Beiträge

Die Gewinner des „Internationalen Wettbewerbs“

von Andrea Kroner

Eine andere Seite der DDR, die man so normalerweise nicht sieht. Ein langweiliger Schultag. Rhythmusgefühl mit schrägen Formen. Die Angst, etwas vergessen zu haben. So lassen sich die Gewinnerfilme des ITFS in Kurzform beschreiben, doch was macht sie zum Besten, das die Animationsbranche zu bieten hat?

Grausame Realität – Kaputt

Es ist sehr schwierig, eine Dokumentation in einem Animationsfilm zu verarbeiten. Doch genau das ist hier gelungen. „Kaputt“ erzählt vom Alltag im berüchtigten Frauengefängnis „Burg Hoheneck“ der DDR. Die Zellen waren vollkommen überbelegt und es lastete ein enormer Leistungsdruck auf den Gefangenen. Sie mussten Bettwäsche für westliche Konzerne in Rekordzeit produzieren und wurden dabei gegeneinander aufgestachelt. Dadurch erzielten alle hohe Gewinne, außer den Gefangenen.

Das Besondere ist, dass zwei Gefangene über ihre Erlebnisse sprechen und ihre Schilderungen im Film illustriert werden. Die Bilder sind äußerst abstrakt und einfach gehalten und zeigen deutlich die Monotonie und Einfachheit des Alltags. Alles sieht sich ähnlich und es werden kaum Farben verwendet. Dadurch wird eine starke Atmosphäre erzeugt, die den Zuschauer direkt in den Film hineinzieht. Die Jury findet es wichtig, diesen Teil der Geschichte in Erinnerung zu behalten und hat den Film deshalb mit dem „Grand Prix“ und 15.000€ Preisgeld ausgezeichnet.

Schulalltag extrem – Afternoon Class

Das Dasein eines Schülers ist nicht immer leicht. Ständig muss man aufpassen und so viel lernen. Das fällt nicht immer leicht und vor allem nachmittags lässt die Konzentration erheblich nach. Da ist die Versuchung manchmal ziemlich groß, einfach einzuschlafen. Schnarchende Nachbarn machen es dem Protagonisten nicht gerade einfacher. Und als sein Kopf auch noch so schwer wie eine Bowlingkugel oder gar ein Amboss wird, kann er der Versuchung immer schwieriger widerstehen und gibt am Ende nach. Jetzt kann sich auch der Lehrer ein Nickerchen gönnen, da sowieso niemand mehr wach ist.

Dieser Film dauert nur knapp vier Minuten, doch diese Zeit wird optimal genutzt. Das Timing stimmt perfekt und auch die Pointen stehen an den passenden Stellen. Dafür verleiht ihm die Jury den „Lotte Reininger Förderpreis für Animation“, mit 10.000€ dotiert, und erhofft sich viel für die Zukunft des Regisseurs.

Bewegung wird zu Musik – Rhizome

Am Anfang stand ein Ton von vielen kleinen Kugeln, die aneinander stießen. Doch daraus entwickelte sich immer mehr. Die Töne und auch die Formen wurden immer differenzierter und ausgefallener, bis daraus am Ende ein regelrechter Strom wurde, der alles zusammenbrachte. Die Formen verschmolzen zu einem großen Ganzen und es entstand ein richtiges Lied. Dahinter steht eine wesentlich größere Aussage: Alles im gesamten Universum hängt irgendwie zusammen und bildet dadurch eine große Einheit. Dadurch kann selbst aus den kleinsten Dingen etwas Großartiges entstehen. Leider wird der Film durch mangelnde Variation in Bild und Ton auf Dauer etwas langweilig. Für die einfallsreiche Idee erhielt das französische Studio eine besondere Aufmerksamkeit durch die „Jury Special Mention“ beim ITFS.

Was wäre wenn – Paniek!

Bestimmt jeder hat sich auf dem Weg schon einmal gefragt, ob der Ofen wirklich ausgeschaltet oder das Bügeleisen ausgesteckt ist. Wenn diese Gedanken sich jedoch verbinden, kann daraus ein wahres Schreckensszenario werden – Kopfkino vom Feinsten auf der Leinwand.

