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Podcast: Review – „Ein Freitag in Barcelona & „Frances Ha“

von Lena Bühler

Der Podcast:

Beitrag Nr. 5 fertig

 

Die Filme:

 

Ein Freitag in Barcelona

„Ihr Männer lauft herum wie mit einer Waffe in jeder Hand!“ beschwert sich die resolute Mamen (Candela Peña) bei ihrem Kollegen, dessen dreiste Anmache sie gerade abblitzen ließ. Una Pistola en cada Mano (Eine Waffe in jeder Hand) lautet auch der Originaltitel der spanischen Episodenkomödie. Wirklich schade, dass es die Metapher nicht in die deutsche Übersetzung geschafft hat, wären die acht Protagonisten doch so viel lieber John Wayne als ihr von der Midlife-Crisis gebeuteltes Selbst. Regisseur Cesc Gay ist selbst Mitte 40 und setzt seinen männlichen Altersgenossen mit Ein Freitag in Barcelona ein filmisches Denkmal – nicht gerade schmeichelhaft aber höchst selbstironisch und humorvoll.

 

Ein Freitag in Barcelona, Spanien 2012, 95 Min.

Regie: Cesc Gay

Drehbuch: Cesc Gay, Thomas Aragay

Mit: Javier Cámara, Ricardo Darín, Jordi, Mollà, Candela Peña, Leonor Watling

 

Frances Ha

Die stets gut gelaunte Endzwanzigerin Frances lebt mit ihrer besten Freundin Sophie zusammen wie „ein altes lesbisches Paar, nur ohne Sex“. Gemeinsam schmieden sie große Pläne für die Zukunft, denn Frances will eine erfolgreiche Modern-Dance Tänzerin werden. Dass sie sich im Moment mehr schlecht als recht mit kleinen Nebenjobs durchschlägt, tut ihrem Optimismus keinen Abbruch. Doch als ihre Freundschaft zu Sophie zu bröckeln beginnt, gerät auch ihr Lebenskonzept durcheinander. Regisseur und Drehbuchautor Noah Baumbach ist auch privat mit Hauptdarstellerin Greta Gerwig liiert, die für ihre Rolle der Frances von den Kritikern hoch gelobt wurde. Obwohl Baumbach vor allem mit Drehbüchern für amerikanische Indieperlen wie Die Tiefseetaucher und Der Tintenfisch und der Wal bekannt wurde, kann er auch anders – für den Animationsfilm Madagascar 3 – Flucht durch Europa lieferte er ebenfalls das Drehbuch.

 

Frances Ha, USA 2012, 86 Min.

Regie: Noah Baumbach

Drehbuch: Noah Baumbach, Greta Gerwig

Mit: Greta Gerwig, Mickey Sumner, Adam Driver

 

 

 

Copyright: MFA / Camino Filmverleih

Mediendozentur 2012: „Die erste große Affäre ist wie die erste große Liebe.“

von Pascal Thiel

Ein ereignisreiches Jahr geht zu Ende. media-bubble.de berichtete über Mediendebatten, die Wissenschaft rund um die Medien und direkt aus der Universität Tübingen. Ein Ereignis wurde zum goldenen Abschluss aufgehoben: Den Besuch des Enthüllungsjournalisten Hans Leyendecker im Rahmen der Tübinger Mediendozentur 2012.

Ein bekannter Gast

Es ist der 19. Juli. Im Festsaal der Universität Tübingen spricht der ehemalige Spiegel-Redakteur und momentane SZ-Journalist Hans Leyendecker im Rahmen der Mediendozentur des Instituts für Medienwissenschaft. Die jährliche Veranstaltungsreihe soll laut der Philosophischen Fakultät „den journalistischen Nachwuchs zu fördern und Brücken […] schlagen zwischen Praxis und Wissenschaft“. In den vergangenen Jahren begeisterten Gäste wie Frank Schirrmacher, Alice Schwarzer und Claus Kleber die Studenten. Im Jahr 2012 stand die Mediendozentur jedoch ganz im Zeichen des investigativen Journalismus.

