Superhelden in Zelluloid  – Teil 1

Superhelden in Zelluloid – Teil 1

von Marius Lang;

Illustration von Henrike W. Ledig

 

Comic-Helden auf der großen Leinwand. Was heute, mit dem riesigen Filmuniversum von Marvel seinen vorläufigen Höhepunkt findet, hat seine Anfänge schon in den frühen 40er Jahren. Und aus Witzfiguren in flatternden Capes wurden bald die tiefgründigen Helden, die heute jeder kennt.

 

„Heilige Filmmagnaten, Batman!“

Den ersten Realfilmauftritt lieferte seinerzeit ein Held, den heute nur wenige kennen. Er war aber wegen seiner frühen Filmadaption erfolgreicher als Superman: Captain Marvel. 1941 erschien Adventures of Captain Marvel, eine Sammlung von Kurzfilmen um den namensgebenden Captain. Ähnliche Kurzfilmsammlungen erschienen später unter anderem auch für andere Helden wie Captain Marvels wichtigsten Konkurrenten: Superman (1948).

Dieser bekam schließlich auch einen abendfüllenden Film, Superman and the Mole Man (1951) und eine TV-Serie (1952-1958), beide mit George Reeves in der Hauptrolle. Besser erinnert man sich allerdings an den ersten großen Filmauftritt samt TV-Serie des dunklen Ritters: Batman hält die Welt in Atem (1966)  und die Serie Batman (1966-1968) mit Adam West als Titelheld und Burt Ward als Sidekick Robin erfreuen sich bis heute einer großen Fangemeinde. Sie überzeugen durch viel, gewollten und ungewollten, Humor und Selbstironie und einige ungewollt absurdere Momente.

 

„Christopher Reeve is, and forever will be, Superman.“ (Richard Donner)

1978 schaffte Richard Donner etwas, dass viele ihm nicht zugetraut hätten. Eine ernste, der Vorlage getreue Realfilmadaption des größten Helden seiner Zeit. Superman, mit Christopher Reeve in der Titelrolle des Clark Kent/Superman, war nah an der Vorlage und schaffte es, eine sehenswerte Symbiose zwischen Action, Humor und Liebesgeschichte herzustellen. Der Erfolg des Films veranlasste das Studio, drei Sequels zu drehen. War die erste Fortsetzung des Films noch sehenswert, so war ein Verfall der Qualität schnell bemerkbar. So sehr, dass Superman 4: Die Welt am Abgrund (1987) heute als ein Musterbeispiel eines missratenen Comicfilms gilt.

Abgesehen von Supermans Kinofilmen waren damals Realverfilmungen von Comichelden keine Allzweckwaffe der Studios. Superman verzeichnete beim allgemeinen Publikum vor allem Erfolge, weil er schon damals eine amerikanische Ikone war. Daneben waren Comichelden mehr im Fernsehen vertreten, wie die Serien zu Marvels The Incredible Hulk und DCs Wonder Woman. Doch ähnlich wie die Batman-Serie blieben auch diese TV-Adaptionen heute vor allem wegen des oft ungewollten Humors und der abstrusen Ideen in Erinnerung, wenngleich kaum eine Superhelden-Serie an den Spaß von Adam Wests Batman herankommt.

Interessanterweise war es dann eine erneute Interpretation des dunklen Ritters, die der Comicverfilmung zu neuem Schwung verhalf.

 

Dunkel, dunkler, Batman!

Tim Burton hauchte 1989 dem wieder mal angestaubten Comicfilm neues Leben ein. Zuvor hatte Frank Miller mit dem Comic The Return of the Dark Knight einen neuen, weitaus düsteren und fragwürdigeren Batman in die Comicszene eingebracht und später mit Batman: Year One die Origin-Story des Helden neu erzählt. Auf der anderen Seite hatte Alan Moore 1988 die Geschichte und den Charakter von Batmans Erzfeind  The Joker im Comicband The Killing Joke neu interpretiert. Diese modernisierten Versionen von Held und Bösewicht dienten als Vorlagen für Batmans Rückkehr auf die große Leinwand.

Und das mit Erfolg. Burtons Batman (1989) mit Michael Keaton als Titelfigur und Jack Nicholson als seinem Erzfeind Joker war bis in die späten 2000er, der erfolgreichste Film auf Basis eines DC-Comics. Diese modernisierte Version stellte, nach Thomas Ballhausen und Günther Krenn in Buch „Comic. Film. Helden“, das Handeln des Protagonisten als Vigilant zwischen Gesetz und Illegalität in den Vordergrund. Hauptangriffspunkt des Filmes ist das Doppelleben von Bruce Wayne und Batman, hinter dem sich eine völlig zerbrochene Persönlichkeit verbirgt. Diese Interpretation steht im Gegensatz zu früheren Adaptionen, in denen Batman  als moralisches Vorbild und zutiefst guter Held dient. Und weil die neue Version beim Publikum so gut ankam, folgte natürlich schon bald eine Fortsetzung. Batmans Rückkehr (1992) jedoch trieb die dunkle Version des Helden noch weiter: Der Film war wesentlich brutaler und verstörender und eröffneten Burtons sehr seltsame Ansichten des Helden. So tötet Batman beispielsweise relativ gleichgültig kleinere Schläger, was der Natur der Figur eigentlich komplett entgegengesetzt ist.

Und auch das Publikum nahm den Film bei weitem nicht so gut auf wie den ersten Teil, sodass Burton schließlich abgesägt wurde. Sein Nachfolger im Regiestuhl war Joel Schumacher. Batman wurde in den beiden Fortsetzungen von Val Kilmer beziehungsweise George Clooney dargestellt. Dabei gilt vor allem der vierte Film, Batman & Robin (1997) oft als schlechtester Comicfilm aller Zeiten, was natürlich nicht stimmt. Zwar ist der Film furchtbar, doch nicht die Spitze des Schlechten. Dennoch war die Enttäuschung, die Fans auf die Barrikaden trieb und Anfeindungen gegen den Regisseur generierte (unter anderem wegen der berüchtigten Nippel auf Batmans Kostüm – als ob der Film nicht wesentlich größere Probleme gehabt hätte). Daneben leisteten allerdings auch weniger bekannte Filme wie Steel Man (1997) ihr übriges, um die Mission: Comicverfilmung wieder in de Untiefen der Schubladen der Filmproduzenten versinken zu lassen. Schließlich lag der Comicfilm wieder einmal auf Eis. Im neuen Jahrtausend warteten schon Menschen, Supermenschen, Mutanten, Helden aller Art, um endgültig ihren Siegeszug auf der Leinwand anzutreten.

 

Fortsetzung folgt!

Zum Thema:

  • Tim Burton: Batman (1989), Batmans Rückkehr (1992)
  • Richard Donner: Superman (1978)
  • Richard Lester/Richard Donner: Superman II – Allein gegen Alle (1980)
  • Leslie Martinson: Batman hält die Welt in Atem (1966)

Foto (Hintergrund): image.net/ Marvel Studios

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