Beiträge

Journalismus im Internet und eine Krake. Namens ACTA.

 von Felicitas Schneider

„Die Öffentlichkeit ist verunsichert, die Gerüchteküche brodelt. Die wenigen geleakten Informationen zu ACTA lesen sich wie ein Horrorkatalog für einen Bürgerrechtler“, schreibt die Stop-ACTA-Site.

Es bleibt alles beim Alten „deshalb sehen wir es auch nicht so kritisch, wie es einige Initiativen sehen“ dementiert Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Aber, worum handelt es sich bei ACTA, dem Anti-Counterfeiting Trade Agreement, eigentlich und was für eventuelle Auswirkungen hat das auf den (Bürger)Journalismus?

Was ACTA ist und wieso es kritisiert wird

Proteste gegen ACTA gab es auch in Deutschland – wie hier in Augsburg am 11.2.2012

ACTA – ausgeschrieben Anti-Counterfeiting Trade Agreement – ist eine Art Pendant zu den amerikanischen Anti-Piraterie-Gesetzen PIPA und SOPA. Seit 2007 wird das ACTA-Abkommen unter anderem von den USA, Japan und den 27 EU Mitgliedsstaaten unter völligem Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt. Hauptgegenstand des ACTA-Abkommens, welches eine Ergänzung zum TRIPS-Abkommen darstellt, ist die Verschärfung des Urheberrechtsschutzes durch striktere Ahndung von Urheberechtsverletzung und Produktpiraterie – vor allem im digitalen Raum. Erst auf stärker werdenden Druck der Öffentlichkeit wurde das „geheime Abkommen“ nach und nach veröffentlicht. Diese Geheimhaltung ist bedenklich, wie viele Juristen u.A. Thomas Stadler, Betreiber des Blogs „Internet-Law“ und Professor Metzer von der Universität Hannover kritisieren. Bedenklicher ist auch, dass das Dokument unter Ausschluss der WTO und des Europa Parlaments erstellt wurde, womit deren Mitspracherecht nicht gewahrt worden ist, obwohl das Abkommen den internationalen Handel und das europäische Recht betrifft.

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass ACTA weit über das europäische Recht hinausgeht. Europäisches Recht ist jedoch auf keinen Fall gleichzusetzen mit deutschem Recht. Viele Neuerungen durch ACTA sind längst nationales, nicht jedoch internationales Recht. So ist Artikel 27 des ACTA Abkommens, welcher Auskunftsansprüche gegen Provider vorsieht, schon lange deutsches Recht, nicht jedoch europäisches Recht.

Jedoch findet sich in Artikel 27 des Abkommens auch eine Neuerung für deutsches Recht. Diese ist, laut Rechtsanwalt Ferner, eine ausgesprochen gefährliche Neuerung. Der Artikel besagt, dass nicht nur Besitzer, sondern auch Dritte (beispielsweise Provider) haftbar gemacht werden können. Dies kann durchaus dazu führen, dass Anbieter wie Twitter und diverse Blogdienste Inhalte schon beim Verdacht einer Urheberrechtsverletzung zurückhalten und gar nicht mehr online stellen.

Durch ACTA sollen zudem Daten beschlagnahmt werden dürfen, wenn der Rechteinhaber Zweifel am rechtmäßigen Besitz der Daten äußert (Art. 12 ACTA). Dies entspricht zwar laut Rechtsanwältin Heidrun McKenzie schon der deutschen Gesetzgebung, nicht jedoch der Europäischen.

Des Weiteren dürfen, ohne die vorherige Anhörung des Betroffenen, Rechtliche Maßnahmen verhängt werden. Dieser Artikel verstößt gegen das (deutsche) Recht auf rechtliches Gehör (Art. 103 GG).

Durch die Artikel 12 und 27 des ACTA-Abkommens wird somit sehr deutlich, dass ACTA hauptsächlich die Rechte der Urheber schützen will und wenig Spielraum für die Verteidigung der Betroffenen einräumt. Das wiederum wird dazu führen, dass es eine massive Reduzierung der Informationsmöglichkeiten für die Nutzer geben wird.

ACTA + Onlinejournalismus = ?

Aber welchen Einfluss wird der Artikel 12 auf den Onlinejournalismus haben? Denkt man beispielsweise daran, wie Informationen über das Erdbeben, den Tsunami und den Super GAU in Japan an die Öffentlichkeit gelangten, so waren es nicht Pressemitteilungen der Regierung, sondern Tweets und Blogbeiträge von Betroffenen, die internationale Journalisten mit Informationen versorgten.

Wie griffig ist außerdem das Argument, dass Beiträge in Form von Youtubevideos „zensiert“ würden weil im Hintergrund urheberechtlich geschützte Musik läuft und dadurch eine Verletzung des Urheberrechtes vorliegen würde? Man denke beispielsweise an die Ausstrahlung eines Interviews von einem Festival bei Youtube. Während die Künstler interviewt werden, hört man im Hintergrund einen anderen Act auftreten. Würde das Interview daraufhin zensiert werden, weil der Interviewer die Rechte an der „Hintergrundmusik“ nicht besitzt? Solche Prognosen klingen absurd, werden von ACTA Gegnern jedoch immer wieder angeführt.

Was geschieht also, wenn diese Befürchtung nicht hypothetisch bleibt, sondern Realität wird? Gesetz dem Fall, Journalisten und Bürgerjournalisten veröffentlichen Inhalte (wenn auch in eigenen Worten), die sie zuvor auf Seiten wie Zeit.de gelesen haben, geben jedoch nicht an, woher ihre Informationen stammen, wie das bei Tweets oder Facebookposts meist der Fall ist – würden die ACTA-Neuerungen in diesem Fall greifen?

Würde Journalismus am Ende schrecklich teuer, weil man für alle Informationen die Rechte kaufen bzw. für sie bezahlen müsste? Verstieße dies nicht gegen eine der fundamentalen Ideen des Internets, Informationen kostenlos und weltweit zugänglich zu machen?

Was würde passieren, wenn man auf einem viel frequentierten Blog karikierende, Zeitgeschehen kommentierende Fotos und Werbeanzeigen postet, welche man zuvor im Internet gefunden hat, jedoch nicht angibt, woher der Fundus stammt?

Wie weit wären Journalisten die im Internet veröffentlichen, von diesen neuen, strengeren Richtlinien betroffen?

Während derzeit noch unklar ist, ob das Europa-Parlament  das ACTA-Abkommen unterzeichnen wird und Deutschland die Ratifizierung vorerst auf Eis gelegt hat, möchten Länder wie Polen, Tschechien und Lettland nach heftigen Protesten aus der Bevölkerung  vorerst die Ratifizierung des Abkommens aussetzen. Viele Fragen stehen im Raum.  Allerdings ist es, wie Thomas Stadler, Betreiber des Blogs „Internet-Law“ anmerkt, schwierig, fundierte, sachliche Fakten über ACTA zu finden. Fragen wie beispielsweise zu den Zusammenhängen zwischen ACTA und Online Journalismus sind dadurch nur schwerlich zu beantworten. Wem das 52-seitige Dokument Aufschluss bietet, der kann sich die Fragen selber beantworten. Wer das nicht möchte oder wem das nicht genügt, der kann sich anderweitig Informationen beschaffen, z.B.: über das Internet. Vorausgesetzt, es gibt sie dort noch.

