Werbung, die keine ist. Der Fall Facebook

von Larissa Grodke-Bried

Computer an – Internetbrowser auf – Facebook laden – Anmelden: 1 neue Nachrichten, 2 Freundschaftsanfragen, 5 Neuigkeiten. Erst einmal die Freundschaftsanfragen beantworten, dann die Nachrichten lesen und danach die Neuigkeiten begutachten (L backt gerade Plätzchen und P fährt übers Wochenende zu seiner Oma), um sich auf den neusten Stand zu bringen.
Es ist erstaunlich und auch ein wenig beängstigend, wie eng unser Alltagsleben mit Online Communities verknüpft ist. Laut allfacebook.de gibt es derzeit (Stand 13.12.2011) über 22.000.000 aktive Facebook Nutzer (ca. 25% der deutschen Bevölkerung). Auch laut Nielsen Media Research ist Facebook die meist genutzt Media-Plattform: Die durchschnittliche Verweildauer ist sechsmal höher als im Durchschnitt aller Social Networks (22.03.2010).
Aufgrund dieser Zahlen ist es nicht verwunderlich, dass Facebook eine gute Anlaufstelle für Werbetreibende ist: Viele potenzielle Käufer, die viel Zeit auf Facebook verbringen und so oft beworben werden können.

Facebook – die Werbemaschine

Anfang 2011 stieg der Wert von Facebook auf über 50 Milliarden Dollar. Der russische Investor Digital Sky Technologies und die US-Bank Goldman Sachs beteiligten sich mit 500 Millionen Dollar am Internet-Portal. Luca Di Blasi, wissenschaftlicher Assistent in einem privaten Forschungsinstitut in Berlin mit den Forschungsschwerpunkten Medienphilosophie und Kunsttheorie, erläutert in seinem Gastkommentar bei Zeit Online, wie „Facebook […] seine Mitglieder [benutzt] und […] ihre Profilseiten zu Werbetafeln“ macht. Er stellt die Frage woher diese Einnahmen kommen sollen, die diese Zahlen rechtfertigen. „Da Facebook  auch künftig keine Mitgliedsgebühren erheben will, bleibt im Wesentlichen nur die Werbung“, schlussfolgert Di Blasi.

Die Konkurrenz der Werbeanzeigen

Googelt man einen Begriff, ist es für uns selbstverständlich, dass die obersten Suchergebnisse gesponserte Werbeanzeigen sind. Auch in Sozialen Netzwerken sind wir Werbung gewohnt, doch hier konkurrieren die Anzeigen mit Mitteilungen, die für die Nutzer um einiges interessanter sind: Die Änderung des Beziehungsstatus des Fitnessstudiofreundes auf verlobt und die neuesten Partybilder der Kommilitonin mit diversen Kommentaren von Freunden. Die folgerichtige Idee: Werbung kombiniert mit persönlichen Informationen, die die User direkt anspricht.
Laut einer Studie des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Fittkau&Maaß aus dem Jahr 2010 lehnt jeder zweite personalisierte Werbung ab. 60% der Befragten befürchten zudem, dass durch personalisierte Werbung Datenschutz missachtet wird. Ebenfalls 60% fühlen sich durch personalisierte Werbung beobachtet. Für Werbende ist es also wichtig, das richtige Maß zu finden; einerseits um die passende Zielgruppe anzusprechen und andererseits um dem User nicht das Gefühl zu vermitteln, beobachtet zu werden.

„Sponsored Stories“

Seit Anfang 2011 bietet Facebook nun die Werbeform der „Sponsored Stories“ an.  Unternehmen können veranlassen, dass Check-In-Anmeldungen in ihren Filialen und „Gefällt mir“ – Klicks als Werbung auf der Facebook Seite in der rechten Spalte erscheinen. Die Firmen können ein bestimmtes Kontingent an „Sponsored Stories“ für den Geotaggingdienst Places von Facebook kaufen. Bei diesem Dienst wählt sich der User mit einem GPS-fähigen Smartphone in das Internet ein und bestimmt seinen aktuellen Aufenthaltsort. Der Standort wird auf dem Facebook Profil angezeigt. Zudem ist es möglich, noch weitere Personen zu taggen (markieren).
Loggt sich der Nutzer nun ein, während er in einem Café sitzt, darf das Café den Namen des Nutzers bei den Facebook Kontakten des Nutzers einblenden lassen. Aber nicht nur der Name samt Foto erscheint in der rechten Spalte der Facebook Seite. Es dürfen auch weitere Angaben wie Begleitung, eventuelle  Kommentare und „Gefällt mir“-Klicks veröffentlicht werden. Das Ganze kann dann noch mit dem Logo des Unternehmens versehen werden und ergibt so eine attraktive personalisierte Werbung. Personalisierte Werbung suggeriert Freundschaft und dementsprechend Vertrauen; empfiehlt ein Freund ein Produkt oder die Dienstleistung eines Unternehmens ist die Kaufbereitschaft oder zumindest der Gedanke an einen möglichen Produktkauf um ein Vielfaches höher als bei „normaler Werbung“. Beim sogenannten „Viralen Marketing“ wird die Propaganda der bestehenden Kunden genutzt, um neue Kunden zu werben. Wichtig ist dabei, dass es nicht zu offensichtlich nach Werbung aussieht.

 

Werbung für Werbung

Facebook ist sich seiner Attraktivität bewusst und wirbt selbst für die eigenen Werbeanzeigen: Zielgruppenauswahl, Aufbau einer „Fan“-Gemeinschaft mit Hilfe des „Gefällt mir“-Buttons und Zahlung nur bei Anklicken oder Ansehen der Werbeanzeige.
Auf der anderen Seite wirbt Facebook auch bei seinen Nutzern für seine Werbeanzeigen: „Alle möchten wissen, was ihren Freunden gefällt. Darum kombinieren wir Werbeanzeigen mit Freunden – so kannst du basierend auf den „Gefällt mir“ – Angaben und geteilten Inhalten deiner Freunde ganz einfach Produkte und Dienstleistungen finden, an denen du interessiert bist.“ Dies kann man aber auch abstellen. Sowohl für die Werbeanzeigen von Drittanbietern, als auch für soziale Anzeigen:  Startseite -> Kontoeinstellungen -> Facebook-Werbeanzeigen ->Einstellungen für Werbeanzeigen von Drittanbietern bearbeiten bzw. Einstellungen für soziale Werbeanzeigen bearbeiten.

Das große Werbepotenzial

„Facebook ist und bleibt kostenlos“, heißt es auf der Facebook Startseite. Doch auch ein kostenloses Social Network muss – um kostenlos zu bleiben – Geldverdienen. Facebook verdient durch seine Nutzer und verkauft dies zudem als weiteres Angebot für die Community Mitglieder. Werbung hat ein rießiges Verkaufspotenzial und Facebook die passenden Inserenten.

Foto: flickr/Andrew Feinberg (CC BY 2.0)

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