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Cowboys of the Caribbean: The Curse of the Lone Ranger

von Miriam Gerstenlauer und Marius Lang

Eigentlich hatte The Lone Ranger durchaus das Zeug dazu, ein wirklich unterhaltsamer Film zu werden. Erst Recht, wenn man bedenkt, dass praktisch das gesamte Team der Fluch der Karibik-Reihe beteiligt war. Regisseur Gore Verbinsky kennt man schon vom Piratenstreifen, ebenso wie den Produzenten Jerry Bruckheimer. Und zumindest der Großteil der Drehbuchautoren ist auch wieder mit dabei. Klar, dass man da auch noch den Hauptdarsteller Johnny Depp mitgebracht hat. Dazu kommt eine beliebte Radiosendung und spätere Fernsehserie aus den 1940er und 50er Jahren als Grundlage, ein wirklich guter Soundtrack und eine gehörige Menge Geld der Walt Disney Studios. Ein Jammer nur, dass unterm Strich leider auch die Summe der einzelnen Teile nicht immer einen echten Kinohit ergibt.

 

Kleiner Junge, falscher Bruder

Ein kleiner Junge in Halbmaske und Cowboyoutfit geht auf einem Jahrmarkt in ein Wild-West-Museum. Dort trifft er auf den Indianer Tonto (Captain Jack Sparrow Johnny Depp), der als lebendes Ausstellungsstück arbeitet. Tonto erzählt dem Jungen die eigentliche Filmhandlung, das erste Abenteuer seines Freundes John Reid (Armie Hammer), dem maskierten Rächer Lone Ranger.

Die Geschichte beginnt mit Reids Rückkehr in seine Heimatstadt. Der Ganove Butch Cavendish ermordet bald darauf seinen Bruder und Sheriff Dan mit seinem Trupp. John wird anschließend von einem Pferd und dem wirren Erzähler Tonto rekrutiert, um Cavendish endgültig zur Strecke zu bringen. Klar, dass Tonto selbst eine Rechnung mit den Banditen offen hat, klar, dass diese offene Rechnung noch eine wichtige Rolle im Film spielen wird. Und auch klar, dass es eine Wendung geben wird, mit der niemand rechnet.

 

Captain Tonto, wenn ich bitten darf

Wer nicht weiß, dass das Fluch der Karibik-Team auch hinter Lone Ranger steckt, der achte nur mal auf die klaren Ähnlichkeiten:
Ein sympathischer, rechtschaffender junger Mann, (John Reid/Will Turner), wird in den Rachfeldzug eines zwielichtigen und zu stark geschminkten Antihelden mit zweifelhafter mentaler Gesundheit (Tonto/Jack Sparrow) hineingezogen, der mit dem Schurken (Butch Cavandish/Barbossa) noch eine Rechnung offen hat. Der rechtschaffende Mann willigt ein, um die Liebe seines Lebens (Rebecca/Elizabeth) aus den Fängen des Bösewichts (Latham Cole/Barbossa) zu befreien.

Die Kampfszenen sind gut choreographiert, gewohnt übertrieben und zu viele an der Zahl. Man ersetzte eigentlich nur die Schiffe durch Pferde, die Karibik durch die texanische Wüste und teilt den Bösewicht Barbossa in ein Duo aus einem kannibalischen Psychopathen und einem skrupellosen Geschäftsmann. Soviel Faulheit beim Filmemachen kann man schlecht verschleiern. Und auch die erwartungsgemäß ansehnlichen Actionsequenzen können nicht über den abgestandenen Plot und unnötige Länge des Streifens hinwegtäuschen.

Der Schuh des Kemosabe: Extra lang

Dass der Film sich in seiner Länge verliert ist vermutlich sogar sein größtes Problem. So könnte man beispielsweise die Rahmenhandlung um den gealterten Tonto, der dem kleinen Jungen seine Geschichte erzählt, komplett weglassen. Ebenso hätte man die Szenen mit Helena Bonham Carter, die eine einbeinige Bordellbesitzerin spielt, streichen können, ohne, dass sich die Handlung des Films geändert hätte. Dreißig Minuten weniger, und der Film hätte vielleicht nicht so unter der blassen Handlung gelitten.