Leyendecker, dessen Name eng mit der Flick-Affäre, der Drehbuch-Affäre und dem CDU-Parteispendenskandal in Verbindung steht, geriet im Frühjahr des (fast) vergangenen Jahres in die Schlagzeilen, weil er und zwei Kollegen von der Süddeutschen Zeitung sich weigerten, den Henry-Nannen-Preis entgegenzunehmen. Gemeinsam mit zwei BILD-Journalisten, die die Wulff-Affäre in Bewegung gesetzt hatten, sollten sie mit der wichtigsten Auszeichnung für deutschen Qualitätsjournalismus in der Kategorie „Investigativer Journalismus“ ausgezeichnet werden – das lehnte er als „absurd“ ab und bekräftigte es heute erneut.

Schwierige Zeiten für den Journalismus

An diesem Sommerabend jedoch möchte Leyendecker weniger über sich selbst, als über die Lage des Journalismus sprechen. Und der beginnt mit schlechten Nachrichten.

„Rocky Mountain News, gestorben am 27. Februar 2009.“ Zwei weitere große US-amerikanische Zeitungen folgen, die binnen der letzten zwei Jahre verschwanden. Ein erschreckendes Bild: Die US-amerikanische Zeitungsindustrie ringt mit dem Tode.

Seit 2007, so Leyendecker, sei der Umsatz der amerikanischen Zeitungen um fast 30 Prozent zurückgegangen. Wenn es so weiter gehe, gebe es in den USA im Jahr 2017 keine Zeitung mehr. Ein Schreckensszenario. Doch keineswegs sei das nur ein Problem der Vereinigten Staaten – auch in Deutschland nehme die Leserschaft der Zeitungen stetig ab. Doch es bestehe begründete Hoffnung, dass es mit der deutschen Zeitungsindustrie nicht so weit kommen werde. Beispielsweise befänden sich deutsche Zeitungen in privatem Besitz. Und seien nicht, wie viele amerikanische Zeitungen, börsennotierte Unternehmen.

Journalismus als Aufklärung

Aufklärung sei eines der wichtigsten Gebote des Journalismus, so Hans Leyendecker. Aufklärung sei Definition, klares und deutliches Erklären, das Klarmachen und Klarstellen.

Doch hier beginnen die Schwierigkeiten. Essentiell sei es, zwischen Aufklärung und Demaskierung, oder gar Rufmord, zu unterscheiden. Dass dies nicht immer eingehalten werde, habe man im Frühjahr 2012 gesehen, anhand eines Präsidenten, „der nicht aus seinen Fehlern lernte“. Gemeinsam mit einem Blatt für investigativen Journalismus geehrt zu werden, das diese Methoden als „Geschäftsmodell“ betreibe, sei für Leyendecker „absurd“. Zur Ablehnung des Henri-Nannen-Preises habe es „keine Alternative“ gegeben: Die Bild-Zeitung vollführe Nötigung, journalistische Schutzgelderpressung, verwende manipulative Techniken, drohe, ängstige, lüge und verbreite journalistischen Terror unter seinen „Opfern“.

Etwa im Falle des 2003 von der CIA wegen Terrorverdachts nach Afghanistan entführten Khaled al-Masri. Obwohl er später wieder frei kam, habe ihn die BILD ohne Beweise als „der irre Deutsche“ beschimpft.

Leyendecker sinniert. Warum formuliert man solch drastische Schlagzeilen? Er stellt klar: Journalismus dürfe kein Ventil sein, um Frust und Hass freien Lauf zu lassen. Investigativer Journalismus könne zwar verletzen, dürfe Menschen aber in keinem Fall ihrer Würde berauben.

Journalismus und der Skandal

„Die erste große Affäre ist wie die erste große Liebe.“

Der Journalismus produziert keine Skandale, er deckt sie auf. Doch wann ist ein Skandal wirklich ein Skandal? Kann man sie definieren? Ist der größte Skandal für den einen oft nur eine Bagatelle für einen anderen?

