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Wer hat hier Social Media Marketing nicht kapiert?

Social Media Marketing kann auch mal ganz anders funktionieren. Dafür braucht man keine teuren Seminare buchen. Und keine Agentur nach ihren Standardrezepten fragen. Wie das geht, zeigt der analytische Blick auf die Auseinandersetzung zwischen dem irischen Hotel- und Cafébesitzer Paul Stenson und Elle Darby, Social Media Influencer im Bereich Fashion und Beauty. Spoiler: Der Cat Fight hatte einen eindeutigen Sieger.

Das Identitätsdilemma im digitalen Zeitalter

Von Valerie Heck

Nur noch sehr wenige Menschen sind nicht in mindestens einem sozialen Netzwerk wie Facebook, Instagram oder Twitter angemeldet. Es wird neben der realen eine virtuelle Welt geschaffen, in der der Mensch die Möglichkeit bekommt, sich so zu präsentieren, wie er sein möchte. Doch was bedeutet dies für die eigene Identität? Gibt es noch das eine Ich, wenn im Internet eine Vielzahl virtueller Identitäten aufgebaut werden können?

Ich – Das können viele sein

Daniela Schneider ist Aktionistin für Veganismus, die regelmäßig Beiträge und Artikel zu diesem Thema auf ihrer Facebook-Seite postet. Bei Instagram heißt sie „danispics“, ist Hobbyfotografin und veröffentlicht die schönsten Schnappschüsse aus Alltag und Urlaub. Und bei Tinder ist sie „Daniela“, die gerne kocht und sportlich ist, um mit diesen Eigenschaften die Männer in der Umgebung zu beeindrucken. Es sind drei Namen und drei Identitäten, doch eigentlich steckt nur eine Frau dahinter.

Was im realen Leben nicht denkbar ist, wird in der virtuellen Welt Wirklichkeit, denn das Internet und soziale Netzwerke ermöglichen es, in viele verschiedene Rollen zu schlüpfen oder bestimmte Facetten der Persönlichkeit in den Vordergrund zu stellen. Man spricht von „virtuellen Identitäten“ und meint damit die Art und Weise, wie Menschen sich selbst in der computervermittelten Kommunikation präsentieren. Gründe für den Aufbau von virtuellen Identitäten gibt es viele.

Zum einen geht es darum, bestimmte Eigenschaften zu betonen, um mehr Akzeptanz im virtuellen Umfeld zu erlangen. Wie Daniela, die bei Facebook ihre vegane Lebensart betont, weil viele Freunde Veganer sind. Bei Instagram stellt sie ihre aktive Seite mit Fotos von Reisen und Ausflügen in den Mittelpunkt. Bei Tinder hebt sie Eigenschaften hervor, die bei Männern gut ankommen könnten. In diesem Fall sind die Grenzen zwischen den Identitäten fließend. Zum anderen ist es durch die Anonymität in Chatrooms möglich, seine wirkliche Identität vollkommen zu verbergen und eine Tarnidentität aufzubauen. Die Person macht sich dünner, erfolgreicher oder attraktiver, um befreit von Vorurteilen und sozialem Druck ernst genommen zu werden. In diesem Fall spricht man von „Selbstmaskierung“: Es wird eine virtuelle Identität konstruiert, die sich stark von der Realität unterscheidet, um etwas ausleben zu können, was im realen Leben nicht möglich ist.

Eine selbstidealisierende Maskerade

Identität

In sozialen Medien wie Facebook oder Instagram ist das virtuelle Ich aber nicht länger eine Maske, sondern eng mit dem Offline-Leben verwoben. Die Alltagswelt wird auf den Plattformen geprägt, wo größtenteils Freunde, Familienmitglieder und Kollegen aus der realen Welt durch Fotos, Videos und Kommentare einen Einblick in das eigene Leben bekommen. Das heißt allerdings nicht, dass die „Freunde“ oder „Follower“ in sozialen Netzwerken die eine „echte“ Identität präsentiert bekommen. Die präsentierte Person hat vielleicht Ähnlichkeit mit der Person in der realen Welt, aber heute ist nichts einfacher als sein Selbstbild im Netz mitzubestimmen oder zu idealisieren. Es geht dabei nicht darum zu zeigen, wer ich bin, sondern um die Frage „Wer könnte ich sein?“. Das Selfie wurde in den letzten zwei Jahren zur vorherrschenden Ausdrucksform dieses idealisierten Ichs, denn darin wird das reale Leben häufig wie auf einer Bühne inszeniert. Wer postet schon ein Foto, auf dem er traurig und alleine auf dem Sofa sitzt? Man zeigt sich in Situationen, in denen man etwas Positives aus dem eigenen Leben mitteilen möchte: „Ich habe etwas Leckeres gekocht“ oder „Ich habe eine wunderschöne Zeit im Urlaub“. Der Trend liegt darin, den eigenen Alltag zu überhöhen und so wird im Internet ein „besseres Ich“ bzw. eine idealisierte Identität geschaffen, die sich aus Status Updates, Fotos und Tweets zusammensetzt.

Insbesondere Kevin Systroms Plattform Instagram, bei der Fotos mit schmeichelnden Filtern verschönert und dann hochgeladen werden können, ist zum Sinnbild der öffentlichen positiven Selbstdarstellung geworden. Instagram liefert nämlich kein gnadenlos ehrliches Bild, sondern schmeichelhafte Bilder, die, laut Alex Williams von der NY Times jeden „ein bisschen jünger, hübscher und Cover-würdiger aussehen“ lassen. Nutzer präsentieren sich und ihr Leben „im Layout eines Hochglanzmagazins“. Leute, die durch das Instagram Profil scrollen, sollen wollen, was du hast. Beeindrucken und Selbstreklame ist hierbei vor allen Dingen bei jungen Leuten das Motto, egal wie die Realität dahinter aussieht.

Virtuelle Anerkennung als Existenzbeweis

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Ist der Urlaub eigentlich wirklich passiert, wenn ich kein Foto vom Strand auf meiner Instagram-Seite veröffentlicht und dazu Feedback in Form von Likes und Kommentaren bekommen habe? Hinter den Fotos, Kommentaren und Videos in sozialen Netzwerken steckt der Wunsch nach Aufmerksamkeit und Anerkennung, der eng mit der Identitätsfrage verwoben ist. Zugehörigkeit und soziale Akzeptanz sind im Kollektiv wichtig: Nur wenn ich von meinem sozialen Umfeld akzeptiert werde, bilde ich eine Identität.

Der Alltag wird immer mehr vom Nachrichtenstrom in den sozialen Netzwerken bestimmt. Mit Tweets und Instagram-Fotos wird das eigene Dasein bewiesen, denn wer nicht postet, hört auf, zu existieren. Jürgen Fritz, Professor am Institut für Medienforschung und Medienpädagogik in Köln, schreibt, dass Aufmerksamkeit die Essenz sei, die die virtuelle Welt mit Leben füllt und die Interaktionen ermöglicht. Über Posten wird eine eigene Relevanz geschaffen.

Mit dieser Erkenntnis wird die am Anfang gestellte Frage, ob es überhaupt noch das eine Ich gibt, wenn im Internet eine Vielzahl virtueller Identitäten aufgebaut werden, fast hinfällig. Wer ich bin wird durch das virtuelle Umfeld bestimmt und damit stellt sich die Frage: Gibt es überhaupt noch eine Identität außerhalb der virtuellen Welt?