Die Geschichte beginnt vollkommen harmlos und unspektakulär: Eine Frau packt ihr Auto für einen Urlaub und fährt los. Doch nach und nach fallen ihr immer mehr Dinge ein, die sie vergessen haben könnte. Und gemeinsam ergeben diese Vorkommnisse das absolute Chaos, das in der Explosion des ganzen Hauses endet – zumindest in der Vorstellung der Protagonistin. Denn, als sie in heller Panik wieder zuhause ankommt, ist alles beim Alten. Doch in ihrer Eile hat sie die Handbremse vergessen und ihr Auto löst eine Verkettung von Unfällen aus. Diese lustige Produktion, in die man sich unglaublich gut hineinversetzen kann, hat den Zuschauern so gut gefallen, dass er mit dem „SWR-Publikumspreis“ und 6.000€ Preisgeld ausgezeichnet wurde.

Etwas ganz besonderes

Jeder der Filme zeigt eine ganz besondere Seite des Animationsfilms und ist auf seine eigene Art großartig. Doch die Sieger sind nur ein paar von vielen, interessanten Ideen und Herangehensweisen. So war jeder ein Sieger, der die schöne Filmvielfalt des ITFS sehen und genießen durfte.

 

Foto: ITFS

Zwei Welten prallen aufeinander – Animation Oper

von Andrea Kroner

Der Trickfilm und diese Gesangskunst scheinen im ersten Moment keinerlei Gemeinsamkeiten zu besitzen – und zusammenpassen können sie erst recht nicht, oder? Doch das ITFS beweist das Gegenteil und hat dafür wahre Schätze ausgegraben.

Mozart mal anders

Wer kennt sie nicht, „Die Zauberflöte“, eine der bekanntesten Opern Mozarts – und die meistgespielte deutschsprachige Oper überhaupt. Doch die Wenigsten wissen, dass sich die Faszination an diesem Stoff auch im Animationsfilm widerspiegelt. Seit den Anfängen des Trickfilms wurde die Oper auf unterschiedlichste Arten adaptiert. Schon Lotte Reininger erweckte mit „Papageno“ einen Teil des Meisterwerks zum Leben. Alles in Form ihrer berühmten Scherenschnitte. Doch obwohl der Film dadurch komplett in Schwarz-Weiß gehalten ist, bekommt er durch die detailreiche Gestaltung von Figuren und Hintergründen eine wunderschöne Lebendigkeit, welche die Musik perfekt ergänzt.

Oft gestaltet es sich jedoch als äußerst schwierig, Opern einem jüngeren Publikum zu vermitteln. Deshalb hat die BBC 1994 eine Opernreihe im Zeichentrickformat veröffentlicht. Darunter befindet sich neben Werken von Wagner oder Verdi auch „Die Zauberflöte“. Dafür musste radikal gekürzt werden, da eine Vorstellung normalerweise etwa 2,5 Stunden dauert. Die Filme wurden jedoch auf  etwa eine halbe Stunde reduziert. Dadurch wurden natürlich viele Details der Handlung gestrichen, aber man bekommt einen guten Überblick über die wichtigsten Figuren. Außerdem bietet das Medium Film grundsätzlich bessere Möglichkeiten, in die Fantasiewelt einzutauchen. Zu dieser Atmosphäre tragen besonders die aufwändig gestalteten Schauplätze und Kostüme bei.

Eine ganz besondere und etwas andere Annäherung hat unlängst die Komische Oper Berlin gewagt: Gemeinsam mit der britischen Theatergruppe „1927“ entwickelte sie 2012 eine Aufführung, die Sänger auf der Bühne mit Filmanimationen verbindet. Dadurch entsteht eine außergewöhnliche Zauberwelt voller Überraschungen, die Film und Oper auf eine ganz neue Art verbinden kann.

