Gekaufte Journalisten – Eine Buchkritik

Gekaufte Journalisten – Eine Buchkritik

von Sanja Döttling

Haben wir es nicht irgendwie schon immer gewusst? Dass wir belogen werden, von den Reichen und den Mächtigen, von den Medien und Meinungsmachern? Der ehemalige Journalist und Autor Udo Ulfkotte hat sich dieses Misstrauen von der Seele geschrieben. Leider ist seine Argumentation im besten Falle schwammig und seine Ansichten manchmal verwirrend und oft rechtspopulistisch.

 

Gegen die Medien? Ach, gegen alle!

Untertitel seines Buches: „Wie Politiker, Geheimdienste und Hochfinanz Deutschlands Massenmedien lenken“. Genau das versucht Ex-Journalist Ulfkotte in diesem Buch zu beweisen. Sein Hauptangriffsziel sind dabei vor allem seine ehemaligen Kollegen bei großen Zeitungen, vor allem bei der FAZ. Doch ist das Buch als allgemeiner Rundumschlag zu verstehen, denn es sind nicht nur die Medien, die kritisiert werden: transatlantische Organisationen werden ebenso angeklagt die Massenmedien zu beeinflussen wie Politiker und Geheimdienste. Irgendwie, so scheint es, ist Ulfkotte einfach gegen alle.

 

Gegen Amerika!

Seine Kritik richtet sich aber hauptsächlich gegen die amerikanische Beeinflussung der deutschen Medien und Politik. Diese sieht er nicht nur von den Geheimdiensten ausgeübt, sondern vor allem auch von den sogenannten „Thinktanks“, zu denen er neben der „Atlantik-Brücke“, dem „German Marshall Fund“ auch andere „Organisationen Westlicher Machtelite“ (S. 182) zählt, wie die Bilderberger und die Trilaterale Kommission. Ulfkotte argumentiert, dass diese „Eliteorganisationen“, in denen viele Journalisten Mitglied seien, die Meinung der Journalisten vorprägen und pro-amerikanisch beeinflussen. Da der Leser von diesen Mitgliedschaften aber nichts wisse, geschehe die Beeinflussung hinter seinem Rücken.

Im Deckmantel seiner Medienkritik wird also vor allem Amerika-Kritik betrieben – die als solche aber auch nicht ausdrücklich gekennzeichnet ist. Außerdem liefert Ulfkotte nur ein halbes Bild: gibt es denn auch solche transnationalen Beziehungen und Organisationen, von anderen Ländern aus? Oder ist es nur die USA, die so Beeinflussung ausübt? Man weiß es nicht. Seine Erkenntnisse sind dabei auch nicht neu, sondern beziehen sich auch auf eine Arbeit des Medienwissenschaftlers Uwe Krüger, wie die Nachdenkseiten schreiben.

Politische Tendenzen

Der Kopp-Verlag, in dem sein Buch erschien, verlegt wohl ganz gerne „reißerische Angstmacher“. Der Spiegel schreibt:

Mit seiner Mischung aus Rechtspopulismus, Kapitalismuskritik und Tabubrecher-Attitüde ist der Kopp-Verlag so etwas wie der Pionier des aktuellen Gegenzeitgeists – eines Geists, der sich gegen eine vermeintliche Political Correctness der etablierten Medienlandschaft richtet, weil diese angeblich ständig irgendeine Wahrheit unterdrückt.

Mit Udo Ulfkotte scheint der Verlag eine passende Erweiterung seines Autorenstamms gefunden zu haben. Ulfkotte selbst macht Werbung für die AfD , veröffentlichte auf Kopp Online die Artikel „16 Argumente, um für PEGIDA auf die Straße zu gehen“, „Deutschland: Türken blockieren größtes NRW-Bauprojekt“ oder „Multikulti in den Tod: Deutsche Opfer – fremde Täter“. Er selbst ist dabei alles andere als unabhängig und transparent was seine politische Ausrichtung angeht – damit macht er genau das, was er an den anderen kritisiert: das Verstecken politischer Tendenzen, das Verschweigen von wahren Handlungsgründen, das Auslassen wichtiger Hintergrundinformationen.

Lasche Argumentation

Ulfkottes Quellenarbeit ist dabei wohl auch nichts ganz so genau, wie Ulfkotte selbst sagt. Die Krautreporter sind einigen seiner Fehler nachgegangen: Wild interpretierte Zahlen, die er teilweise genauso wenig hinterfragt wie seine angeschwärzten Kollegen. Doch es ist nicht nur die teilweise schwierige Quellenlage. Ulfkotte zitiert und stellt fest – und überspringt dabei oft den Zwischenschritt einer Arugumentation. Am Ende steht dann keine Analyse, sondern eine Meinung auf dem Papier. Ein Beispiel:

Ulfkotte bezeichnet Thilo Sarrazin als „Volksheld“ (S. 105), weil 70 Prozent der Deutschen dessen Aussagen teilweise oder ganz zustimmen. Wählen, das vergisst er zu erwähnen, würden ihn aber nur 16 Prozent. Er sagt weiter, dass Sarrazin von den Massenmedien „vorgeführt“ wird, weil er als „Demagoge“ und „Rechtpopulist“ bezeichnet wurde. Sein Fazit: „Der dahinterstehende bösartige Dämon der Manipulation sitzt heute in fast jeder Redaktion“ (S. 105).

