7 Fragen – 3 Geschichten: Mewi-Praktikanten berichten (Part 1)

Von Marie-Luise Michel

Schon mal von Rocket Beans TV gehört? Mit fast einer halben Millionen Abonnenten auf YouTube ist die Medienproduktionsfirma keine kleine Nummer. Wie ein Praktikum bei einem 24/7-Entertainment-Format aussieht, erfahrt ihr hier.

Wo und in welchem Bereich hast du dein Praktikum gemacht?

Ich habe mein Praktikum in Hamburg bei den Rocket Beans gemacht. Die haben einen eigenen Fernsehsender und streamen bei Youtube 24/7 ihre eigenen Programme. Mein Praktikum habe ich im Bereich der Aufnahmeleitung gemacht. Leider habe ich nicht nur typische Aufnahmeleiter-Aufgaben übernommen , weil es einen Personalmangel in anderen Bereichen gab. Deshalb habe ich dann bei der Live-Aufnahmeleitung geschaut, dass während der Sendung alles läuft wie es geplant war, z.B. Gäste reinzuholen. Außerdem habe ich die Sets und die benötigte Technik der verschiedenen Sendungen (weil die nur drei Studios haben, aber zehn Sendungen) immer auf- und abgebaut. Außerdem habe ich geschaut, dass alle Signale ankommen und dass sich während der Sendung nichts disconnected.

Wie bist du an die Praktikumsstelle gelangt?

Die haben eine Anzeige geschaltet, dass die Praktikanten suchen. Da ich die Sendung oft anschaue, hab ich das sofort gesehen und mir gedacht: „Da muss ich mich sofort bewerben.“

Waren hierfür besondere Vorerfahrungen gefragt?

Man muss auf jeden Fall eine Affinität zu Technik haben, weil man dort viele Kabel verlegen und verschiedenste Geräte und Kameras einstellen muss. Und man sollte schon irgendwas im Bereich der Medien studieren, damit man einen Bezug zu dem Ganzen hat. Ein Führerschein war auch noch wichtig.

 

Lea (22):
Aufnahmeleitung/ Broadcast

Lea berichtet von ihrem Praktikum im Bereich Aufnahmeleitung/ Broadcast.

Welchen Mehrwert/Nutzen bringst du dem Unternehmen?

Also ich war auf jeden Fall schon sehr eingebunden in diesen Firmenalltag, weil die wie gesagt einen großen Personalmangel haben. Deswegen sind die Praktikanten quasi eine billige Arbeitskraft, die aber auch wirklich intensiv genutzt wird. Ich habe seit der ersten Woche schon alles gemacht, was ein fest angestellter Mitarbeiter in dem Bereich auch macht. Wir mussten immer in Schichten arbeiten, und ab der zweiten Woche musste ich alleine Schichten machen. Also war ich sehr gut ausgelastet.

Warum besetzt dein Arbeitgeber die Stelle „nur“ mit Praktikanten – wäre es nicht lukrativer/ weniger Arbeitsaufwand, wenn er stattdessen eine Vollzeitkraft einstellen würde?

Ja genau, aber die haben nicht so viele Mittel zur Verfügung. Manche Sendungen werden gesponsert bzw. gekauft, zum Beispiel von „Funk“ oder anderen öffentlich-rechtlichen Programmen. Oder wir hatten auch mal eine kleine Sendung, die von Jägermeister gesponsert wurde. Sonst finanziert sich Rocket Beans eigentlich nur über Werbung und Merchandise und kann sich Festangestellte nicht leisten. Als Pflichtpraktikant bekommst du nur 400 Euro im Monat und kannst nicht länger bleiben als die Zeit, die vorgeschrieben ist, weil sie dir dann den Mindestlohn zahlen müssen.  

Was würdest du deinem Nachfolger raten?

Das Krasse ist: Die Rocket Beans haben ’ne riesige Fangemeinde. Deshalb bewerben sich dort auch sehr viele. Man muss was Besonderes machen, um da rauszustechen. Ich habe mich mit allen Praktikanten, die dort waren (insgesamt sechs), unterhalten. Über die Hälfte von ihnen hat eine “besondere” Bewerbung abgeschickt. Meine Bewerbung sah zum Beispiel so aus, dass ich ein Paket mit einer selbstgebastelten Bombe und ein paar Spritzen darin an die  Rocket Beans verschickt habe, damit meine Bewerbung hervorsticht . Andere haben sich schon zum dritten oder vierten Mal dort beworben. Man sollte sich also nicht auf etwas bewerben, was man nicht wirklich kann. Du musst schon genau das Skill-Set mitbringen, das die verlangen und am besten noch ein bisschen kreativ werden, dann ist man schon ganz gut dabei.

Der Praktikantenspiegel nennt folgende Beweggründe für ein Praktikum: 1. Lernen, 2. Lebenslauf, 3. Branche. Würde die Reihenfolge bei Dir auch so aussehen?

Ich würde fast sagen, dass die Branche bei mir vor dem Lebenslauf kommt. Natürlich mache ich ein Praktikum, weil ich was lernen möchte und was Neues kennenlernen will. Und mir es auch wichtig ist, zu wissen, ob diese Richtung die richtige für mich ist. Deshalb bewerbe ich mich auch in einer Branche, in der ich später arbeiten möchte. Dann ist es natürlich auch cool, wenn diese Firma im Lebenslauf steht, aber das ist für mich nicht das ausschlaggebende Argument. Ich will lieber sehen, wie cool die ihre Sachen machen und wie die das alles organisieren.

Was man als Kameramann bei einem Modeunternehmen erlebt, erfahrt ihr nächste Woche im 2. Teil meiner Beitragsserie.