Beiträge

Die Geschichte einer Lüge – Authentizität in TV-Dokumentationen

Nachdem wir zuletzt fiktionale Serien auf ihre Authentizität hin untersucht haben, widmen wir uns in den folgenden Beiträgen einem Format, von dem generell eine unumstößliche Authentizität erwartet und gefordert wird. Doch wie verhält es sich bei TV-Dokumentationen wirklich? Dazu nehmen wir zunächst den Begriff ‚Authentizität‘ nochmal unter die Lupe und analysieren im Anschluss, wie Dokumentationen diese in Szene setzen.

Farbfilter, Sixpacks und eine Welt der Klischees – Vikings auf dem Prüfstand Part II

Im zweiten Teil unserer Vikings-Analyse gehen wir der Authentizität der Serie weiter auf den Grund und stellen die Protagonisten in den Fokus: Wie kleiden sie sich? Wie kämpfen sie? Und welches Rollenbild haben sie? Und ist das alles authentisch? Das erfahrt ihr in diesem Artikel, mit dem wir auch den Serienteil unserer Suche nach dem großen A abschließen.

Farbfilter, Sixpacks und eine Welt der Klischees – Vikings auf dem Prüfstand Part I

Eingerahmt von zahlreichen TV-Dokumentationen über Wikinger präsentiert uns History Channel die Drama-Serie Vikings. Doch haben die Produzenten der Serie die hauseigenen Dokumentationen gesehen? Skizzieren sie auf deren Grundlage ein authentisches Bild des nordeuropäischen Mittelalters? Oder präsentieren sie uns lediglich ein Fantasy-Produkt? Handlungselemente werden kaum aufgegriffen; leichte Spoilergefahr für alle Staffeln.

Titelbild Rome

Blut und Dreck statt Brot und Spielen – Die Welt von HBOs Rome Part II

Im zweiten Teil unserer Romreise gehen wir der Authentizität dieser gelobten Serie weiter auf den Grund. Dabei werdet ihr unter anderem erfahren, warum demokratische Werte in Rome fehl am Platz sind und wie bedeutend der Abschaum der Stadt für die Glaubwürdigkeit der Serie ist.

Titelbild Rome

Blut und Dreck statt Brot und Spielen – Die Welt von HBOs Rome Part I

Mehrere Millionen Fernsehzuschauer faszinierte zwischen 2005 und 2007 die Serie Rome – die bis zur Ausstrahlung von Game of Thrones teuerste Serie. Doch ob mehr Geld auch eine höhere Authentizität der dargestellten historischen Ereignisse bedeutet, erfahrt ihr hier. In diesem Beitrag werden einzelne Szenen der 1. Staffel angesprochen; leichte Spoilergefahr.

SocialMedia

Wer hat hier Social Media Marketing nicht kapiert?

Social Media Marketing kann auch mal ganz anders funktionieren. Dafür braucht man keine teuren Seminare buchen. Und keine Agentur nach ihren Standardrezepten fragen. Wie das geht, zeigt der analytische Blick auf die Auseinandersetzung zwischen dem irischen Hotel- und Cafébesitzer Paul Stenson und Elle Darby, Social Media Influencer im Bereich Fashion und Beauty. Spoiler: Der Cat Fight hatte einen eindeutigen Sieger.

Schreibmaschine

Lösungsansätze für die Krise des Journalismus

Die aktuelle Krise des Journalismus bei den etablierten Medienunternehmen wie ARD, ZDF oder der TAZ zu beleuchten und analysieren war ein Ziel für die beiden Medienwissenschaftler aus Tübingen, Panagiotis Fotiadis und Thanh Mai Tran. Mit ihrer Reportage „Journalisten unter Druck – Eine Krise ohne Ausweg“ zeigen die beiden Studierenden mit ihrem Bachelor-Abschlussfilm auch interessante Lösungswege: Wie man mit individuellen digitalen Ideen journalistisch arbeiten und Geld verdienen kann: Handmade digital Journalism.

Die Suche nach dem großen A

Die Suche nach dem großen A

Ob nun in Filmen, Dokumentationen oder Serien, historische Darstellungen haben Hochkonjunktur. Doch ist sie nur ein Instrument, um publikumsansprechende Welten zu schaffen, oder kann aus diesen Formaten auch Wissen gezogen werden? Wir machen uns auf die Suche nach der Authentizität in Serien und TV-Dokumentationen mit historischem Inhalt.

