Über Wolken: Clouds, die Speichermedien der Zukunft?

von Jens Hagelstein

Die Frage nach der Speicherung von Informationen gehört seit jeher zu den relevantesten jeder Gesellschaft. Die dabei verwendeten Speichermedien haben gewiss eine Entwicklung durchlaufen, doch eines haben der Stein mit gemeißelter Inschrift, die bedruckten Seiten eines Buchs, die Schallplatte und der USB-Stick gemeinsam: Sie alle bieten Zugriff auf den gespeicherten Inhalt nur von einem Ort aus, sind also lokal gebunden. Revolutionär anders funktionieren Clouds, die großen Speicherwolken im Internet: Die hier gespeicherten Daten können überall und jederzeit abgerufen werden. Ist damit gar das Ende der physischen Datenträger besiegelt?

Unterschiedliche Dienste – und was sie können

Toll, so eine Cloud – oder kommt bald der Regen?

Als einer der ersten Cloud-Dienste wurde 2007 Dropbox ins Leben gerufen. Die Idee hinter Dropbox ist simpel und soll der Legende nach einem der Entwickler gekommen sein, als er einen USB-Stick mit benötigten Daten zu Hause vergessen hatte: Nach Anmeldung auf der Webseite erhält der Anwender ein bestimmtes Kontingent an freiem Speicherplatz auf dem Dropbox-Server (der „Cloud“), um persönliche Daten darauf abzulegen. Zusätzlicher Speicher kann gegen einen monatlichen Obolus gemietet werden. Dropbox bietet für alle gängigen Computer- und Handybetriebssysteme spezielle Software an, die Zugriff auf die Dateien in der Cloud und Synchronisieren von Ordnern ermöglicht – so bleibt auch bei der Verwendung mehrerer Geräte, beispielsweise Desktop-PC und Laptop, der Datenbestand überall auf dem neusten Stand. Insbesondere dieses Feature dürfte für die zunehmende Beliebtheit von Dropbox sorgen, denn zwei oder mehr internetfähige Geräte gehören mittlerweile zum Standardrepertoire vieler Anwender. Unlängst kürten die Leser des Blogs netzwertig.com Dropbox zum „Online-Service des Jahres 2011“.

Längst haben die Big Players im IT-Sektor den Trend erkannt und versuchen ihre Clouds zu etablieren. Google bietet mit Google Docs einen Webdienst, der über das Speichern von Dateien hinausgeht: Online abgelegte Dokumente können über eine Oberfläche im Browser bearbeitet werden – und das sogar von mehreren Leuten gleichzeitig.
Apples iCloud gleicht Adressdaten und Kalender zwischen Macs und Mobilgeräten wie iPhone und iPad ab, der gebührenpflichtige Dienst „iTunes in the Cloud“ macht Musik und Filme aus der persönlichen iTunes-Mediathek mobil zugänglich.
Auch Amazon stellt Anwendern eine Plattform zur Datenspeicherung bereit: Cloud Drive wartet mit kostenlosen fünf Gigabyte Speicherplatz auf, für jährlich einen Dollar pro Gigabyte kann auf 20, 50, 100 oder auch 1000 GB aufgestockt werden.

Schattenseiten

Die Vorteile der Cloud-Speicherung liegen auf der Hand, warum nicht also gleich den gesamten persönlichen Datenbestand in die virtuellen Wolken hochladen? Bei vielen Anwendern regen sich Sicherheitsbedenken: Auch wenn die Dokumente in der Cloud nur nach Eingabe des Benutzerpassworts einsehbar sind – die Gefahr eines externen Zugriffsversuchs besteht, insbesondere beim Hoch- und Runterladen der Dateien. Dropbox empfiehlt deshalb, Daten vor dem Upload zu verschlüsseln, etwa mit BoxCryptor. Doch geht bei solch einem Procedere viel von dem Komfort verloren, der eigentlich das Aushängeschild des Webdienstes ist.
Von offizieller Seite warnt man vor dem Übertragen sensibler Daten auf Server im Ausland: Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) möchte stattdessen eine „Bundes-Cloud“ einrichten, damit Behörden und Unternehmen ihre sensiblen Daten nicht den Servern US-amerikanischer Betreiber anvertrauen müssten. Man führe bereits Gespräche mit der Telekom.
Wer den Online-Speicherplatz eines Anbieters nutzt, begibt sich unweigerlich in dessen Abhängigkeit – fallen die Server aus, können die eigenen Dateien nicht abgerufen werden. Auf Nummer Sicher geht, wer Wichtiges in separaten Clouds oder ganz oldschool auf einem physischen Datenträger sichert.

Bewölkte Aussichten

Die Tendenz ist offensichtlich: Das Internet ergänzt seine Kommunikations- zusehends um eine Speicherfunktion und ermöglicht es uns so, unseren gesamten digitalen Datenbestand von überall auf der Welt abzurufen. Dank Online-Anwendungen wie Google Docs könnte der Computer der Zukunft lediglich über Browser und Internetanschluss verfügen, Programme und Dateien wären in Clouds zu finden.
Derzeit befinden sich die virtuellen Wolken noch in der Pionierphase, ein Großteil der Anwender ist bislang skeptisch ob Datenschutz und Ausfallsicherheit – und wird mittelfristig wohl Festplatte, CD oder Stick als Speichermedium vorziehen oder zumindest ergänzend einsetzen, insbesondere wenn es um sehr große, sehr wichtige oder sehr persönliche Daten geht.

Foto: flickr/akakumo (CC BY-SA 2.0)

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