Eine Oper ohne Sänger

Mit einer klassischen Oper hat „The End“ aus dem Jahr 2012 nicht mehr viel zu tun. Es gibt weder Sänger, noch ein Bühnenbild oder ein Orchester. Dafür kann der Zuschauer in ein vollkommen neues Erlebnis eintauchen: Die erste komplett computergenerierte Oper, die voller Überraschungen steckt. Die Geschichte handelt von der jungen Animefrau Miku Hatsune, einem Star der Szene mit langen, türkisfarbenen Haaren. Für sie hat sogar ein Designer von Louis Vuitton virtuelle Kleider gestaltet.

Die zentrale Frage des Stücks beschäftigt sich mit der Bedeutung des Todes und mit Sterblichkeit im Allgemeinen. Doch gestaltet es sich als äußerst schwierig, solche Fragen zu beantworten. Das muss auch Miku Hatsune am eigenen Leib erfahren. Sie wird mit der Tatsache konfrontiert, dass sie bald sterben muss und versucht deshalb auf ihre ganze eigene Art, damit umzugehen. Denn das Ende ist unausweichlich und wird mit ihrem Tod besiegelt. Doch die Handlung tritt mit der Zeit immer mehr in den Hintergrund und wird schwieriger nachvollziehbar, da die Handlungsorte und Themen immer skurriler und weltfremder werden. Dadurch bleibt sehr viel Interpretationsspielraum, aber auch vieles ungeklärt. Deshalb geht die Kernaussage in der Fülle an angeschnittenen Themen leider etwas unter.

Technisch gesehen kommt die Oper mit einem einzigen Musiker aus. Der Macher dahinter ist Keiichiro Shibuya. Er sitzt in einem viereckigen Kasten auf der Bühne und begleitet das Stück musikalisch. Ansonsten besteht das Bühnenbild lediglich aus Wänden für eine 3D-Projektion. Die Stimmen der Figuren werden mithilfe eines sogenannten „Vocaloid Synthesizers“ erzeugt und ähneln menschlichen Stimmen. Gerade Miku Hatsune ist damit sehr erfolgreich, nicht nur in der Oper. Diese Figur entstand bereits 2007 und ist seitdem vor allem in Japan immer populärer geworden – dort sind Musikalben und Konzerte einer 3D-Projektion nichts ungewöhnliches, sondern sehr beliebt.

Gegensätze ziehen sich an

Wie so oft kann man scheinbar Gegensätzliches meist besser verbinden, als es zunächst den Anschein hat und dadurch neue, einzigartige Kombinationen und Kompositionen schaffen. Wer weiß, wohin der Trend der animierten Oper in Zukunft noch führen kann. Denn eines ist sicher: Das Potenzial der Kombination lässt auf die Zukunft hoffen.

Foto: ITFS

Das Team hinter dem Film

von Andrea Kroner

Wie entsteht eigentlich ein Film aus einer Idee? Und welche Möglichkeiten gibt es, einen Animationsfilm zu produzieren? Verschiedene Studios haben sich im Rahmen des ITFS vorgestellt und einen kleinen Einblick in ihre Arbeit gegeben.

Studio Soi – Ludwigsburg

Im Jahr 2003 entschieden sich sieben Absolventen der Filmakademie, eine eigene Firma zu gründen – heute beschäftigen sie bis zu 100 Spezialisten aus aller Welt und produzieren erfolgreich Animationsfilme für Kinder. Eine ihrer bekanntesten Co-Produktionen ist „Der Grüffelo“, ein Kurzfilm über ein Ungeheuer, das von einer Maus das Fürchten lernt.

Derzeit verfolgt das Studio zwei verschiedene Projekte: Zum einen „Trudes Tier“ für „Die Sendung mit der Maus“. Die Idee dazu stammt aus dem eigenen Team und soll den Kindern helfen, mehr Vertrauen zu sich selbst zu entwickeln und fürs Leben zu lernen. Die andere Serie handelt vom Bären „Petzi“, der mit seinen Freunden zahlreiche Abenteuer bestehen muss. Hier dienen 35 Comics als Vorlage. Dadurch hat man einerseits eine Orientierungshilfe, muss sich aber auch überlegen, wie man die Inhalte am Besten in das Medium Film „übersetzen“ kann. Doch das Team hatte viele Freiheiten – oft entstand eine Episode aus einem einzigen Bild im Comic.