Positives muss man jedoch auch vermerken. So spielt William Fichtner die Rolle des psychopathischen Mörders Cavendish durchaus ansehnlich verstörend und auch Tom Wilkinson ist als Eisenbahner Latham Cole beachtlich stark. Johnny Depp dagegen wirkt, als würde er die Rolle des Piratenkapitäns Sparrow ein wenig zu sehr lieben, wie sonst würde man sich sonst erklären, dass er praktisch ein und dieselbe Figur spielt.

Fazit: Blasses Popcornkino mit wenigen Schnörkeln. Nichts, was man nicht schon besser gesehen hätte. Niemand braucht CGI-Büffel und fleischfressende Hasen haben grundsätzlich nur etwas in Monty-Python-Filmen verloren.

 

Fotos: Copyright Walt Disney

„‚The Voice‘ hat auch nicht mehr Talente als DSDS.“

von Alexander Karl

Deutschland hat gesucht und fand im Jahr 2009 ihn: Daniel Schuhmacher, Jahrgang 1987, gewann die sechste Staffel von ‚Deutschland sucht den Superstar‘. Mit ‚Anything But Love‘ eroberte er die Spitze der deutschen Charts, aktuell arbeitet er an seinem neuen Album, das im Frühsommer 2013 erscheinen soll.

Mit media-bubble.de sprach Daniel Schuhmacher über ‚The Voice‘, die aktuelle DSDS-Staffel und die Bedeutung von Social Media.

Daniel, du hast im Jahr 2009 ‚Deutschland sucht den Superstar‘ gewonnen. Wie sehr nervt dich die Frage von Journalisten, ob du ein Superstar bist?

Ich habe zwar DSDS gewonnen, aber das heißt nicht, dass ich ein Superstar bin. Das ist einfach der Titel der Show. Kein DSDS-Gewinner ist so weltberühmt wie Madonna oder Justin Timberlake. Aber durch den Sieg konnte ich in der Musikbranche Fuß fassen, Musik machen und mit coolen Leuten zusammen arbeiten.

Aktuell läuft die 10. Staffel, aber die Quoten waren auch schon besser. Was ist der Grund für den Abwärtstrend von DSDS?

Es gibt einfach zu viele Castingshows. Der Zuschauer weiß gar nicht mehr, was er anschauen soll. Aber bei DSDS kommt mittlerweile auch die Musik ein wenig zu kurz. Klar, es wird gesungen, aber auch mit Halb-Playback und Effekten auf den Stimmen. Das ist etwas ganz anderes, als mit einer Liveband zu arbeiten wie in unserer Staffel. Es klingt einfach anders, wenn die Musik live gespielt wird und nicht vom Band kommt. Das Eigentliche – das Talent und der Gesang – treten mehr und mehr hinter der Show zurück.

In eurer Staffel wurde auch noch weniger getanzt als heute, oder?

Wenn wir getanzt haben, mussten wir das alleine machen ohne viele Tänzer. Natürlich ist es legitim und auch ganz cool bei Dance-Songs ein paar Tänzer dabei zu haben. Aber manchmal kommt es mir so vor, als würden in jede Performance auf Biegen und Brechen Showelemente und Tänzer eingebaut werden – egal ob das passt oder nicht. Der Fokus sollte wirklich auf den Kandidaten liegen. Ich will die wahre Stimme des Sängers hören und keine extrem bearbeiteten Stimmen mit Echos und so weiter.

Würdest du dann heute – wenn du 2009 nicht DSDS gewonnen hättest – eher bei ‚The Voice‘ mitmachen?