Schwarz-Weiß-Malerei gegen vier Buchstaben

von Alexander Karl

Es ist (mal wieder oder immer noch) en vogue, gegen die BILD zu sein. Wer sich positiv äußerst, dem wird sofort vorgeworfen, mit dem Teufel zu paktieren. Gegen den Pakt-Deluxe, auch bekannt als die Verteilungsaktion der Jubliläums-BILD zum 60. Geburtstag an 41 Millionen Haushalte, konnte man sich wehren. 250.000 Deutsche taten dies und sagten im Vorfeld, dass sie kein Exemplar wollten – das war und ist ihr gutes Recht. Über 40 Millionen taten es demnach aber nicht, bekamen das Blatt und konnten damit tun und lassen, was sie wollten. Doch für BILD-Kritiker scheint diese Art der Meinungsfreiheit nicht genehm zu sein: Sie ziehen es vor, die BILD-Welt weiterhin in schwarz und weiß zu malen.

Ein Geburtstag nach Maß

Ob man die BILD zu ihrem 60. Geburtstag nun lesen wollte oder nicht, konnte tatsächlich jeder selbst bestimmen, auch bereits im Vorfeld. Viele Kritiker des Blatts haben es sich anscheinend nicht nehmen lassen und einmal in die verbotene Welt der großen Buchstaben und noch größeren Bilder geschaut und kamen zu schockierenden Erkenntnissen: Die BILD feiert sich in ihrer Gratis-Ausgabe zum 60. Geburtstag selbst! So heißt es etwa bei heise.de: „Denn das praktisch einzige Thema in dieser Bildausgabe ist die Bildzeitung selber. „The medium is the message“, prophezeite der kanadische Medienphilosoph Marshall McLuhan schon in den 1960er Jahren. Nie war der Satz wahrer als im Angesicht dieser selbstbezüglichsten aller selbstbezüglichen Zeitungsausgaben. „Oder auch der BILDblog. Da steht: „Es war noch viel weniger eine Zeitung, als wir im Vorfeld gedacht hatten, und noch viel mehr ein Werbeprospekt: In fast allen Geschichten ging es um „Bild“. Eine weitere Eintragung ins Guinness-Buch der Rekorde wäre also durchaus verdient: als selbstbezüglichste „Zeitung“ der Welt.“

Stellen wir uns den 60. Geburtstag von Tante Matthilde von nebenan vor. Wird sie Gäste einladen, die sie nicht mag und die sie nicht mögen? Wird sie gerne eine Runde schmutzige Wäsche waschen und sagen, was sie alles falsch macht? Sicherlich nicht. Ferner bedarf eine solche Sonderausgabe für 41 Millionen Leser einer gewissen Planung – seien es die redaktionelle Vorbereitung als auch der Druck der Zeitung. Wer hat wirklich erwartet, dass die Ausgabe einen Tag vorher angefertigt wird und aktuelle Themen behandelt? Zumal eine „normale“, also tagesaktuelle, BILD im Handel erhältlich war.

Wie blind die BILD-Gegner anscheinend auf beiden Augen sind, zeigt sich anhand der äußerst oberflächlichen Berichterstattung, etwa im BILDBlog. Da wird – haha! – ein Bild von einem weggeworfenen Exemplar verlinkt, anstatt sich das grandiose Interview mit Gerhard Schröder einmal genauer anzusehen. Schröder revidiert darin etwa seinen Satz „Zum Regieren brauche ich BILD, BamS und Glotze“. Er kritisert die Griechenland-Politik der BILD, wirft dem Blatt vor, seine Differenzierungen weggelassen und fernab der Realität berichtet zu haben. Zitat Schröder: „Das [die Berichterstattung über ein Portrait von Schröder] war das erste Mal, wo sich BILD – bezogen auf mich – ansatzweise der Realität angenähert hat!“