 

Foto: flickr/ Johanna Bocher (CC BY-NC-ND 2.0); Sophie Kröher

Tschüss Megaupload, Hallo SOPA & PIPA!

von Iris Hofmann

Du hast eine Datei, die du via Internet mit einem Freund teilen willst? Kein Problem, wozu gibt es Filesharing-Dienste? Datei hochladen, Link dazu verschicken, fertig – und das alles völlig legal. Natürlich nur, solange die Datei nicht urheberrechtlich geschützt ist. Doch das Urheberrecht wurde den Betreibern von Megaupload nun zum Verhängnis. Der bekannte Filehoster wurde  wegen Verdachts der Piraterie aus dem Netz genommen – Verhaftung mehrerer Verantwortlicher der Webseite inklusive.

Screenshot, 23. Januar 2012, 15:21 Uhr: Die Überbleibsel des ehemaligen Filehoster-Giganten

Ein millionenschweres Geschäftsmodell

Was Megaupload von anderen Filehostern wie beispielsweise Dropbox oder Rapidshare unterschied, war das Geschäftsmodell. Im Gegensatz zu ihnen bot Megaupload seinen Nutzern ein sogenanntes „Belohnungsprogramm“ an. Neben den kostenlosen Upload-Möglichkeiten mit wenig Kapazität legten sich Uploader auch die kostenpflichtigen Premium-Accounts von Megaupload zu. Nun galt es, so viele Downloads wie möglich zu erzielen, denn ab einer gewissen Anzahl von Downloads wurde der Uploader mit einem Geldbetrag belohnt.

Je beliebter also die zum Download angebotene Datei, desto mehr Einnahmen für den Uploader. Eine schöne Motivation, Uploads so ansprechend wie möglich zu gestalten. Und was könnte für Nutzer ansprechender sein, als der Download einer Datei, die sonst nur käuflich zu erwerben ist und auf diese Weise kostenlos auf dem Computer landet? Da die Urheberrechtsinhaber dieser Dateien aber kein Geld bekamen, war das leider eine illegale Aktivität.

Fraglich ist natürlich, inwieweit die Betreiber Bescheid wussten beziehungsweise an den illegalen Deals beteiligt waren. Sie selbst weisen zwar alle Vorwürfe von sich, aber laut US-Behörden wurden E-Mails entdeckt, die den Verdacht der vorsätzlichen Piraterie bestätigen.

Kann ein Filehoster überhaupt illegale Uploads verhindern?

Grundsätzlich gilt: Jein.

In Deutschland haben Filehoster eine bestimmte Prüfungspflicht. Sie müssen Filter einsetzen, die mögliche illegale Inhalte erkennen, und Inhalte von ihren Servern löschen, wenn das die Rechteinhaber fordern. Trotzdem ist es unmöglich, den kompletten Inhalt zu prüfen. Filesharing-Dienste bewegen sich daher in einer rechtlichen Grauzone, die bisher geduldet wurde, nun aber Gefahr läuft, von den US-Behörden verboten zu werden.

SOPA & PIPA – Umstrittene Gesetzesvorlage der US-Behörden

Denn die beiden Gesetzesvorlagen SOPA (Stop Online Piracy Act) und PIPA (Project IP Act)sollen nun umgesetzt werden, um Urheberrechte im Internet stärker zu schützen und ihren Missbrauch zu bekämpfen. Allerdings werden die Anti-Piraterie-Gesetze derzeit von vielen Seiten kritisch diskutiert. Am Mittwoch, dem 18. Januar 2012, fand der Protest gegen die Gesetzesvorlagen seinen Höhepunkt im sogenannten „Blackout-Day“. Die englischsprachige Version von Wikipedia sowie viele andere Webseiten blieben aus Protest 24 Stunden lang schwarz. Unter anderen Wikipedia, Google und wordpress.org erläuterten auf ihren Seiten die Gründe des „Blackouts“ und forderten die Menschen auf, Petitionen zu unterzeichnen, um SOPA und PIPA zu verhindern. Die Webseite sopastrike.com veröffentlicht nun Fakten zum Internetstreik. Zehn Millionen Menschen unterzeichneten Online-Petitionen gegen die Gesetzesvorlagen und über 115.000 Webseiten beteiligten sich am Internetstreik. Natürlich wurde auch via Twitter viel protestiert und diskutiert. Allein am Blackout-Day wurden über 2 Millionen Mal „#sopa“, „#pipa“ und „#wikipedia“  getwittert.

Die Proteste zeigten schließlich  Wirkung. US-Senator Harry Reid twitterte am 20. Januar, dass die Abstimmung über den „Project IP Act“ zunächst einmal verschoben wird. Auch die Gesetzesvorlage „Stop Online Piracy Act“ wird vorerst gestoppt. Die Entwürfe sollen nun nochmal überprüft und teilweise abgeändert werden.

Aber warum rufen die Vorlagen überhaupt so viel Protest hervor?

Kritiker vermuten, dass das Gesetz nicht nur der US-Regierung, sondern auch der Unterhaltungsindustrie eine umfassende Internetzensur erlauben würde. Auf den ersten Blick recht einleuchtend wirkt, dass SOPA Webseiten als urheberrechtsverletzend einstuft, wenn der Betreiber „kriminelle Verstöße“ gegen das Urheberrecht „ermöglicht oder selbst begeht“. SpiegelOnline mutmaßt aber, dass die Regelungen leicht ausgenutzt werden könnten. Zum Beispiel könnte man gegen Enthüllungsplattformen wie WikiLeaks, die vielen Politikern ein Dorn im Auge sind, spielend leicht vorgehen, denn WikiLeaks etwa hatte erst vor kurzem urheberrechtlich geschützte Handbücher für Überwachungstechnologie online gestellt. Zudem müssten Filehoster ihre Dienste aufgeben, da sie grundsätzlich die Möglichkeit zum Upload urheberrechtlich geschützter Inhalte bieten. Aber nicht nur Filehoster hätten ein Problem. Allgemein müsste künftig jede Seite, die es Nutzern ermöglicht, sich aktiv einzubringen und somit auch Urheberrechtsverstöße zu begehen, jeden einzelnen Inhalt überprüfen. Wie sollten Facebook und Co. diese Aufgabe stemmen?

Da laut SOPA-Gesetz sogar die Reproduktion urheberrechtlich geschützter Inhalte verboten wäre, würde man sich strafbar machen, indem man im Internet einen selbst nachgesungenen Song veröffentlicht.

Natürlich ist es wichtig, die Rechte von Urhebern zu schützen, da diese besonders im Internet durch die schnelle und leichte Reproduzierbarkeit von Daten gefährdet sind. Trotzdem müssen die US-Behörden einen Weg finden, der keine Zensur beinhaltet, denn sonst werden allgemeine Rechte gefährdet.

 

Screenshot: www.megaupload.com, 23. Januar 2012, 15:21 Uhr (von Iris Hofmann); Foto: flickr/Jed Hastwell (CC BY-SA 2.0)

Neues Traumpaar? Internet und Politik.

von Sanja Döttling

Eine belastete Beziehung, die zwischen der Politik und dem Internet. Gerade auch in Deutschland. Nach dem Einzug der Piraten in das Berliner Abgeordnetenhaus entdeckt selbst die Bundesregierung das Internet für sich. In den USA ist man da weiter: Beim Wahlkampf zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten in Amerika macht sich unter anderem Facebook als Wahl-sager einen Namen und gibt Prognosen über den Sieger ab.