Il Luster – Utrecht

Dieses niederländische Studio hat sich auf unabhängige Kurzfilme spezialisiert und bisher schon mehr als 50 produziert. Gegründet wurde es 1996 von vier Produzenten, die sich seitdem ein weitläufiges Netzwerk aufgebaut haben. Im Laufe der Zeit kam auch die Produktion von Fernsehserien und zwei Langfilme hinzu. Das Publikum des ITFS konnten sie dieses Jahr so von sich überzeugen, dass der „SWR-Publikumspreis“ an einen ihrer Filme ging.

Saban Brands – Los Angeles

Die wohl bekannteste Serie dieses Studios sind die „Power Rangers“. Davon abgesehen hat es viel mit bekannten Marken gearbeitet und diese in Kinderserien verwandelt. So beispielsweise Paul Frank, dessen Tierfiguren in Vorschulalter versetzt und zu „Julius Jr.“ wurden. Auch das aktuelle Projekt „Luna Petunia“ arbeitet nach diesem Prinzip: Es nimmt die Akribatikshows des „Cirque du Soleil“ als Vorlage und macht daraus eine bunte Welt voller Überraschungen und magischer Wesen. Dabei hat sich nicht nur das Medium, sondern auch das Zielpublikum geändert. Es richtet sich an Mädchen im Vorschulalter und ist, wie alle Serien von „Saban Brands“, stark geschlechtsspezifisch.

LAIKA – Portland

Für seine Produktionen braucht dieses Studio nicht nur Computer zum Animieren, sondern auch Arbeitsraum in der Größe von 2,5 Fußballfeldern. Denn seine Filme entstehen durch Stop-Motion-Technik. Für jeden einzelnen Film werden deshalb mittels 3D-Druck Figuren und Hintergründe erschaffen – rund 60.000 verschiedene Gesichter, von denen über 5.000 an die Hauptfigur gehen, ebenso wie etwa 50 Perücken. Dadurch haben sie es beispielsweise bei „Coraline“ geschafft, über 90% der Szenen mittels Stop-Motion zu drehen.

Bei ihrer neuesten Produktion „Kubo – Der tapfere Samurai“ ist das anders: Viele Hintergründe wie beispielsweise Wasser sind nur sehr schwer nachbaubar. Deshalb werden sie mittels Computern animiert, die Figuren jedoch weiterhin in Kleinstarbeit bewegt. Denn an einem guten Tag können maximal drei bis vier Filmsekunden gedreht werden.

A Film Production – Kopenhagen

Nach seiner Gründung 1988 hat sich das Studio hauptsächlich mit Werbung, einer guten Einnahmequelle, beschäftigt. Mit Filmen beschäftigten sie sich erst nach dem Erfolg von „Arielle, die Meerjungfrau“. Die großen Studios konnte die Nachfrage nach klassischen Animationsfilmen nur stillen, indem sie kleinere Firmen engagierten. Mit „Jungle Jack“ entstand 1993 der erste eigene Film, der 400.000 Besucher in die Kinos lockte. Doch bei Eigenproduktionen muss das Studio enorm auf seine Kosten achten, mehr als zwei Millionen Euro Kosten kann es sich nicht leisten.  Um Risiko und Ausgaben noch weiter zu senken, stützen sie sich viel auf Co-Produktionen. Ihr Hauptpartner ist „Kiddinx“ mit Serien wie „Benjamin Blümchen“ und „Bibi Blocksberg“.

Ein breites Spektrum

Wie auch bei Spielfilmen kennt man meist nur die Filme der großen Studios. Doch blickt man einmal über den Tellerrand hinaus, kann man Erstaunliches entdecken. Denn auch kleinere Entwickler schaffen oft großartige Filme – das ITFS ist der beste Beweis dafür.