Im Boulevard scheine alles ein Skandal zu sein, das irgendwie von der „Norm“ abweicht. Doch Hans Leyendecker gibt zu bedenken: Boulevard-Skandale und Skandale, die eine gesellschaftliche Dimension erreichen, müssten unterschieden werden – auch wenn die Definitoren gleichsam die Medien seien.

Die Gefahr, die jedoch im digitalen Zeitalter bestehe, sei die ganz neue Dimension von Skandalen. Das Publikum wandele sich vom passiven „beobachtenden“ Rezipienten zum aktiven Akteur: Mithilfe des Internets könne jeder selbst effektiv skandalisieren. Dass nur „die Großen“ von Skandalen getroffen werden könnten, stelle sich langsam aber sicher als Illusion heraus. Jeder kann zum Skandal werden. Das bedeute gleichzeitig einen gewaltigen Einbruch in die Privatsphäre: Früher tat dies der Boulevard, heute könne es dank Internet jeder. Und: Das Internet vergesse nichts: alte Gerüchte und Kamellen könnten bequem und problemlos wieder aufgewärmt werden.

Investigativer Journalismus und „Internetfans“

Urheber „moderner Skandale“ würden oft als investigative Journalisten bezeichnet. Doch mit Blick auf Seiten wie etwa Wikileaks müsse man zwischen echten Journalisten und einigen „Internetfans“, so Leyendecker, unterscheiden. Im digitalen Zeitalter könne jeder ermitteln. Es brauche nur einen untreuen Mitarbeiter mit einem USB-Stick und einen Blogger.

Doch Leyendecker warnt vor unüberlegter Kritik. Kritik an Assange, dem „David der Neuzeit“, der sich gegen das große Amerika auflehne, werde schnell als Kritik am Medium Internet und an der Veröffentlichung geheimer Dokumente verstanden.

Doch im Gegenteil seien gerade diese Veröffentlichungen im Zuge der gesellschaftlichen Forderung nach Transparenz und nach Einsicht in die „black box“ des politischen Systems zu begrüßen. Problematisch sei dabei meist die nur niedrige journalistische Qualität dieser Veröffentlichungen, da sie nicht von professionellen Journalisten verfasst würden.

„Geschichten, die Wirkungen erzeugen“

Obwohl diese „Internetfans“ durchaus ihre Berechtigung im journalistischen Prozess haben, so folgert Leyendecker, könnten sie jedoch nicht per se als investigative Journalisten betrachtet werden. Denn an dessen Qualität kämen diese nur in seltensten Fällen heran. Investigativer Journalismus gebe nicht einfach wieder, sondern erkläre Zusammenhänge, gebe Hintergrundinformationen. Investigativer Journalismus müsse „Geschichten entdecken, die Wirkungen erzeugen“.

 

Bild: flickr/Das blaue Sofa (CC BY 2.0)

Fanbuch-Autorin: „Sex ist Sex“

Von Alexander Karl und Sanja Döttling

Lynn van Houten ist medizinische Bibliothekarin ein paar Meilen nördlich von San Francisco, dem amerikanischen Pendant zur Schwulenmetropole Köln. An diesem Wochenende ist die 65-jährige Amerikanerin auf der Convention und verkauft ihr Buch „The Queer as Folk Companion“. Mit viel Liebe zum Detail listet das Guide-Book einzelne Episoden und Zitate auf, verweist aber auch auf wissenschaftliche Artikel. Daneben bietet das Buch eine handvoll Bilder, Interviews, und – als besonderes Extra – Rezepte aus der Serie, zum Beispiel Justins „Jambalaya“ oder die „Lesbian Lasangna“. Media-bubble.de sprach mit van Houten über die Arbeit am Buch, ihre Fanliebe und Romantik.

