Literatur im Fernsehen? Unsexy!

von Alexander Karl

Literatur gibt es im Fersehen (fast) nicht mehr. Das ‚Literarische Quartett‚ ist seit über zehn Jahren Geschichte und doch vor allem Dank Marcel Reich-Ranicki als die Literatursendung schlechthin präsent. Aktuell gibt es zwar ‚Das blaue Sofa‚ im ZDF und eine Hand voll anderer Angebote in der ARD – aber wer schaut die schon? Sie laufen am späten Abend und sprechen eine Zielgruppe an, die sowieso schon liest und dazu nicht unbedingt animiert werden muss. Trotzdem sind die Quoten schlecht. Passen Bücher und Fernsehen einfach nicht zusammen?

Bücher im Fernsehen – zwei Welten?

Wenn man nicht gerade zielsicher die Literatursendungen einschaltet oder plötzlich bei ihnen aufwacht, bekommt der  Otto-Normal-Verbraucher von Literatur im Fernsehen nichts mit. Gerade bei den Privaten spielt Literatur keine Rolle, außer, wenn Philipp Lahm ein Buch schreibt und darüber bei Stern-TV berichtet wird. Aber auch die Öffentlich-Rechtlichen lassen die Buchkultur – außerhalb ihrer im Sendeplan integrierten halben Stunde – nur selten aufblitzen. Etwa dann, wenn Johannes B. Kerner oder andere „Talkmaster“ prominente Gäste wie Eva Hermann begrüßen und über ihre (Skandal-)Bücher sprechen. Das war’s.

Aber warum findet man so selten Literatur im Fernsehen? Die FAZ sagt, das Fernsehen sei einfach kein Medium für die Literatur:

Doch das eigentliche Problem liegt woanders. In vielen Redaktionen herrscht Ratlosigkeit, wie man so grundverschiedenen Medien wie Literatur und Fernsehen am besten zusammenbringt. Welches Konzept könnte formal und inhaltlich Programmmacher, Zuschauer und Branchenkenner gleichermaßen überzeugen? Gesprächsrunden oder Magazin-Beiträge? Verrisse oder Empfehlungen? Lesungen oder Homestorys?

Fakt ist: Eine Castingshow kann man mit Literatur (leider) nur schwerlich machen. Bücher zu schreiben ist ein langwieriger Prozess, den man nicht in ‚DSDS‘- oder ‚Germany’s next Topmodel‘-gleiche Formate packen könnte. Und auch beim ‚Supertalent‘ wird wohl demnächst kein Schriftsteller gewinnen – was soll er denn auch tun? Sich beim Schreiben zuschauen lassen? Vorlesen? Es wäre wohl die etwas andere Castingshow, aber wohl auch eine, die es nie geben wird.

Buchclub 2.0

Oprah engagiert sich nicht nur für Bücher, sondern wie hier auch in der Politik.

Was also tun? Ein Vorschlag wird in dem gleichen FAZ-Artikel zwar genannt, aber sofort in der Luft zerrissen: Ein Buchclub à la Oprah Winfrey.  Oprah Winfrey ist in den USA in etwa Thomas Gottschalk, Günther Jauch und Stefan Raab in einer Person. Sie hat Macht. Sie hat Geld. Und ein Herz für Literatur. Mache sprechen sogar von einem Oprah-Effekt. Die FAZ aber meint:

Eines jedoch steht fest: Ein Remake von „Oprah’s Bookclub“, in der die Moderatorin das Buch ihrer Wahl in 9Live-Pose in die Kamera hält und zum kollektiven Download aufs Kindle aufruft, wird es in Deutschland nicht geben. So verzweifelt sind wir hier dann doch noch nicht.

Warum denn nicht? Bücher sind eine Ware. Waren müssen angepriesen werden. Und gerade Bücher! Sie vermitteln Kultur und Wissen. Und doch gibt es viele, die nie „Verblendung“ oder „Der Herr der Ringe“ lesen würden – gibt es ja als Film. Ein Buchclub der Marke Oprah würde Deutschland zumindest nicht schaden. Tatsächlich könnte man das, was ‚Gottschalk live‘ derzeit versucht, prima mit Büchern machen: Die Vernetzung zwischen Sendung und Zuschauer. Vor der Sendung könnte man Auszüge des Buches bei Facebook online stellen, den Autor in die Sendung einladen und ihm die Fragen der Zuschauer stellen. Oder ihm sagen, was den Leuten nicht gefällt. Und darüber diskutieren. Oder sie eine Szene des Buches nachdrehen lassen, umschreiben, vertonen und den Zuschauer so vollkommen einbinden. Die Möglichkeiten wären unbegrenzt.

Bücher sind nicht unsexy und auch nicht per se fernsehresistent. Es kommt nur darauf an, wie man sie zur Schau stellt. Und auf welchem Sendeplatz sie laufen. Aber vielleicht wird ja bald wieder einer in der ARD frei. Zumindest montags bis donnerstags kurz vor der Tagesschau. Außer, Gottschalk modelt die Sendung zu einem Oprah-ähnlichen Buchclub um. Unwahrscheinlich, das die Quoten dadurch noch schlechter werden.

Foto: Sophie Kröher, flickr/Kelly Ida Scope (CC BY-NC-SA 2.0)

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