Foto: ITFS

Die fabelhafte Welt des Trickfilms – das ITFS in Stuttgart

von Andrea Kroner

Voll besetzte Kinos, Filme unter freiem Himmel, Computerspiele in einer virtuellen Realität. All das und noch viel mehr  konnten die 85.000 Besucher des Internationalen Trickfilmfestivals letzte Woche erleben. Schon zum 23. Mal lud das Festival Filmbegeisterte ein, die Welt des Animationsfilms zu entdecken – mit 1000 Beiträgen aus 55 Ländern.

Das Herz des Festivals

Tosende Vulkane und die Evolution der Menschheit in Kurzform können mithilfe neuester Techniken unglaublich realistisch dargestellt werden – man vergisst dadurch fast, dass man sich in einem Animationsfilm befindet. Danach werden die klassischen Superhelden aufs Korn genommen – mit einer Frau, die wie selbstverständlich ein Ufo zerstört. So wechseln sich skurrile, lustige, spannende und nachdenkliche Themen während des „Internationalen Wettbewerbs“ im Minutentakt ab.

Dieser bildet das Kernstück des gesamten Festivals und zeigt die besten Animationskurzfilme des vergangenen Jahres. Aber nicht nur die Themen, sondern auch die verwendeten Techniken sind vielfältig: Es gibt zum einen noch viele klassisch gezeichnete Filme, aber ebenso Stop-Motion und Computeranimation. Die Farbpalette reicht von Schwarz-Weiß über wenige Farbakzente bis hin zu schillernden Regenbogen – es ist für jeden etwas dabei. Mehr über die Gewinner…

Die Game Zone

Wie kann man noch mehr in das Spielerlebnis eintauchen? Wie kann man die Erfahrung noch realistischer gestalten? Damit beschäftigen sich Spielentwickler seit jeher – so entstanden „Virtual-Reality-Brillen“. Und auch in der Spielwelt des ITFS konnte man dieses Jahr die neueste Generation der Unterhaltungselektronik auf verschiedenste Arten erleben. Mit „Keep Talking and Nobody Explodes“ beispielsweise wird das Spiel mit der Realität verknüpft: Zwei Spieler müssen gemeinsam eine Bombe entschärfen. Das hört sich zunächst nicht allzu schwierig an, doch einer der beiden trägt eine VR-Brille und sieht nur die Bombe, der andere muss mithilfe eines Handbuchs Anweisungen zur Entschärfung geben. Natürlich könnte man das genauso gut an einem normalen Computer spielen, aber die virtuelle Realität macht es noch intensiver.

Kino mal anders

Wer sich keinen Festival-Pass kaufen wollte, konnte kostenlos an vielen Veranstaltungen des ITFS teilnehmen, unter anderem an den Spielen der Game Zone oder dem Open-Air-Kino auf dem Schlossplatz. Doch letzteres hatte dieses Jahr leider viel mit dem sprichwörtlichen Aprilwetter zu kämpfen. Und zusätzlich ein wenig mit der Technik – denn die 85m² große Leinwand fiel sogar komplett aus. Und das genau eine Stunde bevor der neue „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ gezeigt werden sollte. Das Problem konnte jedoch zeitnah behoben werden und dem Filmerlebnis stand nichts mehr im Wege – nicht einmal das Wetter. Insgesamt wurden an allen Festivaltagen viele spannende Filme gezeigt: Tagsüber Kurzfilme aus der ganzen Welt, die ähnlich vielfältig waren, wie das ITFS selbst. Nachmittags und abends folgten aktuelle Langfilme, darunter der diesjährige Oscar-Gewinner „Alles steht Kopf“. Die große Ausnahme bildete hierbei die Live-Übertragung der Oper „Rigoletto“ am Montag. Mehr zu Animation und Oper…

Der Animationsfilm ist schon längst kein Genre mehr, das sich nur an Kinder richtet. Dennoch bilden diese immer noch ein wichtiges Zielpublikum und wurden im Laufe der vergangenen Jahre immer mehr in das Festival mit eingebunden. In zahlreichen Workshops und Filmvorführungen bekommen sogar die Kleinsten die Möglichkeit, in die Welt der Animation einzutauchen.