[captionpix imgsrc=“http://www.der-prinz.de/wp-content/uploads/2012/05/Wordpress-Theme-Consultant-Update-617×289.jpg“ captiontext=“Autorin Lyinn van Houten“]

Media-bubble.de: Du arbeitest eigentlich im medizinischen Bereich der Bibliothek. Wie kam es dazu, dass du ein Buch zu „Queer as Folk“ geschrieben hast?

Van Houten: Die Serie habe ich mir zufällig in meiner lokalen Videothek ausgeliehen. Es geht vielen Fans so, dass sie die Serie erst auf DVD entdeckt haben. Und sie hat mich sofort gefesselt. Das Schreiben und Recherchieren war aber eine kleine Herausforderung.

Wie lang dauerte die Arbeit an dem Buch?

Ich habe drei Jahre lang recherchiert und danach noch zirka ein Jahr geschrieben. Immer nach der Arbeit natürlich, ich bin in Vollzeit angestellt. Wenn ich in zwei Jahren in Rente gehe, möchte ich aber weiterhin Sachbücher schreiben.

Wer ist dein Lieblingscharakter?

Brian. Natürlich. Ich finde, als Charakter in der Serie durchläuft er eine lange Reise. Brian ist ein Charakter, bei dem unter der Oberfläche viel vorgeht.

In der Serie – vor allem mit Brian – wird Sex ja auch sehr explizit gezeigt. Hat dich das gestört?

Nein, gar nicht. Sex ist schließlich Sex. Außerdem war es natürlich interessant, schwulen und lesbischen Sex zu sehen. Das hat ja auch eine bildende Komponente. Wann sieht man das schon mal?

 

 

Macht dieses Lernen über das Leben von Schwulen und Lesben die Serie nicht auch aus?

Ja! Queer as Folk war sehr wichtig für die LGBT-Bewegung. Zum ersten Mal wurde dem schwulen Leben mehr Tiefe gegeben. So was gab es im Fernsehen davor nicht.

Welche Bedeutung hat die Serie für dich?

Wie die meisten heterosexuellen Frauen ist es vor allem die romantische Komponente der Serie, die mich fesselte.

Nachdem du dir die fünf Staffeln intensiv angeschaut hast; was ist deine Lieblingsszene?

In der dritten Staffel verliert Brian Geld und Job. Er kommt zu Debbie, sie backt einen Kuchen und sie rauchen zusammen einen Joint. Es war auch die Szene, in der die Kamera am längsten unterbrochen lief, um die Stimmung so authentischer einzufangen. Beim Testlesen der Szene [Anm.: dabei sitzen die Schauspieler um einen Tisch und lesen das Script, bevor es ans Set geht] stand der ganze Cast auf und applaudierte. Wunderbar!

 

Lynn van Houtens Buch „The Queer as Folk Companion“ ist für 38 Euro (46,99 $) plus Porto zu haben. Der Verlag ist für Bestellungen erreichbar unter der Mailadresse anteaterpress@gmail.com.

Fotos: Sanja Döttling

Fans & Fiktionen – Ein Treffen unter Fans

von Sanja Döttling

Das Internet bietet mit seinen zahlreichen Vernetzungsmöglichkeiten alles, was das Fan-Herz begehrt. Moment mal – wirklich alles? Denn hin und wieder brechen auch noch die Digital Natives zu realen Treffen mit gleichgesinnten Fans auf. media-bubble.de ist live dabei – Auf der „Queer as Folk“-Convention in Köln!


Sieben Jahre ist es her, seit die letzte Folge der amerikanisch-kanadischen Serie „Queer as Folk“ ausgestrahlt wurde. Die Serie drehte sich um das Leben und Lieben einer homosexuellen Clique in Pittsburgh. Das Remake der englischen Serie war schnell erfolgreicher als das Original und wurde fünf Jahre lang ausgestrahlt. Die Serie bekam gemischte Kritik: Auf der einen Seite lobten viele die Serie als die erste mit schwul-lesbischen Lebensgefühl, andere sehen die klischeehafte Darstellung der schwulen Feier-Mentalität und die Übertragung von heterosexuellen Männer- und Frauenrollen auf homosexuelle Beziehungen kritisch.