Fotos: flickr.com/Zlatko Vickovic (CC BY 2.0), flickr.com/Kroejsanka Mediteranka (CC BY-NC-ND 2.0)

Look Up! – Viral wie ein Katzenbaby

 von Nico Busch

Du glaubst, du bist gesellschaftskritisch? Dir fällt auf, was tausenden Anderen auch schon aufgefallen ist? Dann schreib doch mal ein Gedicht darüber, trag das vor, lass dich dabei filmen und stell das Video ins Internet.

 

Baby, Baby, was ist denn bloß los mit dir?“

Mach es wie Julia Engelmann im Mai letzen Jahres. Der war nämlich aufgefallen, dass es seit 2000 Jahren etwas gibt, dass wir Lethargie nennen. Ein Gefühl der Langeweile und Tatenlosigkeit. Julia Engelmann fühlt das manchmal. Und die weiß, dass du das auch fühlst. Nämlich dann, wenn du daheim auf deiner Couch liegst und plötzlich merkst, dass dein Leben verglichen mit den Lebensentwürfen der Medien oder deiner 600 internationalen Facebook Freunde für immer nur Durchschnitt sein wird. Was die Julia aber nicht verstanden hat, ist, dass dieser Vergleich im Endeffekt bloß konsumgenerierende Einbildung ist. Und deshalb rät sie dir mit ganz viel sprachlichem Pathos in ihrem Video, nochmal so richtig auf die Kacke zu hauen, um am Ende deines Lebens bloß nicht als Langweiler dazustehen. Aus irgendeinem Grund klingt das für dich alles sehr plausibel, was die Julia da sagt. Die ist jetzt immerhin auch schon 21 Jahre alt. Da hat man eben Angst vor der Zukunft. Ja, vor was denn sonst? Du hörst noch irgendwas, das klingt wie „Mal wieder was riskieren“, oder feiern bis die Kühe lila sind, denkst dir YOLO, chillst weiter auf der Couch und fühlst dich bestätigt.

 

 Look Up? Grow up!

Oder dein Name ist Gary Turk. Du bist jung, ambitioniert, schreibst natürlich auch Gedichte (!) und hast auch online einen Namen. Du bist gebildet, aber du hast diesen naiv-optimistischen Forrest Gump-Spirit. Dein sehnlichster Wunsch ist es, irgendwann einmal auf einer Parkbank zu sitzen, Pralinen zu mampfen und glücklich auf dein Leben zurückzublicken, ohne das Gefühl zu spüren etwas verpasst zu haben. Obwohl dir etwa 3300 Menschen auf Twitter folgen, fühlst du dich einsam. Grund genug für dich anzunehmen, dass eine ganze Generation dasselbe Problem hat. Die These von der gemeinsamen Einsamkeit, die die MIT Professorin Sherry Turkle in ihrem Buch Together Alone unserem digitalen Zeitalter schon 2011 unterstellte, machst du unbemerkt zu deiner eigenen, zentralen Thematik deines Gedichts. Melancholische Hintergrundmusik begleitet deinen filmischen Vortrag, der mit einer Liebesgeschichte sein anschauliches Ende findet. Look Up, heißt dein Video und du willst damit sagen: Seht von euren Smartphones auf und stürzt euch ins reale Leben, ihr Langweiler! Deine rhythmischen Reime massieren mehr als 32 Millionen Hirne (Anzahl der Aufrufe des Videos auf YouTube, Stand 09.05.2014). Aber deine Zeilen haben gerade soviel Tiefgang, dass sie die große Masse für vielleicht zwei Wochen in absolute Betroffenheit und Nachdenklichkeit stürzen, ohne durch zuviel Komplexität zu überfordern oder irgendeine Art von Verhaltensänderung zu initiieren. Die Wirkung deines Beitrags ist von jener eines süßen Katzenbabyvideos nicht zu unterscheiden.

 

 

Bei Risiken oder Nebenwirkungen fragen Sie ein virales Video

Egal ob Engelmann oder Turk, was heute an Gesellschaftskritik im Netz viral geht, mutet textlich nicht nur an wie allerfeinster deutscher Pop Schlager à la Unheilig, sondern liest sich auch so: Geboren, um zu leben. Wie wir leben sollen, können Engelmann und Turk so genau auch nicht sagen. Sicher ist scheinbar nur: Überall und in allen Dingen erwartet uns heute das geheimnisvolle Event, die große Herausforderung, die einmalige Chance. Wer sie nicht nutzt, aus dem wird nichts! Was soll einer später im hohen Alter mal erzählen, der in seiner Jugend nichts von Bedeutung erlebt hat? (Engelmann). Und wie soll man die große Liebe finden, wenn man doch ständig auf das Handy starrt? (Turk). Die große Gemeinsamkeit der thematisch unterschiedlichen Beiträge Gary Turks und Julia Engelmanns ist es, dass sie jedem Moment unserer Existenz eine Einzigartigkeit, Gemeinschaftlichkeit und Erlebnisorientierung unterstellen, die wir so tatsächlich weder digital, noch analog erleben und die uns auch in ihrer praktischen Umsetzung schlichtweg überfordern würde.

 

Die mahnende Erinnerung an unser fast vergessenes, romantisch verklärtes, analoges Lebens liegt trotzdem nahe. Sie ist die einfachste und medientauglichste Antwort auf das große Vorurteil der Assozialität durch digitale Kommunikation. Und sie ist alles, was uns technisch-überforderten Hypochondern momentan einfällt, auf unserer panischen Suche nach der großen digitalen Epidemie.

 

 

Fotos: flickr.com/SigfridLundberg  und  flickr.com/Phae (CC BY-NC-SA 2.0)

 

5 Möglichkeiten, wie Medien und Journalisten soziale Netzwerke nutzen können

von Alexander Karl

Die Zeiten, in denen gesellschaftliche Debatten in der Kneipe um die Ecke stattfinden, sind noch nicht vorbei. Doch mit den sozialen Netzwerken haben sich neue Orte etabliert, in denen diskutiert wird: Seit Wochen ist etwa die Große Koalition, kurz GroKo, ein zentrales Twitter- und Facebookthema. Die klassischen Medien und einige Journalisten haben Twitter und Facebook längst für sich entdeckt – und greifen über diese in die Debatten ein. Doch wofür nutzen Medien, Journalisten und Blogger soziale Netzwerke?

Variante 1: Social Media zur Distribution journalistischer Inhalte

Sicherlich haben nur die wenigsten User Zeit und Lust, alle wichtigen journalistischen Medien wiederholt am Tag zu besuchen. Abhilfe schaffen da die Medien selbst: Spiegel Online, heute.de und Co. sind auf den sozialen Netzwerken vertreten und posten dort ihre Beiträge. Followen die User bei Twitter oder Liken sie die Seiten bei Facebook, bekommen sie die News direkt auf die Timeline. Artikel und Videos erreichen die Nutzer somit da, wo sie sich sowieso befinden: In den sozialen Netzwerken.

