen würde – ihre Darbietung in American Hustle war nicht weniger als brilliant – so glaube ich dennoch, dass Lupita Nyong’o dieses Jahr den Oscar mit nach Hause nehmen darf. Und das völlig zu Recht: Zwar habe ich meine generelle Enttäuschung über 12 Years A Slave bereits schon zur genüge kundgetan, doch liegt mir nichts ferner, als den Darstellern ihr Können abzusprechen. Frau Nyong’os Darstellung der misshandelten Sklavin in den Händen ihres Masters (Michael Fassbender, s.o.) war einfach nur grandios.

 

Podcast: Nebraska

von Lena Bühler

Der Podcast:

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Der Film: Der Wert des Geldes

Dement und Alkoholiker – den alten Woody (Bruce Dern) nimmt niemand mehr für voll. Insbesondere, als er dem durch einen Werbeprospekt verursachten Irrglaube auferlegt ist, eine Million Dollar gewonnen zu haben. Doch sein sensibler und lange schon entfremdeter Sohn David (Will Forte) hat Mitleid und erklärt sich bereit, mit seinem Vater die 900 Meilen nach Nebraska zu fahren, um dort seinen vermeintlichen Gewinn abzuholen. Als sie Woodys provinziellem Heimatstädtchen einen unfreiwilligen Besuch abstatten, verbreitet sich die Nachricht der Million wie ein Lauffeuer und Woodys Verwandte und Freunde bemühen sich eifrig, ein Stück des Kuchens abzubekommen.

Regisseur Alexander Payne stammt selbst aus Omaha in Nebraska und siedelte bereits zahlreiche Handlungen seiner Werke in seinem Heimatstaat an – unter Anderem Election und den Oscarnominierten About Schmidt. Dass Payne ein Experte in Sachen Familienangelegenheiten ist, zeigt sich nicht nur in seinen Filmen sondern auch in der Besetzung – Laura Dern, die die Hauptrolle in seinem Debutfilm Baby Business übernahm, ist die Tochter des deutschstämmigen Bruce Dern, der in Nebraska den Woody verkörpert. Nebraska wurde ursprünglich auf Farbmaterial gedreht, erst später kam es zu dem Entschluss, den Film in schwarzweiß zu zeigen. Eine sehr gute Entscheidung, entwickelte sich das verwaschene schwarzweiß doch zu einer entscheidenden Charakteristik des Films.

 

Nebraska, USA 2013, 115 Min.

Regie: Alexander Payne

Drehbuch: Bob Nelson

Mit: Bruce Dern, Will Forte, June Squibb

 

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