Wer dieses Interview aufmerksam liest, muss sich doch wundern, was es in diesem Sonderausgaben-Blatt macht. Denn die augenscheinliche Lobpreisung von BILD an BILD stößt in diesem Interview hart an ihre Grenzen und müsste die Frage nach sich ziehen, wieso das Blatt ein so BILD-kritisches Interview überhaupt bringt. Ansonsten ist die Jubiläumsausgabe tatsächlich etwas langweilig und enthält wenig Interessantes, dafür hat bild.de bereits Tage zuvor ins Archiv der Zeitung blicken lassen und Ex-Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust die Geschichte der Zeitung schreiben lassen – und das durchaus kritisch. Vielen, selbst Günter Wallraff, ist aufgefallen, dass die BILD sich Stück für Stück wandelt und öffnet. Zwar sieht der Enthüllungsjournalist das Blatt noch immer in der Rolle des „gemeingefährlichen Triebtäters, der unter ständiger Beobachtung stehen muss“, aber hält dem Blatt etwa die Berichterstattung über den iranischen Musiker Shahin Najafi zu Gute und lobt sogar BILD-Chefredakteur Kai Diekmann.

Kritik ja, aber richtig

Watchblogs und medienkritsche Blogs sind nützlich für unsere Gesellschaft und die Medienlandschaft. Sie sind ein wichtiges Korrektiv. Aber es ist schade und kontraproduktiv, wenn die Gegner der BILD genau das tun, was sie dem Blatt eigentlich vorwerfen: Nämlich Schwarz-Weiß-Malerei, ohne auch einmal die Scheuklappen abzunehmen. Denn sonst erinnert die Aktion von Campact „Roter Umschlag oder Bild? Wir brauchen Ihre Rückmeldung!“ schnell an eine nette Mischung aus „BILD kämpft für Sie!“ und den 1414-Fotoreportern – nur eben mit anderen Vorzeichen. Übrigens – und das sollte man als Gegner der Zeitung eingesteht – beweist Chefredakteur Kai Diekmann in letzter Zeit viel Sinn für Humor und vielleicht sogar Verständnis: Campact-Aktivisten begrüßte er bei der Jahreshauptversammlung der Axel Springer AG im April mit Pseudo-Che Guevara-Shirt und Donuts, die er an die Demonstranten verteilte. Nun konterte er auf eine überdimensionale Rote Karte der Aktivisten mit einer Botschaft, die an jene Ansprache von Hans Leyendecker bei der Henri-Nannen-Preisvergabe erinnert. Man könnte das Gefühl bekommen, dass BILD die Augen nicht (mehr) verschließt. Ein Grund mehr für die BILD-Gegner, wach und offen zu sein.

flickr/mkorsakov (CC BY-NC-SA 2.0), flickr/campact (CC BY-NC 2.0)

Über Pornos und andere Götter

von Nicolai Busch

Selig sind die, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen. Unselig sind jene, die sich Pornos reinziehen, denn sie berauben sich der heiligmachenden Gnade. Aber wahrlich, ich sage euch: Es ist dennoch leichter, sich auf religiösen Websites den Rechner zu schrotten als auf den Seiten der nackten Sünder.

Virenschleuder auf religiösen Seiten

Das bunte Treiben auf Kirchen-Webseiten

Diese Erkenntnis wahrlich biblischen Ausmaßes ist in leicht abgeänderter Form zumindest den Ergebnissen des Internet Security Thread Reports 2011 zu entnehmen, welcher jährlich im Namen der US-amerikanischen Computersicherheitsfirma Symantec erscheint. Hier heißt es: Das Risiko, sich auf religiös-ideologischen Websites einen Computervirus einzufangen, ist dreimal größer, als jenes auf Websites mit pornografischem Inhalt. Eine denkbar unerwartete und dennoch empirisch bewiesene These. Schließlich basiert die Studie auf Daten, welche Symantec im Rahmen der Analyse von Hackerangriffen in mehr als 200 Ländern im Vorjahr gesammelt hatte. Der Grund für das weniger hohe Virenrisiko auf den Schmuddelseiten liegt dem Bericht zu Folge in der häufig kommerziellen Absicht ihrer Betreiber. Man wolle es sich mit den lüsternen Konsumenten schließlich nicht verscherzen und würde deshalb einen virus-freien Aufenthalt auf pornografischen Websites häufig gewährleisten.