Variante 2: Social Media als Themenlieferant und Straßenumfrage

Die Landung eines Flugzeugs im Hudson River oder News der Koalitionsverhandlungen – die Informationen haben die User wahrscheinlich zuerst in den Sozialen Netzwerken erreicht. Bei der Notlandung im Hudson River 2009 war ein Tweet „mit höchster Wahrscheinlichkeit die erste Nachricht überhaupt, die über die Beinahe-Katastrophe von New York in die Welt gesetzt wird“, wie es Spiegel Online formuliert. Bei den Koalitionsverhandlungen waren es die Politiker selbst, die die Öffentlichkeit so auf dem Laufenden hielten. Sowohl die Notlandung 2009, als auch die Twitter-Nachrichten aus den Koalitionsverhandlungen wurden von den klassischen Medien entsprechend aufgegriffen. Die sozialen Netzwerke werden so zum Themenlieferant. Doch nicht nur die Tweets von Politikern werden journalistisch aufbereitet: Auch die Tweets von Otto-Normal-Bürgern werden von etablierten Online-Medien aufgegriffen. Anstatt in Deutschlands Innenstädten Passanten nach ihrer Meinung zu fragen, stellen Journalisten die Tweets und Posts der Nutzer zu einem Thema zusammen – quasi als Straßenumfrage 2.0 (media-bubble.de berichtete).

Variante 3: Social Media als Kommunikator

Die Zeit, in der es sich die klassischen Medien erlauben konnten, auf ihre Rezipienten nicht einzugehen, ist vorbei: Journalisten suchen auf Twitter und Facebook den Diskurs – so fragte die Schwäbische Zeitung ihre Follower beispielweise nach ihrer Meinung zu den Maut-Plänen der CSU. Gleichzeitig können die Medien Fragen der User beantworten und Feedback entgegennehmen. Tweets und Facebook-Kommentare sind damit das Online-Pendant zu den klassischen Leserbriefen. Mit einem großen Unterschied: Sie sind öffentlich und für jedermann einsehbar.

Variante 4: User helfen bei der Recherche

Warum sollten Journalisten nicht unter ihren eigenen Followern oder Freunden nach Unterstützung für Beiträge suchen? Daniel Bröckerhoff fragte beispielsweise Ende November für das Medienmagazin ZAPP um Hilfe über Twitter. Für den ZDFcheck während des Wahlkampfes konnten die User gar bei der Recherche helfen. Dabei wurden die Aussagen von Politikern auf ihre Richtigkeit geprüft, die User konnten die Recherche mit Hinweisen unterstützen.

Variante 5: Journalisten werden sichtbarer

Nicht nur die Medien können sich und ihre Beiträge über Social Media darstellen und sichtbar machen, sondern auch die Journalisten selbst. Sie können ihre Community mit persönlichen Meinungen, Analysen und Linktipps auf dem Laufenden halten und sich damit gleichzeitig selbst nur Marke machen. Gerade für Journalisten, die nicht vor den TV-Kameras stehen, ist das eine Möglichkeit, sich zu präsentieren. Dabei reicht das Spektrum der twitternden Journalisten von BILD-Chefredakteur Kai Diekmann, über den Mitherausgeber der FAZ Frank Schirrmacher, bis hin zum Chefredakteur des Nachrichtenmagazins Der SPIEGEL Wolfgang Büchner.

Social Media – das hat diese Übersicht gezeigt – ist von großem Nutzen für den modernen Journalismus. Gleiches gilt natürlich auch für Blogger, die in den sozialen Netzwerken unterwegs sind. Und doch ist klar: Je mehr Medien, egal ob klassische oder reine Online-Medien, die sozialen Netzwerke bevölkern, desto eher droht ihnen die Gefahr, im News-Strom nicht mehr wahrgenommen zu werden. Und dann sind es doch wieder die analogen Stammtische, die das eigentlich Wichtige herausfiltern.

 

Bilder: flickr/lioman123 (CC BY-SA 2.0), flickr/mauricevelati (CC BY 2.0)

Warum Twitter für Journalisten wichtig ist

von Alexander Karl

Es ist ja nicht so, als gäbe es Twitter erst seit gestern – bereits seit 2006 kann man über den Kurznachrichtendienst auf 140 Zeichen zwitschern. Doch nur ein Drittel aller deutschen Journalisten hat überhaupt einen Twitter-Accout, wie die Oriella Digital Journalism Study ergab. Im Vergleich zu anderen Ländern ist dies ziemlich wenig. Doch welchen Nutzen hat Twitter für Journalisten?
Informieren und teilen

Informieren und teilen

Informationen in 140 Zeichen zu verpacken ist nicht leicht – dieser Satz etwa hatte bereits 56 Zeichen. Trotzdem stellt sich David Köndgen (Foto) täglich dieser Aufgabe: „Sich kurz fassen zu müssen ist gut. Selbst wenn es auch für Journalisten eine Herausforderung sein kann, die Dinge so präzise auf den Punkt zu bringen“, sagt der crossmediale Volontär von Schwäbisch Media (u.a. Schwäbische Zeitung). Er selbst nutzt den Kurznachrichtendienst zur eigenen Information, teilt aber auch Dinge, die er wichtig findet: „Twitter vereinfacht den Informationsfluss und -austausch“, sagt er.

Denn der Informationsfluss spielt bei Twitter eine große Rolle: Einerseits können Journalisten und Blogger durch das Followen von Künstlern, Politikern oder dem Nutzer von nebenan an Informationen kommen. Da wird man nicht nur über Neuerscheinungen von Platten informiert, sondern auch über randständige Themen, die die Massenmedien noch nicht für sich entdeckt haben oder bei denen die altbekannte Berichterstattung zu langsam ist. Hinzu kommen natürlich, ähnlich wie bei Facebook, eine Vielzahl von persönlichen Einschätzungen der User. Andererseits kann auchder Blick über den Tellerrand, die Konfrontation mit anderen Sichtweisen, für Journalisten und Blogger nützlich sein – und neue Themen abwerfen.

Twitter als Straßenumfrage 2.0

Der Kurznachrichtendienst fördert den spontanen Eindruck, etwa beim sonntäglichen Tatort, der von der Twitter-Gemeinde verfolgt und kommentiert wird – zeitgleich zur Ausstrahlung im Fernsehen. Längst werden die Twitter-Kommentare auch von Journalisten aufgegriffen: Aktuelles Beispiel ist der Ludwigshafener Tatort, zu dem süddeutsche.de „[e]ine Auswahl der besten Tweets“ zusammengestellt hat. Ähnliches hat es bild.de zum Polizeiruf 110 gemacht, swr3.de zu Bischof Tebartz-van Elst. Die Auflistung lässt sich beliebig fortsetzen. Twitter, so scheint es, ist die neue Straßenumfrage. Wo sonst arglose Passanten in der Fußgängerzone nach ihrer Meinung gefragt werden, liefern sie die Twitterer nahezu ohne Aufwand und nur einen Klick entfernt.

Mehr noch lassen sich aus Twitter-Gesprächen Storys stricken. Kürzlich stritten sich Boris Becker und Oliver Pocher via Twitter – ein gefundenes Fressen für die BoulevardMedien.