Internet und Politik 

Manchmal ist es ein Kampf, die Hass-Liebe zwischen Internet und Politik(ern). ‚Dieses Internet‘ wurde von der Politik in Deutschland lange ignoriert – und wir ignorierten mit. In unserem Facebook-Stream bewundern wir lieber die neue Spraydosen-Wandbemalung in einer befreundeten Studenten-WG. Oder gucken uns bei GMX die Bilderstrecke zum Thema Angeschwemmte Monstertiere an. Politik findet man da nur zwischen den Zeilen (oder wenn man es darauf anlegt). Das ist auch die Schuld der Politik, die sich im Internet eher bedeckt hielt. Bis jetzt.

Bundesregierung und Bürger – Kuscheln im Inter-Bett?

Aber sie bemüht sich, die Politik, auch im Internet präsent zu werden. Unsere Bundesrgierung hat sogar einen eigenen Kanal auf youtube. Sie haben fast 5.000 Abonennten. Die Jungs, die die Gotye-Parodie drehten, haben fast 400.000. Jetzt geht sogar die Kanzlerin in die offensive und fordert die Bürger auf, Ideen für das leben in Deutschland in den nächsten Jahren beizusteuern. Dabei sollen diese Fragen beantwortet werden: „Wie wollen wir zusammenleben? Wovon wollen wir leben? Wie wollen wir lernen?“.

Dialog über Deutschland“ – so heißt die neue Internetkampagne. Das Ganze läuft ähnlich ab wie schon die Internet-Aktion „Fragen an die Kanzlerin“. Der Unterschied: Die Alliteration. Und: Während die Fragen an die Kanzlerin nur auf youtube von derselben beantwortet wurden, werden nun die Autoren der zehn am besten bewerteten Fragen des „Dialogs“ zu einem ganz realen Bürgergespräch nach Berlin eingeladen.

Somit hat das Dialog-Konzept größere Interaktionsmöglichkeiten als noch die Fragestunde (denn bei den youtube-Videos war sogar die Kommentarfunktion deaktiviert). Und trotzdem wirkt der Versuch einer „direkten“ Demokratie im Internet geradezu hilflos. Vor allem, weil politisch Interessierte und Internet-User sich kaum aus dem gleichen Klientel aufstellen, was die Abstimmungszahlen implizieren: Mit 14.000 Stimmen dafür, offen über den Islam zu diskutieren, liegt eine Forderung an der Spitze, die genauso unkonkret ist wie die Politik selbst. Auf Platz zwei und drei: ACTA-Stoppen und Cannabis legalisieren. Wer will, kann selbst noch bis zum 15. April abstimmen. Oder aber die Bildstrecke über Monstertiere auf GMX anschauen.

Ach ja: Auch Amerika.

Wie es anders gehen kann (und vielleicht sogar muss) zeigt sich in den USA: Im Präsidentschaftswahlkampf in den USA wird verstärkt auf das Internet als Helfer/Waffe gesetzt. So hat Barack Obamas Facebook-Seite inzwischen 25 Millionen Freunde und das Internet hatte 2008 einen großen Anteil an seinem Wahlerfolg. Auch jetzt ist er im Internet noch aktiv. Zahlreiche Gruppen machen sich auch in diesem Wahljahr für und gegen den Noch-Präsidenten stark: „I hate it when I wake up in the morning and Barack Obama is President.“ heißt eine charmante Seite. Eine andere nennt sich „Students for Obama“ und macht sich für dessen Wiederwahl stark.

In welche Richtung entwickelt sich die Symbiose Politik und Internet?

Auch Twitter ist aktiv. Die Twitter-Gemeinde nahm ein einziges Schlagwort aus der Rede des republikanischen Newt Gingrich (seine „grandiosen Ideen„) und der tag #grandiosenewt wurde schnell zum Hit. Überhaupt scheint das Internet in den meisten Fällen der Verleumdung von Kandidaten zu dienen, nicht etwa der Verbreitung tatsächlichen politischen Inhalts (media-bubble  berichtete). Doch laut der New York Times ist twitter dazu in der Lage, aktiveren Kontakt mit dem Bürgern zu halten und schneller auf Stimmungen zu reagieren. (Die Auswertung der twitter-Meldungen zur Prognose von Wahlergebnissen schlug aber fehl.)

Weiter ging das Magazin Politico in Kooperation mit Facebook: Sie werteten Statusmeldungen und Verlinkungen auf den Seiten von US-Bürgern aus, um ein Stimmungsbild von den republikanischen Kandidaten zu generieren. Bei all dem Geschrei um Datenschutz ist das fast schon untergegangen; es ist das eine, wenn Politiker online Kampagnen schalten. Aber doch etwas ganz anderes, wenn Facebook ungefragt unter seinen Nutzern herumfragt.

Der Internetauftritt der Tagesschau argumentiert, dass das Internet in diesem Wahlkampf ein wichtiger Faktor ist und wahlentscheidend sein kann. Das könnte für ein Land wie Amerika sogar gelten. Der deutschen Politik fehlt allerdings merklich das Interesse der internetaffinen Bevölkerung.

 

Foto: flickr/See-ming Lee 李思明 SML (CC BY-SA 2.0)

Über Wolken: Clouds, die Speichermedien der Zukunft?

von Jens Hagelstein

Die Frage nach der Speicherung von Informationen gehört seit jeher zu den relevantesten jeder Gesellschaft. Die dabei verwendeten Speichermedien haben gewiss eine Entwicklung durchlaufen, doch eines haben der Stein mit gemeißelter Inschrift, die bedruckten Seiten eines Buchs, die Schallplatte und der USB-Stick gemeinsam: Sie alle bieten Zugriff auf den gespeicherten Inhalt nur von einem Ort aus, sind also lokal gebunden. Revolutionär anders funktionieren Clouds, die großen Speicherwolken im Internet: Die hier gespeicherten Daten können überall und jederzeit abgerufen werden. Ist damit gar das Ende der physischen Datenträger besiegelt?

Unterschiedliche Dienste – und was sie können

Toll, so eine Cloud – oder kommt bald der Regen?

Als einer der ersten Cloud-Dienste wurde 2007 Dropbox ins Leben gerufen. Die Idee hinter Dropbox ist simpel und soll der Legende nach einem der Entwickler gekommen sein, als er einen USB-Stick mit benötigten Daten zu Hause vergessen hatte: Nach Anmeldung auf der Webseite erhält der Anwender ein bestimmtes Kontingent an freiem Speicherplatz auf dem Dropbox-Server (der „Cloud“), um persönliche Daten darauf abzulegen. Zusätzlicher Speicher kann gegen einen monatlichen Obolus gemietet werden. Dropbox bietet für alle gängigen Computer- und Handybetriebssysteme spezielle Software an, die Zugriff auf die Dateien in der Cloud und Synchronisieren von Ordnern ermöglicht – so bleibt auch bei der Verwendung mehrerer Geräte, beispielsweise Desktop-PC und Laptop, der Datenbestand überall auf dem neusten Stand. Insbesondere dieses Feature dürfte für die zunehmende Beliebtheit von Dropbox sorgen, denn zwei oder mehr internetfähige Geräte gehören mittlerweile zum Standardrepertoire vieler Anwender. Unlängst kürten die Leser des Blogs netzwertig.com Dropbox zum „Online-Service des Jahres 2011“.