Trotz allem ist „Queer as Folk“ ein Meilenstein der Fernsehgeschichte. Es ist die erste Serie, die fast den gesamten Hauptcast aus homosexuellen Charakteren aufstellt. Sie beschäftigt sich auch mit sozial relevanten Themen wie Homophobie, HIV und AIDS, Coming-Out, und Regenbogenfamilien.

 

Doch die fünf Staffeln der Serie sind den Fans nicht genug: Nächstes Wochenende startet in Köln die „Rise’n Shine“-Convention zur Serie. Es werden sich aber nicht nur Fans aus Deutschland  im Maritim-Hotel treffen, auch die Schauspieler werden kommen. Dabei hält sich die Veranstaltung auch an den zweigeteilten Grundton der Serie. Zum einen wird gefeiert, es gibt Autogramme, Fotogelegenheiten und Q&As (Fragerunden) mit den Stars. Auf der anderen Seite wird „Rise’n Shine“ auch einen ernsteren Unterton haben. Wie in der Serie werden Themen wie Mobbing, der Umgang mit Vorurteilen und Homophobie aufgegriffen.

Unter Gleichgesinnten

Zu den Teilnehmern der Convention gehört auch Faina. Sie geht in Lingen zur Schule und hat von der Convention über die Social Network-Plattform vk.com erfahren. Sie ist seit über einem Jahr Fan der Serie Queer as Folk. „Es ist einfach so mitreißend, man ist da irgendwie mittendrin vom Anfang an.“ Es ist die erste Serie, die sie sich durchgängig anschaute. „Hier sind die Story und die Charaktere ein Meisterwerk an sich. Außerdem ist die Serie doch recht ungewöhnlich und sehr spannend“, sagt sie.

Auf der Convention hat man die einzigartige Möglichkeit, die Schauspieler und Idole einmal hautnah zu erleben. Das hat natürlich auch seinen Preis: 200 Euro kostet eine der billigsten Varianten für zwei Tage, mit einem Schauspielerfoto. Wer zusätzlich noch Autogramme von den Schauspielern oder eine Partynacht mitbuchen will, zahlt extra.  Für 850 Euro gibt’s die Luxusvariante mit allen erdenklichen Vorteilen.

Viel Geld, auch für die Schülerin Faina. „Tja,und die Frage mit dem Preis ist schon etwas ’schmerzhaft'“, sagt sie, „aber dafür ist es einmalig und Köln ist ja so nah. Ich meine, die hätten die Convention auch gut in Los Angeles veranstalten können. Und da sie hier ist, möchte ich schon dabei sein.“

Auf welchen Teil der Veranstaltung sie sich am meisten freut? „Ich glaube, das Orga-Team hat seine Arbeit so gut geleistet, dass man sich auf die Con als Ganzes freuen kann. Und ein Stück weit lassen wir uns ja auch gern überraschen!“ sagt sie.

Zusammen Fan sein

Conventions haben seit jeher einen sozialen Faktor. Sie bieten die Möglichkeit, sich mit anderen Fans auszutauschen und Ansichten zu teilen. Seit der ersten „World Science-Fiction Convention“ 1939 sind solche Treffen fester Bestandteil der Fan-Communities. In den 60er Jahren kamen die ersten Star Trek Conventions hinzu, heute gibt des die Treffen zu allen Filmen und Serien, wie zum Beispiel My little Pony und Doctor Who.