Schneeballeffekt für Reichweite

Neben der Möglichkeit zur Information und zur thematischen Anregungen bietet Twitter aber auch Möglichkeit, die eigenen Artikel an den Leser zu bringen: Über Hashtags können Keywords markiert werden, nach denen man wiederum suchen kann. Bei 500 Millionen-Tweets, die jeden Tag (!) veröffentlicht werden, helfen die Hashtags bei der Übersicht. Und eben auch dabei, sich Follower außerhalb seiner eigenen Filter Bubble zu erschließen. David Köndgen etwa rät, sich die Trends – also oftmals genutzte Wörter – anzusehen, um die eigenen Tweets unter die Leute zu bringen; zudem auch mal kreativ über Themen zu schreiben: „Und dann auf den Schneeballeffekt hoffen.“ Das gelingt etwa, wenn der eigene Tweet von anderen retweetet wird und somit die Chance auf mehr Follower steigt. Damit trägt Twitter dem Rechnung, was sich im Internet auch für Journalisten immer mehr abzeichnet: Aufmerksamkeit ist die neue Währung, auch wenn die Monetarisierung dessen noch immer unklar ist. Doch Twitter, da ist sich David Köndgen sicher, ist Teil dieses neuen Journalismus: „Ähnlich wie bei der Nutzung von Facebook wird zukünftig auch in Deutschland die Bedeutung von Twitter im Journalismus weiter wachsen.“

 

David Köndgen könnt ihr bei Twitter als @spatzennest folgen. Den Autor dieses Textes findet ihr bei Twitter als @MedienPfau.

 

Foto: Alexander Karl; flickr/fanieart (CC BY-NC-ND 2.0)

That’s so gay!

von Pascal Thiel

Cybermobbing hat Konjunktur – besonders aus den USA erreichen uns ständig Schlagzeilen über neue Vorfälle. Immer wieder ist Homophobie Auslöser von jugendlichen Tragödien – und das Internet spielt dabei eine zunehmend bedeutsamere Rolle. Betroffen sind dabei, glaubt man der medialen Berichterstattung, vorrangig junge Homosexuelle. Doch diese These wird nicht nur von den unzähligen „Einzelfällen“ gespeist, sondern auch von der Existenz einer anderen, in den Augen mancher „harmloseren“ Form der Homophobie: einer homophoben Alltagssprache.

Den Beweis der Existenz liefert Twitter. Das soziale Netzwerk ist bis zum Bersten gefüllt mit homophoben Postings. Im Sekundentakt kommen neue hinzu. Einschlägige Ausdrücke wie „That was so gay“, „Faggot is in my college course“ oder „Fuck off with you gay fucking annoying laugh u faggot“ sind nur drei Beispiele homophober Sprache bei Twitter unter vielen.

Seit einigen Jahren haben sich Forscher der Universität von Alberta, Canada, dem Kampf gegen diese Tweets verschrieben: Vor drei Monaten riefen sie eine Internetseite ins Leben, die jedem Besucher in Echtzeit vor Augen führt, wie es sich bei Twitter mit homophoben Tweets verhält.

Homophobie in Daten

Die besagte Internetseite, nohomophobes.com, ist ein Projekt des „Institute for Sexual Minority Studies and Services“ der Faculty of Education der Universität von Alberta in Edmonton, Canada. Anfang Juli 2012 als „social mirror“ (Quelle: Pressemitteilung 26.09.12) ins Leben gerufen, zählt es seitdem „faggot“-, „so gay“-, „no homo“- und „dyke“-Tweets – in der Übersetzung: „Schwuchtel“-, „so schwul“-, „kein homo“- und „Lesbe“-Tweets. Die Macher sehen das Projekt als „soziales Gewissen“:

Perhaps, what this website does best, and why it has received so much international attention, is how the site serves as a form of collective social conscience, which reminds us about the powerof our words and how we have to take responsibility for our actions. (Quelle: Pressemitteilung 26.09.12)

Über 5 Millionen homophobe Tweets hat nohomophobes.com in den letzten drei Monaten gezählt. Von dieser gewaltigen Zahl zeigte sich selbst Institutsdirektor Kristopher Wells überrascht. Mit einem solchen Ausmaß habe man nicht im Geringsten gerechnet: „We never imagined the scale of casual homophobia that actually exists on social media“ (Quelle: Pressemitteilung 26.09.12).

Tatsächlich ist die Bilanz erschreckend: Im Schnitt werden auf Twitter täglich etwa 30.000 „faggot“-Tweets, 10.000 „so gay“-Tweets, 8.000 „no homo“-Tweets und etwa 3000 „dyke“-Tweets gepostet.

Homophob oder nicht?

Die Frage, ob die Verfasser tatsächlich alle homophob sind, lässt sich zwar nicht beantworten, doch es ist relativ unwahrscheinlich, dass hinter jedem besagten Tweet Hass gegenüber beziehungsweise Angst vor Homosexuellen steht.

Plausibler erscheint eine These, die von der Entstehung einer neuen Modesprache ausgeht. Während vor ein paar Jahren erste Fragmente vor allem auf Schulhöfen lediglich aus den Kehlen naiver Vorpubertierender schallten, hat sie sich bis heute zu einem hippen „Slang“ entwickelt, der jenseits von jeglich empathischen Empfinden sein Unwesen treibt. Längst haben sich Ausrufe wie „Das ist doch schwul!“ oder „So ein Homo!“ in der Sprache der Jugend festgesetzt.

Selbige Begriffe bezeichnen nach dem Verständnis vieler nicht mehr vorrangig eine andere sexuelle Identität, sondern stehen als Synonym etwa für „langweilig“ oder gar „scheiße“.

Seit dem Beginn des digitalen Zeitalters erhält diese Verschiebung der linguistischen Bedeutung besagter Begriffe nun Einzug in diversen sozialen Netzwerken. So unbewusst sich dort viele Internetnutzer dieser vermeintlichen Alltagssprache bedienen, so gefährlich ist die Konsolidierung derselben in der digitalen Gesellschaft. Denn es muss bedacht werden: Der mediale Ausdruck über Twitter geschieht hier immer auf Kosten einer gesellschaftlichen Gruppierung.

Menschen sind „desensibilisiert“

Kristopher Wells, Leiter des „Institute for Sexual Minority Studies and Services“ sieht das ähnlich. Gegenüber media-bubble.de sagt er:

While not all people tweeting are homophobic, their use of derogatory language hurts, stereotypes, and further isolates sexual and gender minorities, their friends, and families. We believe that many people have simply become desensitized to these words and the devastating impact they have in our society.  These words quite simply serve to reinforce stereotypes and are often used as powerful weapons to defile and further marginalize gay, lesbians, bisexual, and transgender people.

Gerade im Hinblick auf die geistige Entwicklung (homosexueller) Jugendlicher sei diese Desensibilisierung äußerst problematisch:

We are particularly concerned about the negative environment or climate these words have on youth who may be coming to terms with or questioning their sexual orientation or gender identity.

Die, durch die These der Modesprache, dargelegte Assoziation negativer Eigenschaften birgt zudem die Gefahr einer gesellschaftlich anerkannten Verachtung von Homosexuellen, die schließlich über soziale Netzwerke „globalisiert“ werden kann. Daher muss man sich gegen eine homophobe Sprache stellen – das will auch nohomophobes.com:

Ultimately, we hope that the website […]will encourage people to think critically before they speak or tweet! After all, words have the power to hurt, or to help. If casual homophobia is to end, we all must help to break the silence that surrounds the power of these words. If we don’t speak up, who will?

Um Wells Argumentation aufzugreifen: Internetnutzer müssen resensibilisiert werden für die Sprache, die sie verwenden – im wirklichen Leben wie in sozialen Netzwerken. Nur wenn sie sich bewusst die wahre Bedeutung ihrer Worte vor Augen führen, kann Einsicht erreicht werden.