Längst haben die Big Players im IT-Sektor den Trend erkannt und versuchen ihre Clouds zu etablieren. Google bietet mit Google Docs einen Webdienst, der über das Speichern von Dateien hinausgeht: Online abgelegte Dokumente können über eine Oberfläche im Browser bearbeitet werden – und das sogar von mehreren Leuten gleichzeitig.
Apples iCloud gleicht Adressdaten und Kalender zwischen Macs und Mobilgeräten wie iPhone und iPad ab, der gebührenpflichtige Dienst „iTunes in the Cloud“ macht Musik und Filme aus der persönlichen iTunes-Mediathek mobil zugänglich.
Auch Amazon stellt Anwendern eine Plattform zur Datenspeicherung bereit: Cloud Drive wartet mit kostenlosen fünf Gigabyte Speicherplatz auf, für jährlich einen Dollar pro Gigabyte kann auf 20, 50, 100 oder auch 1000 GB aufgestockt werden.

Schattenseiten

Die Vorteile der Cloud-Speicherung liegen auf der Hand, warum nicht also gleich den gesamten persönlichen Datenbestand in die virtuellen Wolken hochladen? Bei vielen Anwendern regen sich Sicherheitsbedenken: Auch wenn die Dokumente in der Cloud nur nach Eingabe des Benutzerpassworts einsehbar sind – die Gefahr eines externen Zugriffsversuchs besteht, insbesondere beim Hoch- und Runterladen der Dateien. Dropbox empfiehlt deshalb, Daten vor dem Upload zu verschlüsseln, etwa mit BoxCryptor. Doch geht bei solch einem Procedere viel von dem Komfort verloren, der eigentlich das Aushängeschild des Webdienstes ist.
Von offizieller Seite warnt man vor dem Übertragen sensibler Daten auf Server im Ausland: Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) möchte stattdessen eine „Bundes-Cloud“ einrichten, damit Behörden und Unternehmen ihre sensiblen Daten nicht den Servern US-amerikanischer Betreiber anvertrauen müssten. Man führe bereits Gespräche mit der Telekom.
Wer den Online-Speicherplatz eines Anbieters nutzt, begibt sich unweigerlich in dessen Abhängigkeit – fallen die Server aus, können die eigenen Dateien nicht abgerufen werden. Auf Nummer Sicher geht, wer Wichtiges in separaten Clouds oder ganz oldschool auf einem physischen Datenträger sichert.

Bewölkte Aussichten

Die Tendenz ist offensichtlich: Das Internet ergänzt seine Kommunikations- zusehends um eine Speicherfunktion und ermöglicht es uns so, unseren gesamten digitalen Datenbestand von überall auf der Welt abzurufen. Dank Online-Anwendungen wie Google Docs könnte der Computer der Zukunft lediglich über Browser und Internetanschluss verfügen, Programme und Dateien wären in Clouds zu finden.
Derzeit befinden sich die virtuellen Wolken noch in der Pionierphase, ein Großteil der Anwender ist bislang skeptisch ob Datenschutz und Ausfallsicherheit – und wird mittelfristig wohl Festplatte, CD oder Stick als Speichermedium vorziehen oder zumindest ergänzend einsetzen, insbesondere wenn es um sehr große, sehr wichtige oder sehr persönliche Daten geht.

Foto: flickr/akakumo (CC BY-SA 2.0)

Wenn Schimpansen unsere Flugzeuge fliegen…

von Sebastian Seefeldt

Eine Welt ohne Facebook, Myspace, Blogs, Youtube, Filehostern, Bildhostern oder kurz gesagt: Eine Welt in der wir unsere eigene Meinung nicht mehr verbreiten dürfen – Dank vier kleinen Buchstaben könnten einige Konzerne bald in der Lage sein das gesamte Internet zu zensieren.
Was sich zuerst anhört wie eine schlechte Nachahmung von George Orwells 1984 könnte bald traurige Realität werden. Dank Menschen, die sich so vor einer Tastatur ähnlich verhalten wie ein Schimpanse im Cockpit einer Boeing – also kein Wissen von der Materie haben – könnte bald ein Gesetzesvorschlag mit weitreichenden Folgen verabschiedet werden. Folgen die nicht nur die US Bürger betreffen, sondern Folgen die sich auf den gesamten Globus ausbreiten könnten. Doch wovon rede ich hier eigentlich?

Schwerstverbrecher: Justin Bieber

Wäre der Gesetzesentwurf bereits in Kraft gewesen als ein gewisser Blondschopf seine Musikkarriere auf Youtube

Justin Bieber wurde durch YouTube berühmt

startete, wäre er wohl mehrere Jahre für Urheberrechtsverletzung ins Gefängnis gewandert. Nein, diese Aussage ist falsch, ein Portal wie Youtube wäre unter solchen Bedingungen niemals entstanden. Ob man nun die Vorstellung, Justin Bieber hinter Gittern zu sehen, befriedigend findet oder nicht, Fakt ist: Wir alle nutzen Youtube und wären somit alle von dessen Verschwinden betroffen. Verantwortlich dafür sind zwei Gesetzesentwürfe, zum einen der Stop Online Piracy Act (SOPA), zum anderen der Protect IP Act (PIPA).  The Guardian hat die SOPA-Problematik knapp zusammengefasst und verschafft einen guten ersten Überblick. Doch wieso hält die US-Regierung diese beiden Gesetze überhaupt für nötig?

Zur Zeit regelt der Digital Millennium Copyright Act das Urheberrecht in den USA. Kurz zusammengefasst: Ein Provider (z.B. Youtube) ist nicht für den Inhalt der von Usern auf die Plattform online gestellt wird verantwortlich. Allerdings muss er dafür sorgen, dass Material welches das Urheberrecht verletzt, auf Verlangen des Rechteinhabers entfernt wird. Der Musik- und Filmindustrie ist das aber nicht genug, sie fordern, dass auch alle die dem Täter direkt oder indirekt Helfen bestraft werden müssten. Genau hier beginnt das Dilemma. „Die Entwürfe würden es Firmen ermöglichen, in den USA den Zugang zu ausländischen Websites zu sperren. Wenn Inhaber von Urheberrechten der Meinung sind, dass eine Seite gegen ihre Interessen verstößt, könnten sie, wird das Gesetz verabschiedet, eine sogenannte Court Order beantragen, eine richterliche Verfügung. Ist diese erlassen, müssten Werbefirmen, die Anzeigen auf der Seite schalten, das unterlassen. Auch Geldtransferdienste wie Paypal müssten sich dann von der beanstandeten Seite zurückziehen. Der Betreiber würde somit finanziell ausgehungert, seine Geschäftsgrundlage zerstört“, wie die Zeit berichtete. Dem nicht genug: die Konzerne hätten die Möglichkeit per DNS-Blocking ganze Webseiten unerreichbar zu machen. Dieses Video fasst die gesamte Problematik sehr treffend zusammen. Alle Portale, auf denen potentiell Urheberechtverletzungen satt zu finden sind – sei es nun Youtube, Facebook, Twitter oder ähnliche Dienste – laufen Gefahr über Nacht abgeschaltet zu werden. Beachtet man nun die Tatsache, dass jede Firma, die auch nur eine einzige Filiale in den USA betreibt, dem US Recht unterworfen ist, wird klar, dass auch wir in Deutschland schnell von der neuen Rechtsprechung betroffen wären (nicht dass der Verlust von sozialen Netzwerken schon genug wäre). Selbst Konzerne wie die deutsche Telekom müssten sich also auch dem neuen Recht beugen. Wieso sollte man also überhaupt SOPA befürworten?