Gute Frage, ich hab keine Ahnung. DSDS ist das Original, es war das erste Format, das nach einem Solo-Act gesucht hat. Alle anderen Formate sind ein bisschen von DSDS abgekupfert. Ich würde mir glaube ich einfach nur überlegen, ob ich zum Original gehe. Denn was mich nervt – unabhängig davon, dass ich es gewonnen hab – ist, dass die Medien DSDS immer als Schmuddelkind darstellen und ‚The Voice‘ oder ‚X Factor‘ in den Himmel loben. ‚The Voice‘ hat auch nicht mehr Talente als DSDS. Schlussendlich ist das alles Fernsehen, die wollen alle gute Quoten, die wollen alle Geld verdienen und die wollen alle erfolgreich sein.

Du warst in der aktuellen Staffel auch zu sehen – du hast im Casting einem Kandidaten gezeigt, wie man ‚Ain’t No Sunshine‘ singt. Wie hat es sich angefühlt, noch mal vor der DSDS-Jury zu stehen?

Eigentlich sollte ich den Kandidaten, die es in den Recall geschafft hatten, ein paar Tipps geben und Fragen beantworten. Und plötzlich hat mich Dieter Bohlen zur Jury gerufen und mich gebeten, den Song vorzusingen. Aber mir hat der Kandidat auch leid getan, ich wollte da ja niemanden bloßstellen oder so. Aber es war auch cool zu zeigen, wer ich heute bin. Ich wurde danach auch ganz, ganz oft gefragt, ob mein spontanes Vorsingen geplant war – es war definitiv nicht geplant.

Du schaust dir die Show ja auch weiterhin an. Wie ist es, das alles noch mal vom Bildschirm aus zu erleben?

Natürlich schaue ich mir DSDS anders an als ein ganz normaler Zuschauer, der keine Ahnung hat, was für ein riesiger Apparat hinter der Show steckt. Ich weiß, wie sich der Kandidat in der Situation fühlt, was da bei den Interviews vielleicht gemacht, irgendwie hingedreht wurde. Die Kandidaten sind noch unerfahren im Umgang mit den Medien, das war ich damals auch. Aber als Redakteur will man Dinge über die Kandidaten herausfinden und kitzelt die Antworten aus ihnen heraus. Da werden die Fragen so gestellt, dass man in die Falle tappt. Aber das ist einfach das TV-Geschäft.

Als Sieger von DSDS hattest und hast du natürlich viele Fans, auch bei Facebook. Letztens hast du Fanfragen in Videos beantwortet und diese online gestellt. Warum nutzt du Social Media so aktiv?

Für mich als Castingshow-Gewinner sind Facebook und Co. die größte Chance, um mein Publikum zu erreichen. Wir DSDS-Sieger und Kandidaten werden nicht im Radio gespielt und auch im TV haben wir es nicht unbedingt leicht. Durch Social Media kann ich meine Fans an meinem Leben und meiner Karriere auch teilhaben lassen.

Gibt es auch Sachen, die für dich zu privat sind, als dass du sie online posten würdest?

Ich war da anfangs, nachdem ich DSDS gewonnen hatte, ziemlich offen und hab da alles beantwortet und oft ziemlich viel Preis gegeben. Ich habe aber gemerkt, dass ich da eine Grenze finden muss, denn sonst ist das Privatleben nicht mehr privat. Über meine Familie, aber auch über meine Freunde poste ich wenig. Ich habe mir das Leben in der Öffentlichkeit ausgesucht, nicht sie. Anfangs haben Leute meine Eltern angerufen, sie oft auch Mitten in der Nacht aus dem Bett geklingelt – das fand ich extrem unverschämt.

Zum Schluss noch dein Tipp zur aktuellen Staffel – wer wird der diesjährige DSDS-Sieger?

Ich drücke Susan die Daumen. Sie ist am besten und singt sicher, auch wenn sie nicht die einzigartigste Stimme der Welt hat. Aber es heißt ja immer, dass bei DSDS keine Mädels gewinnen können… Auch dieses Mal gibt es mit Erwin den typischen Mädchenschwarm, aber bei den Jungs sehe ich gesanglich Ricardo weit vorne.