Bilder: Pressebilder (erhalten via E-Mail)

So viel bist du im Web wert

von Alexander Karl

Es ist ein Schreckensszenario: Der Wert eines Menschen wird nur noch in Likes, Kommentaren und Retweets gemessen. Das Lebewesen hinter den Posts verschwindet. Doch längst ist das Realität, zumindest dann, wenn man Klout nutzt. Die App misst nämlich die Reputation von Menschen anhand von Facebook und Twitter – und der gläserne Mensch verschwindet hinter Bits und Bytes.

Das Ideal: Justin Bieber

Klout, das ist die Schufa unter den Apps: Sie sagt, was ein Mensch im Netz wert ist. Ob anderen gefällt, was er tut. Ob er beeinflusst. Und ob er vernetzt ist. Berechnet wird das – mal wieder – über einen Algorithmus, der ähnlich wie Google verfährt. Nur werden hier keine Webseiten gerankt, sondern real existierende Menschen. Und das anhand von Twitter-Retweets und Erwähnungen, Facebook-Kommentaren, Likes und Chronik-Posts. Ist man auch bei LinkedIn oder Google+ angemeldet, werden auch dort Kommentare und Co. gemessen. Es geht also um drei Säulen: Die Verstärkung (Retweets und Co.), die Reichweite (wie viele Follower lesen meine Tweets?) und das Netzwerk (Habe ich Kontakt mit „wertvollen“ Personen?) – und fertig ist der eigene Online-Wert! Wer also mit Justin Bieber befreundet ist, viele Follower hat und der eigene Status von Lady Gaga geteilt wird, der kann sich sicher sein, auch bei Klout einen hohen Wert zu erreichen. Außerdem hilfreich: Viel posten und das am besten immer wieder zum gleichen Thema. Der Maximum-Wert bei Klout ist 100 (den hat Justin Bieber), der Durchschnitt liegt bei 20, und bei null – dann existiert man quasi nicht.

Klout-Scores ist auch für Firmen interessant, um Meinungsmacher zu finden. Denn wer beeinflusst, kann für das Unternehmen nützlich sein. Dann bekommt man Geschenke, etwa ein Windows Phone, weil die Firmen um den Einfluss der Privatperson wissen – und sie mit Werbegeschenken dem eigenen Produkt zuneigen wollen. Was sich im ersten Moment als ein nettes Gadget anhört, nimmt gerade auch in den USA erschreckende Züge an. Dort werden Leute mit 15 Jahren Berufserfahrung nicht eingestellt, weil ihr Klout-Score zu niedrig ist, andere mit höheren Scores bekommen den Job.

Wertlosigkeit 2.0

Die Analogie zur Schufa macht durchaus Sinn: Die Reputationswürdigkeit jedes Einzelnen ist nur einen Klick entfernt. Und wer nichts auf der hohen Kante hat, der ist raus. Aber kann man Klout und seinen Bewertungen überhaupt vertrauen? Der Blog netzwertig.com hat da so seine Zweifel:

Auch die Tatsache, dass der US-Jungstar Justin Bieber mit einer Klout Score von 100 nach Erkenntnis des kalifornischen Startups einen größeren Einfluss hat als Barack Obama (Klout Score 93), stellt die Validität der Klout-Algorithmen in Frage – es sei denn, man sieht Klout Scores tatsächlich als reinen Indikator der Onlinereputation, der vollkommen von Image und sozialer Stellung einer Person im “realen Leben” losgelöst ist. Doch eigentlich wollen wir im Jahr 2012 ja genau diese Separation von Online und Offline hinter uns lassen.

Und was den Datenschutz angeht – da muss man erhebliche Bedenken haben. Denn anscheinend wird jeder – egal ob bei Klout registriert oder nicht – im Vorfeld ein Wert zugewiesen, der dann bei der Anmeldung angezeigt wird.

Klout ist vor allem eines: Eine bittere Pille, wenn man ein normales Leben führt. Der Durchschnittsuser, der ein Facebook-Profil hat, wird bei Klout sicherlich keinen Spaß haben. Eher jene, die im Netz viel unterwegs sind und auch selbst posten. Aber in der Ideologie von Klout geht es dabei nicht um die Pflege und Intensität von Freundschaften, sondern von reiner Oberflächlichkeit und Massentauglichkeit: Poste ich etwa einen kritischen Artikel über das (Nach-)Leben im Web, ist das wohl nicht so massenkompatibel, wie wenn ich jeden deutschen Sieg bejubel und dafür Likes von Gleichgesinnten sammele. Aber sollte man deswegen nur noch mit dem Strom schwimmen? Bei jeder Freundschaftsanfrage erst einmal den Klout-Wert checken? Diese Ideologie führt im Endeffekt nur wieder zu einer Blase, in der nicht mehr das Individuum, sondern nur noch die Masse zählt – die Masse an Likes, Freunden und massentauglicher Freunden. Doch das sollte wohl kaum der Sinn des Internet sein. Denn trotzdem sind wir noch mehr als Bits und Bytes.

Übrigens: Mein Klout-Score beträgt derzeit 45. Ich bin also nicht einmal halb so viel Wert wie Justin Bieber. OK, damit kann ich trotzdem irgendwie leben.

Fotos: Screenshot klout.com (19.06.2012)

Innovation? Die BR Rundshow

von Nicolai Busch und Sebastian Luther

Es ist etwas faul im Staate Fernsehen. Die Quoten der Öffentlich-Rechtlichen sind rückläufig, gleichzeitig wird eine GEZ Pauschale beschlossen, die an Schröders Basta-Politikstil erinnert und viele auf die Palme bringt (media-bubble.de berichtete). Mittlerweile beklagen sich nicht nur Leute wie Roger Willemsen über Niveauverfall aller ortens, Innovationen Fehlanzeige. Tatsächlich? Aus dem sonst immer als konservativ gebrandmarkten Bayern kommt eine neue, progressive Sendung, deren Konzept Schule machen könnte. Könnte. media-bubble.de hat die Rundshow kritisch unter die Lupe genommen. Ein Gespräch zweier media-bubble.de-Autoren über die BR Rundshow, den Medienwandel und den Willen des Zuschauers.

Die BR Rundshow: Innovation oder sinnfreie Technikverliebtheit? 

Nicolai Busch (nb): Bevor wir in medias res gehen, klären wir doch am Besten, worum es in der Sendung geht, wie sie überhaupt aufgebaut ist.