„Es ist alles eine Frage der Grenzen“

Aktuell gibt es 142 öffentliche SOPA Befürworter, darunter vor allem große Medienkonzerne, wie z.B. die Motion Picture Association of America (MPAA) und National Cable & Telecommunications Association (NCTA). Neben den offensichtlichen Argumenten der Medienbranche gibt es aber auch noch wirklich „gute“ Gründe die für SOPA sprechen. Wenn es möglich ist, eine Internetseite eins zu eins zu kopieren und die Kunden so zu täuschen und ihnen Plagiate zu verkaufen, dann muss es eine Möglichkeit geben, dagegen vorzugehen und die aktuelle Rechtsfassung beinhaltet kein anwendbares Gesetz. Es wird also eine Möglichkeit  benötigt Plagiate zu stoppen. Die Diskussion sollte also nicht lauten ob wir SOPA brauchen oder nicht, sondern: Wie weit sollte SOPA gehen? Genau dieses Thema behandelt der Netcast von twit.tv.

„All Your Internets Belong to US“

Dieses mehr als passende Wortspiel stammt von dem Blogger Michael Geist der in seinem Beitrag sehr schön die Effekte von SOPA auf Kanada aufzeigt. Seine Folgerungen  können äquivalent für Europa übernommen werden, passend hierzu dieser Artikel von Netzpolitik.org. Der Widerstand gegen SOPA ist groß, sowohl von Konzernen und Organisationen wie Google, EFF und EU einerseits, andererseits von Netzbürgern selbst. So rufen beispielweise Wikipedia  und Anonymous zum Widerstand auf. Hauptgründe sind meistens das Recht auf freie Meinung und der Vorwurf Amerika würde sich die Mechaniken von Unterdrückerregimen aneignen und der Vorwurf des puren Lobbyismus.
Während die SOPA Anhänger auch in ihrem neuen Antrag OPEN (Online Protection and Enforcement Act) keine wirklichen Eingeständnisse machen, findet die Netzgemeinde bereits Wege die Zensur zu umgehen. Die Proteste zeigen Erfolg, so ziehen sich immer mehr öffentlich Befürworter zurück, so auch die nach eigenen Angaben größte Domain-Registrar weltweit Go Daddy. So offen der Ausgang des Disputs auch sein mag – so brisant wie im Jahr 2012 war die Debatte um die Freiheit im Internet wohl noch nie.

Foto: flickr/iloveJB123 (CC BY 2.0), flickr/Jed Hastwell (CC BY-SA 2.0)

Das Internet und die Kinder

von Pia Neef

Das Internet ist wie ein Rummel: Es gibt für jeden etwas – aber auch Pornographie und Gewalt. Für Kinderaugen ist das nicht geeignet. Wie kann man Kinder besser über die Gefahren des Internets aufklären und zugleich davor schützen?
Mit solchen und anderen Fragen setzt sich Siegfried Schneider, der neue Vorsitzende der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) der Landesmedienanstalten seit Mitte Dezember 2011 auseinander.
Die Kommission versucht Kinder und Jugendliche vor Inhalten zu schützen, die ihrem Entwicklungsstand nicht entsprechen. Der Aufgabenbereich erstreckt sich vom Rundfunk, Print- und Tonträger, über das Internet bis zu Computerspielen und Filmen. Eine Aufgabe der KJM ist unter anderem die Bewertung und Beurteilung von möglichen Verstößen gegen den Jugendmedienschutzstaatsvertrag (JMStV). Als Siegfried Schneider den Vorsitz in der KJM übernahm, sagte er:

„Der Jugendmedienschutz steht in der globalen und konvergenten Medienwelt vor großen Herausforderungen. Die KJM wird weiter alles dafür tun, die Risiken des Medienkonsums für Heranwachsende wirksam zu reduzieren.
Kinder und Jugendliche sollen von den Chancen der neuen Medien profitieren können. Deshalb brauchen wir – allem voran für den Abenteuerspielplatz Internet – wirksame Schutzmechanismen und Regeln, an die sich Anbieter halten müssen.“

Diese Forderung ist jedoch schwer zu erfüllen, da das Internet kein geschlossener und kein leicht kontrollierbarer Raum ist. Nach der Ansicht von Sandra Fleischer, Medienpädagogin und Leiterin der Erfurter Geschäftsstelle von Ein Netz für Kinder, kann man das Internet nicht sicher machen. Regelungen auf globaler Ebene durchzusetzen ist ein Ding der Unmöglichkeit, denn jedes Land hat eine andere Gesetzgebung.

Kindergerechte Internetprojekte in Deutschland

Auf nationaler Ebene in Deutschland hat die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Dienstanbieter (FSM) für ihre Mitglieder, zu denen unter anderem die Vznet Netzwerke wie StudiVZ  gehören, einen Verhaltenskodex in Social Communities eingeführt. Er verpflichtet die Unternehmen darauf die User stärker vor Cybermobbing zu schützen.
2007 wurde in Zusammenarbeit von Politik, Medien- und Telekommunikationsunternehmen sowie dem Jugendmedienschutz die Initiative Ein Netz für Kinder ins Leben gerufen. Das Ziel dieser Initiative ist die Schaffung eines kindgerechten und sicheren Surfraum. Durch fragFINN.de wurde dieses Ziel realisiert.
Dieses Portal ermöglicht das Aufrufen von für Kinder unbedenklichen Websites, die zuvor von einer Redaktion überprüft worden sind. Das Angebot umfasst unter anderem eine Kindersuchmaschine. Zusätzlich können Eltern durch eine Kinderschutzsoftware andere Seiten für ihren Nachwuchs sperren lassen.
Das neuste Vorhaben der Familienministerin Kristina Schröder (CDU) ist die Einrichtung eines Internet-Kinderschutzzentrum. Sie will damit einen besseren Schutz der Kinder und Jugendlichen im Netz vor Mobbing und Missbrauch gewährleisten.
Ein Teil des Kinderschutzzentrum im Internet soll ein zentraler Notrufbutton sein. Fühlen sich Kinder durch den Inhalt von einer Website bedroht oder sind davon schockiert, sollen sie dies melden können und Hilfe erhalten.
Die Idee von einer Meldestelle für bedenkliche Inhalte ist nicht neu. Es existiert bereits einen Art Notrufbutton, die Internet-Beschwerdestelle. Jedoch werden an dieser häufig ihre Missbrauchsmöglichkeiten kritisiert.
Durch das Angebot Surfen ohne Risiko soll der für Kinder geschützte Surfraum erweitert werden. Die Website bietet den Eltern auch Unterstützung und Hilfe an, wie sie ihr Kind an das Internet heranführen.  Beispielsweise können die Kinder dort in spielerischer Form den Umgang mit dem Internet lernen.
Desweiteren will Kristina Schröder die Eltern durch eine Aufklärungskampagne über die technischen Möglichkeiten des Jugendschutz für diese Themen sensibilisieren.

Die Vermittlung von Medienkompetenz ist auch eine Aufgabe der Eltern

Die Eltern spielen bei der Heranführung des Nachwuchs an das Medium Internet eine wichtige Rolle. Sie stehen in direkter Kommunikation und Interaktion mit dem Kind und können als Unterstützung auf die Angebote der Politik zurückgreifen. Ihre Aufgabe besteht darin die Kinder schrittweise mit dem Medium vertraut zu machen. Die Kinder sollten das Internet nicht als Schreckensbild wahrnehmen. Sondern man sollte ihnen einen kritischen Blick auf das Internet z.B. im Hinblick auf den Datenschutz vermitteln und die Vorteile des Internet mehr in den Vordergrund rücken.
Der Direktor des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg Wolfgang Kraft ist überzeugt, dass es keinen Sinn hat das Internet vor den Kindern zu verschließen. Da sie sich dann eben außer Haus Zugang zum Internet verschaffen werden, z.B. bei Freunden.
Man muss den Kindern Medienkompetenz vermitteln, damit sie sich später alleine im Internet-Dschungel bewegen können und sich bestimmten Gefahren bewusst sind. So sagt KJM-Chef Wolfgang Kraft: „Es geht nicht um die Gefahren. Die Chancen, die sich eröffnen sind riesig- man muss darauf vorbereitet sein.