 

Fotos: J. Andreasson, aufgenommen beim Konzert von Daniel Schuhmacher am 29. November 2012 in der Stadthalle Pfullendorf.

Die Zukunft des Buches

von Alexander Karl

Es ist wieder soweit: Vom 14.-17. März präsentiert sich die Buchbranche auf der Leipziger Buchmesse – und mit dabei ist auch die Münchnerin Karla Paul. Seit 2006 bloggt sie auf buchkolumne.de über Bücher, außerdem arbeitet sie seit 2009 bei der Literaturcommunity LovelyBooks.de im Bereich der Redaktionsleitung und des Social Media Managements. Wenn dann auch noch Anfang 2014 ihr Buch „Das Alphabet der Bücher: Bekenntnisse einer hemmungslosen Leserin“ im Heyne Verlag erscheint, wird wohl allen klar werden – diese Frau liebt Bücher!

Mit media-bubble.de sprach Karla Paul über die Bedeutung der Buchmesse im Internetzeitalter, die Trends des Buchmarkts und Social Media bei Büchern.

Karla, die Buchmessen haben in Deutschland eine lange Tradition. Welche Bedeutung haben sie noch im Zeitalter des Internets?

Die Kommunikation findet meistens das ganze Jahr über auf digitalem Weg bzw. telefonisch statt – umso schöner ist es dann, wenn man sich in Leipzig und Frankfurt auch einmal persönlich trifft, wenn man das Zwischenmenschliche pflegen und die Kontakte auch mal bei einem Kaffee vertiefen kann. Hier kann man in kurzer Zeit viele Menschen aus der Branche treffen, sich miteinander vernetzen, Insiderwissen austauschen und was tatsächlich für mich eine große Rolle spielt: Verlage, Autoren und auch die LovelyBooks.de Mitglieder haben ein besseres Gefühl, wenn sie den Menschen, mit dem sie tagtäglich zu tun haben, auch einmal im echten Leben gesehen und kurz mit ihm geredet haben. Man macht sich eben, trotz all der Möglichkeiten via sozialer Netzwerke und Email miteinander in Kontakt zu bleiben, gern auch von Mensch zu Mensch ein richtiges Bild voneinander. Also bleibt die Bedeutung weiterhin sehr wichtig.

Welche Trends gibt es aktuell auf dem Buchmarkt?

Social Reading, Book Discoverability, E-Reader, Epub 3, Selfpublishing – all diese Schlagworte geistern schon seit einigen Jahren bzw. Monaten durch den Raum und es ist ganz klar: alles wird sich verändern. Der Buchmarkt ist im Aufbruch und die Teilnehmer suchen stets nach neuen Möglichkeiten um Literatur an Leser zu vermitteln und sich den Veränderungen anzupassen, sie wenn möglich voranzutreiben. Wir haben uns bei unserem Relaunch auf LovelyBooks.de dem Problem angenommen, wie der Leser in Zukunft online durch Stöbermöglichkeiten neue Bücher für sich entdecken kann, anstatt den Vorgaben und Empfehlungen der Shops zu folgen. Leser wollen wieder mehr entdecken, Geheimtipps (egal ob nun als gebundene Ausgabe oder als E-Book) weitergeben und den Empfehlungen ihrer Freunde folgen – dies wird auf der umgewandelten Plattform alles neu umgesetzt und wir sind sehr gespannt auf die ersten Reaktionen der Branche. Ansonsten wird sicher der neue E-Reader „Tolino“ eine Menge Presse bekommen – ob verdient, das muss sich erst noch zeigen und auch weitere Entwicklungen werden sicherlich erst auf der Messe präsentiert.

Welche Rolle wird Amazon in Zukunft auf dem Buchmarkt – gerade auch im Bereich des E-Books – spielen?