Auch für Faina wird nächstes Wochenende das Treffen mit Gleichgesinnten eine Rolle spielen. „Man lernt ja auch neue Leute kennen durch so was, das ist ja auch nicht gerade unwichtig“, sagt sie. Faina wird alleine zur Convention gehen – es dort aber nicht lange bleiben. Sie sagt: „Wir haben vor, uns als russische Gruppe irgendwo zu treffen und dann gemeinsam unterwegs zu sein, aber ich weiß nicht so genau inwieweit das bei der Menge an Leuten umsetzbar sein wird.“

Was sonst noch auf der Rise’n Shine-Convention in Köln passieren wird, erfahrt ihr live ab Donnerstag hier auf media-bubble.de!

Dschungel – und jeder schaut zu. Ein Plädoyer.

von Alexander Karl

Ja, ich gestehe: Ich schaue das Dschungelcamp. Mehr noch: Ich schaue es mit Freude! Ja, ich gebe ganz offen zu: Ich mag es, gescheiterten Pseudo-Schauspielern/Musikern/Models/Selbstdarstellern/Alleinunterhaltern/Fußballern/Rabenvätern zuzusehen, die für maximal zwei Wochen von RTL dafür bezahlt werden, in Australien zu leben. Und damit bin ich auch nicht alleine. Denn 6,5 Millionen andere tun es mir gleich und ergötzen sich über… ja was eigentlich?

Warum Dschungelcamp?

Dschungel – dieser hier aber ohne Camp.

Warum schaut man eigentlich „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“? Wegen der mehr oder weniger bekannten Promis? Dieser Hut ist sowas von alt, aber noch immer nicht aus der Mode. Natürlich leben im TV-Dschungel weder Dieter Bohlen, Veronica Ferres oder sonstige A-Klasse-Promis. Zum einen sind sie dafür (noch) zu gut im Geschäft, zum anderen wäre es auch langweilig. Wir wollen gescheiterte Existenzen sehen, wir wollen von oben herab auf diese Gruppe schauen, die Schulden haben, einfach mal wieder im Fernsehen sein möchte oder warum auch immer sie ins Camp ziehen. Wer will denn schon Sigmar Gabriel, Angela Merkel und Christian Wulff dabei zusehen, wie sie politisch korrekt, humorlos und als Vollprofis Bohnen zubereiten und jeden Kommentar vorab auf die Goldwaage legen?

Doch neben der Befriedigung des menschlichen Voyeurismus wäre da noch etwas, was im Dschungel nicht zu kurz kommt: Die unglaubliche Spitzzüngigkeit von Dirk Bach und Sonja Zietlow. Sprüche wie „Wenn du bei Google ’nackt‘ eingibst, dann kommt da ‚Meinten Sie Micaela Schäfer‘?“ oder „Wenn man die Narben von Micaela sieht, dann hätte man ihr sagen sollen, dass Doktor in Polen ein ganz normaler Vorname ist“ gehen unter die Gürtellinie – aber das weiß jeder der Promis, der sich nach Australien fliegen lässt. Gerade auch bei Micaela Schäfer, Ex-Germany’s-next-Topmodel-Kandidatin, erweckt den Anschein, dass sie ihr Image ganz bewusst pflegt. Wieso sonst würde sie Unterwäsche tragen, die eigentlich zu unrecht als solche bezeichnet wird? Das Dschungelcamp ist, wie Dirk Bach sagt, die Vermittlung von Langzeitarbeitlosen – und das vielleicht sogar erfolgreicher, als es das Arbeitsamt schaffen würde. Ross Anthony, ehemaliger Popstars-Castingband-Sieger, kann davon ein Lied singen: Seit seinem Sieg im Dschungelcamp ist er – wie andere auch – dick im Geschäft.

Doch sich nur über die Pseudo-Stars lustig zu machen, wäre für Zietlow und Bach zu langweilig – sie schießen gegen alle und jeden. So sagte Zietlow: „Das war unsere teuerste Dschungelprüfung, die wir uns auch nur deswegen leisten konnten, weil uns ein befreundeter Unternehmer 50 000 Euro reingepumpt hat.“  Darauf Bach: „„Danke, lieber Herr Maschmeyer! Er hat wohl gedacht, ,Fahrstuhl zur Hölle‘ wäre das neue Buch vom Bundespräsidenten.“ Auch die miesen Quoten von Harald Schmidt werden veralbert, das ZDF und schlussendlich natürlich auch man selbst. Denn ohne Selbstironie kommen Bach und Zietlow nicht aus.