Ein Highlight war es, zusammen mit richtigen Filmemachern einen eigenen, kleinen Film produzieren zu können. Es wurde fleißig gemalt, geknetet und gebastelt, um vor der Kamera das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Entstanden sind dabei verschiedenste Ideen – von einem Pinguin im Büro bis zu einer abenteuerlichen Weltraummission.

Um zu sehen, wie professionelle Filmemacher ihre Werke gestalten und sich vielleicht etwas für die eigenen Ideen abzuschauen, gab es in den täglichen Vorstellungen viel zu sehen – dabei waren häufig Regisseure anwesend, die sich den Fragen der neugierigen Kinder stellten. Am Sonntag wurde sogar der Preis für den besten Kinderfilm von einer Jury bestehend aus sechs Kindern zwischen neun und dreizehn Jahren vergeben. Er ging an die spanische Produktion „Alike“. Dieser spielt sehr stark mit verschiedenen Farben und Körpersprache, denn er funktioniert ohne Sprache. Darüber hinaus zeigt er die traurige, ernste Seite des Animationsfilms. Genau diese Andersartigkeit gefiel der Jury besonders.

Eine bunte Mischung

Insgesamt konnte das Festival wieder mit einem außergewöhnlichen und vielfältigen Programm überzeugen, das den Zuschauer abwechselnd zum Lachen, Weinen oder Nachdenken brachte.

Foto: ITFS

Disney, der Filmtitan

von Julia Heitkamp

Wer Walt Disney hört, denkt an harmlose Zeichentrickfilme aus der Kindheit, die uns bis heute begeistern. Doch hinter der Walt Disney Company verbirgt sich heute weit mehr als nur das Zeichentrickstudio: Mit Walt Disney Studio Entertainment, der Disney-ABC Television Group, der Buena Vista Music Group und den Walt Disney Parks und Resorts gehört der Konzern heute zu den Größten der Welt. Der neuste Coup der Studios: Mit dem Kauf von George Lucas Lucasfilm im vergangenen Jahr sicherten sie sich die Rechte an Star Wars und kündigten für 2015 bereits eine Fortsetzung der Saga an. Nicht nur auf der großen Leinwand, auch am heimischen Bildschirm gibt es Neuerungen. Der Disney Konzern will ab Januar 2014 mit einem eigenen Free-TV Kanal das „Vierte Programm“ in Deutschland ersetzten.

Es begann wie im Märchen …

Die Brüder Walt und Roy Disney gründeten 1923 das Disney Brothers Cartoon Studio im Sunshine State Kalifornien. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Der erste Micky-Maus Cartoon wurde 1928 veröffentlicht. Nach dem Erfolg von Schneewittchen und den sieben Zwergen und Bambi während des zweiten Weltkrieges, gelang ihnen der Durchbruch in den Nachkriegsjahren. Es folgte eine wahre Flut an Zeichentrickfilmen wie Cinderella, Alice im Wunderland, Peter Pan, Dornröschen oder Das Dschungelbuch. Heute zählen viele der Meisterwerke zu Filmklassikern, die auch heute noch den Nachwuchs begeistern.