Amazon ist bereits der größte Player auf dem Markt und sorgt für steigende Umsätze im Online-Versandbuchhandel. Trotz der scharfen Kritik aufgrund der Arbeitssituationen bei Amazon wird sich gerade hier wahrscheinlich in den kommenden Monaten noch viel in Richtung des amerikanischen Riesen tun, sollten nicht gerade die Leser hier wieder mehr in Richtung „buy local“ denken. Es gibt zwar mit der Kampagne des Deutschen Buchhandels bzw. des Börsenvereins sowie den Gegengrößen Thalia und Weltbild mit ihrem Tolino Bestrebungen hier wieder mehr Raum einzunehmen, aber ob dies gelingt, dies bleibt abzuwarten. Eins ist sicher – die ersten Leidtragenden sind die kleinen Buchhandlungen vor Ort, denen Amazon Stück für Stück auch aufgrund des wachsenden Ebook-Markts die Existenzgrundlage entzieht.

Wie wichtig sind Internet und Social Media für Bücher? Gibt es da aktuelle Beispiele?

Inzwischen finden die meisten Einkäufe online aufgrund von Empfehlungen statt – d.h. zum Beispiel meine Freunde auf Facebook oder Twitter reden dort über ein Buch und schreiben eine Rezension und da ich diesen vertraue, kaufe ich das Buch eher als wenn es mir über eine Werbung sozusagen aufgedrängt wurde. Wir sehen dies über unsere Facebook-Integration, d.h. wenn ein Mitglied eine Rezension schreibt, dann wird diese automatisch auf Facebook geteilt und so gelangen wiederum dessen Freunde auf unsere Plattform. Aktuell sind auch circa 80-90 Prozent aller Verlage auf den größten sozialen Netzwerken zu finden und auch die Autoren ziehen mehr und mehr nach und suchen dort den Kontakt zum Leser und damit zum Endkunden.

Für wen ist Social Media insgesamt wichtiger: Für Autoren oder Verleger?

Da beide am gleichen Produkt verdienen, ist es auch für beide Gruppen wichtig. Inzwischen wird oft behauptet, dass die Verlage gar dank Selfpublishing ihre Existenzgrundlage verlieren würden, dem muss ich widersprechen. Das was Verlage leisten, d.h. vom Tragen des Risikos, dem Druck, der Verbreitung im flächendeckenden Buchhandel, Presse und Marketing, Qualitätskontrolle und vieles mehr, das ist nur schwer allein zu meistern und ich weiß auch so gut wie kein Beispiel, wo dies nachweislich so geklappt hat, wie es oft und gern in den Medien gehyped wird. Also sollten sich beide online und offline ergänzen und unterstützen und an einem Strang ziehen, damit man mit vereinten Möglichkeiten dem jeweiligen Buch zu einem noch besseren Start bzw. Verkauf verhelfen kann. Inzwischen sind nur Autoren mehr eingebunden und nutzen den direkten Kontakt zum Leser ja auch nicht nur aus Marketinggründen, sondern auch um sich direktes Feedback zum Buch zu holen – was vorher ja nur bei Lesungen vor Ort möglich war. Viele genießen den Austausch sehr und bleiben deswegen auch in veröffentlichungsarmen Zeiten jederzeit gern mit dem Leser in Kontakt.

Welche Tipps hast du für die Nutzung von Social Media bei Büchern?