Offenheit und Ehrlichkeit

Nein, das Dschungelcamp ist nicht die Tagesschau, aber das soll sie auch gar nicht sein. Über die Sinnhaftigkeit eines solchen Promi-Zeltlagers darf gerne debattiert werden, Fakt aber ist: Es wird geschaut. Und nicht, weil die Prüfungen exorbitant ekelig, die Stars unglaublich spannend oder das Konzept innovativ ist – sondern, wie das Hamburger Abendblatt schreibt, die Show herrlich offen und ehrlich ist. Wenn Ex-Tic-Tac-Toe-Sängerin Jazzy sagt „Ich bringe gerade keine CD raus, ich drehe keinen Film, und trotzdem bin ich hier“ oder Vincent Raven, Sieger von The-next-Uri-Geller, nach dem Fall in eine Brühe aus toten Tieren von sich selbst angewidert ist und meint: „Ich bin nicht in Scheiße gefallen – ich bin Scheiße, verstehst Du?“ dann ist das einfach nur ehrlich. Wenn Momo-Darstellerin Radost Borkel mit Brigitte Nielsen darüber redet, wie sie an die falschen Männer geraten sind oder Vincent Raven sich weigert, „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ zu sagen, weil er sich nicht als Star sieht, dann ist das, genau: ehrlich. Und toll. Mit den Worten des Hamburger Abendblatts: „[D]as sollte mal einer wagen, der auf der „Wetten-dass“-Couch Platz nimmt.“

Richtig ist das. Und all jene, die sich als zu intellektuell und über den Voyeurismus erhoben sehen, den sei erneut mit den Worten des Hamburger Abendblatts gesagt:

Es gibt Gewinner, Verlierer und Opfer. Samuel Koch ist so eines, der sitzt jetzt querschnittsgelähmt im Rollstuhl. Wer das alles (als Zuschauer) unerträglich findet, sollte es trotzdem wissen, wenn er seinen Fernseher für die „gute“, für die unschuldige weil saubere Unterhaltung einschaltet.

Übrigens: Aktuelle Zahlen belegen, dass gerade bildungsaffine Menschen das Dschungelcamp schauen – teilweise sogar eher als die Tagesthemen.

Foto: flickr/WohinAuswandern (CC BY 2.0)

SWR Bestenliste Januar

von Anna Dudenhausen, Sanja Dötting, Nadine Schmid, Arianne Schmitt

Weitere Projekte der Science-Bubble 2011/12 gibt es hier.

Social Web im Jahr 2012

von Alexander Karl

Auch im Jahr 2012 wird das Social Web wieder eine große Rolle für User und Unternehmen spielen – das ist klar. Doch wie könnte das Social Web sich im nächsten Jahr verändern? media-bubble.de nennt die Meinung von Experten und schaut zurück auf das Jahr 2011.

Trends 2012

David Armano ist Vizepräsident des Bereichs Global Innovation & Integration bei Edelman Digital – kurz: Er hat Ahnung von dem, was er sagt. So lag er bereits im letzten Jahr mit seiner Vermutung richtig, dass Google gegen Facebook zurückschlagen wird. Google+ war das Ergebnis. Und was prophezeit Armano für das Jahr 2012?

1) Convergence Emergence.

Social Media wird nach Armano noch transparenter und allgegenwärtiger. Er nennt beispielsweise Domino’s Pizza, die die Kundenkommentare ungefiltert auf dem Times Square einblenden lassen. Klar, so etwas bringt Gefahren für Unternehmen, die nicht kundenfreundlich sind. Wer aber Service groß schreibt, kann sein Image noch weiter verbessern. Außerdem nennt Armano Coca Colas Experiment für einen Freizeitpark, mittels Chips den Aufenthaltsort bei Facebook zu posten. Wie beim Ausleihen von Büchern in der UB kann so digital gepostet werden, was man macht. Aber es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass zu viel Transparenz bei den Aufenthaltsorten für Langfinger ein gefundenes Fressen sein kann…

2) The Cult of Influence.