Diese Masche ist nicht neu: Halbwahrheiten und Vermutungen mit einem kleinen wahren Kern werden aufgebauscht, bis sie ins unkenntliche verzerrt sind. Dabei verstrickt sich Ulfkotte hin und wieder auch selbst in Widersprüche. Wie ist zum Beispiel seine Kritik an transatlantischen Organisationen zu verstehen, wenn er sich selbst im Klappentext als „Fellow des Marshall Memorial Trust“ (eine ebensolche Organisation) bezeichnet? Warum zieht er Ziate von Massenmedien zur Argumentation heran, die er als Lügner bezeichnet? Was soll man von einem ehemaligen Journalisten halten, der selbst sagt, dass alle Journalisten lügen? Ist Ulfkotte der Lügner, der die Wahrheit sagt? Und was ist seine Wahrheit?

Persönlicher Feldzug

Das Buch spiegelt nicht nur eine politische Meinung wieder, sondern auch eine sehr viel persönlichere Enttäuschung. Ulfkotte hat für die FAZ gearbeitet, behauptet, er habe aus Kriegsgebieten und Diktaturen berichtet. Stefan Niggemeier zitiert scheinen Kollegen Jan Fleischhauer aus einem Artikel für den Spiegel so:

 Jedoch kann sich keiner seiner [Ulfkottes] ehemaligen Kollegen erinnern, dass er jemals einen Auslandsposten bekleidet hätte. Wer Ulfkottes Artikel durchgeht, findet als Ortsmarke am häufigsten Frankfurt, was darauf hinweist, dass er der Heimatredaktion treuer war, als er heute meint. Tatsächlich hatte er mit einem Hausbau im Taunus, der ihn auch während der Arbeitszeit über Gebühr in Anspruch nahm, alle Hände voll zu tun.

Seine Argumentation kippt in dem Buch immer wieder ins Persönliche. Er erzählt von Aufenthalten in 5-Sterne-Hotels in Entwicklungsländern, anscheinend bezahlt von großen Konzernen. Das Elend missachtend, haben er und seine Kollegen dann wohlwollende Artikel zur Lage geschrieben.  Er gesteht sich diese Schuld nicht nur selbst ein, sondern sucht sie auch bei anderen: seinen Vorgesetzten, die diese Reisen unterstützt hätten, die aber auch seine Verletzungen aus Kriegsgebieten ungemeldet ließen. Solche Geschichten machen betroffen, doch warum sind sie Teil eines eigentlich analytischen Buches? Klaus-Dieter Frankenberger, einer der Hauptbeschuldigten, weist die gemachten Vorwürfe zurück.

 

Wegschweigen

Niggemeier hat in einem Vortrag in Tübingen ebenfalls Stellung zu Ulfkottes Buch „gekaufte Journalisten“ bezogen: Er nennt es eine „gruselige Mischung aus völligem Unsinn und total berechtigter Kritik“. Bedenklich findet er dabei, dass die Massenmedien sich eher am Rande mit dem Buch auseinandergesetzt haben. Ulfkottes Kritik – wie auch immer geartet – wurde oft mit Schweigen begegnet, obwohl es immer noch auf Platz 4 der Spiegel-Bestseller (Sachbuch) steht.

Was bleibt also von dem Werk „Gekaufte Journalisten“, geschrieben von einem bekennenden (und bereuenden?) Ex-Journalisten, der sich nun in rechtes Gedankengut hüllt? Insgesamt wirkt das Buch „Gekaufte Journalisten“ wie ein wildes Sammelsurium von Anklagepunkten, gegen die Journalisten, gegen Amerika, gegen den Euro, gegen Geheimdienste. Ankommen tut vor allem eine ganz allgemeine Aggression, die nicht ganz zielgerichtet wirkt. Das schlägt sich in einer sprunghaften, manchmal falschen und manchmal sehr individuell interpretierten Argumentation nieder, in einer Vermischung von privatem und politischen Standpunkten, und einem etwas konfusen Still allgemein. Lesenswert? Für die, die gerne dagegenhalten, und nicht gleich alles glauben, was gedruckt ist.

 

Gekaufte Journalisten. von Ude Ulfkotte. Erschienen im Kopp-Verlag. 22,95 Euro. 

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