Religion im Boulevard

„Sicher haben dahingegen kirchliche bzw. religiöse Einrichtungen, die eine Webseite betreiben, das Problem, dass ihre Webseiten von ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut werden. Diese sind in technischen Fragen häufig Laien“; so Bernhard Limberg von der Evangelischen Nachrichtenagentur idea im Gespräch mit media-bubble.de. Dass es in Zukunft Aufgabe kirchlicher Institutionen sein sollte, regelmäßige Sicherheitsupdates durchzuführen und die nötigen Firewalls zu installieren, um die nichtsahnenden User ihrer Website zu schützen, sollte selbstverständlich sein.

So weit so gut. Was das Thema zusätzlich interessant macht, ist die mediale, manipulative Ausschlachtung, die es durch deutsche Nachrichtendienste im Netz erfährt. Mit fast schon süffisantem Tonfall wird dort die Studie zu einem Kondensat zusammengeköchelt, die Religion diskreditiert. “Porno schützt besser vor Viren als Religion“, heißt es da beispielsweise. Der Porno wird – um im Jargon zu bleiben – als Kondom für den Internetverkehr gehypet. Längst ist eine boulevardesk anmutende Reduktion des Sachverhalts in Schlagzeilen Usus im Web.  Mehr noch wird hier aber der moralische Kontrast von Gut und Böse bedient, um leserfreundlich zu polarisieren. Es geht nicht mehr nur um die Ergebnisse eines Berichts über Bedrohungen im Internet, sondern vor allem darum, der Oberflächlichkeit des digitalen Volksmundes endlich ungestraft zu huldigen. Der Leser freut sich über die Steilvorlage, wie die von Administratoren genehmigten Leserkommentare zeigen: “Religion ist ein Virus“, “Guter Sex ist besser als jede Religion“.

Diktatur des digitalen Relativismus

Sex sells – ist nun mal so.

Was sich in der Printausgabe nur ganz gewisse Medien getraut hätten, ist im Netzzeitalter beinah jedem national anerkannten Nachrichtenmagazin zuzutrauen. Der Bruch mit dem Tabu ist dem wohl vielleicht demokratischsten Medium dieser Tage inhärent und nicht länger zu verurteilen. Die kreischende, politisch-unkorrekte Headline gibt den Ton an und versteckt die Inhalte. Der Internetpornografie kommt dieser Umstand zu Gute. Abgesehen von Kinderpornografie gibt es längst keine illegitime Pornokultur mehr, weil sich die Auswirkungen von Pornografie in der Grenzenlosigkeit des Netzes als unabsehbar erwiesen haben.

Die Pornographie ist deshalb netzaffiner als alles andere auf dieser Welt, weil sie gleich ihrem Medium nichts als definitiv anerkennt und als letztes Maß nur das dauergeile Ich und dessen Wünsche gelten lässt. Porno muss sich nicht anpassen an die Diktatur des Relativismus, die das Netz betreibt. Porno ist schon relativ.

Religion ist es noch nicht. Sie widersteht dem Sich-treiben-lassen dieser Zeit. Natürlich unternimmt sie unentwegt den Versuch, sich anzupassen. Wenn möglich, ohne auf den Kern ihrer Botschaft verzichten zu müssen. Doch hin und wieder scheitert diese Anpassung an einer digitalen Erlebnisgesellschaft, die ihr viel zu häufig deutlich macht, wie überholt sie doch im Grunde ist. Auch der klare, christliche Glaube wird dann häufig als Fundamentalismus etikettiert.

Der Missionar als Trojaner

Von diesem Punkt an ist es nicht mehr weit, um, wie Symantec, durch die Verwendung verallgemeinernder Begriffe, wie “religiöse und ideologische Websites“, unabsichtlich für Schlagzeilen zu sorgen, die das Bild des gefährlichen Missionars und Ideologen digital aufbereiten und symbolisch neu besetzen. Es ist das Bild eines Terroristen. Eines Trojaners, der uns die neu gewonnene, digitale Freiheit nicht gönnt.

Da er aber vom Berg herabging, folgten ihm viele Menschen nach. Und siehe, da kam ein Sünder mit seiner verseuchten Festplatte daher und sprach: Kannst du sie wohl reinigen? Und er streckte seine Hand aus, rührte sie an, lachte herzlich und sprach: Now Be Safe Son, Keep On Watching Porn.

Fotos: flickr/knivesout (CC BY-NC-ND 2.0) , flickr/iarahei  (CC BY-NC-SA 2.0)