Sebastian Luther (sl): Das Prinzip ist schnell erklärt. Die Rundshow ist eine Kombination aus verschiedenen Dingen. Es gibt Politik, Talk, ein bisschen Late-Night-Flair und vor allem Social-Media Elemente, die die Einbindung der User live ermöglichen sollen. Moderiert wird die Sendung von Daniel Fiene und Richard Gutjahr, mit Gastauftritten von Sascha Lobo ist noch zu rechnen. Während der etwa halbstündigen Sendung werden zu einem vorgegebenen Thema gleichsam Experten wie Ottonormalverbraucher befragt, die via Skype, Twitter, Facebook, E-Mail oder Telefon live zu Wort kommen. Insgesamt ein innovatives Konzept

nb: Wirklich so innovativ? Skype, Twitter und Facebook mag man zur Einbindung von Zuschauern im Fernsehen tatsächlich zuvor noch nicht verwendet haben. Der Versuch der Fusion von Web und TV ist aber ganz sicher so alt wie das Netz selbst. Man denke nur an Telefonzuschaltungen im Musikfernsehen, in Talkshows etc. Natürlich ist es heute die Regel, während des Fernsehens online zu sein. Den  wöchentlichen Tatort kann man heute im Sekundentakt auf Twitter verfolgen. Vielleicht ist die Rundshow eine Show für Menschen, die parallel zum TV online sind, was immer mehr zur Regel wird. Das ist nun wirklich innovativ.

sl: Eben! Ich möchte ja nur ungern Klischees bedienen, aber ausgerechnet aus Bayern kommt ein Format, dass maßgeschneidert sein soll, und zwar auf die Ansprüche von Rezipienten, Konsumenten oder Usern –  nenne es, wie du willst. Wie ist es denn um die Situation des Fernsehens bestellt? Schlecht. Seine Bedeutung als Infomedium nimmt immer weiter ab. Viele wollen nicht einfach nur von einem stark selektierten Angebot an Informationen abgespeist werden, sondern selbst auswählen, welche Angebote, aus welcher Quelle sie nutzen. Sie selektieren selbst, sie werden gar dazu gezwungen, weil ihnen das Web keine Wahl lässt. Von alleine passiert dort nichts, ich muss wissen, auf welche Seite ich gehen will und dort auswählen, welches Angebot ich mir genauer ansehe. Gleichzeitig tritt aber gewissermaßen ein Paradoxon auf. Denn auch das Web entfernt sich nämlich zunehmend von seinem Dasein als Pull-Medium und wird durch Live-Streams, Pop Up Banner und Ähnliches zum Push-Medium, drückt mir Informationen quasi rein.

„Die Zuschauer haben wirklich ‚Die Macht‘. Innovation!“

nb: Zurück zur Rundshow: Tatsächlich scheitert das Format doch an jenem von dir beschriebenen, paradoxen Informationsflusses des Web. Die Konvergenz von Push und Pull wird immer offensichtlicher. Die Vielzahl an Beiträgen im Web überfordert die weniger medienkompetenen Nutzer und Selektivität verkommt häufig zur seltenen Schlüsselqualifikation. Fast scheint es manchmal, als blende unsere Begeisterung über Innovationen des Web 2.0 über bestehende Möglichkeiten analoger Interaktivität hinweg. Während durch die technische Einbindung von Social Media die Interaktivität der Rezipienten in der Sendung vermeintlich gesteigert wird, verblassen Sinn, Zweck und Folgen dieser Interaktion beinahe vollständig. Im Lichte dieses Technikwahns bleiben prominente Interviewpartner, wie Stephane Hessel, völlig farblos, eine Diskussion scheint via Skype in diesem Falle kaum möglich. Tatsächlich hat es die Sendung auch bisher nicht geschafft, Skype, Twitter und andere digitale Nachrichten und Kommunikationsdienste einzubinden, ohne dass deren Funktion nicht auch durch das gute, alte Telefon bzw. die Zuschauer-E-mail hätte erfüllt werden können. Worin besteht also die einzigartige Partizipationsleistung des Zuschauers und Interviewpartners in dieser Sendung?

sl: Mit dieser Argumentation würde ein Dienst wie Skype allerdings völlig hinfällig werden. Worin bestünde denn dann noch der Vorteil darin, es ist ja nicht mal kostenlos, weil ich immer noch Anschlussgebühren zahlen muss. Offensichtlich sind wir Menschen doch von face-to-face Kommunikation, wenn auch nur per Web Cam, mehr begeistert, als von einer blechernen, mehr oder minder anonymen Stimme aus einem Lautsprecher. Um auf das Thema zurückzukommen: Es macht einen wesentlich persönlicheren, freundlicheren und vor allem menschlicheren Eindruck, wenn ich Interviewpartner überhaupt sehen kann, und zwar auch diejenigen, die nicht explizit in die Sendung gebeten wurden. Man gewährt solchen Gesprächspartnern also fast den gleichen Zugang zum Publikum wie dem eingeladenen Talk-Gast. Die von dir beschriebene Gruppe der „weniger medienkompetenten Nutzer“ ist außerdem nicht die Zielgruppe der rundshow, mal abgesehen davon, dass diese Gruppe auch immer kleiner wird. Rosamunde Pilcher Verfilmungen werden doch auch nicht für ein 18-24 jähriges Publikum produziert. Die Sendung hat Potential, sie lässt mehr Menschen zu Wort kommen und das auf einer demokratischen Ebene, wie sie vorher im Fernsehen noch nicht vorhanden war. Allein schon durch ihre App „Die Macht“! Auf ein Mal kann das Gesagte von allen Zuschauern live kommentiert werden, und nicht mehr nur durch den Applaus, bzw. dessen Ausbleiben, der Gäste im Studio. Die Zuschauer haben wirklich ‚Die Macht‘. Innovation!

 „Was will ich und was will ich nicht?“

nb: Nun, über den Begriff der „Medienkompetenz“ , sowie darüber, ob die Gruppe der weniger medienkompetenten Nutzer tatsächlich kleiner wird, ließe sich wirklich sehr ausgiebig streiten. Gerne möchte ich an dieser Stelle den Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger zitieren, der die grundlegenden Probleme sozialen Handelns, nämlich die der „Kontingenz“ und „Interdependenz“, also der Nicht-Berechenbarkeit und gegenseitigen Abhängigkeit, im Netz verschärft vertreten sieht. Die entscheidenden Fragen unserer Generation im Netz sind doch noch immer: Was will ich und was will ich nicht? Was wollen die Anderen und wie stimme ich mein Handeln mit den Andern ab? Nach Neuberger wächst mit der Zahl der Handlungsoptionen im Netz auch gleichsam das Misstrauen der Nutzer gegenüber den Erwartungen der Masse. Die Schwierigkeit im Umgang mit der Multioptionalität im Internet belegen uns Phänomene, wie jenes des inflationären Hypes, einer sekundenschnellen Überhitzung und Abkühlung der Inhalte.

sl: Du meinst also, wir brauchen Orientierung?

nb: Ja. Die Chance der Rundshow, denke ich, liegt deshalb darin, eine Orientierung zu schaffen, die zur Integration und nicht zur Fragmentierung der Inhalte im Netz beiträgt. Orientierung kann geschaffen werden, indem jene zu Wort kommen, die Ideen haben und nicht jene, die ausschließlich „empört“ sind. Orientierung kann die Sendung vor allem schaffen, indem sie die Partizipation ihrer Zuschauer nicht nur vorgaukelt, sondern tatsächlich praktiziert. Die Einbindung von Social Media darf nicht das Ventil verbildlichen, dass die Netzgemeinde regelmäßig ausrasten lässt, um sie dann wieder ruhig zu stellen. Die Innovation des Formats muss doch darin liegen, dem häufig orientierungslosen Diskurs des Internets eine Richtung zuzuweisen, um diesen erst dann mit Rezipienten sachlich, tiefgründig und interaktiv weiterführen zu können.

sl: In diesem Punkt gebe ich dir Recht. Man wird abwarten müssen, wie de Sendung angenommen wird und sich ein derartiges Konzept mittelfristig sogar etablieren kann. Insgesamt zeigt sich im Fernsehen ja ein Trend hin zur aktiveren Einbindung von Nutzern, bzw. Rezipienten, egal über welchen Kanal. Und für die Zukunft wünsche ich Gutjahr und Fiene auf jeden Fall alles Gute!