Das kann man schwer verallgemeinern, oft erarbeiten wir mit den Verlagen zu den jeweiligen Büchern und deren Grundthemen passende Konzepte. Grundsätzlich sollte man als Autor oder Verlag alle Möglichkeiten anbieten, damit die Inhalte möglichst breit und einfach geteilt werden können – z.B. Einbau der Sharing-Buttons auf allen Autoren- und Buchseiten, Integrierung des Social-Reading-Streams im Ebook, die Social Media Accounts des Verlags und Autors überall einbinden und so für den Leser auf allen Netzwerken erreichbar sein. Und dann noch stets authentisch bleiben – auch online entwickelt man ein recht feines Gespür für den Menschen hinter dem Account und trotz aller Bemühungen von Firmen und Marken sich möglichst neutral und glatt zu geben, damit man unangreifbar ist – Kommunikation, d.h. der Dialog funktioniert nur zwischen Menschen und dies sollte man stets bedenken. Wer dann noch die gleichen Regeln für die Offline-Kommunikation d.h. eine sogenannte Netiquette verwendet, der kann eigentlich wenig falsch machen. Und falls es doch noch Fragen gibt – einfach her damit, da ich auch Autoren und Verlage im Auftrag von LovelyBooks.de in Workshops und Seminaren berate und dafür auch jederzeit online zur Verfügung stehe.

 

Foto: Privat

Bild: flickr/photomequickbooth (CC BY-ND 2.0)

Schon GEZahlt?

von Sebastian Luther

Die GEZ ist unbeliebt, unbeliebt wie wohl kaum eine andere Behörde. Auch das milde Grün von Logo und Umschlag vermögen nicht über diese Tatsache hinwegzutäuschen. Sie finanziert, was den Bürgern eine unabhängige, überparteiliche Meinungsbildung ermöglichen soll: Die Öffentlich-Rechtlichen. Was vielen von uns lieb ist, wird aber ab 2013 vor allem teurer.

GEZaubert?

Den Stolz, der zwischen den Zeilen mitschwingt, kann man kaum überlesen: „Der Erfolg des Marktführers Tagesschau mit Marktanteilen von rund 32 Prozent ist ungebrochen.“ So heißt es in einer Mitteilung der ARD zu den Zuschauerzahlen, veröffentlicht im März vergangenen Jahres. Im Jahr 2010 kam das Nachrichtenflaggschiff der ARD auf durchschnittlich 9,14 Millionen Zuschauer und verwies die Konkurrenz von ZDF und RTL auf die nachfolgenden Plätze. Doch längst ist die Dominanz der Öffentlich-Rechtlichen im Gesamtvergleich gebrochen: Betrachtet man die relevante Währung in der Fernsehbranche, die Marktanteile, liegt RTL hier zwar mit momentanen 13,5 Prozent vorne, kann den Atem der Öffentlich-Rechtlichen aber im Nacken spüren. Möglich macht all das hauptsächlich der Bürger, der brav seine GEZ-Beiträge entrichtet, die sich, entsprechend seiner medialen Ausstattung, auf einen Betrag zwischen 5,76 € und 17,98 € monatlich belaufen. 2010 kam dabei die stolze Summe von 7.402.420.986,36 € zusammen.

abGEZockt?

7,4 Milliarden Euro – eine Zahl, hinter der man sich nicht zu verstecken braucht. Oder eben doch – tritt nämlich der Wutbürger auf den Plan, der sich aus voller Kraft über Niveauverfall allerorts beschwert. Denn ARD, ZDF und Co. verwenden diese Summe nicht nur für die Produktion von Nachrichtensendungen, sondern auch etwa für den Kauf von teuren Sportrechten oder die Produktion von Telenovelas. Ab nächstem Jahr könnte sich zu diesen Vorwürfen in ähnlicher Lautstärke ein weiterer, alt bekannter, gesellen: Zu hohe Beiträge. So haben die Länderparlamente beschlossen, ab Januar 2013 die GEZ-Beiträge abzuschaffen und eine Haushaltspauschale von 17,98 €, dem momentanen Höchstbetrag also, einzuführen. Begründung? Das Problem der Schwarzseher soll damit beseitigt werden, da fast jeder irgendwo in Deutschland einen Wohnsitz gemeldet hat, an dem die Beiträge dann fällig werden. Denn die nicht ganz unbeliebte Praxis, die Gebühren nicht zu bezahlen, bzw. nur ein Radio anzumelden, wo man eigentlich auch einen Fernseher hat, „gewöhnt viele – auch jugendliche – Menschen an die Illegalität, schafft Ungleichheit unter den Nutzern“, so Paul Kirchhof, Verfassungsrechtler und gedanklicher Vater der Umstellung von Beitrag auf Pauschale. Die Zahlungsmoral ist vor allem in Ballungsräumen und unter jungen Erwachsenen schlecht und liegt stellenweise bei unter 80 Prozent. Kirchhof sieht auch kein Problem darin, den Beitrag von Haushalten einzuziehen, die tatsächlich keine Empfangsgeräte besitzen. Seine Aussage lautet sinngemäß: Jeder in der Bundesrepublik profitiert von den Öffentlich-Rechtlichen, egal ob er/sie fernsieht oder nicht.