Armano meint, dass nicht nur Stars durch die Medien Menschen beeinflussen können, sondern Dank der Social Media nun jeder andere beeinflussen kann, beispielsweise mittels Posts bei Facebook. Auch hier spielen dann Reichweite und Glaubwürdigkeit eine Rolle. Und damit wird man auch für Unternehmen interessant. Das Prinzip ist in der Medienwissenschaft aber schon lange bekannt  unter dem Terminus Meinungsführerschaft.

3) Gamification Nation.

„No we’re not taking about video games. Rather, game-like qualities are emerging within a number of social apps in your browser or mobile device. […] Primarily, gamification has been used in consumer settings, but look for it in other areas from HR, to government, healthcare and even business management. “ Klingt ein bisschen nach spielerisch lernen. Keine schlechte Idee, weil Wissensvermittlung in Spielen wohl eher Spaß macht als stures Pauken.

4) Social Sharing.

Klar – mittlerweile kann alles geteilt werden. Egal ob bei der BILD oder bei Amazon: Der User kann zeigen, was er gelesen, gekauft oder bestellt hat. Damit kann man seine virtuellen Freunde schnell informieren und vielleicht sogar etwas angeben, wenn man schon wieder bei Amazon bestellt hat.

5) Social Television.

Armano nennt es „Social Televison“ und meint damit die Einbindung von Social Web-Angeboten in das „normale“ Fernsehen. In den USA kann man das mittlerweile bei X Factor oder auch The Voice beobachten. In Deutschland ist man da noch nicht so weit, hier geht derzeit wohl The Voice of Germany am weitesten, aber das ist für amerikanische Verhältnisse nun wirklich keine Revolution.

6) The Micro Economy.

Crowdsourcing ist eine mittlerweile auch in Deutschland beliebte Gangart, um Projekte zu finanzieren, in dem jeder der will ein wenig spendet – das probieren derzeit auch die Stormberg-Macher, um die Serie auf die Kinoleinwand zu holen. Armano sieht darin etwas Gutes: „These examples may point to a new future reality where economic value is directly negotiated and exchanged between individuals over institutions.“

Zwischen Ignoranz und Hoffnung

Armano hat die Trends für 2012 beschrieben und wird damit – so meine Vermutung – größtenteils ins Schwarze treffen. Auch in Deutschland werden Social Sharing und Social Televison eine immer wichtigere Rolle spielen. Doch dafür bedarf es in so manchem Medienschaffenden ein Umdenken – das zeigen aktuelle Studien. So verriet der Social Media Trend Monitor 2011, dass gerade auch Journalisten für ihre Arbeit kaum auf Social Media setzen.

Gleichzeitig aber vertrauen die Blogger den Journalisten den klassischen Medien und ziehen sie in 99 Prozent der Links als Quelle heran – das ergab eine US-Studie.

Und wem Vertrauen die Facebook-Nutzer? Den Infos von Freunden. So führte der deutsche „Social Media Atlas 2011“ zu Tage, dass „die Mehrheit (67 Prozent) äußert großes Vertrauen in Informationen, die von den persönlichen Kontakten stammen. Bei knapp jedem Vierten (24 Prozent) hat eine Empfehlung aus dem privaten Netzwerk sogar schon mal zu dem Kauf eines Produkts geführt.“ Armour würde an dieser Stelle wohl begeistert nicken. Denn das entspricht so ziemlich dem, was er „Cult of Influence“ nennt. Wir dürfen gespannt sein, wie sich die Social Media 2012 weiterentwickeln.

Foto: flickr/webtreats (CC BY 2.0)