Möge die Macht mit ihnen sein

Seitdem gehört die Disney Company zu den Giganten der Unterhaltungsbranche. Erst im Oktober vergangen Jahres machte Disney Schlagzeilen mit dem Kauf von George Lucas Lucasfilm. Fans dürfen sich, ab 2015 alle zwei Jahre auf Fortsetzungen der berühmtesten Science-Fiction-Saga freuen. Disney traut sich das, was der Star Wars Schöpfer George Lucas niemals wagte: Die Verfilmung der Episoden Sieben bis Neun. Für den Dreh der Fortsetzungen hat Disney J. J. Abrams verpflichtet, der sich bereits mit Filmen wie Mission Impossible III einen Namen in der Branche machte. Dass der gleiche Regisseur ebenfalls für die neuen Star-Trek-Verflimungen verantwortlich ist, scheint den eigentlich verfeindeten Fans egal zu sein. Doch damit nicht genug: Um den Fans die Wartezeit zwischen den Filmen zu verkürzen, sollen weitere Spin-Offs produziert werden, die spezielle Charaktere der Reihe in den Mittelpunkt stellen. Und auch dafür hat sich Disney namhafte Unterstützung ins Boot geholt: Lawrence Kasdan und Simon Kinberg (Mr. & Mrs. Smithsollen an den Drehbüchern arbeiten. Mit diesem Projekt hat sich der Disney Konzern einiges vorgenommen.

Was ist denn alles Disney?

Die Übernahme von Lucasfilm ist nicht der erste große Streich der Disney Studios. Die Masse an Entertainmentstudios die zu dem Medienkonzern gehören, ist überwältigend. Zur Filmproduktion gehören neben Walt Disney Pictures, denen wir die berühmten Zeichentrickverfilmungen verdanken, auch noch Schwergewichte der Branche wie Touchstone Pictures (Flubber, Freaky Friday), seit 2006 die Pixar Animation Studios (Findet Nemo, Die Monster AG), die Disney Animation Studios (Küss den Frosch) und die Marvel Studios (X-Men, The Fantasic Four).

Neben Freizeitparks und einem Plattenlabel ist Disney´s zweites großes Standbein das Fernsehen. Die Disney-ABC Television Group besitzt amerikanische Sender wie ABC, aber auch die Hälfe der Anteile an dem deutschen Sender Super RTL . Doch Disney will sich weiter vergrößern und sich auf verschiedenen Märkten etablieren, so auch im Deutschen Free TV.

Disney ersetzt das Vierte

Wie Lars Wagner, der Geschäftsführer des neuen Disney-Senders, in verschiedenen Interviews berichtet, will man Disney mit dem neuen Free-TV-Sender eine neue Präsenz verschaffen und sicherte sich deshalb bereits im vergangenen Jahr die Rechte an dem „Vierten Programm“. Im Gegensatz zu Super RTL, das sich aus mehreren Quellen speist, setzt man bei dem neuen Sender ausschließlich auf Produktionen aus dem eigenen Haus. Es gehören nicht nur Kinder zum Zielpublikum des neuen Senders, zur Prime Time will man sich auch an das erwachsene Publikum wenden, die mit Filmen wie „Fluch der Karibik“ mit Johnny Depp umworben werden sollen. Von denen habe Disney nämlich auch eine Menge zu bieten, auch wenn sie oft in Vergessenheit geraten. Mit diesem Schachzug tritt der neue Disney Sender in direkte Konkurrenz zu Super RTL, die ihr Programm nach einer ähnlichen Strategie zusammenstellen. Zwar sei man laut Wagner mit der Arbeit von Super RTL nach wie vor zufrieden, doch Mediendienste wie kress.de vermuten, dass sich das zweigleisige Fahren auf lange Sicht nicht lohnen wird.

Was bleibt ist die Erkenntnis

Mit dem harmlosen Trickfilmproduzenten aus den Anfängen der Company hat der Konzern 2013 nichts mehr zu tun. Aus der Trickfilmproduktionsfirma ist ein riesiger Konzern geworden, der expandiert, wo er kann. Die Walt Disney Company gehört zu den 100 größten Unternehmen der Welt und mischt in fast allen Bereichen der Unterhaltungsbranche mit. Zwar können sich Fans von Disney, Star Wars und Co. über Nachrichten wie diese freuen, trotzdem geht der Aufkauf von kleineren Produktionsfirmen wie Lucasfilm durch Medienkonglomerate wie Disney zu Lasten der Vielfalt der Unterhaltungsindustrie.

 

Foto: flickr.com/Aziem Hassan (CC BY-NV-SA 2.0) und  ©2012 Disney•Pixar. All Rights Reserved.