Foto: flickr/Paul Mayne (CC BY-NC-SA 2.0)

Die Multitasking-Medien

von Alexander Karl

Multitasking ist die Norm

Während ich diesen Text schreibe, läuft im Hintergrund Musik, Facebook ist in einem Tab offen und mein Handy hat mir gerade eine SMS angekündigt. Für die Generation der digital natives klingt dies zunächst einmal nicht ungewöhnlich. Unsere Aufmerksamkeit wird gespalten, schlussendlich auch für verschiedene mediale Angebote. Denn die Angebote im Zeitalter des Internets sind so reichhaltig, dass man fast schon parallel arbeiten muss, um wenigstens einen Bruchteil zu nutzen.

Dass Medien immer häufiger parallel genutzt werden, fand 2011 auch eine Studie des Fernsehsenders MTV heraus. Folgende Ergebnisse betrachten die Studienleiter als wichtig:

  • Die 14-49 Jährigen schauen eher abends fern und nutzen Internet und WebTV tagsüber
  • Die allgemeine Mediennutzung wächst trotz gleichbleibender frei verfügbaren Zeit über die parallele Mediennutzung
  • Internet wird häufiger parallel zu anderen Medien genutzt, als Fernsehen
  • Internet und Fernseher werden am häufigsten gleichzeitig genutzt
  • Der Fernseher wird überwiegend exklusiv am Abend genutzt, jedoch nimmt die parallele Nutzung zu

Besonders interessant ist, dass das Fernsehen v.a. zur Primetime genutzt wird, während sonst das Internet am beliebtesten ist. Doch gerade dann ist auch die Parallelnutzung des Internets am größten.

Dieser Trend schlägt sich etwa bei Twitter nieder. So gehört es fast schon zum guten Ton, online über den ‚Tatort‘ zu diskutieren. Bei einer Dezember-Folge kamen beispielsweise 4.700 Tweets zusammen, in der Storyline, Aufbereitung und Farbgebung besprochen wurden. Weiter geht aber ‚The Voice‚: Dort wird zur parallelen Nutzung von Fernsehen und Internet geradezu aufgerufen. Denn in den aktuellen Liveshows wird in die Lounge geschaltet, in der Kandidaten die aktuellen Kommentare von Twitter und Facebook gezeigt werden.

Es liegt also nicht unbedingt an der Qualität des TV-Angebots, dass man sich nebenbei im Internet tummelt – im Gegenteil. Eine aktuelle Studie zeigt, dass Frauen etwa die Antworten auf Quizfragen suchen, während Männer sich von der TV-Werbung zum Online-Shopping verleiten lassen.

Schattenseite des Multitaskings

Aber Multitasking hat auch seine Schattenseiten: Es schadet der Gesundheit. Von Stress bis hin zum Burn-out kann die parallele Nutzung ziemlich viele ungute Reaktionen im Körper hervorrufen. Und: Es ist nicht effektiv. Das zeigt eine Studie des Ulmer Hirnforschers Manfred Spitzer. Bei der Frankfurter Rundschau heißt es darüber:

Probanden, die als starke oder geringfügige Medien-Multitasker klassifiziert wurden, absolvierten kognitive Tests. Dabei zeigte sich, dass die Nicht-Multitasker die Aufgaben besser lösten, aufmerksamer und schneller waren und besser zwischen Aufgaben wechseln konnten. Spitzer glaubt, Multitasker würden sich durch ihre heftige Mediennutzung Oberflächlichkeit und Ineffektivität geradezu antrainieren.

Eine bereits 2009 durchgeführte Studie der Stanford University kommt zu einem ähnlichen Ergebnis:

Als Gegenbewegung zum Multitasking gibt es die Achtsamkeitstherapie, die den Fokus wieder auf einzelne Handlungen richten soll. Also weg von der parallelen Nutzung, hin zu einer Aufgabe, die dafür aber bewusst absolviert wird. Und das soll auch für die Wirtschaft gut sein – denn der Versuch des Multitaskings kostet allein die US-Wirschaft 650 Milliarden Dollar im Jahr. Ich habe zwischendrin übrigens die Musik beim Schreiben ausgemacht. Ich will ja der Wirtschaft nicht schaden. Na ja, vor allem mir nicht.
Foto: flickr/ryantron (CC BY-ND 2.0)

Auf Entzug vom Informationsrausch

von Jelena Hauß

„Killing the Internet at Home Is the Most Productive Thing I’ve Ever Done“, verkündet Joshua Millburn (ironischerweise) auf seinem Blog. Dabei würde er sich mit seinem weißen Hemd und der Fönfrisur gut in eine wohlbekannte Szenerie einfügen: Millburn könnte einer sein, der uns in irgendeiner Großstadt dieser Welt begegnet, das Smartphone am Ohr, das iPad in der Tasche, den Facebook-Status heute schon mehrmals aktualisiert. Er könnte einer sein, der sich dem Informationsorkan aus privater und öffentlicher Kommunikation gerne hingibt, ein „Digital Native“ eben. Doch Joshua Millburn wählt einen anderen Weg, um den es im Folgenden gehen wird.

Die digitale Revolution frisst ihre Kinder – doch diese entwickeln die passende Diät

Denn unauflösbar mit diesem Informationsorkan hängt der „Burnout“ zusammen, als gesellschaftliches Massenphänomen oder zumindest als vereinfachender Sammelbegriff für die Leiden des Menschen im 21. Jahrhundert. Überall sind Informationen, die uns zwingen zu selektieren, zu reagieren und weitere Medieninhalte zu konsumieren. Miriam Meckel, als Kommunikationswissenschaftlerin vermeintlich sensibilisiert für die Tücken der digitalisierten Welt, geriet vor einiger Zeit selbst in eine solche persönliche Notsituation. Wie sie in einem Interview mit stern.de berichtet, gab es vor ihrem Zusammenbruch ein „Zuviel“ von allem außer Zeit und Ruhe: Zu viel Kommunikation, zu viel Informationen, zu viele Verpflichtungen, zu viel Ablenkung.

Dieser Reizüberflutung beizukommen, scheint jedoch wie ein Kampf gegen Windmühlen, denn die Menge der verfügbaren Informationen – egal ob sinnvoll, trivial oder nutzlos – wächst im Sekundentakt in einer nachvollziehbaren Dimension. Im Jahr 2010 wurden erstmals mehr als eine Trillion (1.000.000.000.000.000.000) Gigabyte digitaler Daten erzeugt. Ursache dieser stillen Informationsexplosion ist die Digitalisierung, doch das Internet ist heute der Hauptentstehungsort und -umschlagplatz der Datenberge. Einerseits tragen wir selbst durch unsere Kommunikation mittels verschiedenster Dienste dazu ständig bei, andererseits liegt es in der Natur des Internets, Datenmengen exponentiell wachsen zu lassen; der Blogger Michael Seemann beschreibt es in seinen Artikeln gerne als „Riesenkopiermaschine“.

