„Wir stoßen da in eine Lücke“

von Alexander Karl

Im März dieses Jahres fing alles an: Da gingen die Eimsbütteler Nachrichten online. Nicht ganz Hamburg, sondern speziell der Bezirk Eimsbüttel steht im Zentrum des hyperlokalen Projekts – circa 250.000 Einwohner leben in Eimsbüttel und sind damit eine eigene Großstadt in der Hansestadt. Von Beginn an Teil des hyperlokalen Projekts ist Ada von der Decken, Jahrgang 1984. Nach ihrem Volontariat arbeitet sie nun als freie Journalistin, u. a. für die NDR-Formate ZAPP und plietsch.  – und eben auch als Chefredakteurin der Eimsbütteler Nachrichten.

Im Gespräch mit media-bubble.de spricht sie über Lokaljournalismus, die Akzeptanz von Online-Projekten und die Bedeutung von Social Media.

Ada, Hamburg hat mit dem Hamburger Abendblatt und der Hamburger Morgenpost zwei große Tageszeitungen, 2014 will auch noch die Wochenzeitung Die Zeit einen Hamburger Lokalteil bringen. Wofür braucht es da die Eimsbütteler Nachrichten?

Es gibt jede Menge Kollegen, die über Eimsbüttel schreiben, das stimmt. Aber der Bezirk Eimsbüttel hat über 250.000 Einwohner, gleichzeitig ist der Platz in den Tageszeitungen begrenzt, da es noch mehr über Hamburg und die Welt zu berichten gibt. Aber eine Stadt in der Größe des Bezirks Eimsbüttel hätte sicherlich eine eigene Zeitung. Deshalb gibt es uns.

Was gibt es denn im Hyperlokalen so Spannendes zu berichten?

Alles, was es im Großen gibt, gibt es auch im Lokalen oder Hyperlokalen. Es mangelt hier nicht an Themen, auch nicht an harten Themen. Wir haben aber genauso eine Kolumne über den Tierpark Hagenbeck, da geht es dann auch mal um Halloween im Affenkäfig. Dass ein bisschen Lokalkolorit dazugehört, finde ich absolut schön und sehe es als Bereicherung.

Kürzlich gab Ismaningen Online, ein ähnlich hyperlokales Projekt aus Bayern, kurz vor seinem zweijährigen Bestehen bekannt, gescheitert zu sein. Als ein Grund wird die fehlende Relevanz genannt, durch die keine Anzeigenkunden gefunden werden konnten. Können sich neue Online-Projekte überhaupt gegen etablierte Medien behaupten?

Das war bei uns nie ein Thema. Wir haben uns ganz selbstverständlich als Eimsbütteler Nachrichten vorgestellt, am Anfang noch hinzugefügt, dass wir neu sind. Aber wir wurden immer sofort für voll genommen. Wir stoßen da in eine Lücke. Und das wird beispielsweise von den hier ansässigen Vereinen als sehr positiv empfunden.

„Der lokale Bezug muss da sein.“

Und dabei habt ihr ein breites Spektrum, über das ihr berichtet: Von Hagenbecks Tierpark, über Fußball bis hin zu Politik ist alles dabei.

Ja, aktuell gibt es auch fast jeden Tag einen neuen Artikel – womit wir nach so kurzer Zeit selbst nicht gerechnet hätten. Wir hatten im November etwa 30.000 Seitenaufrufe und würden unser thematisches Spektrum gerne noch erweitern, um etwa über weitere Sportarten berichten zu können. Aber: Der lokale Bezug muss da sein.

Es gibt in Hamburger ja noch weitere hyperlokale Projekte, die sich mit einem Bereich in der Großstadt beschäftigen.

Genau: Mittendrin beschäftigt sich mit Hamburg-Mitte, Wilhelmsburg Online mit der Elbinsel und Elbmelancholie versteht sich eher als Blog und Magazin für Hamburg. Wir haben aber einen gemeinsamen Stammtisch und tauschen uns aus. Wir sind vor allem durch den lokalen Bezug voneinander abgegrenzt, aber kooperieren miteinander.

Aber werdet ihr als Eimsbütteler Nachrichten von Politik und Presseabteilungen von Unternehmen als Online-Projekt überhaupt ernst genommen?

Ja, ich glaube spätestens seit unserer Podiumsdiskussion vor der Bundestagswahl, an der sieben Direktkandidaten unseres Wahlkreises teilgenommen haben. Vielleicht liegt es an unserem Namen – als ‚Eimsbüttel Online‘ wäre es vielleicht schwieriger. Hinzu kommt: Wir arbeiten sorgfältig, das merken sich die Leute.

Siehst du trotzdem Vorteile in einem zusätzlichen Printteil oder wollt ihr ausschließlich online bleiben?

Wir planen derzeit auch eine Printauskopplung um uns bekannter zu machen – auch weil mache sagen: Ihr seid gar keine richtige Zeitung, ihr seid ja nur online (lacht). Online können wir aber all das machen, was wir in der Zeitung nicht könnten: Etwa Videos und Audios einbinden oder verlinken. Wir sehen das als große Spielwiese. Für uns ist da aber wichtig, dass der Medieneinsatz zum Thema passt. Aber der Printteil ist von uns eher als Offline-Werbung gedacht.

„Die Teilbarkeit für Social Media ist wichtig.“

Wenn du die Offline-Werbung ansprichst: Wie sieht es denn mit der Aufmerksamkeit online aus? Wie wichtig ist der Einsatz von Social Media für euch?

Social Media sind für uns als Online-Medium wichtig, klar. Wir haben mittlerweile über 700 Facebook-Fans und veranstalten im Web auch Balkon- und Fotowettbewerbe. Die Teilbarkeit für Social Media ist wichtig, gerade auch bei Artikeln mit einem Service-Charakter. Diese werden zudem gut aufgerufen.

Wenn die Einnahmen nicht durch eine Print-Ausgabe kommen: Wie finanziert ihr euch?

Wir haben Partnerprogramme und orientieren uns damit an anderen Stadteilzeitungen. Lokale Geschäfte können sich bei uns vorstellen, das ist dann als Anzeige markiert. Die Partner wissen aber, dass wir Redaktionelles und Werbung strikt trennen, die Werbetexte werden auch nicht von der Redaktion geschrieben. Für die Anzeigenkunden ist jedoch der Vorteil, dass sie sehr zielgruppenspezifisch in einer hyperlokalen Umgebung werben können.

 

Foto: Özgür Uludag

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