Watchblogs – Die Wächter des Internets

von Alexander Karl

Es gibt im Netz eine Vielzahl von Blogs: Manche sind rein autobiographisch wie jener von Airen, aus dem sich Helene Hegemann bediente. Dann natürlich noch jene zu special-interest Themen wie etwa Computer, Promis und Co.. Wer sich aber wirklich kritisch mit Themen auseinandersetzen möchte, der betreibt oder liest einen Watchblog.

 

Was ist ein Watchblog?

Ein watchblog beobachtet – was ja bereits im Namen steckt – und gibt seine Beobachtungen in Form eines Blogs wider. Dabei kann von Personen, Unternehmen bis hin zu den Medien so ziemlich alles beäugt werden.

Der wohl bekannteste deutsche Watchblog ist der seit 2004 existierende BILDblog. Seit Mai 2009 steht nicht mehr nur die BILD im Visier der Web-Fahnder, sondern auch andere Medien wie etwa die Tagesschau oderDer Spiegel. Aktuell wird beispielsweise die Berichterstattung der BILD zum Schmerzensgeld im Fall Gäfgen kommentiert.

Doch was zeichnet Watchblogs aus? Der BILDblog beschreibt seine Relevanz so: „Es gibt viele Beispiele dafür, wie deutsche Medien ihrer Verantwortung nicht gerecht werden. Oft fehlt es schon an der schlichten Bereitschaft, eigene Fehler zu korrigieren.“

Daher ist das Ziel des BILDblogs:

Was wir dagegen setzen wollen, ist dasselbe wie bisher [seitdem man auch andere Medien als die BILD beobachtet; Anm. d. Verfassers]: Aufklärung. Wir glauben, dass es hilft, die Fehler und Abgründe öffentlich zu machen — die kleinen Pannen und die große Desinformation. Damit deutlich wird, wie wichtig es ist, in Qualität zu investieren.

Dabei bittet der BILDblog auch um „sachdienliche Hinweise“ der 40.000 Leser, die nach eigener Aussage täglich auf die Seite strömen. Doch nicht nur die Medienlandschaft wird ständig beobachtet, auch soziale Netzwerke wie etwa Facebook haben einen Watchblog.

 

Wer beobachtet eigentlich die Watchblogs?

Das Problem bei Watchblogs ist: Wer überprüft die Überprüfer? Denn Ziel eines Watchblogs ist es ja, den Großen auf die Finger zu gucken und schlimmstenfalls auch einmal drauf zu hauen. Doch nicht jeder Watchblog scheint wie der BILDblog dazu permanent in der Lage zu sein. So hat es den Anschein, als das der GoogleWatchblog mittlerweile nicht mehr sonderlich kritisch über Google, sondern eher über Produktneuheiten der Suchmaschine berichtet. Also bedürfte es eigentlich eines Watchblogs für die Watchblogs.

Denn ein Watchblog sollte eben genau das tun – Kritik dort üben, wo es notwendig ist und als gesellschaftliches Korrektiv wirken.

Denn, so ZEIT-Autor Stefan Mesch, zeichnen sich die Watchblogs durch „Geschwindigkeit, Vernetzung, flexible Formen“ aus. Dadurch erhalten sie eine gesellschaftliche Relevanz, gerade dann, wenn gezielt oder unbewusst die Unwahrheit propagiert oder diskriminiert wird. So empfiehlt Mesch etwa auch den NPD-Blog, der sich kritisch mit der Partei und deren Treiben auseinander setzt, während foodwatch ein Auge auf die Lebensmittel werfen.

Watchblogs erfüllen also durchaus eine wichtige Funktion in der Gesellschaft, doch auch hier gilt: Selbst Watchblogs sollte man kritisch sehen.

Foto: flickr/Maria Reyes-McDavis (CC BY 2.0)