Das Erfolgsmodell als Produktivitätsfalle

Miriam Meckels Beispiel zeigt es deutlich: Die „digitale Elite“, ein Heer von wissenschaftlich, journalistisch und/oder kreativ Arbeitenden, gerät gerade durch das Medium, das ihren Aufstieg erst ermöglicht und dann begleitet hat, unter erheblichen Druck. Der Blogger Dan Dohlmann beschreibt in einem Blogbeitrag sehr treffend das Szenario, in dem sich die „Poweruser“ wiederfinden: Sie verlieren sich im Netz angesichts der nie enden Hyperlinkstrukturen und unendlichen Möglichkeiten, die sich durch immer neue Geräte und Dienste bieten. Bereits im Jahr 1995 schrieb der Architekt und Philosoph Georg Franck in seinem Buch Ökonomie der Aufmerksamkeit treffend über diesen Überforderungszustand und den Fehlschluss, dass ihm nur mit „noch größerem Fleiß“ begegnet werden könne. Seine immer noch sehr aktuellen Überlegungen verdeutlichen, dass in Zukunft nicht mehr materielle Güter die beschränkte Ressource sein werden, sondern dass die Knappheit von Zeit und Informationsverarbeitungskapazitäten unser Leben prägen werden. An genau diesem Dilemma der von Natur aus limitierten Aufmerksamkeit in Zeiten allgegenwärtiger Medienangebote setzen ein vielstimmig in der Blogosphäre geführter Diskurs und ein offen zelebrierter Mentalitätswandel ein.

Vom Digital Nativezum philosophischen Neandertaler

Während sich die einen (noch) in der Perfektion der Selbstorganisation im digitalen Zeitalter mit dem Ziel des erfolgreichen Informationsmanagements versuchen, vertreten die anderen schon radikalere Thesen, wie eben der oben zitierte Joshua Millburn. Gemeinsam mit einem Freund betreibt er den Blog, in dem es um „minimalism and living a meaningful life with less stuff“ geht. Die beiden stehen exemplarisch für eine Reihe von Bloggern, die den Minimalismus als Lebensweise zu ihrer grundsätzlichen Geisteshaltung erhoben haben und diesen an die Gegebenheiten des Internetzeitalters anzupassen versuchen.

Es geht den Autoren jedoch nur auf den ersten Blick um die Befreiung von Informationsflut und Multitasking. Im Zentrum der Überlegungen steht das übergeordnete Ziel, ein erfüllteres Leben zu führen, indem man sich auf Wesentliches wie konzentriert (wie beispielsweise vom einflussreichen Vordenker Leo Babauta  in seinem E-Book Focus beschrieben). Zuletzt geht es an vielen Stellen auch um den weitgehenden Verzicht auf materielle Güter, wie dieser Fernsehbeitrag zeigt. Die digitalen Minimalisten greifen somit auf Wertvorstellungen zurück, die schon seit langer Zeit in verschiedenen Kulturen und Religionen Bestand haben oder auch an frühere „Besinnungstrends“ wie Straight Edge erinnern.

Die Darstellungsformen, in denen sich die Blogosphäre mit dieser Denkschule auseinandersetzt, sind vielfältig: So haben spirituell angehauchte Ratgeberblogs Hochkonjunktur, andere Minimalisten beschreiben vor allem ihren radikalen Lebensstil der Ungebundenheit und zuletzt finden sich inzwischen auch Metadiskurse im Netz, wie etwa im Blog von Peter Hinzmann. Den Gesetzen des Internets folgt also auch diese Thematik: Viele Akteure, eine unüberschaubare Anzahl von Schauplätzen und die ständige Weiterentwicklung des Diskurses durch eine nicht zu beherrschende Informationsflut. Thomas Cooper, ein weiterer Verfechter der Mediennutzungs-Entschleunigung, würde an diesem Punkt sicherlich zu „Media Fast“, dem „Medienfasten“, raten.

Auf dem Weg zur Weltrettung?

Das beschriebene Phänomen ist sicherlich derzeit noch eines der „digitalen Elite“: Während manche Bevölkerungsgruppen und Erdteile gerade erst dabei sind, die Weiten des Netzes entdecken und seine Vorteile nutzen zu können, wenden sich einige der „frühen Eroberer“ davon schon wieder ab. Das Internet dient ihnen nur noch als ein Werkzeug zur gelungenen Lebensführung, nicht mehr als Lebensmittelpunkt oder gar Ersatzreligion. Inwiefern sich dieser Trend durchsetzen wird, muss die Zukunft zeigen. Wünschenswert wäre jedoch eine Entwicklung, die Peter Hinzmann  formuliert: „Vor allem gut […] finde ich die Tatsache, dass […] das Thema ‚Nachhaltigkeit‘ sich langsam aber sicher auch in die Gemüter von uns Normalbürgern einschleicht. […] Ich sehe durchaus einen sehr wichtigen Zusammenhang zwischen den Themen Minimalismus und ‚Nachhaltigkeit‘, bzw. dem Begriff ‚sozialer Wandel‘.“

 

Foto: Flickr/Mr Mo-Fo (CC BY-NC-ND 2.0)

Meinung oder Beleidigung? Kommentare im Web

von Alexander Karl

Jeder kann im Internet seine Meinung vertreten, rund um die Uhr und überall. Doch manchmal nimmt die freie Meinungsäußerung erschreckende Ausmaße an – schnell werden User beleidigend, gleichzeitig öffnet das Web auch das Tor für extreme Meinungen.

Trolle im Netz

„Das Kommentarfeld unter Artikeln: ein Trollhaus.“ Dies sagt Leo Lagercrantz, ehemaliger Chefredakteur der schwedischen Online-Zeitung Newsmill in der Süddeutschen. Besonders geprägt hat ihn eine Kommentatorin, die er „Troll“ nennt, weil sie in den Kommentarboxen wütet und „die sich entweder gegen Migranten oder bekannte Feministinnen wenden. Ihre Texte sind aggressiv, aber stets gut formuliert und nie drohend.“ Trotzdem, so Lagercrantz, löschte er ihre Beiträge. In den alten Medien hätten es solche „Trolle“ nicht geschafft, ein breites Publikum mit ihrer Meinung zu konfrontieren – denn dort gab es noch Gatekeeper, die über Leserbriefseiten wachten.  „Doch dann wurde das Kommentarfeld im Netz erfunden. Der Einzug der Trolle in die Öffentlichkeit war ein Faktum“, sagt Lagercrantz. Und Lagercrantz entschied sich, dagegen vorzugehen, Kommentare zu löschen, ja, zu „zensieren“, wie ihm einige Nutzer vorwarfen. Lagercrantz verließ die Plattform und sieht nun, wie nach den Anschlägen von Oslo große skandinavische Medien keine anonymen Kommentare mehr zulassen.

Kommentare im Web

Wie aber sieht die Kommentarstruktur im Web aus? Gegen wen richten sich Beleidigungen? Studenten der Uni Mainz untersuchten die Kommentare zu Fukushima auf SpiegelOnline. Sie stellen fest, dass 51,3 Prozent der Beleidigungen gegen andere User gingen, erst dann folgten mit 19,1 Prozent die deutsche Regierung und mit 1o Prozent die deutschen Parteien. Problematisch ist vor allem auch die Äußerung der Ironie. So wurde festgestellt, dass „18,8% aller Kommentare, die Ironie beinhalteten, mit einer Beleidigung
beantwortet“ wurden. Gleichzeitig ziehen aber auch Beleidigungen neuerliche Beleidigungen nach sich – in über 30 Prozent der Fälle. Allgemein konnten die Studenten feststellen, dass eine hohe Emotionalität der geführten Debatte die Wahrscheinlichkeit für Beleidigungen erhöht. Um Debatten also weitgehend beleidigungsfrei ablaufen zu lassen, bräuchte es weniger Emotionen – ein nahezu unmögliches Unterfangen bei heiklen Themen.