Nerds entern die Politik

von Pascal Thiel

Mit lautem Gebrüll entern die Piraten die Parlamente des Landes. Doch vorbei sind die Zeiten der Säbel, Enterhaken und Co.. Denn die Piraten von heute halten etwas in der Hinterhand, von dem die etablierten Parteien keinen blassen Schimmer haben: neue, onlinebasierte Kommunikationstechniken.

Kuschelkurs oder Attacke? Die Piraten sind im Aufwind.

Allen voran CDU und SPD tasten sich seit Jahren an „dieses Internet“ heran, jedoch mit eher mäßigem Erfolg. Die Piratenpartei ist ihnen auf diesem Gebiet hingegen längst enteilt. Während Merkel und Co. das Gros ihrer Kommunikation über Telefonate  SMSen und E-Mails bewältigen und nur vereinzelt Abgeordnete mit dem Tablet-PC gegen die Langeweile kämpfen, nutzen die Piraten das Netz aktiv. Auch wenn es inhaltlich und realpolitisch noch Defizite gibt, punkten die Piraten durch ihre Netzaffinität. Doch wie sieht die Kommunikation genau aus?

Es gilt zwischen zwei Arten von Kommunikation zu unterscheiden: zwischen der Kommunikation in der Partei und der mit der Öffentlichkeit. Zur parteiinternen Verständigung nutzt die Piratenpartei diverse vor allem onlinebasierte Kommunikationsmittel.

Piratenkommunikation

Sie verfügt zum Beispiel über ein synchronisiertes Forum, das in einen öffentlichen und einen passwortgeschützten, internen Part aufgeteilt ist. Hier laufen drei Kommunikationsmittel zusammen: die Funktionen eines herkömmlichen Forums, Mailinglisten und ein Newsserver.

Die Forumfunktionen dienen besonders dem Austausch von Meinungen und Anregungen der Piraten untereinander. Es ist leicht, eine Diskussion entstehen zu lassen, an der jeder teilnehmen kann, da die Benutzung keine speziellen Kenntnisse erfordert. Zudem gibt es Mailinglisten, mithilfe derer entweder alle Piraten bundesweit oder nur bestimmte Landes-, Regional- und Lokalverbände erreicht werden können. All diese Mailinglisten sind im Zuge des Gebots der absoluten Transparenz unverschlüsselt einsehbar. Ein Newsserver komplettiert die Anwendungstrilogie: Besitzt man einen Newsreader, so kann man hier diverse Nachrichten der Partei abrufen.

Skype oder ICQ?

Auf welcher Plattform soll kommuniziert werden? Mittels Skype oder doch ICQ? Oder woanders? Dieses Problem ist weit verbreitet. Man will mit einem Freund chatten, der ist aber nicht beim selben Chatanbieter registriert. Doch mit dem richtigen Programm ist dies leicht zu umgehen. Auch die Piratenpartei hat das erkannt.

Die meisten Instant-Messagers (IMs) laufen über ein bestimmtes Protokoll, das sogenannte „Extensible Messaging and Presence Protocol“ (XMPP), auch Jabber genannt. Besitzt man ein Programm (z.B. Adium), das in der Lage ist, dieses Protokoll zu „lesen“, ist es möglich die Accounts der verschiedenen Anbieter (ICQ, Skype, etc.) miteinander zu verbinden. Dann kann man über ein fest auf dem Computer installiertes Programm mit Kontakten aus den verschiedenen IMs kommunizieren. So ist es den Piraten möglich, sich unabhängig von Anbietergrenzen untereinander zu verständigen.

Der blaue Helfer – auch bei den Piraten.

Skype wird von manchen Piraten allenfalls zum normalen Instant-Messaging in Kombination mit Jabber genutzt, stellt aber kein primäres Kommunikationsmittel dar. Es herrscht offenbar eine gewisse Skepsis, dass Skype die Daten seiner Anwender ordnungsgemäß schützt. Zuletzt gab eine Hackerin bekannt, sie habe herausgefunden, Skype spähe ab Installation die sog. BIOS-Daten, also die zentrale Schaltzentrale eines jeden Computers aus.

Eine weitere Möglichkeit ist Twitter. Doch dadurch wird eher die Internet-Avantgarde der Piraten angesprochen, Personen, die nicht so internet-affin sind eher weniger.

Während die Piraten mit Jabber vorrangig über Textnachrichten kommunizieren, verwenden sie zum Voicechat ein anderes Programm: Mumble.

Mumble wurde ursprünglich für Online-Videospiel-Spieler konzipiert, um ihnen während dem Spiel die Möglichkeit zur gegenseitigen Kommunikation zu eröffnen. Doch die Piraten nutzen es nun, um kurze Besprechungen abhalten zu können, ohne durch ganz Deutschland reisen zu müssen. Die Vorteile z.B. gegenüber Skype liegen im besseren Schutz der Benutzerdaten, dem relativ niedrigen Leistungsverbrauch, der aber gleichzeitig ausgezeichneten Sprachübertragungsqualität sowie in der Individualität des Programms.

Eine weitere Hilfe der eher dezentralen Piratenpartei ist das Piratenpad. Dies ist eine Abwandlung von Etherpad, einem Programm, mit welchem die Online-Bearbeitung von Dokumenten durch mehrere Personen an verschiedenen Internetanschlüssen möglich ist. Mit einem zusätzlich eingebauten Chat können sich die am Dokument schreibenden Personen zusätzlich untereinander verständigen.

Kommunikation mit „Nicht-Piraten“

Da die Piratenpartei nach ihrem Einzug ins Abgeordnetenhaus von Berlin sowie in den saarländischen Landtag ohnehin schon unter besonderer Beobachtung der Öffentlichkeit steht, ist eine große Aufmerksamkeitskampagne nicht nötig. Dennoch macht die Partei durch Plakate, Flyer und digitalen Werbebannern auf sich aufmerksam. Der erste Weg ins Reich der Piraten führt meist zum zentralen Onlineportal, der offiziellen Homepage oder zu einer der offiziellen Facebookseiten. Hier werden ähnlich wie bei anderen Parteien Fragen geklärt, wie „Wer sind die Piraten überhaupt?“, „Für was stehen sie?“ oder „Wie kann ich mitmachen?“.

Wer sich genauer informieren möchte, schaut ins Piratenwiki. Das ist, ähnlich wie Wikipedia über die Welt, eine Art Internetlexikon über die Piratenpartei. Hier kann sich der Bürger auf 160.251 Seiten über alle Bereiche der Arbeit der Piraten informieren. Hier wird der Anspruch der Piraten auf absolute Transparenz besonders deutlich. Zudem gibt es einige Piratenblogs, die zusätzliche News liefern.

Die Piraten bedienen sich also einer breiten Palette von Kommunikationsinstrumenten, um den Sturm auf deutsche Politik vorzubereiten. Ob es ihnen gelingt, ist abzuwarten. Rein technisch verfügen sie über beste Voraussetzungen.