Was den Blutdruck des Wutbürgers jedoch vorerst nur reflexartig nach oben ausschlagen lässt, bringt Unternehmer jetzt schon zum Haare raufen. Für sie gilt im neuen System ein nach Anzahl der Mitarbeiter gestaffelter Betrag. Zudem wird die gängige Praxis Autoradios aus gewerblich genutzten Fahrzeugen auszubauen hinfällig, gezahlt werden muss trotzdem. So muss dann etwa ein Bäcker mit 60 Mitarbeitern, zwölf Läden und acht Fahrzeugen anstatt wie jetzt 423 Euro, ab 2013 knapp über 2000 Euro zahlen.

Quo vadis, Öffis?

Die Änderungen in der Finanzierung und Beschwerden über die schleichende Boulevardisierung machen eine Grundsatzdebatte, wie sie über Beiträge und Programminhalte geführt werden sollte, nicht leichter. Flächendeckende Beitragsbemessung hin oder her, die Höhe wirft die Frage auf, ob Kirchhofs Begründung hier noch greift. Profitieren denn wirklich alle davon, dass sie theoretisch fernsehen könnten, und profitieren sie auch noch in dem Maße davon, dass sie Beiträge zahlen müssen, egal ob sie fernsehen oder nicht? Hinzu kommt, dass die GEZ in Zukunft ihren Außendienst, die „Schnüffler“, nicht mehr braucht. Einsparungen, die wohl nicht an die Verbraucher weitergegeben werden.Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk ist für die Konstituierung eines unabhängigen Meinungsmarktes unerlässlich und wird von den Bürgern auch in dieser Funktion wahrgenommen, das belegen die Zahlen. Was sie jedoch nicht belegen, ist die Beliebtheit der Sender und ihrer Programminhalte. Der Unmut über die Beiträge wächst bei vielen angesichts neuer Talkshows, Volksmusiksendungen, Sportübertragungen, vermeintlich immer schlechter werdenden „Tatort“ Folgen und Rosamunde Pilcher Verfilmungen. Immer wieder wird auch die Konvergenz der Inhalte hin zu den Privaten kritisiert. Diese Liste ließe sich aus Sicht jedes einzelnen Zuschauers beliebig fortsetzen, weil jeder etwas im Programm findet, das er oder sie 1. noch nie gesehen hat, 2. für völlig irrelevant hält und 3. mit Sicherheit auch noch vollkommen überteuert sein muss. Einzig und allein „Wetten, dass ..?“ stampft weiterhin unangeschlagen als das letzte Schlachtschiff bundesrepublikanischen TV-Spektakels in gewohnter Manier durch das Samstagabend Programm, wenngleich auch ab April mit neuem Kapitän. Da aber die K-Frage bis jetzt ungeklärt ist und für einen potentiellen Nachfolger der Maßstab „Gottschalk“ gilt, ist die Zukunft der Sendung ungewiss.

Es ist eben eine breite Diskussion, die hier nötig ist. Eine Diskussion über Sinn und Unsinn in Programm, Organisation und Struktur der Öffentlich-Rechtlichen. Denn mit der Umsetzung Kirchhofs Plans wurden die Finanzen gesichert. Ob auch ihre Zukunft gesichert wurde, bleibt abzuwarten.