Provokateure im Web

Vielleicht ist es manchmal auch ganz gut, sich seinen Kommentar zu sparen – gerade dann, wenn der eigentliche Provokateur nicht nur einen Post weiter unten sitzt, sondern der Beitragsverfasser ist. Ein Beispiel dafür ist die mehr als strittige Seite www.kreuz.net. Dort wird offen von Homo-Gestörten und Homo-Greul gesprochen, vom HS-Staat (HS als Abkürzung für Homosexualität, nicht zu verwechseln mit NS-Staat) und der Holocaust in Frage gestellt. Oder es wurde Stimmung gegen die Heiligsprechung des liberaleren Papst Johannes Paul II. gemacht. Auch deshalb bezeichnet die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung die Seite als „rechtsextreme Katholiken im Internet„. Dementsprechend kontrovers sind auch die Diskussionen auf der Seite, hier einmal ein Auszug zum Thema „Onanie grenzt an Homo-Perversion“.

Dazu stellen sich eigentlich zwei Fragen: Macht es überhaupt Sinn, mit christlichen Fundamentalisten zu diskutieren? Oder ist es die Pflicht eines jeden, solchen Auswüchse paroli zu bieten?

Betrachtet man die Ausführungen Lagercrantz‘, der sich auch telefonisch mit dem „Troll“ auseinandergesetzt hat, mit ihm inhaltlich diskutieren wollte, könnte man meinen, dass es keinen Sinn macht, sich mit „Trollen“ auseinander zu setzen: „Ich tat es [den Ausstieg bei Newsmill] nicht nur mit dem Gefühl, vom Troll besiegt worden zu sein, sondern auch im Wissen, dass mein Kampf sinnlos gewesen war.“

Gleichzeitig aber blickt Lagercrantz nach den Anschlägen in Oslo zurück und sagt: „Persönlich verstärkte das Massaker in Norwegen mein Gefühl, gescheitert zu sein. Nicht weil ich „zensierte“. Sondern weil ich es nicht früher und entschlossener tat.“

 

UPDATE: Es hatte sich ein kleiner Fehler eingeschlichen. Natürlich heißt kreuz.net nicht kreutz.net.

 

Foto: Flickr/maubrowncow (CC BY-NC-SA 2.0) ; Screenshot: http://www.kreuz.net/article.14063.html (20.12.2011)

Mama 2.0

von Miriam Heiner

Eine aktuelle Studie der European Interactive Advertising Association belegt, dass junge Frauen mit Kind das Internet stärker nutzen aus Kinderlose – 65 Prozent aller europäischen Mütter sind im Web aktiv. Bianca, 34, aus der schwäbischen Kleinstadt Schorndorf ist eine davon.

Muttis im Web

Auch Bianca möchte als Mutter von Daniel (4) und Annika (3) nicht auf das World Wide Web verzichten – vor allem als ihre Kinder noch kleiner warnen, verbrachte sie viel Zeit im Netz. „Ich habe kein Profil auf Facebook oder anderen Portalen. Aber im Internet war ich während der Zeit, als Daniel und Annika noch kleiner waren, sogar häufiger als jetzt, wo beide schon aus dem Gröbsten heraus sind.“

Warum aber zieht es die frischgebackenen Muttis in Netz? Oftmals sind es ganz pragmatische Gründe. Etwa, wenn Tipps und Tricks zum Umgang mit dem Familienzuwachs gebraucht werden. Studien belegen, dass  die jungen Mütter im Internet besonders die Chance sehen, ihren Alltag zu bereichern und zu erleichtern. Diese Aussagen decken sich mit einer Studie von Anna Przewoznik zur Internetnutzung junger Mütter. Es geht den Onlinemuttis demnach weniger darum, ihren Alltag zwischen Babybrei und Wickeltisch mit anderen auf sozialen Netzwerken zur Schau zu stellen, sondern vielmehr darum, die kostbare Zeit sinnvoll zu nutzen.

Mit Urbia und Netmoms.de gibt es Portale, die sich mit den Themen rund um den Nachwuchs beschäftigen und den Mamis die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch geben und sehr beliebt sind. Für Bianca stand aber weniger diese Art der Kommunikation im Vordergrund. „Ich habe mich lieber mit Bekannten getroffen, die auch Kinder im gleichen Alter haben. Aber trotzdem war das Internet eine Hilfe im Alltag.“

Behördengänge, arbeiten, shoppen

Beispielsweise ersparten Serviceangebote im World Wide Web der jungen Mutter Behördengänge und lange Wartezeiten. Mittlerweile bietet die Arbeitsagentur die Möglichkeit, das Kindergeld vom Rechner aus zu beantragen. Das alles ohne den Gang in die Behörde mit dem quengelnden Nachwuchs im Kinderwagen, dessen Leidenschaft und Verständnis für die Bürokratie ungefähr genauso ausgeprägt sein dürfte wie für höhere Mathematik.  „Meine Steuererklärung habe ich beispielsweise schnell und einfach online gemacht. Aber auch Öffnungszeiten konnte ich online gut recherchieren und so den Tag besser planen. Termine kann man ja auch oft sogar schon direkt online beantragen“, erklärt sie.

Aber auch ihre berufliches Standbein hat das Internet Bianca erhalten: „Ich habe während der ersten Monate von zu Hause aus per Homeoffice gearbeitet. So war ich immer auf dem aktuellen Stand der Dinge und der Wiedereinstieg in den Beruf dieses Jahr war sicherlich um einiges leichter für mich“, beschreibt die überzeugte Onlinemama die Vorteile der Technik.

Besonders beliebt ist auch die Gegenrichtung unter diesen jungen Frauen – das Geldausgeben – Onlineshopping. Denn die virtuellen Shoppingmalls kennen keine Öffnungszeiten und passen sich ganz flexibel und unkompliziert dem Tagesrhythmus der kleinen Familien an. So bleibt es Mutter und Kind erspart, den Kinderwagen durch die viel zu engen Gänge zwischen den Kleiderständern zu quetschen und mehr Zeit für einen entspannenden Spaziergang in der frischen Waldluft. „Davon bin ich auch heute noch ein großer Fan– auch wenn natürlich längst die Möglichkeit besteht, die Kleinen einmal allein bei der Oma zu lassen“, grinst Bianca.

Schließlich setzen die Warenhäuser im Internet den Bedürfnissen mittlerweile keine Grenzen mehr: Das Angebot des wahrscheinlich bekanntesten Vertreters Amazon reicht von Büchern und allerlei Medienangeboten über Klamotten bis hin zu Elektro- und Haushaltsartikeln aller Art. Er vereint Baumarkt, Elektrohandel, Schuh- und Kleiderboutique sind hier unter einem virtuellen Dach. An dem einen oder anderen Utensil für den kleinen Nachwuchs mangelt es natürlich auch nicht.

Man darf gespannt sein, ob die neuen Onlinekaufkonzepte von Lebensmittelketten wie beispielsweise Rewe bei Frauen mit kleinen Kindern besonders großen Anklang finden. Und man darf sich fragen, wie eine Mutter in der analogen 1.0-Welt überhaupt managen konnte…?