Foto: flickr/gerougos; skype.com

Journalismus im Internet und eine Krake. Namens ACTA.

 von Felicitas Schneider

„Die Öffentlichkeit ist verunsichert, die Gerüchteküche brodelt. Die wenigen geleakten Informationen zu ACTA lesen sich wie ein Horrorkatalog für einen Bürgerrechtler“, schreibt die Stop-ACTA-Site.

Es bleibt alles beim Alten „deshalb sehen wir es auch nicht so kritisch, wie es einige Initiativen sehen“ dementiert Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Aber, worum handelt es sich bei ACTA, dem Anti-Counterfeiting Trade Agreement, eigentlich und was für eventuelle Auswirkungen hat das auf den (Bürger)Journalismus?

Was ACTA ist und wieso es kritisiert wird

Proteste gegen ACTA gab es auch in Deutschland – wie hier in Augsburg am 11.2.2012

ACTA – ausgeschrieben Anti-Counterfeiting Trade Agreement – ist eine Art Pendant zu den amerikanischen Anti-Piraterie-Gesetzen PIPA und SOPA. Seit 2007 wird das ACTA-Abkommen unter anderem von den USA, Japan und den 27 EU Mitgliedsstaaten unter völligem Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. Hauptgegenstand des ACTA-Abkommens, welches eine Ergänzung zum TRIPS-Abkommen darstellt, ist die Verschärfung des Urheberrechtsschutzes durch striktere Ahndung von Urheberechtsverletzung und Produktpiraterie – vor allem im digitalen Raum. Erst auf stärker werdenden Druck der Öffentlichkeit wurde das „geheime Abkommen“ nach und nach veröffentlicht. Diese Geheimhaltung ist bedenklich, wie viele Juristen u.A. Thomas Stadler, Betreiber des Blogs „Internet-Law“ und Professor Metzer von der Universität Hannover kritisieren. Bedenklicher ist auch, dass das Dokument unter Ausschluss der WTO und des Europa Parlaments erstellt wurde, womit deren Mitspracherecht nicht gewahrt worden ist, obwohl das Abkommen den internationalen Handel und das europäische Recht betrifft.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass ACTA weit über das europäische Recht hinausgeht. Europäisches Recht ist jedoch auf keinen Fall gleichzusetzen mit deutschem Recht. Viele Neuerungen durch ACTA sind längst nationales, nicht jedoch internationales Recht. So ist Artikel 27 des ACTA Abkommens, welcher Auskunftsansprüche gegen Provider vorsieht, schon lange deutsches Recht, nicht jedoch europäisches Recht.

Jedoch findet sich in Artikel 27 des Abkommens auch eine Neuerung für deutsches Recht. Diese ist, laut Rechtsanwalt Ferner, eine ausgesprochen gefährliche Neuerung. Der Artikel besagt, dass nicht nur Besitzer, sondern auch Dritte (beispielsweise Provider) haftbar gemacht werden können. Dies kann durchaus dazu führen, dass Anbieter wie Twitter und diverse Blogdienste Inhalte schon beim Verdacht einer Urheberrechtsverletzung zurückhalten und gar nicht mehr online stellen.

Durch ACTA sollen zudem Daten beschlagnahmt werden dürfen, wenn der Rechteinhaber Zweifel am rechtmäßigen Besitz der Daten äußert (Art. 12 ACTA). Dies entspricht zwar laut Rechtsanwältin Heidrun McKenzie schon der deutschen Gesetzgebung, nicht jedoch der Europäischen.

Des Weiteren dürfen, ohne die vorherige Anhörung des Betroffenen, Rechtliche Maßnahmen verhängt werden. Dieser Artikel verstößt gegen das (deutsche) Recht auf rechtliches Gehör (Art. 103 GG).

Durch die Artikel 12 und 27 des ACTA-Abkommens wird somit sehr deutlich, dass ACTA hauptsächlich die Rechte der Urheber schützen will und wenig Spielraum für die Verteidigung der Betroffenen einräumt. Das wiederum wird dazu führen, dass es eine massive Reduzierung der Informationsmöglichkeiten für die Nutzer geben wird.

ACTA + Onlinejournalismus = ?

Aber welchen Einfluss wird der Artikel 12 auf den Onlinejournalismus haben? Denkt man beispielsweise daran, wie Informationen über das Erdbeben, den Tsunami und den Super GAU in Japan an die Öffentlichkeit gelangten, so waren es nicht Pressemitteilungen der Regierung, sondern Tweets und Blogbeiträge von Betroffenen, die internationale Journalisten mit Informationen versorgten.

Wie griffig ist außerdem das Argument, dass Beiträge in Form von Youtubevideos „zensiert“ würden weil im Hintergrund urheberechtlich geschützte Musik läuft und dadurch eine Verletzung des Urheberrechtes vorliegen würde? Man denke beispielsweise an die Ausstrahlung eines Interviews von einem Festival bei Youtube. Während die Künstler interviewt werden, hört man im Hintergrund einen anderen Act auftreten. Würde das Interview daraufhin zensiert werden, weil der Interviewer die Rechte an der „Hintergrundmusik“ nicht besitzt? Solche Prognosen klingen absurd, werden von ACTA Gegnern jedoch immer wieder angeführt.

Was geschieht also, wenn diese Befürchtung nicht hypothetisch bleibt, sondern Realität wird? Gesetz dem Fall, Journalisten und Bürgerjournalisten veröffentlichen Inhalte (wenn auch in eigenen Worten), die sie zuvor auf Seiten wie Zeit.de gelesen haben, geben jedoch nicht an, woher ihre Informationen stammen, wie das bei Tweets oder Facebookposts meist der Fall ist – würden die ACTA-Neuerungen in diesem Fall greifen?

Würde Journalismus am Ende schrecklich teuer, weil man für alle Informationen die Rechte kaufen bzw. für sie bezahlen müsste? Verstieße dies nicht gegen eine der fundamentalen Ideen des Internets, Informationen kostenlos und weltweit zugänglich zu machen?

Was würde passieren, wenn man auf einem viel frequentierten Blog karikierende, Zeitgeschehen kommentierende Fotos und Werbeanzeigen postet, welche man zuvor im Internet gefunden hat, jedoch nicht angibt, woher der Fundus stammt?

Wie weit wären Journalisten die im Internet veröffentlichen, von diesen neuen, strengeren Richtlinien betroffen?

Während derzeit noch unklar ist, ob das Europa-Parlament  das ACTA-Abkommen unterzeichnen wird und Deutschland die Ratifizierung vorerst auf Eis gelegt hat, möchten Länder wie Polen, Tschechien und Lettland nach heftigen Protesten aus der Bevölkerung  vorerst die Ratifizierung des Abkommens aussetzen. Viele Fragen stehen im Raum.  Allerdings ist es, wie Thomas Stadler, Betreiber des Blogs „Internet-Law“ anmerkt, schwierig, fundierte, sachliche Fakten über ACTA zu finden. Fragen wie beispielsweise zu den Zusammenhängen zwischen ACTA und Online Journalismus sind dadurch nur schwerlich zu beantworten. Wem das 52-seitige Dokument Aufschluss bietet, der kann sich die Fragen selber beantworten. Wer das nicht möchte oder wem das nicht genügt, der kann sich anderweitig Informationen beschaffen, z.B.: über das Internet. Vorausgesetzt, es gibt sie dort noch.

 

Foto: flickr/ Johanna Bocher (CC BY-NC-ND 2.0); Sophie Kröher